Was bewegt uns? Worüber ärgern wir uns, worüber freuen wir uns? Was gibt es Neues? Und wie war es eigentlich damals? Das alles und noch viel mehr findet der CCK-Leser hier:

 

 

Viele kennen ihn: Den Kater am Morgen nach der Party. Der pelzige Geschmack auf der Zunge, die Kopfschmerzen und wenn es ganz dumm gelaufen ist, dreht sich einem der Magen um, sobald man sich etwas schneller bewegt. Ein ähnliches Gefühl scheint nun auch bei Holstein Kiel Einzug zu halten. Die letzten Jahre schienen für Verein und Fans eine einzige große Party. Spätestens mit dem Spiel in Großaspach vor genau zwei Jahren begaben wir uns in den endgültigen Partymodus. Es folgte eine sensationelle Saison mit großartigen Spielen und einem Finale, das keiner erwartet hatte.

 

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Anfang

 

Obwohl der Abgang einiger Leistungsträger und vor allem des Trainers feststand, wurde in der Relegation zur ersten Bundesliga nochmal ein Feuerwerk abgebrannt. Dass es am Ende trotzdem nicht reichte, störte irgendwie niemanden. Natürlich stellte sich in der Sommerpause ein leichtes Stechen in der Magengrube ein, als einem bewusst wurde, dass die zweite Saison durchaus schwieriger werden könnte und ja auch noch dieser ominöse Relegationsfluch im Hinterkopf war. Spätestens nach dem Auftakt im Volksparkstadion, bei dem wir den Hamburger SV entgegen der Erwartung vieler – vor allem Felix Magath (Wer erinnert sich nicht an seine Aussage auf dem roten Sofa beim NDR, wenige Stunden vor Anpfiff, der HSV würde das Spiel klar 4:0 gewinnen?) – drei Tore einschenkten und damit das offizielle Saisoneröffnungsspiel gewannen, war der Maschinentelegraf wieder auf Vollgas gestellt. Obwohl die Störche im Saisonverlauf nie in den Top drei mitmischten, behielten sie stets den Anschluss. Und so war es nicht verwunderlich, dass auch die Fans weiter euphorisch die Mannschaft anfeuerten und es nicht lassen konnten, zumindest auf den Relegationsplatz zu schielen.

 

Österreicher und besonders Grazer haben das Mittelmeer vor der Tür. In guten drei Stunden erreicht man die italienische Hafenstadt Triest und kann in die Adria springen. Aber Dominik Glawogger hat sich nicht etwa für das mediterrane Klima entschieden, der Österreicher ist seit Sommer U19-Trainer der KSV an der bisweilen recht rauen Ostsee und auf dem besten Weg, mit seinen Jungs den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Dabei ist der Trainerjob in Holsteins Nachwuchsabteilung nur ein weiteres Kapitel in der bereits gut gefüllten Vita des 29-jährigen Österreichers.

 

Anfang 2016 wagte der bis dahin nur im Jugendbereich tätige Coach den Sprung in die erste Liga Tansanias zu Toto African FC aus der zweitgrößten Metropole des Landes, Mwanza. Sein sechsmonatiges Engagement in Ostafrika war am Ende von Erfolg gekrönt, schließlich konnte er mit seinem Team trotz schlechter Vorzeichen doch noch den Klassenerhalt in der Tanzanian Premier League feiern. Zurück in der Alpenrepublik verpflichtete ihn der Floridsdorfer SC aus Wien für das Management, doch im Frühjahr waren wieder seine Fähigkeiten auf dem Platz gefragt. Der Klassenerhalt für den FAC in Österreichs Unterhaus in Gefahr. Auch in der kleineren Fußballszene unseres südlichen Nachbarn sorgte ein so junger Trainer in Verantwortung für einiges Aufsehen, aber auch zwölf Monate später stand abermals der Klassenerhalt für Glawoggers Team zu Buche.

 

Auch in Kiel sieht es ganz so aus, als könne Glawogger auch bei seiner nächsten Herausforderung seine Ziele erreichen. Wie es ein Österreicher überhaupt zu Holstein Kiel schafft, wie es um den Jugendfußball und junge Trainer in seiner Heimat bestellt ist und wie er seine ersten Monate in Kiel erlebt hat, das erzählt Holsteins U19-Trainer im CCK-Interview!

 

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CCK: Die KSV befindet sich auf dem ersten Rang der U19 Regionalliga Nord. Wie lief aus deiner Sicht die Saison bisher? Wie hat sich deine Mannschaft mit der Favoritenrolle arrangiert?

Glawogger: Ein Fazit der bisherigen Saison sollte ein wenig von Liga und Ergebnissen losgelöst erfolgen. Es kann nicht nur das persönliche Ziel eines Spielers sein, die Liga zu gewinnen. Er braucht auch ein individuelles Ziel, das er selbst erreichen möchte. Wenn jemand in den bezahlten Fußball möchte, muss er mehr trainieren und sich besser ernähren. Dann wird aufgrund seiner Leistung seine Mannschaft sowieso aufsteigen.


Für uns war es vor der Saison aufregend, weil ich in ein komplett neues Umfeld gekommen bin, meine Betreuerkollegen und Spieler noch nicht kannte. Ich bin schon stolz darauf, dass wir innerhalb weniger Monate als Gruppe so gut und erfolgreich funktionieren und eine positive Atmosphäre geschaffen wurde.

 

CCK: Wie hast du den Weg nach Kiel gefunden? Ging das Interesse am Verein von dir aus oder bist du vom Verein angesprochen worden?

Glawogger: Ich habe einen Tipp bekommen, dass die Stelle des U19-Cheftrainers in Kiel vakant ist und bin dann auf den Verein zugegangen. Ich war und bin überzeugt, dass der Verein mit diesem ruhigen, familiären Umfeld eine gute Möglichkeit für mich ist, Erfahrungen als Trainer in Deutschland zu sammeln. Dass ich die Mannschaft übernehme, war aber erst relativ spät klar.
Ich habe persönlich auch kein Problem damit, aktiv an einen Verein heranzutreten. Ich bin da eher offensiv.

 

CCK: War die Bedenkzeit vor deinem Engagement in Tansania oder in Kiel länger?

Glawogger: (lacht) Ich habe vor beiden Trainerstationen nicht lange überlegt. Tansania habe ich innerhalb von zwei bis drei Stunden entschieden, ohne Einflüsse von außerhalb. Das war beim Trainerjob in Kiel genauso. Ich brauchte keine Zeit zu überlegen, weil ich mir natürlich schon vorher Gedanken gemacht hatte, was ich als Nächstes machen wollte.

 

CCK: Hast du bei deiner Ankunft im NLZ gemerkt, dass du Dinge komplett anders machst als die bereits hier arbeitenden Menschen?

Glawogger: Es ist normal, dass man Unterschiede in der Arbeitsweise entdeckt. Gerade in einem sehr familiären Verein, wie es in Kiel der Fall ist, wo es viele Menschen gibt, die hier bereits lange arbeiten, gibt es gewisse etablierte Strukturen und Abläufe. Fabian Wohlgemuth bringt viel frischen Wind mit. In der Folge kommt es darauf an, ob man gewillt ist, Unterschiede anzusprechen und Dinge zu verändern.

 

Ich bin da sehr kommunikativ und frage auch oft etwa meine Co-Trainer nach ihrer Meinung. Man muss sich ständig hinterfragen. Wenn ich zum Beispiel mein erstes Training hier mit dem Status Quo vergleiche, dann ist das schon ein großer Unterschied, der auch auf der ständigen Kommunikation beruht. Nur so kann man ständige Weiterentwicklung auch den Spielern verkaufen: Indem man selbst an sich arbeitet.

 

CCK: Kommen wir einmal zu deinem Heimatland: Wenn man sich Karrieren von österreichischen Profis anguckt, sieht man oft, dass sie in Akademien ausgebildet wurden, etwa in der Akademie Tirol oder der Akademie Vorarlberg. Ist das eine Parallelstruktur zur Ausbildung auf Vereinsebene oder wie stellt sich die Situation dar?

Glawogger: Oft ist es so, dass in kleinen Bundesländern mit nur wenigen Vereinen in der ersten und zweiten Liga diese Vereine den Nachwuchs gemeinsam ausbilden. Es gibt nur zwei landesweite Jugendligen, jeweils im Bereich der U16 oder U18. Dort stellt jedes Bundesland in der Regel einen Vertreter. Ausnahme ist Wien, wo Rapid und die Austria eigene Mannschaften stellen und Oberösterreich, wo zwei Akademien einen Vertreter entsenden. Es kommt auch vor, dass die Akademien von dem größten Verein in der Region geführt werden. Die Akademie Steiermark gehört beispielsweise zu Sturm Graz, das muss aber nicht so sein.

 

CCK: Gibt es in Österreich im Herrenbereich ähnlich wie in Deutschland diesen Trend zu ganz jungen Cheftrainern wie Julian Nagelsmann oder Domenico Tedesco? Nach Durchsicht der ersten zwei Profiligen ist mir auf den ersten Blick keiner aufgefallen.

