Was bewegt uns? Worüber ärgern wir uns, worüber freuen wir uns? Was gibt es Neues? Und wie war es eigentlich damals? Das alles und noch viel mehr findet der CCK-Leser hier:

 

 

Während die Liga dieses Wochenende in Heidenheim ran muss, gastiert bei der Zweiten mit Altona 93 am Sonntag einer der (nord)deutschen Traditionsvereine. Trotz doch längerer Abstinenz in den ganz hohen Spielklassen hat sich beim AFC eine Fanszene entwickelt und erhalten, die auf dem Liga-Level eher selten zu finden ist. Einen kleinen Einblick in die Altonaer Fanseele gewährt uns Jan, der seit Jahren auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn als der Fanzine-Schreiber und -Verkäufer bekannt ist.

Dieser Text erschien erstmals im Osnabrücker Fanzine „Monkey Business“ (Nr.8,HR 12/13) und wurde lediglich an einigen Stellen aktualisiert.

 

Die Altonaer Droogs

 

Anhänger*innen von Fußballvereinen wollen ihre Vereine erfolgreich (und schön?!) Fußball spielen sehen und die Tradition ihres Vereins in Ehre halten. Oftmals schließen sie sich zusammen, verfolgen die gleichen Ideale und treten als verschworene und etwas elitäre Gemeinschaft auf. Vielleicht ist dies einer der Gründe, warum in ihren Kreisen besonders häufig die Allegorie der Droogs aus Clockwork Orange bemüht wird. An eines der bekanntesten Abbilder der Droogs erinnert der Glücksbärchiaufkleber, den es seit einigen Jahren in Altona zu bewundern gibt.

 

Bärchen

 

Anhand dieses, für Fußballzusammenhänge etwas ungewohnten, Bildes möchte ich Euch in die Seelenwelt eines Altona-93-Anhängers entführen. Dieser Anhänger bin – und nur so macht es Sinn – ich selbst. Diejenigen, die mich oder unser Fanzine kennen, wissen, dass ich dem Sammeln von Sammelbildern verfallen bin. Und ich muss hiermit öffentlich gestehen, dass mein erstes Paninialbum kein Fußball-, sondern ein Glücksbärchialbum war.

 

Deshalb zunächst einmal ein kleiner, auffrischender Rückblick in die 1980er: Wir alle wissen noch genau, dass jedes Glücksbärchi eine eigene Farbe und ein eigenes Symbol auf dem Bauch hatte, mit dem es Glücksstrahlen aussenden konnte, um unangenehme Gefühle zu verbannen. Für genauere Infos hilft uns kurzes Wikipedieren: Die Glücksbärchis leben zusammen mit dem Wolkenwächter und kleinen, fliegenden Sternen und Herzen im Wolkenland, das aus dem Herzbärchiland, dem Wald der Gefühle und dem Paradiesischen Tal besteht. Dort oben wachen sie über die Menschen, vor allem über die Kinder. Wenn Schwierigkeiten auftreten, versammeln sich alle Glücksbärchis imHerzsaal und lesen anhand ihres Glücksbarometers die Gefühle der Menschen ab. Immer wenn jemand ein Problem hat, erscheinen die Bärchis mit ihrem Wolkenmobil oder durch den Regenbogenstrahl und helfen weiter.

 

Paradiesisches Tal

 

Das Paradiesische Tal vieler Altona 93-Fans ist die klangvolle Vergangenheit des Vereins. Im Jahr 1900 gründete Altona 93 mit 85 anderen Vereinen in Leipzig den DFB und bis zur Einführung der Bundesliga 1963 spielte man zumeist in der höchstmöglichen Spielklasse. In den 1910er und 1920er Jahren festigte der AFC seinen Ruf als eine der führenden Mannschaften Deutschlands. Dabei tanzten die Altonaer Spieler auf vielen Hochzeiten.

 

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Neben den Teilnahmen an Endrunden zur deutschen Meisterschaft tourten sie auch regelmäßig zu so genannten „Privatspielen“ durch Deutschland und Nordeuropa. In Zeiten eines sehr regionalen Ligensystems waren dies die besten Möglichkeiten an Ansehen und Geld zu gelangen. So wurde der AFC auch zu einem der ersten kommerziellorientierten Vereine in Deutschland, die professionelle Strukturen und eine überregionale Liga forderten. Ein Umstand, der kaum zur Folklore der meisten gegenwärtigen Anhänger*innen des Vereins zu passen scheint.

 

Doch zurück zu den Altonaer Spielern. Sie waren auch integraler Bestandteil der viel geschätzten Auswahlmannschaften Hamburgs, Norddeutschlands und Deutschlands. Hier bedacht zu werden steigerte das Prestige erheblich und führte, gemeinsam mit der enstandenen Massenkultur in den 1920er Jahren, dazu, dass Adolf Jäger und Erich Wentorf zu den ersten „Stars“ des deutschen Fußballs gehörten. In ihre Fußstapfen traten in den 1950er Jahren Heinz Spundflasche, Dieter Seeler und – vor allem: Werner Erb.

 

Herzbärchiland

 

Diese paradiesischen Zeiten sind nun schon seit Jahrzehnten vorbei. Das Glücksbarometer der AFCer*innen schlägt zwar immer noch deutlich aus, wenn die kleinen Sterne in schwarz-weiß-rot-geringelten Trikots das Feld betreten, doch werden diese nicht mehr ohne weiteres von jedem Kind im Land erkannt. Das rührt vor allem daher, dass unser Herzbärchiland in den letzten zehn Jahren zumeist die fünfklassige Hamburgliga war.

 

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So benötigten wir auch keinen Regenbogenstrahl mehr, um zu den Auswärtsspielen zu gelangen, sondern konnten alle Sportplätze „bequem“ mit dem öffentlichen Personen-Nah-Wolkenmobil erreichen. Vor einigen Jahren war dies noch anders. Wir bereisten zunächst ganz Norddeutschland und dann, für eine Saison, sogar denwilden Osten.

 

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So verdrängten wir auch in den entlegensten Winkeln dunkle Gefühle. Beispielsweise machten wir uns an einem Mittwochabend auf, um Prof. Kaltherz und Dr. Angst mit dem Lied „Ein bisschen Frieden auch hier in Chemnitz – und das die Menschen nicht so oft weinen...“ aufzumuntern. Doch das traurigste an dieser Saison war, dass wir für die Heimspiele unseren Herzsaal verlassen mussten.

 

Herzsaal

 

Denn der Herzsaal ist alt und war nicht gemacht für die großen Feste und Gäste der Regionalliga, sagt der DFB. Und sein kleiner Bruder, der NFV, empfand das genauso. Unser Herzsaal ist und bleibt aber die Adolf-Jäger-Kampfbahn. Der Rockstarbärchi nennt sie in unserer Vereinshymne unser Adolf-Jäger-Wohnzimmer – und das ist sie auch. Seit über hundert Jahren treffen wir uns hier alle zwei Wochen, um zu singen, zu tanzen und gemeinsam Spaß zu haben.

 

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Und das ist viel wichtiger als die Größe des Herzbärchilandes, das um den Herzsaal herum ist. Im Herzsaal treffen sich durchschnittlich etwa 1.000 Glücksbärchis und es ist noch reichlich Platz für weitere, andersfarbige Bärchis mit neuen Symbolen auf ihren Bäuchen. Gut, dass dies inzwischen auch der NFV eingesehen hat und uns nach dem Errichten einiger DFB-konformer Abgrenzungsinstrumente in unseren Herzsaal zurückgelassen hat.

