Allmänna Idrottsklubben vs. Hammarby Idrottsförening
Friends Arena, 23. September 2018, Endstand 1:0

 

Schweden kann was. Nicht nur landschaftlich gehört das größte Land Skandinaviens zu einem der Top-Reiseziele in Europa, auch auf dem grünen Rasen und den Traversen drumherum spielen sich einige erzählenswerte Geschichten ab. Die Erfahrung konnte der Schreiber bereits vor zwei Jahren im Sommer machen, als man zum ersten Mal das Derby in der Hauptstadt des Landes zwischen Hammarby und AIK sah und in Verbindung mit dem wirklich tollen Stockholm ein rundum gelungenes Wochenende verbrachte. Das schrie nach Wiederholung! Man konnte wirklich meinen, der Fußballgott hatte ein Auge auf die Allsvenskan geworfen, schließlich war Hammarby nach Jahren der Erfolglosigkeit wieder on top. Ein paar Spieltage vor Saisonende sollte es zum absoluten Spitzenspiel bei AIK kommen. Das konnte man sich doch nicht entgehen lassen! Doch zunächst hatte man sich noch etwas Vorprogramm herausgesucht. Ursprünglich stand für die Kiel-Hannover-Connection ein Besuch in Helsingborg auf dem Programm, der Verein bat aber kurzfristig um eine Spielverlegung von Freitag auf Sonntag und somit war der Plan dann auch für die Tonne. Schade, Helsingborg ist gerade in der Spitzengruppe der 2. Liga und konnte in den letzten Spielen immer über 5000 Zuschauer begrüßen, für die Superettan ein sehr guter Wert. Nach einem kurzen Besuch in der Unterkunft musste daher mit Ramlösa Södra IF etwas unterklassiger Fußball herhalten. Statt Radau von den Rängen gab es einen Kunstrasen mit zwei kleinen Tribünen, das ging schon klar. Das Niveau war für siebte Liga auch ganz annehmbar, insofern war es ein netter Auftakt für das Wochenende.

 

Am nächsten Tag ging es nach einem ausgiebigen Mal beim blau-gelben Möbelhaus Richtung Stockholm. Die E4 von der Südspitze Schwedens in die Hauptstadt ist landschaftlich sehenswert und führt unter anderem auch am Vättern, dem zweitgrößten See des Landes, vorbei. Wirklich beeindruckende Aussichten. Das Zwischenziel hieß Nyköping, wo noch ein feiner Drittligakick auf uns wartete. Die Zeit bis zum Kick-Off vertrödelte man noch ein einem großen Sportkomplex, wie es ihn wohl auch in Deutschland keine fünf Male gibt, 4-5 Hallen für unterschiedlichste Sportarten umfasste das Sportzentrum und alle Bereiche waren besetzt. Das ganze steht wohlgemerkt in einer Stadt mit etwas über 30.000 Einwohnern. Für die Hallensportarten interessierten sich am Ende auch deutlich mehr Zuschauer als für das Gekicke auf dem Rasen, das etwa 150 Zuschauer sehen wollten. Neben einer Tribüne auf einer Seite ist der Platz von einem großen Wall umgeben, solche Leichtathletikstadien gibt es in Skandinavien bekanntlich öfter, aber ein gutes Spiel, um die Wartezeit zu verkürzen, da störte es auch herzlich wenig, dass der Gast aus Karlslund durch das 0:2 alle drei Punkte entführte.
Im Anschluss dauerte es noch etwa 60 Minuten, bis wir unsere final destination für die nächsten zwei Nächte erreicht hatten. Den Abend ließ man dann in bester Gesellschaft der Gastgeber ausklingen, wirklich interessant, wie es zwei schon lange in Schweden lebenden Deutschen in Skandinavien so ergeht. Vielen Dank noch einmal für das tolle Wochenende!
Am nächsten Tag hieß es dann endlich: Derbyzeit! So richtig an einem Sieg Hammarbys beim Rivalen von AIK wollte im Umfeld keiner glauben, an die sich noch in Reichweite befindliche Meisterschaft schon gar nicht, aber ein paar Punkte, um die Wahrscheinlichkeit einer Europa-League-Teilnahme zu erhöhen, durften es schon sein, schließlich warteten auf den folgenden Plätzen mit Malmö und Norrköping schon einige etablierte Teams aus dem oberen Tabellendrittel, dass das Team aus dem Süden Stockholms schwächelte. Zunächst musste es für den Schreiber noch einen obligatorischen Touri-Rundgang geben, zwar kannte man den Großteil der Innenstadt schon, aber ohne ein paar Eindrücke konnte man dann doch nicht wieder nach Hause fahren.

