EM-Stadion Salzburg, 19. Juli 2014, Endstand 6:1

Ursprünglich sollte in der obigen Zeile einmal das Spiel FC Aarau gegen den FC Basel stehen, glücklicherweise erfuhr der Schreiber noch rechtzeitig in den Weiten des WWW, dass der Anhang sich beim letzten Spiel der beiden Teams wohl ordentlich daneben benommen hatte und daher der Gästeblock im Stadion Brügglifeld zu Aarau zu diesem Spiel geschlossen blieb. Fein! Für dieses Spiel ohne Gästeanhang und eine Übernachtung bei den teuren Schweizer Nachbarn war das Geld dann doch ein wenig zu schade, sodass es kurzerhand vom Bodensee über München und am Chiemsee und dem Alpenrand vorbei in die Mozartstadt ging. Schon beim Aussteigen aus dem Zug war das treiben auf dem Bahnhof vom Rapid-Grün bestimmt, ernste Ausgaben der Rapid-Szene waren aber noch nicht zu sehen. Das Ziel war aber selbstverständlich noch nicht der Bau vor den Toren der Stadt, erst einmal sollte einmal die Innenstadt erkundigt werden, bisher war der Schreiber schließlich nur einmal durch die Grenzmetropole durchgefahren. Der lange Kampf mit dem Schließfach wurde schließlich gewonnen, erleichtert ging ab Richtung Salzach. Schon nach ein paar Schritten wusste man, dass auf die Altstadt komplett im Gegensatz zum heutigen Heimteam steht, das war wirklich traditionell und hübsch anzusehen. Ich bin eher nicht der Freund davon, bestimmte Sehenswürdigkeiten unbedingt ansteuern zu müssen, da finde ich es schon viel besser, einfach mal zu gucken, wo einen die Füße hinführen. Keine schlechte Wahl, Schloss Mirabell von 1606, übrigens UNESCO Weltkulturerbe wie die gesamte Altstadt, inklusive Schlossgarten waren echt eine tolle Kombination mitten in der Stadt. Da durften natürlich auch die asiatischen Touristen nicht fehlen, die sich mal wieder Zuhauf wahrscheinlich im Rahmen eines „Europa in einer Woche“-Programms über den ganzen Kontinent verteilt hatten. Mit der 150.000 Einwohner-Stadt hatten sie aber durchaus einen netten Ort gefunden.

 

DSCF2930

 

DSCF2931

 

Weiter gings in Richtung Salzach, der die Stadt in zwei Hälften teilt. Den zahlreichen Angeboten an Sachertorte (Ja, sammer denn schon in Wien?) konnte man widerstehen, durch zahlreiche kleine Gassen ging es im Schatten der hoch über der Stadt gelegenen Festung Hohensalzburg in Richtung Mozartplatz, wo man bereits, u.a. durch eine Art Mozartrollenspiel, auf den berühmtesten Sohn der Stadt aufmerksam gemacht wurde. Irgendwie ziemlich touristisch, aber auf eine nette Art! Wirklich etwas nervig waren hier nur die zahlreichen Verkäufer von einschlägigen Zeitungen, welche trotz verbaler Ablehnung weiter hinter einem hertrotteten.

 

DSCF2933

 

DSCF2936

 

DSCF2939

 

DSCF2941

 

Dann war aber mal Schluss mit lustig bzw. der Kultur, ab zurück zum Bahnhof, bei 30 Grad mal etwas für den Flüssigkeitshaushalt getan und raus zum Grund des heutigen Besuch. Passenderweise lag das Stadion direkt vor den Toren der Stadt eingerahmt von Messe und Einkaufszentrum. Nach einem kurzen Gang erreichte man das Ziel des Tages, sogar etwas später als erwartet. Die Kartenfrage war noch nicht geklärt und irgendwie hatte ich auch keine Lust, nach einem Besuch im Zentralstadion mit der KSV nun auch noch dem zweiten Teil des Imperiums Geld in den Rachen zu schmeißen. Glück gehabt, dank etwas Aufmerksamkeit konnte man noch vor den Ticketschaltern für 10€ eine Karte ergattern. Das Publikum ließ übrigens schon erahnen, wo man hier gelandet war. Ab der zweiten Liga in Deutschland wird es bei manchen Anhängern beim Outfit schon grenzwertig, aber das hier sah doch schon stark nach US-Sport mit Popcorn aus. Da ging es lieber fix Richtung Gästeblock bzw. in den Block daneben, schließlich war ich gespannt, wie sich die Rapid-Szene nach der Inhaftierung von Capo Oliver Pohle und zahlreichen neuen Stadionverboten so präsentierte, denn ohne jetzt pathetisch klingen zu wollen, hier trafen heute wirklich zwei Welten aufeinander, dort auf der einen Seite die Anhänger eines Produkts, die vor 5 Jahren wohl noch nie etwas von der Sportart gehört hatten und dank der Neugründung von Austria Salzburg natürlich berechtigterweise über keine alteingesessene Fanszene verfügen, auf der anderen Seite Rapid Wien, ein Verein, der mittlerweile beständig sparen muss und somit in der Meisterschaft chancenlos ist, mit einer der ältesten Ultragruppen im deutschsprachigen Raum, die sicherlich in diesen Landen ein sehr hohes Ansehen genießt.