 

Wald der Gefühle

 

Wenn wir so beieinander sind, fühlen wir uns ganz besonders wohl. Und wenn wir so glücklich sind, dann feiern wir das auch gern mit einem gemeinsamen Getränk. Auch wenn einige nach außen hin andere Gründe angeben. Wenn ein Glücksbärchi unzufrieden ist – etwa mit der gezeigten sportlichen Leistung oderdem Arrangement, das uns der gastgebende Verein bietet – dann hallt schon mal ein „Da muss man ja Drogen nehmen!“ aus dem Glücksbärchiblock.

 

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WM-Siege, Triumphe, begnadete Dribblings, die "Hand Gottes", Kokain, Verwicklungen mit der Camorra,... - eigentlich bietet das Leben des Diego Maradona genug große Momente, aber auch Dramen und Tragödien für mehrere Dokumentationen. Asif Kapadia schafft es, die ganze Geschichte in einem Film zu erzählen. Und das Ergebnis ist großartig.

 

Das Studio-Filmtheater am Dreiecksplatz zeigt "Diego Maradona" am Donnerstag, 12. September und Montag, 16. September, jeweils um 18 Uhr.

 

 

"Diego Maradona" ist der dritte Film des Oscar®-prämierten Regisseurs Asif Kapadia, der mit seinen Dokumentarfilmen SENNA und AMY schon mit unzähligen Preisen ausgezeichnet wurde (u.a. BAFTA, Grammy, Critics’ Choice Movie Award). Mit über 500 Stunden unveröffentlichtem Filmmaterial aus Maradonas persönlichen Archiv schaffte er ein sensibles Porträt über die legendäre „Hand Gottes“.

 

Am 5. Juli 1984 wechselte Maradona von Barcelona nach Neapel für eine Ablösesumme, die die Welt noch nicht gesehen hatte. Sieben Jahre lang fuhr Neapel mit Maradona auf der Erfolgsspur. Der meist gefeierte Fußballspieler der Welt und die hitzigste und zugleich gefährlichste Stadt Europas schienen sich perfekt zu ergänzen. Auf dem Platz war Maradona ein Genie – neben dem Spielfeld feierten sie ihn wie einen Gott. Der charismatische Youngstar führte Neapel zu seinem ersten Titel.

 

Diego konnte ein Wunder nach dem anderen auf dem Spielfeld vollbringen. Es war der Stoff, aus dem Träume gemacht sind. Aber die Realität holte ihn letztendlich ein…

 

Über 15 Jahre hat er an der Entwicklung der Holsteiner Fanszene mitgearbeitet, in den letzten Jahren als Vorsänger auf dem Zaun. Zum Heimspiel gegen Erzgebirge Aue nahm Uther zum letzten Mal das Megafon in die Hand. „Mit 29 muss man sich langsam mal auf andere Dinge konzentrieren“, sagt er. Ausschlaggebend für den „Rücktritt“ vom Podest sei aber etwas anderes gewesen. „Ich habe immer gesagt, wenn ich mich nicht mehr weiterentwickele, also in meiner Tätigkeit als Vorsänger stagniere, dass dann der Zeitpunkt gekommen ist, aufzuhören. In der letzten Saison war das schon in zwei drei Spielen so. Diese Saison habe ich es dann extrem gemerkt, dass ich mich schnell mit Dingen zufrieden gegeben habe. Ich war nicht mehr so verbissen, wie am Anfang einmal. Ich habe nicht mehr so sehr um den Support und die Lautstärke gekämpft, wenn nicht mehr weitergesungen wurde. Da muss man dann auch ehrlich zu sich selbst sein.“

 

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Der „Stab“ wird weitergegeben – trotzdem meldet sich Uther noch einmal zu Wort.

 

CCK: Moin Uther! Um die Geschichte mal ganz von hinten aufzurollen: Wie bist du eigentlich zu Holstein gekommen?

