Fußball, Familie, Flensburg und dazu Holstein als "riesiges Los" - das sind die Koordinaten im Leben von Utku Sen. Vor einem Jahr unterschrieb der heute 19-Jährige einen Profivertrag bei den Störchen. Was folgte war ein Jahr mit Höhen (Torschützenkönig in der U19-Bundesliga) aber auch schwierigen Phasen. Im Trainingslager im spanischen La Manga stand Utku CCK Rede und Antwort.

 

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CCK: Utku, nachdem du im vergangenen Jahr verletzt aus dem Trainingslager abreisen musstest, erst einmal die Frage, was deine Sprunggelenke machen.

Utku (lacht): Deutliche Steigerung, sehr sehr deutlich. Ich habe jetzt ein Jahr im Profibereich absolviert, mittlerweile bin ich das harte Training gewöhnt und komme immer dichter an die Abläufe heran.

 

CCK: Und im Trainingslager ist es wahrscheinlich nochmal härter als in einer normalen Trainingswoche...

Utku: Das ist schon anstrengender. Alleine deshalb, weil es in „normalen“ Wochen im Höchstfall zwei Einheiten am Tag sind, hier kommen wir mit der Aktivierung am Morgen auf drei Trainingseinheiten. Eigentlich ist es fast nur Training und Fußball – das merkt man schon in den Knochen.

 

CCK: Ungewöhnlich dürfte es für dich ja gewesen sein, neun Tage lang in einer zusammengestellten WG zu wohnen...

Utku: Das läuft aber extrem super. Auf einem Zimmer bin ich mit Atakan Karazor. Zuerst dachte ich, dass wir für eine gut gefüllte Mannschaftskasse sorgen würden. Aber gar nicht – wir waren kein einziges Mal zu spät und so soll es auch bis zum Ende bleiben.

 

CCK: Mit den U23-Spielern Sander, Spohn und Mohr sind noch drei weitere „Jungspunde“ mit an Bord. Nimmst du die an die Hand oder ist es eher so, dass du noch von den Älteren oder einem Spieler an die Hand genommen wirst?

Utku: Es ist kaum zu glauben, aber obwohl drei Spieler aus der U23 mit dabei sind, bin ich immer noch der Jüngste. Insofern werde ich von der Mannschaft mitgenommen, was ich sehr wichtig finde. Es läuft über das ganze Team, jeder setzt sich ein, jeder gibt dir Tipps. Wenn ich in einer bestimmten Situation einen Fehler mache, sagt mir mein Gegenspieler gleich, was ich das nächste Mal besser machen kann.

 

CCK: Wie siehst du denn deine persönliche Entwicklung im ersten Jahr bei den Profis?

Utku: Das erste halbe Jahr verlief wirklich erfolgreich, dann gab es aber doch einige Schwankungen. Meine persönlichen Trainingsleistungen verschlechterten sich, ich war nicht mehr im Kader. Aber auch das gehört zum Fußball dazu. Es hat ein wenig gedauert, bis ich im Profifußball angekommen bin. Das habe ich jetzt, glaube ich, aber geschafft und will der Mannschaft und dem Trainer zeigen, dass ich da bin.

 

CCK: Zwischendrin gab es ja auch einige Gerüchte, dass ganz große Namen bei dir angeklopft hätten. Geht so etwas völlig spurlos an einem jungen Spieler vorbei oder hat es dich dann doch beeinflusst?

Utku: Zunächst einmal hab ich bei Holstein bis 2019 Vertrag, von daher ist es mir egal gewesen. Aber es ist völlig normal, so ist das Geschäft – das soll jetzt nicht arrogant rüberkommen – wenn man der beste U19-Torschütze in Deutschland ist. Du nimmst das schon wahr, auf dem Platz interessiert es dich aber nicht. Ich wollte einfach mein Spiel spielen und es wirklich in den Herrenbereich schaffen. Zum Glück habe ich auch einen guten Berater.

 

CCK: Inwiefern ist die erfolgreiche Hinrunde des Teams für dich ein zusätzlicher Ansporn gewesen?

Utku: Was die Mannschaft zuhause und auswärts über die gesamte Hinrunde gezeigt hat, das macht einen schon verdammt heiß. Da willst du dabei sein, ein Teil des Teams sein – auf und neben dem Platz.

 

CCK: Hast du eigentlich einer Art „Road Map“, wo du in einem, in fünf, in zehn Jahren sein willst?

Utku: Nein, so etwas gibt es gar nicht. Das ist auch unmöglich zu planen. Natürlich habe ich Träume und Wünsche. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich in fünf Jahren bei Real Madrid spielen wollen würde, wäre die Antwort natürlich klar. Aber darum geht es nicht. Wichtig ist, von Tag zu Tag zu denken und jeden Abend in den Spiegel zu schauen und sich zu fragen: Hast du alles abgerufen, was möglich ist, um besser werden. Nur so könne Träume auch erreicht werden.

 

Holstein Lamanga Freitag 12.01.2018 16 26 42

 

CCK: Wer sich ein wenig mit dir beschäftigt, bekommt schnell mit, welche große Rolle deine Familie für dich spielt. Ist Holstein für einen Flensburger Jung da nicht eigentlich ziemlich optimal?

Utku: Besser geht es gar nicht. Ich habe mit Holstein einfach ein riesiges Los gezogen, dass ich einen Profivertrag so dicht an meiner Heimat Flensburg unterschreiben konnte. Ohne Familie geht bei mir gar nichts, das habe ich in dem Jahr gemerkt, in dem ich in der Jugend von Hannover 96 gespielt habe.

 

CCK: Dann freust du dich auch sicher schon , deine Familie jetzt wiederzusehen?

Utku: Meine Mutter und meinen Vater – auf jeden Fall. Und auch ein bisschen meinen Controller... (lacht)