Wie so viele machte ich mich letztes Jahr nach meinem mehr oder weniger erfolgreichen, doch immerhin bestandenen Abitur auf den weiten Weg nach Australien.

Nach überstandenem Jetlag wurden erst mal die umliegenden Strände sondiert, um der neu gewonnen Freiheit nichts tuend Ausdruck zu verleihen. Doch so geil die Strände und Landschaften auch sind, es kam die Sehnsucht auf, endlich mal wieder Stadionluft zu schnuppern und zu schauen, was Down Under fussballtechnisch so zu bieten hat.

 

1 Bier

 

Also fix das nächstbeste Spiel herausgesucht. Western Sydney Wanderers vs. Adelaide United sollte mein erstes Match auf australischem Grund lauten. Entspannte 10 Minuten Fußweg vom Hostel war das Parramatta-Stadium gelegen. So konnte dank rechtzeitigem Aufbrechen noch das ein oder andere Gerstenkaltgetränk in der, in unmittelbarer Entfernung zum Stadion liegenden Fankneipe der Wanderers verköstigt werden. Das Stadion an sich ist kein besonderes Highlight. Das lag unter anderem daran, dass es, wie in ganz Australien, keine Stehplätze zu bieten hatte. Auch das Spiel wusste nicht unbedingt zu überzeugen. Beide Teams mussten sich mit einem 0:0 zufrieden geben. Aber das war an diesem Tag nebensächlich. Die Freude, einen neuen Ground 16.000 km abseits der Heimat abgehakt zu haben, überwog deutlich.

Meine Reiseroute führte entlang der Süd- und Ostküste Australiens. Das hatte zum Vorteil, dass nahezu alle australischen Großstädte passiert wurden, in denen fast alle Clubs der nur 10 Teams umfassenden Liga beheimatet sind.

Das aus meiner Sicht schönste Stadion fand ich in Adelaide vor. Durch seine große Haupttribüne konnte ein Funken Tradition in dieser erst sehr jungen australischen Fußballgeschichte versprüht werden. Denn obwohl natürlich auch in der ehemaligen britischen Strafgefangenenkolonie schon seit Ende des 19. Jahrhundert gegen den Ball getreten wird, wurde der australische Verband erst 1961 gegründet. Der Beitrott zur Fifa erfolgt 1963 – in dem Jahr, in dem in Deutschland die Bundesliga gegründet wurde und bereits 51 Deutsche Meistertitel errungen wurden.

Der erste Ligabetrieb wurde sogar erst 1977 eingeführt. Bei der heutigen ersten Liga, der A-League, handelt es sich um eine in sich abgeschlossene Liga. Sportliche Auf- noch Abstiege sind nicht möglich. Der Unterbau ist bereits in diverse Regionalverbände aufgeteilt.

In der Gegenwart wurden natürlich auch die kulinarischen Begebenheiten genauestens unter die Lupe genommen. Besonders die mit Käse veredelte deutsche Bratwurst, die es bei Melbourne Victory gab, wusste zu überzeugen. Lediglich der stolze Preis von 10$ war uns ein Dorn im Auge. Selbes traf auch auf die Bierpreise zu, welche sich in ähnlich schwindelerregenden Höhen befanden.

 

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Nach neun Monaten Australien und insgesamt 13 besuchten Spielen, lässt sich sagen, dass Australien für vieles steht. Unendliche Weiten, offene Menschen, traumhafte Landschaften, aber für seinen Fußball sicherlich nicht. Vielmehr wird es hier als ein „family-event“ inszeniert, welches in erster Linie auf Konsum ausgelegt ist. So etwas wie Fankultur hat die Liga in den meisten Fällen nicht zu bieten. Das war neun Monate lang für mich auch völlig in Ordnung. Aber irgendwann freut man sich trotzdem wie Bolle, nächste Saison endlich wieder auf der Westtribüne, unseres geliebten Holsteinplatzes stehen zu können.

 

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