Uther: Bei dem ersten Holstein-Spiel, ich bin mir nicht mehr ganz sicher, war ich in der Saison 2001/2002 – also alleine, ohne Eltern. Das war ein Spiel gegen die BSG Sachsen Leipzig, bei dem es um den Nicht-Abstieg ging. Famila hatte im Vorfeld Freikarten verteilt. Dann war ich erst einmal unregelmäßig da, bis zum 10. Spieltag der Saison 2003/2004. Es war ein Heimspiel gegen Preußen Münster, die Flutlicht-Anlage funktionierte nicht ordentlich und vor der Tanke gab es so ein paar Techtelmechtel mit den Münsteranern. Seitdem hab ich nur zwei Heimspiele verpasst.

 

Und wie bist du dann Capo geworden?

In der Saison 2014/15 hatte ich Stadionverbot. Die Supside selbst hatte keinen Vorsänger, der in der Gruppe aktiv war. Marc und Yannick hatten es damals gemacht, bis ich wieder ins Stadion durfte. Auf einem Mitgliedstreffen im Vorfeld hatten wir beschlossen, dass sobald mein SV endet, ich auf jeden Fall mit auf den Zaun gehe. Nach einer Zeit zu dritt habe ich es dann irgendwann alleine gemacht. Das hat sich so ergeben. Zum einen, weil ich immer die größte Klappe hatte und zum anderen, weil wir als Ultrà-Gruppe von Holstein den Anspruch hatten, einen Vorsänger zu stellen.Seitdem habe ich es dann bis vor zwei Wochen gemacht.

 

Welche Choreos sind dir aus deiner Zeit im Gedächtnis geblieben. Gibt es da vielleicht eine Top 5?
Ich hab keine Reihenfolge. Jede Choreo, die gut durchorganisiert ist und gut durchgeführt wird, ist für mich etwas besonderes. Das schockt immer. Natürlich ist mir ganz doll unser Schiff in Erinnerung geblieben, das wir in den Block gebaut haben. Innerlich habe ich Rotz und Wasser geheult, weil es eine kurze Zeit so aussah, als wenn es in sich zusammenstürzen würde. Das war auf jeden Fall dramatisch für mein Herz. Das Echo danach war dann richtig krass, sogar international fand die Choreo Beachtung. Das werde ich garantiert nie vergessen.

 

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Aber auch die anderen werden mir in Erinnerung bleiben, wie die Supside-10-Jahre-Choreo, die in drei Tagen entstanden ist. Oder gegen Rasenballsport die Choreo mit den vier großen Pappfiguren, die mit einem ultrakleinen Budget entstanden ist, aber groß war.

 

Ich finde aber jede Choreo, die klappt, richtig mächtig. Vor allem, wenn man weiß, wie viel Zeit Arbeit die Menschen quasi ehrenamtlich dafür investiert haben.

 

Wenn du auf die damalige Fanszene zurückblickst: Wie würdest du sie beschreiben? Gibt es Dinge, die du heute vermisst?

Ganz klar vermisse ich die Zeit, als es die Supside noch gab. Davon einmal abgesehen war es zu meiner Anfangszeit als Vorsänger alles familiärer bei Holstein. Es waren einfach nicht so viele Menschen da. Was man besprechen musste, konnte man auch am Spieltag im Stadion machen. Jeder kannte jeden. Mit den entsprechenden Leute ist das natürlich auch heute noch so.

 

Aber es ist natürlich gut, dass sich alles weiterentwickelt hat. Und dass in der 2. Bundesliga immer viele Leute da sind und das Stadion gut gefüllt ist.

 

Dass dadurch einige Dinge nicht mehr so möglich sind wie früher, ist der Lauf der Dinge. Das ist ein bisschen schade, aber eigentlich auch nicht. Es ist ein stetiger Prozess, in dem sich auch die Fanszene entwickelt und sich auch andere Dinge verändern.

 

Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst: Wir hatten uns in der letzten Saison mal auf dem Vorplatz getroffen. Du warst ziemlich angepestet vom Anspruchsdenken einiger Leute auf den Tribünen...