Glawogger: Beim SCR Altach gab es bis vor kurzer Zeit noch einen jungen Trainer. Der durchschnittliche Bundesliga-Trainer wird allerdings weit über 35 Jahre alt sein. Tobias Schweinsteiger ist derzeit im Trainerteam der zweiten Mannschaft des LASK in Linz. Ansonsten hat sich die Altersklasse unter 35 Jahre noch nicht durchgesetzt. Man benötigt grundsätzlich die UEFA Pro Lizenz / den Fußballlehrer, um eine Profimannschaft in den ersten beiden Ligen in Österreich zu trainieren. Diese muss man in jungen Jahren erst einmal erreichen. Mir fällt derzeit kein Lizenzinhaber unter 30 Jahren ein.

 

CCK: In Deutschland setzen viele junge Trainer schon früh nicht mehr auf ihre Spielerkarriere, sondern auf die Ausbildung als Trainer. Dadurch schwindet die Anzahl der Personen, die sich bereits in einer aktiven Profikarriere einen Namen gemacht haben und dann Profitrainer geworden sind, wahrscheinlich bereits etwas.

Glawogger: Genau, in Österreich gibt es grundsätzlich viele Ex-Profis, die bereits drei oder vier Vereine im Profibereich in diversen Landesteilen trainiert haben. Auch ist der Markt doch deutlich kleiner als beispielsweise in Deutschland.

 

CCK: Du bis ein gutes Gegenbeispiel, da du in ganz jungen Jahren bereits den Floridsdorfer AC in der zweiten Liga interimsweise betreut hast. Wie ist man dir von Seiten der Spieler und des Umfeldes dort begegnet?

Glawogger: Ich denke, dass das für den Verein schon eine große Überwindung war. Da gab es wenige Personen, die diesen Schritt zu Beginn befürwortet haben, erst recht, als wir das erste Spiel verloren haben. Man ist dann aber standhaft geblieben. Ich habe erst im Nachhinein gemerkt, dass mein Alter in den Medien doch ein großes Thema war. Aber das passiert nur, wenn du Erfolg hast. Bleibt der aus, wäre es wohl deutlich anders gelaufen.

Dass Spieler den Verein irgendwann einmal verlassen, gehört zu den Mechanismen im Profifußball. Ich persönlich verüble es dem jeweiligen Spieler auch nicht wirklich, dass er sich beruflich weiterentwickeln will, das Maximum aus seiner Karriere herausholen möchte. Schließlich besitzt die Profilaufbahn mit Anfang Mitte 30 ein absehbares Ende. Solange es offen kommuniziert wird und der betreffende Spieler bis zum Schluss alles für seinen Arbeitsgeber gibt, ist es okay.

 

Trotzdem bekommen manche Transfers ein „Geschmäckle“, zum Beispiel, wenn eben nicht mit offenen Karten gespielt wird oder der Ex-Trainer reihenweise Spieler zu seinem neuen Verein lotst. Aber auch hier verüble ich es den Spielern immer noch nicht, wenn sie beim neuen Verein größeres Potenzial für die Steigerung ihrer Karriere sehen. Oder einfach mehr Geld verdienen.

 

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Im Fall David Kinsombi verhält sich die Sache noch ein wenig anders. Wie am Mittwoch bekannt wurde, übernimmt der Königstransfer der Hamburger einen Teil seiner Ablösesumme (immerhin zehn Prozent) selbst. Das ist aus Sicht des HSV sicher eine Klasse Sache und wenn David Kinsombi schon immer zum HSV wechseln wollte und als Kind in schwarz-weiß-blauer Bettwäsche geschlafen hat, auch für ihn selbst.

 

Allerdings ist David Kinsombi – trotz seiner Verletzung – immer noch der Kapitän. Wenn ein Mensch, der auch als Vorbild für jüngere Spieler dienen soll und im besonderen Fokus der Öffentlichkeit steht, mit einer besonderen Vehemenz zeigt, dass er alles dafür tut, um die Störche zu verlassen, muss die Frage erlaubt sein, ob er dieses Amtes würdig ist. Auf dem Feld ist David Kinsombi im positiven Sinne immer wieder vorangegangen. Neben dem Feld hat er sich nun disqualifiziert, länger Kapitän von Holstein Kiel zu sein - so zumindest meine Meinung.

Früher war alles besser/schlechter? Heute ist alles schlechter/besser?

