Was bewegt uns? Worüber ärgern wir uns, worüber freuen wir uns? Was gibt es Neues? Und wie war es eigentlich damals? Das alles und noch viel mehr findet der CCK-Leser hier:

 

 

...oder: Im Haus des Glücks ist der Warteraum das größte Zimmer

 

Wer die Auftritte der KSV als Fan schon auf Dörfern wie Rehden und Meuselwitz verfolgt hat, der weiß, was es heißt, nicht im Mittelpunkt des bundesweiten Interesses zu stehen. Manche gehen sogar so weit, die Anhänger der Störche seien eine Schicksalsgemeinschaft. Vereint in dem Gewissen, dass es eine Saison ohne Aufstiegs- oder Abstiegskampf wohl nie geben wird, dass der Club in den wichtigen Momenten irgendwie doch wieder versagt. Versagen? Doch nicht in dieser Saison! Die Mannschaft spielt begeisternden Fußball und sorgt überall für positive Schlagzeilen. Zumindest sportlich. Es wirkt auch charmant, wenn ein kleiner Verein ohne viel Geld die Fußballlandschaft so richtig durcheinanderwirbelt. Oder, dass das alles ohne große Umstrukturierung auf der Geschäftsstelle immer noch alles funktioniert.

 

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Aber es klappt eben nicht alles. Aber das ist kein neuerliches Phänomen. Schicksalsgemeinschaft bedeutet nämlich nicht nur das Fiebern am Spielfeldrand, Schicksalsgemeinschaft bedeutet auch Galgenhumor beim Versuch, sich als Dauerkarteninhaber seine Relegationskarte zu besorgen. Wer sich am 14.05. auf dem Vorplatz zu den anderen wartenden Dauerkarteninhabern- und Mitgliedern gesellte, der dürfte seinen Enkeln vielleicht noch eher über dieses Erlebnis berichten, als über das am Sonntag vergangene grandiose Spiel gegen Braunschweig. Nicht nur, dass der der Verein eine völlig unzureichende Zahl an Ticketschaltern bereithielt, offensichtlich hatte auch Ticketpartner eventim keinerlei Kapazitäten vorbereitet, hunderte von Anrufen entgegen zu nehmen, welche von jenen Leuten getätigt wurden, die keinen Urlaubstag verwenden konnten oder schlicht nicht in der Nähe der Fördestadt wohnen.

 

Doch diese Anrufer saßen hoffentlich in klimatisierten Räumlichkeiten mit ausreichender Wasserversorgung. Von jenen Zuständen konnten die tapferen Fans am Westring 501 nur träumen. Schon am morgen des Vorverkaufstages fragte sich der Schreiber, wie es einigen älteren Herrschaften unter den KSV-Fans wohl ergehen würde, sollten sie noch Stunden in dieser Hitze ausharren müssen. Glücklicherweise erkannte die Schicksalsgemeinschaft das Bedürfnis der Schwächsten unter ihnen und konnte Geschäftsführer Wolfgang Schwenke eindringlich dazu auffordern, doch für einige Getränke zu sorgen, passenderweise eingefangen von shz und NDR. Dass einige Wartende nach Stunden dann auch noch auf den nächsten Tag vertröstet wurden, passt ins Bild. Aber irgendwie auch verständlich, schließlich hatten die handvoll engagierten Mitarbeiter im Ticketshop keinerlei Verstärkung.

Warum sollen für Holstein andere Regeln gelten als für andere Vereine? Das war doch lange bekannt, dass die mit dem Stadion nicht durchkommen! Die haben doch Millionen statt ins Stadion in ihren Kader gepumpt und sich damit einen sportlichen Vorteil verschafft.