Da kann ich mich auf jeden Fall dran erinnern. Ich hatte mit mehreren Menschen damals darüber gesprochen. Das hatte mich wirklich gestört. Auf der einen Seite ist das aber auch eine logische Entwicklung. Viele der heutigen Zuschauer haben bei Holstein fast nur Erfolge miterlebt – den Aufstieg in die Zweite Liga; die Relegation zur 1. Bundesliga, die gegen Wolfsburg verloren wurde; auch die letzte Saison.

 

Das hat mich schon phasenweise sehr gestört, wie hoch das Anspruchsdenken der Kurve im Allgemeinen war. Teilweise wurde bereits bei Unentschieden gepfiffen oder der Support eingestellt, nur weil Holstein in Rückstand geraten ist. Das ist natürlich auch ein Preis des Erfolgs – hat sich zum Glück aber inzwischen wieder etwas gebessert.

 

Es ist aber auch schwierig. Viele der Zuschauer haben so dramatische Niederlagen wie damals beim Abstieg in Erfurt oder eine 1:6-Niederlage auf einen Sonntag gegen die Zweite von Mönchengladbach vor sechs Holsteiner Fans nicht miterlebt. Vielleicht haben sie deshalb gar nicht das Gefühl dafür, wie schön es ist, in der 2. Bundesliga zu spielen. Wenn zwei Spiele in Folge mal scheiße sind, sind es aber immer noch zwei beschissene Spiele in der Zweiten Liga – und nicht in der Oberliga Nord auf einem Dorfsportplatz in Hennstedt-Rhen.

 

Meinst du, dass das der unvermeidbare Preis des Erfolgs ist oder würdest du dir trotzdem manchmal etwas mehr Demut wünschen?

Ich denke, da ist auf jeden Fall mehr Demut notwendig, selbst wenn man es sportlich betrachtet. Jede Saison wechselt der Trainer, die halbe Mannschaft bricht weg – und dann ist Holstein immer noch der Underdog. Mit dem Kauf einer Eintrittskarte dann immer Erfolge zu erwarten, ist schon vermessen. Aber auch hier habe ich das Gefühl, dass es sich wieder etwas umkehrt.

 

Was die Entwicklungen betrifft: Als Vorsänger hat man ja auch eine gewisse Macht, Dinge zu beeinflussen. Hast du dich im Gegenzug auch für die Kurve verantwortlich gefühlt?

Große Macht bringt große Verantwortung mit sich, ganz klar. Das war mir immer bewusst, dass ich mit meinem Wort in der Kurve viel bewirken konnte und vermutlich immer noch kann. Gleichzeitig hab ich mich für die Kurve in ihrer Gesamtheit immer verantwortlich gefühlt. Ich hab zuerst stets vor der eigenen Haustür gekehrt.

 

Wenn bei einem Spiel der Support nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt hatte oder wie wir uns das gewünscht hatten, muss man immer erst selbst reflektieren. Was kann man besser machen? Wo kann man an Stellschrauben drehen? Ist vielleicht der eine oder andere Gesang zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht passend? Muss da mehr Abwechslung rein? Da muss man vieles bedenken, auch wie man sich selbst präsentiert. Das ist ganz wichtig. Da hab ich mich schon sehr verantwortlich gefühlt.

 

Auch wenn bei einer Auswärtsfahrt mal Unfug gemacht wurde, das man mal einen Ton sagt und das große Ganz im Blick hat. Ich hatte ja auch die Erfahrung bei gewissen Sachen. Irgendwo wird eine Flasche Cola geklaut und als Resultat werden dann 50 Leute gekesselt und treten im schlimmsten Fall die Rückreise direkt nach der Personalienaufnahme an. Da habe ich immer ein Auge drauf gehabt und mich verantwortlich gefühlt.