 

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Als ich am Freitagabend nach dem Union-Spiel in die Projensdorfer Straße einbog, musste ich kurz daran denken, dass es in den früher 2000ern noch möglich war, das Stadion auch über die Kurve Richtung Hochhaus zu verlassen. Manchmal, bei nicht so unterhaltsamen Spielen, wurde schon die komplette zweite Hälfte auf dieser Stadionseite verbracht, um möglichst schnell nach Abpfiff draußen zu sein. Selbst bei Spielen, wo Gästefans anwesend waren, war es fast immer möglich. Es ist nichts, was ich großartig vermisse, aber es ist ein Beispiel, wie sehr sich Holstein in den letzten 20 Jahren verändert hat. Und das, trotz allem Erfolgs, irgendwie nicht nur zum Guten.

 

Es ist sicherlich auch nicht alles besser gewesen. Der Fußball war zur damaligen Zeit häufig alles andere als attraktiv. Wenn es etwas zu bejubeln gab, dann war es ein Tor oder der Sieg. Über schöne Spielzüge wurde sich nach Abpfiff nur selten unterhalten. Einfacher war hingegen die Ticketsituation, im Normalfall reichte es, zehn Minuten vor Anpfiff am Stadion zu sein. Eintrittskarte geholt, immer noch fünf Minuten vor Spielbeginn auf dem gewohnten Platz. Nur in ganz seltenen Fällen wurde in der Woche vor dem Spiel sicherheitshalber schon mal eine Karte bei Rubin am Dreiecksplatz geholt. Tat aber meistens nicht Not. Denn nur selten wurde es auf den Stufen des alten Runds so voll, dass es ausverkauft hieß. Eher war das Gegenteil der Fall.

 

Doch war es fehlende Komfort und die fehlende Stadionshow, der die Menschen vom Stadion fernhielt? Nein. Ein Freund, der damals eine Dauerkarte für die gerade neugebaute AOL-Arena besaß, freute sich immer, wenn ich ihn in das rumpelige Holstein-Stadion mitnahm. Die Mädels, die von der alten Laufbahn aus dem Bollerwagen Bier durch den Zaun verkauften, waren für ihn ein wahres Highlight und neben Fußball das einzige, was notwendig war, um ihn glücklich zu machen. Es war, wenn auch nicht perfekt, eine kleine heile Welt. Der „große Fußball“ fühlte sich selbst in der Spitzengruppe der Regionalliga (damals die dritthöchste Spielklasse) ganz weit weg an, wenn der Schneeregen, vor dem kein Dach Schutz bot, einen frösteln ließ – oder war es doch das Geschehen auf dem Rasen? Aber: Je erfolgreicher die KSV wurde, desto mehr Menschen kamen und auch die aktive Szene und die Choreos wuchsen.

 

Rumpelfußball wird inzwischen seit einigen Spielzeiten nicht mehr im Holstein-Stadion geboten. Klar, das eine oder andere Spiel ist immer dabei, aber unter dem Strich erfreut das auf dem Feld Gebotene doch sehr. Die Entwicklung des Vereins ist beachtlich und ohne ein gewisses Maß an Kommerzialisierung wäre sie nicht möglich gewesen. Wer dabei sein will, muss in einige saure Äpfel beißen – sei es zum Beispiel die Zerstückelung von Spieltagen. Daran wird ein kleiner Verein wie Holstein Kiel nichts ändern können, die Frage ist nur immer mit wie viel Vergnügen in den Apfel gebissen wird. In der Vergangenheit gab es immer wieder positive Beispiele einzelner Vereine, die sich offensiv für Fanbelange einsetzten. Der Gegner vom vergangenen Freitag, Union Berlin, ist da ein positives Beispiel. Aber es sind nicht nur die großen Dinge, die zur vermeintlichen Entfremdung zwischen Fans und Fußball führen. Manchmal wäre es einfach, Ärger zu vermeiden, wenn das Ohr für die Fans etwas offener wäre. Und der überwiegende Teil derjenigen, die jede Woche heim- und auswärts für akustische und optische Unterstützung sorgen, braucht nicht vieles – nur ein wenig Raum.

 

Wer eine Kurve mit Emotionen möchte, muss diesen Emotionen auch ihren Platz gewähren. Und dies passiert im Holstein-Stadion nicht immer. Dies begann beim Neubau der Westtribüne, als geeignete Zaunfahnenplätze schlichtweg vergessen wurden. Ärgerlich, den hätte der Verein damals die Fans gefragt, wäre dieses Problem gar erst entstanden – noch ärgerlicher ist allerdings, dass sich bis heute an diesem Zustand grundsätzlich nicht viel verändert hat. Es wurde lediglich ein nicht funktionierendes Seilzugsystem konstruiert, mit dem die Zaunfahnen unter dem Dach platziert werden sollten. Diese in Deutschland einmalige Konstruktion setzte sich zurecht auch in Kiel nicht durch. Ansonsten wird die Größe der Zaunbeflaggung durch die Höhe der Werbebanden diktiert.