 

Den "Störchen" werden im Moment genau so viele Expertenmeinungen zuteil, wie sonst nur der Nationalmannschaft. Diskussionen werden mit Leidenschaft, aber zu häufig ohne Wissen geführt. Ein nicht selten im Internet anzutreffendes Phänomen. Doch dieses Mal betrifft es eben meinen Verein. Deshalb freut die große Welle der Solidarität, trotz des wenig erfreulichen Anlasses. Tatsächlich geht es meiner Meinung nach aber um mehr als um Holstein Kiel. Vielleicht können das ein paar Menschen nach diesen Zeilen nachvollziehen.

 

Es sind schon höchst emotionale Zeiten, welche die Fans von Holstein Kiel derzeit durchleben. Gab es vor ein paar Jahren am Montagmorgen nur ein kurzes Gespräch über die Leistungen der KSV („Und, was sachst zu Holstein?“ - „Ja, müssen wir nicht weiter drüber reden.“) und das auch nur für den Fall, dass tatsächlich zwei Holstein-Fans auf einmal anwesend waren, hat sich der Verein von der Förde inzwischen zu einem 24/7-Thema gewandelt. Um es dahin zu schaffen, hätte der von der Teilnahme an der Relegation um den Aufstieg in die 1. Bundesliga gekrönte Offensivfußball der Störche schon ausgereicht. Diskussionen um den Trainer und sonstige kleine Störfeuer gab es gratis dazu – angekommen im großen Geschäft Fußball. Business as usual also?

 

Stadion

 

Nein, denn in den letzten Tagen wurde Holstein Kiel von einer so noch nicht erlebten Solidaritätswelle überrollt, als bekannt wurde, dass die Spielstätte am Westring nicht mit dem „Premiumprodukt Bundesliga“ kompatibel sei. Wohlgemerkt nur wenige Tage nachdem die Vereinsoberen mit der geplanten und glücklicherweise wieder zurückgenommenen Ausgliederung der Holstein Women nur knapp am potenziell größten Shit-Storm 2018 vorbei geschliddert waren. Nun aber zerschellte DER sportliche Höhenflug an den Auflagen der DFL. Zumindest sieht es derzeit so aus.

 

Sofort meldeten sich einige „Trolle“ im Netz. Holstein hätte sich verpokert, habe statt in Steine lieber in Beine investiert. Diese etwas irrwitzige Theorie ließ sich relativ einfach mit einem Blick auf die Etats der Liga widerlegen. Auch andere Kommentare strotzen von Unwissenheit (wobei in der emotionalen Debatte auch die andere Seite mit selbiger glänzte). Ironischerweise kamen die überflüssigsten Sprüche häufig von denjenigen, die sonst jede Gelegenheit nutzen, um ein „Scheiß DFB“ oder „Scheiß DFL“ irgendwo in den Sozialen Medien zu posten. Die Erklärung war in nicht wenigen Fällen im enttäuschenden Abschneiden des eigenen Zweitligateams zu finden.

 

Die überwältigende Mehrheit solidarisierte sich aber mit dem Traditionsverein an der Förde. Gerade deshalb, weil die KSV wirtschaftlich sich in der Vergangenheit nie überhoben hatte, kein neues Stadion „auf pump“ gebaut hatte. Die für die 2. Liga notwendigen Erweiterungen wurden auf den Weg gebracht, aber keine Luftschlösser gebaut. Dass Holstein nach nur einer Spielzeit bereits am Tor zur Bundesliga anklopfen würde, hätte realistisch keiner ahnen können.

 

DFB-Pokal kein Problem, 2. Bundesliga geht auch – nur für das Oberhaus des deutschen Fußball ist die Spielstätte nicht geeignet. Wohl gemerkt geht es nicht um Sicherheitsaspekte, nicht um die Kabinen, nicht um das Flutlicht, sondern einzig und alleine um die Anzahl der Plätze. Zugegeben, die 15.000 Plätze, wovon 8.000 Sitzplätze sein müssen, werden nicht einmal nach dem Neubau der Osttribüne erreicht. Dieser Fakt kann nicht wegdiskutiert werden. Trotzdem bleibt es aber diskussionswürdig, warum ein Stadion exakt dieses Fassungsvermögen haben muss. Der AFC Bournemouth freut sich bei 11.464 Zuschauern über „sold out“ in der Premier League, das Estadio Municipal de Ipurua vom SD Eibar mit seinen 6.285 Plätzen bereitet den Offiziellen der Primera División ebenfalls keine Sorgen. England und Spanien sind natürlich nicht Deutschland, doch zeigen die Beispiele, dass der große Fußball auch mit einem „gallischen Dorf“ leben kann, vielleicht sogar um eine interessante Geschichte reicher wird.

Falls irgendjemand es für „normal“ hält, was da gestern passiert ist: Vor sechs Jahren befanden sich beim letzten Auswärtsspiel 120 Kieler und ein Fuchs im Gästeblock des Berliner Poststadions. 2018 sind es 4.000 blau-weiß-rote Schlachtenbummler, die den Einzug in die Relegation um die Bundesliga feiern. Kann mich mal einer kneifen?

 

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Fuckin unbelievable...

5. Mai ist Weltfischbrötchentag. CCK und 1912FM fordern: Fischbrötchen fürs Holstein-Stadion!

 

Weltfischbrötchentagflyer

 

...denn ein Stadion ohne Fischbrötchen ist kein norddeutsches Stadion!

*Calcio Culinaria sucht den Markus-Anfang-Nachfolger

 

Seit Mittwoch ist es nun offiziell, dass Markus Anfang die Störche mit Ende der Saison verlassen wird. Spästens damit ist die Suche und Diskussion um den potenziellen Nachfolger auf den Trainerposten an der Förde ausgebrochen. Wir haben uns einmal einige prominente und vielleicht auch den einen oder anderen überraschenden Namen vorgenommen.

 

1. Holger Bachthaler

 

Einst für die Mannschaft des FV Illertissen in der Regionalliga Bayern und ihrer Etablierung in der Spitzengruppe der Liga verantwortlich, war der Fußballlehrer bereits nach der Beurlaubung von Karsten Neitzel ein Kandidat für den Trainerposten an der Förde. Derzeit trainiert der gebürtige Schwabe die U18 des FC Red Bull Salzburg, u.a. recht erfolgreich in der UEFA Youth League. Doch während diese Zeilen geschrieben werden, spuckt das Internet den baldigen Wechsel Bachthalers zum Regionalligisten SSV Ulm auf. Pech gehabt! 

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2. Hannes Drews

 

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Hannes Drews ist an der Förde noch bestens bekannt, sein Wechsel ins Erzgebirge liegt schließlich erst einige Monate zurück. Mittlerweile haben sich die Veilchen unter seiner Regie stabilisiert und werden wohl auch nächste Saison in der 2. Bundesliga anzutreffen sein. Fraglich, ob er seinen dort erarbeiteten Respekt schon wieder aufgeben möchte. Außerdem setzte Holsteins sportliche Leitung in der kurzen Phase zwischen Neitzel und Anfang ihn trotz Fußballlehrer-Lizenz nur auf den Posten des Co-Trainers hinter U23-Coach Ole Werner. Kein allzu großer Vertrauensbeweis.

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3. Jens Keller

 

Die Beendigung der beiden letzten Arbeitsverhältnisse Kellers erfolgten unter eher unglücklichen Umständen. In Gelsenkirchen wurde sein Job trotz der Qualifikation für Europa beendet, bei Union feuerte man ihn trotz der kleinen Distanz zur Spitzengruppe in der 2. Liga. Die Entwicklungen seiner Teams unter oft widrigen Umständen dürfte den Coach eher ins Blickfeld einiger etablierter Bundesligisten rücken und ihm im Sommer oder Herbst wieder in die oberste Spielklasse spülen. Ob sich Keller daher ernsthaft mit Holstein beschäftigen oder die sportliche Leitung ihn in Betracht ziehen würde, darf bezweifelt werden.