 

Die Leute schauen zu einem auf – auch wenn es vielleicht nicht das richtige ist, aber so ist es nun einmal. Und mit meinem Tun und Handeln war ich ja auch immer irgendwie ein Aushängeschild der Kurve – dementsprechend muss man auch die Verantwortung akzeptieren.

 

Durch deinen prominenten Platz warst du ja teilweise bei den Gegnern recht gut bekannt. Wenn man da die Zielscheibe ist – hast du das ein wenig gefeiert, nervt das oder war es dir schlichtweg egal?

Von 2006 bis 2018 hielt Lion Lauberbach Rot-Weiß Erfurt die Treue, ehe es im vergangenen Jahr zum FSV Zwickau in die 3. Liga ging. In diesem Sommer folgte für den 21-jährigen Mittelstürmer der Sprung in den hohen Norden und die 2. Bundesliga. Und das ist deutlich zu spüren, wie Lauberbach CCK im Interview verriet.

 

CCK: Moin, was machen die Beine nach einer Woche intensiver Vorbereitung?

Lion: Die sind auf jeden Fall ein bisschen schwer. Wir haben viel und hart trainiert – und die Temperaturen dazu machen es nicht einfacher. Aber nach dem Trainingslager dürfen und müssen die Beine auch mal schwer sein.

 

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Wie fällt generell dein Gesamtfazit für das Trainingslager aus?

Gut! Der Wechsel von der Dritten in die Zweite Liga macht sich klar bemerkbar, in der Intensität und in der Belastung. Aber ich versuche mitzuhalten und meinen Teil dazu beizutragen.

 

Ist es dir denn schwer gefallen, ins Team zu finden?

Nein, überhaupt nicht. Wir sind alle Fußballer und sprechen die gleiche Sprache. Das war überhaupt kein Problem.

 

Fühlt sich es sich also schon nach den wenigen Tagen wie eine Einheit ein?

Auf jeden Fall. Dadurch, dass man 24/7 miteinander ist, lebt man sich ein. Und dann geht das ganz schnell.

 

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Du bist neuer Spieler, Holstein hat einen neuen Trainer. Wie hast du André Schubert die Woche wahrgenommen?

Sehr agil. Er fordert viel von uns Spielern, was ich sehr gut finde. Er versucht einem immer persönlich einen Schritt weiter zu bringen. Das finde ich wichtig.

 

Wo möchtest du persönlich am Ende der Vorbereitung stehen?

Ich möchte auf jeden Fall topfit und verletzungsfrei sein. Und dann abwarten, so viele Spielminuten sammeln wie möglich und alles geben.

 

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Das Tor in Falkensee, war das etwas besonderes für dich?

Ja. Auch wenn es kein Pflichtspiel war, ist es das erste Tor für den neuen Verein gewesen. Das muss man auf alle Fälle mitnehmen und es hat mich sehr gefreut.

 

Abschließende Frage: Wie bist du Social-Media-technisch unterwegs?

Ich bin da noch eher in den Anfängen. Ich hab ganz normal Instagram und versuche da ein bisschen was aufzubauen. Da bin ich auch einigermaßen aktiv. Ansonsten versuche ich aber auch mal vom Fußball abzuschalten, wenn ich nicht auf dem Trainingsgelände oder dem Platz bin.

Kenneth Kronholm im CCK-Interview

 

Fünf Jahre stand Kenny als Torwart im Holstein-Stadion zwischen den Pfosten. Nun hält er die Bälle ungefähr 6.797 Kilometer entfernt, Arbeitgeber: Chicago Fire Soccer Club.

Die Verbindungen an die Förde sind aber keinesfalls gekappt, und so wurde es nach knapp 6 Wochen Zeit für ein erstes Zwischenfazit.

 

CCK: Das war ja ein ziemlich bewegender Abschied am 12. Mai im Holstein Stadion. Was ging dir durch den Kopf als du vor der Kurve standst?