 

DSCF2943

 

Dank des Status als Saisoneröffnung der Liga der Alpenrepublik ließ sich auch Oliver Kahn als Gast auf dem Rasen von Wals-Siezenheim blicken, Sponsorenverträge machen es möglich. Nach einem unfassbar schlechtem Intro auf Heimseite (Rapid verzichtete komplett) nahm das Spiel dann vor etwa 20.000 Zuschauern seinen Lauf. Die 1500 Gäste hatten sich heute über zwei Ränge verteilt, während Ultras Rapid sich unten positionierten, fanden sich die Lords im Oberrang wieder. Nahezu der gesamte Gästeblock stieg in der ersten Viertelstunde in die Gesänge mit ein, während auf dem Rasen das Heimteam das Spiel machte und Rapid zu kaum einer ernsthaften Chance kam.

 

DSCF2946

 

DSCF2947

 

DSCF2951

 

So kam es, wie es kommen musste, der Konzern ging schnell mit 1:0 in Führung und der Club aus der Hauptstadt weiß kaum, wie ihm geschieht. Das steigerte sich noch bis zur Halbzeit, sodass nach 45 Minuten eigentlich alles bereits klar schien. Einziger Farbtupfer in der sterilen Umgebung war hier und heute nur noch ein wenig Rauch aus dem Gästeblock.

 

DSCF2960

 

Höhepunkt waren aber noch am Dach installierte Lichter und Stroboskope, die nach dem Tor die Stimmung zum Kochen brachte. Wirklich unglaublich, wie weit man sich vom Wesentlichen auf dem Rasen entfernen kann. Fairerweise muss man sagen, dass auch die Salzburger ein paar Mal gehört wurden und auch ein bisschen Bewegung im Block war. Salzburg knüpfte mit wirklich gutem Fußball nahtlos an die erste Hälfte an, sodass bis zur Nachspielzeit ein komfortables 6:0 herauskombiniert war. Ein pikantes Ereignis dürfte noch die Einwechslung vom österreichischen Nationalspieler Marcel Sabitzer bei Salzburg darstellen, der dank Klausel im Sommer nicht innerhalb der Liga wechseln durfte. Da wurde die Leipziger Filiale kurzerhand aktiv, verpflichtete den guten Mann und verlieh ihn direkt zum Meister Salzburg. In diesem Moment dürfte wohl jeder Salzburger froh darüber gewesen sein, dass der Gästeblock wie so oft einem Hochsicherheitstrakt glich. Der grün-weiße Anhang ließ sich aber nicht entmutigen und sang ohne Pause bis zum Anschlusstor durch Hoffmann in der Nachspielzeit durch, insbesondere die bekannten Gesänge wie „Rapid Wien – Lebenssinn“ und „Rapid Wien ist das was zählt“ in der Rapid-Viertelstunde schwirren mir noch heute durchs Ohr, wirklich toll zu sehen, wie neben dem 18-jährigen Ultra auch der Opa mit über 70 seinen Verein nach dieser Klatsche feiert.

 

DSCF2964

 

DSCF2965

 

Das Zeitfenster nach dem Spiel war ziemlich knapp, also im Dauerlauf Richtung S-Bahnhof, übrigens bewacht von sehr professioneller Security, die penibel darauf achteten, dass man auch ohne Zug nicht die Sicherheitslinie überschritt – toller Job. Buchstäblich in letzter Minute erreichte der Schreiber den Railjet in die Bundesrepublik, der einen dann sicher nach Augsburg brachte (Wasser im Bordbistro 4,20 €, gerne!), schließlich sollte es frisch ausgeruht morgen in die mutmaßlich teuerste Stadt der Welt gehen! Eine Gewissheit hat dieser Tag schon gebracht: Trotz Misserfolg, Repressionen und Salzburg, die Fanszene Rapid Wien ist noch sehr lebendig!

 

DSCF2942

 

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok