Bluechip Arena, 3.Oktober 2010, Endstand 2:1 (plus Skatbank Arena, 2. Oktober 2010, Endstand 0:0)

 

East meets West in Meuselwitz - Reisebericht Thüringen-Tour

 

wernicotti

 

 

"Wir fahren nach Meuselwitz, wir fahren nach Meuselwitz..."

Okay, es wurde letzte Saison ja nicht gesungen, wann es denn genau in die thüringische Klein"stadt" gehen sollte, aber nur rund 80 Kieler haben ihr Versprechen jetzt schon  eingelöst. Punktetechnisch gab es am Nationalfeiertag für die Störche im Osten zwar nichts zu holen, trotzdem sei ein Tripp ins Altenburger Land dringend empfohlen. Und das nicht nur um im Jahr 20 nach der Einheit die Brüder und Schwestern jenseits der ehemaligen Grenze besser kennenzulernen oder nachzuschauen wie der Solidaritätszuschlag auf den Kopf gehauen wird. ;)

Für uns ging es Tag früher bisschen hoppen - SV Motor Altenburg der Verein unserer Wahl. In den 50ern konnte man sich drei Jahre in der höchsten Spielklasse der DDR, der Oberliga halten, kurioserweise jede Spielzeit unter anderem Namen (49/50 ZSG Altenburg, 50/51 BSG Stahl Altenburg, 51/52 BSG Motor Altenburg). Während man zu DDR-Zeiten also zwischen der 1. und der 4. Liga pendelte, musste man nach der Wende noch ein bis zwei Ligen weiter runter. Zur Zeit spielt man aber immerhin in der höchsten Landesklasse Thüringens. Ob man da unbedingt zum Hoppen hin muss? Auf jeden Fall! Denn die Entscheidung war hauptsächlich aufgrund des Stadions gefallen - und das ist ein kleiner Leckerbissen.

 

skatbankarena

 

Das Waldstadion oder modern die Skatbank Arena ist immerhin das größte Stadion in Thüringen (also rein nach Zuschauerfassungsvermögen) und in Deutschland noch auf Rang 27. 25000 Leute passen theoretisch ins Rund, das fast nur Stehtraversen besitzt (300 Schalensitzte sind auf der "Haupttribüne" vorhanden - Sitzplatzquote damit nur knapp über 1 % - wie genial), und diese Zuschauerzahl wurde auch tatsächlich schon erreicht. Sechs Jahre nach der Einweihung des "Leninstadions" (diesen Namen trug es bis zur Wende 1990) war es zum FDGB-Finale zwischen Zwickau und Zeitz bis auf den letzten Platz gefüllt, genau wie 1969 beim Juniorenländerspiel zwischen Spanien und ausgerechnet dem kapitalistischen Ausland BRD. Auch zu DDR-Oberligazeiten kamen immerhin noch bis zu 10.00,0 um die Spiele von Motor Altenburg zu vefolgen. Davon ist man heute in der Thüringenliga weit entfernt, hält mit 1300 aber immerhin noch den Ligarekord.

 

eingangskatbankarena

 

Nächstes Wochenende werden auch sicher mal wieder paar mehr Leute in der Skatbank Arena vorbeischauen, denn dann ist der FC RW Erfurt im Pokal zu Gast. An diesem Sonnabend ist es "nur" der SV Germania Ilmenau, dessen Wurzeln zurück bis ins Jahr 1907 gehen. 1945 wurde der Verein als SG Illmenau neugegründet, dann 1946 in Sparta Ilmenau umbenannt, ab 1952 BSG Empor Ilmenau, der sich dann Anfang der 60er die BSG Lok anschloss. 1966 wechselte die Fußballsektion von Empor zur BSG Chemie Ilmenau, die sich 1973 in Chemie Glas und 1977 in Chemie IW umbenannte (diesen Namen trug man dann auch bis zur Wende, ehe man sich dann wieder in Germania umbenannte - so viel zum Thema charmantes Zonenbranding). Größter Erfolg des Vereins gelang 1972 mit dem Gewinn der Bezirkmeisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die DDR-Liga.

Gästefans waren keine auszumachen, insgesamt verbrachten den Nachmittag nur knapp 250 Leute vor Ort, darunter aber der Fanclub "Skatbrüder" inkl. Zaunbeflaggung. Die nicht Anwesenden haben allerdings auch nichts verpasst, eher grottiges 0:0, bei dem der "Höhepunkt" ein satter Schuss aus ca. 1 m Entfernung in die Kronjuwelen eines Ilmenauer Spielers war.

 

kronjuwelen

 

Sah fies aus. Echtes Highlight für uns hingegen die auf Holzkohle gegrillte Thüringer im Brötchen, hier "Roster" genannt, für 1,50€, von der die Wessies (plus ein Cottbusser) natürlich wieder alles wegkaufen mussten.

 

wurst

 

Dazu ein frischgezapftes Altenburger (durchaus lecker) und ein 1a Aufnäher aus dem Motor Fanshop für 50 cent und der Ausflug hat sich trotz des Spiels gelohnt.

