...die Saison ist zu kurz für doofe Diskussionen.

Holstein gelang mit dem 4:0 in Dresden der höchste Auswärtssieg der Zweitliga-Geschichte. Der Fanblock feierte ausgelassen, die Freude der Mannschaft war bis in den Raum der Pressekonferenz zu hören. Weitere drei Punkte auf dem Konto in einer grandiosen Saison, deren Ausgang immer mehr Potenzial für eine ganz große Überraschung inne hat. Genau wie das sonnige Wetter, war die positive Stimmung rund um das Thema „Holstein“ bei Rückankunft in Kiel allerdings fast schon wieder gänzlich verflogen. Denn in den sozialen Medien wurden andere Dinge diskutiert.

 

Vor etwa vier Monaten tauchte das Gerücht auf: Markus Anfang wechselt nach der Saison zum 1. FC Köln. Klar, das passte irgendwie. Schließlich wohnt die Familie des Trainers in der Domstadt am Rhein und, völlig unabhängig von der Liga-Angehörigkeit, sind die Geißböcke immer noch eine größere Nummer als die Störche. Um die Konzentration auf die aktuelle Spielzeit nicht zu gefährden, wurde sich von offizieller Kieler Seite aber „nicht an Spekulationen beteiligt“. Weiter hieß es, „von Spiel zu Spiel denken“. Die Mannschaft bekam kein Alibi für etwaige schlechte Leistungen geliefert.

 

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Die Ruhe stellte sich aber nur bedingt ein, denn Gerüchte haben viel mit Pop-Up-Fenstern gemein. Der Blick soll eigentlich auf etwas anderes gerichtet sein, geht aber nicht, weil immer wieder so ein nerviges Teil erscheint. Es wird weggeklickt, doch beim nächsten Mal ist es wieder da. Brauchen tut es dabei niemand. Und genau so tauchten in schöner Regelmäßigkeit die neuesten Anfang-News auf, die Erklärung für die Sieglos-Serie war unter anderem das fehlende Dementi des Trainers.

 

Nun könnte die Schuld bei der „Sensationsgeilheit“ der Medien gesucht werden, jede Zeitung möchte hinterher sagen können: Seht ihr, bei uns habt ihr es als erstes gelesen. Doch in Zeiten von Social Media sind die Übergänge fließend und so beteiligte sich auch der „Rest der Bevölkerung“ ebenfalls an den Spekulationen und machte schon Störfeuer aus dem Westen aus – für den Fall einer möglichen Relegation zwischen Kiel und Köln sollte der Rivale aus dem Norden geschwächt werden (wobei hier immer die Frage ist, ob das nicht viel destruktiver für den 1. FC gewesen wäre). Einerseits wurde sich immer wieder über die „Lügenpresse“ aufgeregt, andererseits wurde jedes kleine Teilchen eines Gerüchts willig aufgegriffen, waren die Facebook-Timelines immer wieder gut gefüllt mit Markus Anfang, Markus Anfang, Markus Anfang. Dabei regierte gerne mal das „Stille-Post-Prinzip“.

 

„Anfang wechselt nach Köln“
„Anfang kriegt Fünf-Jahres-Vertrag“
„Anfang nimmt fünf Innenverteidiger von der Förde mit“
„Anfang tauscht das Kölner Maskottchen gegen einen Storch aus“
„Anfang und Cichon auch in Köln eine WG“

 

Was die Spatzen nicht alles vom Dom pfiffen – oder war es doch nur Rainer Calmund? Der sorgte in der vergangenen Woche zumindest noch einmal für mächtig neuen Wirbel. Holstein reagierte wieder mit dem üblichen: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“ In der Endphase einer Saison, die sportlich herausragend ist, sollte auch nur das Sportliche wichtig sein. Zwischen den Zeilen darf jeder das lesen, was er oder sie will, nur sollte die Leistung des Teams eigentlich den größeren Platz einnehmen. Die Mannschaft hat es am Sonnabend beeindruckend vorgemacht: Aufs Wesentliche konzentrieren und Großes erreichen.

 

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Holstein steht vor einer riesigen Sensation (eine „normale“ Sensation ist die Saison sowieso schon) und alles worüber gesprochen wird, ist was in der Sommerpause passieren könnte? „So ist das Geschäft“, wird gerne angemerkt – so muss es aber nicht sein. Auf dem Platz heißt es „von Spiel zu Spiel denken“ - nehmen wir uns doch alle ein Beispiel daran. Oder um es mit dem alten, römischen Ausspruch zu sagen: „Carpe diem“ - genieße den Tag. Denn in einer Woche steht ein weiterer Festtag im Holstein-Stadion an. Und die Saison ist zu kurz für doofe Diskussionen.

 
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