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4. Alexander Nouri

 

Alexander Nouri Oktober 2016

(Quelle: Wikipedia)

 

Der Buxtehuder hatte in Kiel unter Falko Götz nicht die beste Zeit in seiner aktiven Karriere, machte es als Trainer danach beim VfB Oldenburg, Werders U23 und der ersten Mannschaft des SVW umso besser. Anders als Markus Anfang bevorzugt er eher das schnelle Umschaltspiel mit raschem Abschluss. Nach seiner Beurlaubung an der Weser reiste Nouri zur Weiterbildung sportartenunabhängig um die Welt. Das ganz große Angebot aus der Bundesliga dürfte ihn nicht erwarten. Versucht er sein Glück demnächst an der Förde, vielleicht sogar mit Rafael Kazior als Assistent? Zumindest gab der Deutsch-Iraner an, ab Sommer wieder aktiv in Business einsteigen zu wollen. Und bei seinem "Praktikum" bei der SG Flensburg-Handewitt könnte vielleicht ja ein Kontakt zu Wolfgang Schwenke zustande gekommen sein.

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5. Christian Preußer

 

Bereits in ganz jungen Jahren trug Preußer Verantwortung für die Drittligamannschaft des FC Rot-Weiß Erfurt, vorher war er bereits in der Jugendabteilung der Thüringer aktiv. Auch bei seiner Beurlaubung sprach man ihm das großer Trainertalent nicht ab. In der Folge übernahm der Berliner die U23 der Talentschmiede des SC Freiburg, stieg mit seinem Team in die Regionalliga Südwest auf und mischt dort aktuell die Spitzengruppe auf. Sein Vertrag bei den Breisgauern läuft aus - bekommt der 34-jährige eine Chance im hohen Norden?

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6. Jess Thorup

 

Seit einigen Jahren mischt der FC Midtjylland mit Thorup in der Spitze der dänischen Superliga mit und stellt für Brøndby IF und den FC Kopenhagen eine echte Konkurrenz dar. Vieles davon hängt auch mit Trainer Jess Thorup zusammen, der als Spieler auch in Uerdingen und Innsbruck aktiv war, (somit der deutschen Sprache mächtig sein müsste) in Tirol sogar nur knapp vor Holsteins Trainer Markus Anfang. Als Coach war er unter anderem Förderer von Mikkel Vendelbo in Esbjerg und weißt tatktisch Ähnlichkeiten zum Kieler Noch-Coach auf. Sollte der Club aus Herning den Meistertitel holen, wäre das Ende der Fahnenstange erreicht. Versucht Thorup dann sein Glück in Schleswig-Holstein?

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7. Christian Titz

 

Noch steckt Titz mitten im wohl aussichtslosen Abstiegskampf mit dem HSV, seine Fähigkeiten stellte er aber bereits in den Monaten zuvor unter Beweis, als er aus der U23 der Hamburger ein echtes Spitzenteam mit tollem Fußball formte. Genau wie Markus Anfang bevorzugt er das 4-1-4-1 mit dominantem, offensivem Spiel. Die Ausrichtung transportierte er auch in die Bundesliga und hinterließ dort einen besseren Eindruck als Gisdol und Hollerbach, stellte eiskalt seinen Regionalliga-Sechser im Oberhaus auf. Ob der HSV mit ihm einen Neuanfang starten wird, ist ungewiss - als Nachfolger für Markus Anfang eine Stunde weiter nördlich wäre der mit Ralf Becker bekannte Mannheimer sicher nicht. Und die Ausstrahlung eines Versicherungsvertreters der Hamburg-Mannheimer sollte nicht stören sein. Als Inhaber des Dienstleistungsunternehmens "Coaching Zone – Portal für Trainingslehre und Spielkultur" und Autor mehrerer Taktikbücher ist er in der "Szene" als echter Fachmann geschätzt.

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