 

schwein

 

Danach ging es noch ab in die City der Skatstadt, wo man sich auf dem Bauernmarkt einige leckere Spezialitäten genehmigte (u.a. sauleckeren Mutzbraten) und sich ein weiteres Altenburger gönnte. Dazu noch schnell Senf und original Skatspiele eingepackt - die beiden Sachen, die Altenburg überregional bekannt gemacht haben und ab  ging's nach Meuselwitz. Mit Erstaunen stellte man fest, dass es den Ort tatsächlich gibt und nicht vom DFB erfunden wurde, um andere Teams zu foppen. Sogar eine Table-Dance-Bar grüsst am Ortseingang, was die Sektion wohlwollend zur Kenntnis nahm. Schnell noch das Stadion ausgecheckt und ab ging es ins Hotel auf ein Absackerbierchen.

Nächsten Morgen entspannte 5 min Minuten zum Auswärtsspiel von Holstein gebraucht und mit einem leckeren Altenburger auf den Spieltag und auf die Bluechip Arena (oder oldschool Glaserkuppe oder Ernst-Grube-Stadion) angestoßen.

 

bluechip

 

Die ist zum Glück kein langweiliges Betonbauwerk, sondern ein schnuckeliges, kleines Stadion, das einen gewissen dörflichen (und das ist nicht negativ gemeint) Charme hat. Schmuckstück ist die überdachte Haupttribüne, bei der die Stehränge interessanterweise über den Sitzrängen zu finden sind. Da bringt Bierwerfen noch mehr ;) Ursprünglich wurde das Stadion 1952 erbaut, allerdings 2004 komplett saniert neueröffnet. Die Kapazität von 5200 Zuschauern reicht für den Zirpsendorfer Fußballclub (dafür steht nämlich das ZFC) völlig aus, wobei man sich ein bisschen fragt, wie es vor Ort abläuft, wenn zum Beispiel Halle am Start ist, da der Weg zum Gästesektor eher ein kleiner Waldspaziergang über einen Trampelpfad ist.

 

support

 

Nun ja, darüber mussten wir uns zum Glück nicht den Kopf zerbrechen und konnten das perfekte Spätsommerwetter im Herbst genießen (die zur Stadionanlage gehörende Minigolfanlage enterten wir aber nicht - nächstes Mal aber Ultrá-Golfen). Nach der Beflaggung des Zauns richteten sich die Blicke natürlich zunächst auf die Verpflegung.

 

hintergittern

 

Sehr nett, dass in der Bluechip-Arena nicht (nur) die Gästefans, sondern (auch) die Angestellten der Stadiongastro sich eingesperrt vorkommen dürfen (Stichwort: Solidarität?). Auswahl geht mit Wurst, Steak und Fußballersteak(!) in Ordnung, allerdings gingen die Bewertungen der Speisen stark auseinander. Die Bratwurst war echt nur Mittelklasse (wahrscheinlich ist man zu weit vom Thüringer Kernland entfernt), das Steak für 2,50€ hingegen fand bei den meisten Kielern gute Bewertungen (und war kurz nach der Halbzeit ausverkauft). Eine echte DDR-Spezialität (aber leider zu wenig davon da) war das Fußballersteak: Gegrillte Jagdwurst im Brötchen. Nach Ranger-Urteil konnte man sie haben - hätte ich auch gerne, aber das VEB Wurstkombinat Ernst Thälmann hatte wohl den Plan nicht erfüllt. Naja, stattdessen halt ein leckeres Altenburger und danach lieber Fassbrause und Wasser - war schweinewarm und man stand direkt in der Sonne.

 

jubel

 

Und die schien zunächst auch für die Kieler auf dem Platz zu scheinen: Schon nach 12 Minuten Fiete auf Jakob Sachs und Ziehmer drückt ihn mit dem Kopf über die Linie. So weit, so gut. Leider konnte man den Schirie nicht davon überzeugen, das Sudden-Death-Prinzip anzuwenden. Deshalb hatte man leider genug Zeit, reihenweise Chancen zu versieben (Unvermögen und Pech sind Teil des Kaders diese Saison), um den Ausgleich zu betteln, um am Ende 2:1 zu verlieren. Und mal wieder als das bessere Team. Was soll man noch schreiben? Seit sechs Spielen ist es immer dasselbe und irgendwann gehen einem die Phrasen aus. Vielleicht tut das spielfreie Wochenende ja gut. Kopf frei kriegen, Torschüsse üben und Halle in zwei Wochen weghauen (wobei ein erstokeltes 1:0 auch ein Traum wäre). Und auswärts geht es eh weiter - die nächsten Ziele warten...wir sind da. Und wehe da sagen wieder Leute vom Bus ab.

 

flo

 

Unsere schlechte Laune war übrigens schon vorbei, als man Höhe Halle auf der Autobahn nicht wirklich gut vorankam (ja, wirklich) - forza Stauparty in der Kolonne.

 

Bilder aus Meuselwitz gibt es hier

(und vom Hopping zu SV Motor Altenburg vs. SV Germania Ilmenau hier).

 

 

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.