 

Vor dem Heimspiel gegen Fürth präsentierte die KSV den neuen Standort für die Anzeigetafel: Unter dem Dach auf der Westtribüne hatte sie einen neuen Platz gefunden. Sicherlich von der Haupttribüne und der Gegengerade gut zu sehen – doch auch mitten in dem Bereich, von dem aus supportet wird. Der Einsatz von großen Schwenkfahnen ist durch die Konstruktion unmöglich geworden, optische Unterstützung wird es bis auf weiteres zuhause wohl nicht mehr geben. Die Fahnen der aktiven Gruppen hingen am Freitag aus diesem Grund verkehrt herum. Vielleicht mag der ein oder andere Außenstehende denken, dass die Platzierung einer Videotafel doch kein so großes Ärgernis sein kann – für diejenigen, die mit den Choreos aber immer wieder optische Highlights schaffen, die in den sozialen Medien auch von offizieller Seite gerne geteilt werden, ist es allerdings ein gefühlter Schlag ins Gesicht gewesen. Und auch hier hätte sich das Problem durch Gespräche relativ einfach verhindern lassen.

Das böse Wort mit K ist da. Nein, nicht Köln, sondern die Krise. Zumindest wenn es nach einer Zeitung aus der komischen Stadt an der Trave geht. Denn die titelte am Montag tatsächlich „Holstein Kiel in der Krise?“ und hatte auch gleich die Antwort: „Störche nur noch Siebter.“ Nur noch Siebter. Und das nur in der Zweiten (!) Bundesliga. Eigentlich ist es ein Wunder, dass der Verein nach dieser Talfahrt noch am Trainer festhält.

 

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Wie heißt es so schön? „Ironiemodus aus“ - nur damit es dann auch alle verstehen. Natürlich war das Spiel gegen die Fürther kein Augenschmaus. Zum Ausfall einiger Spieler, gesellte sich ein sandig-holpriger Rasen und der eine oder andere individuelle Fehler. Trotz des erkämpften Last-Minute-Ausgleichs fiel es schwer, in ganz große Begeisterungsstürme auszubrechen. Das kann Holstein einfach besser. Mit ein paar Tagen Abstand ist es zwar immer noch kein grandioses Spiel, aber immerhin ein weiterer Punkt auf der Habenseite.

 

Bei einer Zeitung aus der Stadt des Derbyrivalens (der wohl wieder eine weitere Saison in der Regionalliga rumdümpeln wird) lassen sich solche Interpretationen vielleicht mit ein wenig Neid erklären. Die letzten Jahre boten ja auch nicht so viele Möglichkeiten negativ über Holstein zu schreiben. Da wurde Aufstieg gefeiert, da durchpflügten die Kieler die 2. Bundesliga mit erfrischendem Offensivfußball, da sprachen Experten nach dem Führungstor gegen Magdeburg gar vom perfekten Fußball, während die Realität für das heimische Team Jeddeloh und Egestorf-Langreder heißt. Wenn Krise bedeutet, in der Formtabelle der 2. Bundesliga mit zwei Siegen, drei Unentschieden und 10:6 Toren auf dem vierten Rang zu stehen, was soll dann erst der Hamburger SV (zwei Siege – ein Unentschieden – ein Niederlagen) sagen? Oder der 1. FC Köln? Nun ja, da ist wohl schon Krise...

 

Irgendwie sind solche Schlagzeilen aus der Marzipanstadt nicht überraschend. Allerdings haben auch einige Menschen an der Förde eine (seltsame) Erwartungshaltung entwickelt. Dabei geht nicht explizit um das letzte Spiel, sondern um das, was in dieser Saison geleistet wurde. Denn 36 Punkte nach 22 Spieltagen standen auch im letzten Jahr auf der Habenseite – und die Tordifferenz von plus elf ist ebenfalls fast exakt gleich. Wohlgemerkt immer noch mit einem im Sommer komplett neu zusammengebastelten Team, bei dem die verbliebenen Spieler zudem ein neues System erlernen mussten. Realistische Wünsche bewegten sich zu Saisonbeginn zwischen „nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben“ und „einstelliger Tabellenplatz“. Derzeit sind noch ganz andere Szenarien denkbar. Und selbst wenn „Holstein im Mittelfeld der Tabelle versinkt“ - wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht?

Kurz gesagt: Wer Krise sagt, ist Lübecker. ;) Alle Kieler feiern am Sonnabend im Ruhrstadion!

 
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