 

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Einen kleinen Rundgang durch die Altstadt später ging es zum Centralen, von wo einen der Vorortzug in kurzer Zeit nach Solna brachte. Der Zug war bereits gut gefüllt mit HIF-Fans. In den Gästeblock zog es dann auch den Rest der Crew, man selbst wollte es sich auf den neutralen Plätzen gemütlich machen. Nach fixer Eingangskontrolle ohne jegliches Abtasten hielt der gebuchte Platz, was er versprach: dritter Rang, erste Reihe, beste Sicht.
Die Friends Arena wurde erst 2012 eröffnet und trat an die Stelle von Rasunda, in dem AIK und die schwedische Nationalmannschaft seit 1937 ihre Heimspiele austrugen. Was folgte war ein doch etwas seelenloser Bau, der sich perfekt in die neue europäische Stadionlandschaft einfügt. Ein gewachsenes Umfeld gibt es ebenso nicht, direkt daneben liegt lediglich ein großes Einkaufszentrum. Schade, aber das ist wohl der Zeitgeist.
Die Blöcke füllten sich auch langsam, schon weit vor Anpfiff konnte man Vorbereitungen für Choreos in beiden Blöcken erahnen, im Gästeblock hantierte man mit Pappen, im Heimbereich schon mit einem großen Spruchband. Die Sitzplätze füllten sich nur langsam, waren aber bis zum Einlaufen der Mannschaften nahezu vollständig gefüllt. Über 49.000 Zuschauer waren heute Zeuge des Derbys und Spitzenspiels der Allsvenskan, Rekord für ein Derby in Stockholm!

 

AIK arbeitete zum Auslaufen der Mannschaften mit ein paar Fackeln und Spruchbändern, die Gäste verglichen das Heimteam mit putzigen Nagern aus der Kanalisation, ließen dann eine Hammarby-Sonne aufgehen und zündeten selbst noch ein paar Dutzend Bengalos! Nicht schlecht für den Anfang, top Auftakt!

 

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Auch das Spiel hatte für die Allsvenskan kein so schlechtes Niveau, Hammarby versuchte mutig nach vorne zu spielen, während AIK defensiv sicher stand und abwartete.

 

 

Stimmungstechnisch hatte AIK leichtes Oberwasser, kein Wunder, schließlich hatte der Heimverein neben der Kurve noch einen guten aktiven Teil der Geraden hinter sich. Das änderte sich nach einem verschossenen Elfer der Vorstädter, Hammarby drehte durch, während die schwarz-gelben eine Zeit lang doch recht geknickt wirkten.

 

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Über lange Strecken waren in Hälfte zwei aber auch nur die Ultrakerne der beiden Szenen aktiv, das Spiel plätscherte schon langsam Richtung Ende, da ging die Spielstrategie von AIK doch noch auf, gute Umschaltsituation und 1:0 für die Hausherren. Solna war dem Meistertitel somit ein großen Stück näher gekommen, für Hammarby war der Traum so gut wie geplatzt, für sie ging es jetzt nur noch darum, sich zum Saisonende den Europapokalplatz zu sichern. Auch die AIK-Fans verließen außerhalb der Kurve relativ schnell ihre Plätze, da war die Begeisterung wohl doch nicht allzu groß. Zur Orientierung: „Normale“ Heimspiele werden im Schnitt von einer niedrigen fünfstelligen Zuschauerzahl besucht.

 

Wir ließen den Abend auf Södermalm bei Burger und Bier ausklingen, der Rest war ob der späten Niederlage etwas geknickt, der neutrale Zuschauer hatte ein vernünftiges Spiel mit zwei gut aufgelegten Kurven gesehen.

