Frühlingshafte 15 Grad bei wolkenfreien Himmel im Tal von Serravalle, ein genüßliches Getränk schlürfend und vor mir auf dem Rasen spielend FC Domagnano vs. SS Cosmos. So malte ich mir beim Planen dieses Stopps San Marino aus.

 

Im Vorwege informierte ich mich über Nahverkehrs Möglichkeiten. Bedauerlicherweise fahren ab 20 Uhr keine Busse mehr in dem kleinen Staat. Aber was soll''s?  a) Gibt es Taxen und b) sollte es mir als jungen Menschen noch gelingen, die ca. vier Kilometer in das übernächste Dorf zu meinem Hotel zu wuppen. Gegen 19.15 Uhr trat ich aus meinem Hotel und war erstmal alles andere als amused. War doch die Sicht von einem auf den anderen Moment gar nicht mehr vorhanden, eine undurchschaubare Nebelbank . Lange Zeit zum überprüfen ob das Spiel statt findet hatte ich nicht, da in knappen zehn Minuten der letzte Bus des Tages talwärts fahren sollte. Nun denn, drauf geschissen, den Rückweg zu Fuß hatte ich eh eingeplant.

 

Selbstverständlich gibt es auch in San Marino Taxen, jedoch wurde mir von zwei Menschen im Hotel abgeraten diesen fahrbaren Untersatz zu wählen , denn diese seien "fucking expensive."
Guter Rat kann Geld sparen! Gegen 20 Uhr dann endlich am Ziel meiner Träume angelangt : Stadio Olympico Serravalle, besserte sich meine Laune erheblich. Nebel wie weggeblasen, dafür aber Regen, Regen und Regen, aber der Mensch ist ja bekanntlich nicht aus Zucker. Die Teams und das Schiri Gespann hatten sich ordentlich aufgewärmt, der Beginn des Spiels war für 20.45 Uhr geplant.

 

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Kurz vor Spielbeginn kam noch mal die Platzkommission zusammen, denn in den vergangenen 45 Minuten setzte der starke Regen dem Rasen bedenklich zu. Als dann das Zeichen Richtung Tribüne, zu den inklusive mir neun Anwesenden Tifosi, kam, dass das Spiel nicht angepfiffen wird, durchzog eine leichte Ohnmacht meinen Körper.

Ok was nun? Erstmal kurz sammeln. Einen jungen Fußball-Journalisten (15 Jahre alt), mit dem ich vorher ein paar Sätze gewechselt hatte, fragte ich ob die anderen Spiele dieser Pokalrunde denn angepfiffen würden. Er zeigte auf Flutlichter hinter dem Stadion und meinte, dass dort ein anderes Spiel statt finden könnte. Schnellen Fußes bei strömenden Regen zum 500 Meter entfernten Licht der Erleuchtung. Bei Ankunft konnte ich mein Glück kaum fassen. Ja, hier wird gekickt.

 

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Fußballerisch irgendwo zwischen unser Verbandsliga und SH-Liga anzusiedeln, ergaben sich äußerst amüsante Szenen a la WM 74 Deutschland gegen Polen. Mit Leidenschaft supporteten sogar 5 Ultras von Tre Penne ihr Team aus der Lautsprecherkabine heraus. Endstand zwischen SP Tre Penne und AC Libertas 4:6. Das Stadion Olympia Platz B wirkte eher wie ein Traingsplatz mit kleiner Holztribüne, die zum Verweilen einlädt.

 

Nach Abpfiff der Gewaltmarsch zurück in das vier Kilometer entfernte Dorf meines Hotels.
Je höher es ging umso mehr kam auch wieder der Nebel ins Spiel und bei Geschwindigkeiten von 100 kmh, war mein an der Leitplanke rumgelaufe alles andere als Lebens bejaend. Dazu immer noch der Regen und die Kälte. Es gibt tatsächlich schönere Momente im Leben eines Fußball-Fans. Einige Kurven bewältigte ich aus Sicherheits relevanten Gründen im Vollsprint. Bei gut 2/3 der Strecke, nach 45 Minuten Fußweg, bremste hinter mir ein Wagen ab. Ich dachte, erbarmt sich jemand und nimmt mich mit?

 

Beim Umdrehen, sah ich die Aufschrift des PKW: Polizei... Na Klasse. Das wird ja immer besser. Und klar, sie wollten wissen, was ich denn hier zu tun gedenke und vorhabe? Nach Personkontrolle und Überprüfung meiner Daten bei Interpol (Zu meiner Verwunderung bin ich dort doch tatsächlich nicht zur Fahndung ausgeschrieben) sollte ich in den Wagen steigen. Aufgrund der nicht ausgeprägten Englischkenntnisse der Gendarmen, wußte ich nicht wirklich was Phase ist. Erst nachdem Sie mich fragten: Ob unsere 1312er denn nun Audi, BMW oder Benz fahren und ich dann zu ihrer erkennbaren Enttäuschung erwiederte "No, normally Volkswagen" kam mir zum ersten Mal der Gedanke, eventuell komm ich doch um eine Haftstrafe und/oder Geldstrafe herum. Fragte ich doch nun in vollen Übermut mal nach, was der jetzt Plan der Polizia denn nun sei. Darauf drehte sich der Beifahrer um und lächelte mich freundlich an sagte: Wir fahren sie zur eigenen Sicherheit ins Hotel.


Grazie.

 
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