Kenneth: Ja das wär für mich sehr bewegend! Die letzten 5 Jahre hatte ich einfach eine wahnsinnig aufregende Zeit mit Holstein! Traurige Momente, ein Jahr lang verletzt, aufgestiegen nach 36 Jahren... so viele schöne Ereignisse! Darüber hinaus tolle Menschen kennengelernt!!! Da fällt einem das nicht leicht, Tschüss zu sagen.

 

Wie liefen die Tage danach ab? Du standst ja relativ schnell zu deiner MLS Premiere zwischen den Pfosten. Wie wurdest von deinen neuen Kollegen aufgenommen?

Ja, ich war ja wirklich nur nochmal in Kiel um mich zu verabschieden. Am nächsten Morgen saß ich schon wieder im Flieger Richtung Chicago und noch einen Tag später das erste Training dann.

 

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Die Mannschaft ist toll, es gab null Probleme und ich war sofort integriert! Die ersten Tage waren wir nur unterwegs, ich hatte binnen 2 Wochen ca 35.000 km abgerissen, dazwischen noch Fußball spielen, ist auch nicht so einfach 😂

 

Bist du denn mittlerweile in Chicago „angekommen“? Wie sieht deine Wohnsituation aus?

Ja bin angekommen, der Verein hat sich wirklich um alles gekümmert! War die ersten 3 Wochen im Hotel, bis wir die passende Wohnung gefunden hatten.

 

Wie sieht dein Alltag aus, falls es den schon gibt? Hast du dir zum Beispiel schon ein Auto zugelegt? Gibt es schon irgendetwas was du vermisst, wie beispielsweise gewisse Lebensmittel? Wie ist das Einkaufserlebnis allgemein?

Ja auch das mit dem Auto wurde natürlich geregelt, sodass der Alltag jetzt auch wirklich losgehen kann! Das Trainingsgelände ist etwas außerhalb, ich wurde die ganze Zeit abgeholt und zum Training gefahren. Das eigene Auto erleichtert diese Situation dann natürlich!


Zum Thema einkaufen, du hast hier wirklich alles was du dir vorstellen kannst... aber sehr teuer! Das dämpft die Freude über die Vielfalt enorm 😂

 

Vom Alltag zum Profi-Alltag: wie unterscheiden sich die Vereine (Trainingseinheiten pro Woche, Art des Trainings, Fannähe, Organisation innerhalb des Vereins)?

Also wir trainieren 1x am Tag. Immer um 11 Uhr...

 

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In Kiel hatte man auch mal den ein oder anderen Tag mit 2 Trainingseinheiten... die Auswärtsspiele sind hier natürlich ein Highlight, man fliegt teilweise 4 Stunden, hat andere Zeitzonen und ist mehrere Tage unterwegs!
In Kiel ging es Freitag los, 50 Minuten Flug, Samstag spiel, danach zurück!
Dafür sind die Hotels hier in den Staaten aber immer Downtown, sodass ich die wirklich jede große Stadt der USA erleben kann. Das ist ein Privileg!

 

Fannähe ist ähnlich wie in Kiel, haben knapp 15.000 Zuschauer im Schnitt, die Fans hier sind ähnlich positiv bekloppt wie in Kiel 😂 und das liebe ich ja!
Der Verein ist unfassbar professionell strukturiert! Das können sie wirklich gut hier 😂 man bekommt alles, man hat alle Trainingsmöglichkeiten und auch die richtigen Leute im Staff um sich herum!

 

Man hört ja immer viel über das Gesundheitssystem der USA – wie wird dies bei deinem Arbeitgeber gehandhabt?

Die Liga versichert jeden Spieler und dessen Lebenspartner!

 

Trotz aller sportlicher Ernährung – konntest du dich schon ein wenig durch Amerikas Fastfood-Welt durch testen?

Haha um die Burger und die traditionelle Deep Dish Pizza aus Chicago, kommt man hier nicht rum! Kulinarisch ist diese Stadt tatsächlich die Nr 1 der Welt!

 
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