 

Bollklubben Häcken vs. Idrottsföreningen Kamraterna
Bravida Arena, 24. September 2018, Endstand 4:1

 

Das Wochenende bzw. der Wochenanfang hielt aber noch ein weiteres Derby für einen bereit. Auch in der zweitgrößten Stadt des Landes duellierten sich die Lokalrivalen miteinander. Während man in Stockholm bei Hammarby und AIK aber von „Waffengleichheit“ sprechen kann, ist der kleine Göteborger Club BK Häcken dem Nachbarn von IFK in Sachen Fanszene und Erfolge in der Vergangenheit deutlich unterlegen.

 

Vorher mussten aber noch ein paar Stunden Autobahn hinter sich gebracht werden, dieses Mal mit einer etwas längeren Pause am Vättern, besser gesagt im kleinen Ort Gränna mit seinem kleinen Fährhafen. Leider hatten sämtliche Imbisse um diese Jahreszeit unter der Woche schon geschlossen, sodass man hungrig den See wieder verließ. Wirklich eine nette Ecke am Vättern. Wer fit im Sattel ist, kann das Gewässer übrigens mit 17.500 anderen Radfahrern auch aus eigener Kraft umrunden, sofern man 300 km auf zwei Rädern durchhält. Man selbst bevorzugte mangels Rad aber doch besser vier Räder, keine zwei Stunden später wurde der Ostrand von Göteborg erreicht. Da beide Mitfahrer die Innenstadt schon zu genüge kannten und die Zeit schon recht fortgeschritten war, ging es nach einem kurzen kurdischen Imbiss direkt zum Stadion. Direkt am Ground lungerte schon ein Teil der IFK-Szene herum, die war heute naturgemäß gut vertreten, da geht die Ansetzung am Montag schon eher klar, als bei Strecken quer durch das Land.
Anstelle des alten Rambergsvallen nennt Häcken seit drei Jahren ein neues, etwa 6500 Zuschauer fassendes Stadion, sein Zuhause. Ausgestattet mit Kunstrasen erinnert es ein wenig an das Stadion in Almelo vor dem Umbau und reicht genauso wie sein Pendant in den Niederlande vollkommen aus für das normale Zuschauerinteresse.

 

Gegen IFK war naturgemäß etwas mehr los als sonst, etwa 6000 Zuschauer wollten sich das Derby nicht entgehen lassen, davon dürfte gut ein Drittel die Daumen für die Gäste gedrückt haben. Sportlich waren die Vorzeichen doch recht ungewöhnlich, während Häcken noch mit einem Auge Richtung Europa League schielte, musste IFK tatsächlich noch ein wenig aufpassen, nicht unten reinzurutschen.

 

Dementsprechend gut drauf war auch der Heimanhang, der das Einlaufen der Mannschaften mit einer kleinen Choreo begleitete.

 

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Was folgte, war ein richtig gutes Spiel, jedenfalls vom Heimteam. Häcken spielte munter nach vorne und brachte den großen Club immer wieder in Verlegenheit, sodass es zur Pause bereits 2:0 für die Hausherren stand. IFK hatte dem ganzen nur auf den Rängen etwas entgegenzusetzen, dort spulte man mit einigen Schwenkern unbeirrt sein Programm runter. Nicht wirklich laut, aber immerhin durchgängig. Die Heimkurve gab ab und zu etwas zum Besten und freute sich ansonsten über das muntere Spielchen ihrer Mannschaft, welches sie am Ende gar mit 4:1 für sich entscheiden konnte. Eine einmalige Sternstunde war das Resultat aber nicht, bereits zum sechsten Mal seit der Jahrtausendwende – ohne durchgehend in einer Liga zu spielen – schenkte der kleine BK Häcken dem Rivalen zu Hause mindestens drei Tore ein und gewann im die Partie.

 

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Im Anschluss hieß es für ein paar Stunden abwarten und im Pub Bier trinken. Auf eine Übernachtung in der Stadt hatte man bewusst verzichtet und sich einen Platz auf der Nachtfähre ins dänische Frederikshavn gebucht. Diese Möglichkeit nutzen dann außer fünf LKWs auch nur ein Dutzend Touristen, sodass die dreistündige Überfahrt verpennt werden konnte. Gemeinschaftlich schaffte man dann noch den Weg bis Flensburg über eine morgendlich schon recht volle E45.

 

Ein Derbywochenende war somit vorüber, wer die Chance hat, sich ein Duell von Hammarby und AIK beizuwohnen, der sollte sie auch ergreifen.

 
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