Veronicastadion, 17. Januar 2015, Endstand 2:2

 

Nächster Tag und nach Ajax stand heute mit der zweiten holländischen Liga das Kontrastprogramm auf dem Plan. Das Spiel war nicht nur das einzige am Nachmittag stattfinde Spiel in der Region, es war von unserem Domizil auch in keiner halben Stunde zu erreichen. Gerne! Da konnte man sich auch 10 Minuten mehr Zeit nehmen, um einen kleinen Umweg längs des Ijsselmeers zu fahren, wirklich ne nette Gegend mit kleinen Ortschaften. Windig war es auch, alles wie zu Hause. Den meisten Lesern wird wohl eher der zweite Teil der Gemeinde zumindest auf dem Brot etwas sagen, schließlich grenzt Volendam direkt an Edam und dort gibt's bekanntlich Käse, den der asiatische Tourist ganz stilecht am Wegesrand kaufen konnte.

 

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Das Stadion sieht eigentlich aus wie ein typischer Bau in der zweiten Liga der Niederländer, ich persönlich finde das ganze Paket aber immer ganz nett, nicht überlaufen, Clubcard braucht man in den meisten Fällen auch nicht und kicken können die Jungs auf dem zumeist Kunstrasen auch ganz ordentlich. Das sah auch eine weitere bekannte Hoppinggruppe so, welche dieses Wochenende ebenfalls dem der sportfreien Zeit in Deutschland entfloh. Gruß an dieser Stelle nach Rostock und Berlin, it was a pleasure! Gemeinsam gings danach ein bisschen in den Ort selber, der mit seinem kleinen Hafen und der kleinen Promenade wirklich ansprechend daherkommt, erinnerte ein wenig an Büsum an der Nordseeküste. Weniger ansprechend waren aber die Preise, da gönnt man sich als Kieler schon einmal eine Portion Fish'n'chips und darf dafür mit 10€ die einheimische Wirtschaft stärken, kein Wunder, dass die Preise nirgends zusehen waren. Alternativ gab es anderes, landestypisches Friteusen-Essen.

Amsterdam ArenA, 16. Januar 2014, Endstand 2:0

 

Wir schreiben das Jahr 2013, besser gesagt, Anfang 2013. Damals hatte sich exakt die gleiche Reisegruppe geschworen, nach etlichen abgefroreren Gliedmaßen, Wind, den man in dieser Ausprägung wohl eher aus der sibirischen Tundra kennt und einem Spielniveau, das am freundlichsten wohl noch mit dem Begriff „geht so" abgestempelt werden kann, nie mehr einen Fuß in das Staatsgebiet des westlichen Nachbarn im Winter zu setzen.

 

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Etwa 2 Jahre später waren die kalten Erinnerungen wie ausgelöscht, der Mietwagen war zu einem Spottpreis gebucht (schon komisch, wenn man am Schalter den Besuch eines Coffeeshops entschieden verneint und der eigentliche Grund der Tour für Normalsterbliche doch noch bescheuerter klingen würde) und irgendwie fanden sich vier Kieler sofort auf der A1 Richtung Süden wieder, denn was soll man schon machen, wenn die eigene KSV noch in der Türkei jenseits von irgendwelchen Pflichtspielen herumtrainiert und der ein oder andere mal wieder Lust hat, sich in halbvollen Stadien bei Frikandeln und Kroketten den Hintern abzufrieren? Dann ist guter Rat teuer bzw. Holland in Not.

 

Im Gegensatz zum letzten Mal, als man in Enschede und Groningen doch noch sehr grenznah war, wagte man sich dieses Mal doch etwas mehr ins Landesinnere, mal gucken, wie es so ist, zu fünft in Amsterdam. In Osnabrück wurde dann noch das letzte Mitglied der Besatzung kurzerhand vom Bahnhof eingesammelt, ehe man zum Mittag ein Restaurant einkehrte, welches von einem Herrn besonders empfohlen wurde („Wenn du das gut findest, kann das nichts Dolles sein"). Im Nachhinein muss man zugeben, dass es eine gute Entscheidung war. Kurzerhand ging es anschließend noch die paar Kilometer nach Westen, ehe der Schreiber das erste Mal seit einem kleinen Abstecher im Sommer nach Maastricht wieder niederländischen Boden unter den Reifen verspürte. Leider wurde im Radio nur vereinzelt Techno gespielt, da sind die südlichen Nachbarn aus Belgien schon deutlich besser aufgestellt.

Ernst-Happel-Stadion, 29. November 2014, Endstand 3:0

 

Der erste Rapid-Hoppingbericht bei CCK (siehe hier) ist dies zwar nicht, aber wenigstens eine Groundpremiere. Nach dem kürzlich erfolgten Abriss des ehrwürdigen Hanappi-Stadions und bis zur Fertigstellung der neuen Spielstätte – geplant für 2016 – tragen die Hüttelsdorfer ihre Heimspiele im Ernst-Happel-Stadion aus.

 

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Normalerweise finden hier das ÖFB-Cupfinale und Heimspiele der Nationalmannschaft statt, ebenso war das Happel-Stadion bei der EM in Österreich und der Schweiz Finalspielort. Für Ligaspiele wurde die Arena hingegen bisher nur in Ausnahmefällen wie dem Wiener Derby zwischen Rapid und Austria genutzt. Verständlich, denn die trotz Laufbahn sehr gelungene und sowohl von außen als auch innen optisch ansprechende Konstruktion ist für den österreichischen Ligaalltag vor allem eines: viel zu groß.

 

Um 05:30 Uhr klingelte dann auch schon wieder der Wecker. Um 05:30 Uhr? Ja, richtig gelesen und das war alles auch so gewollt, schließlich wartete um 11:00 Uhr schon wieder der nächste Kick in Warschau auf uns und während man sich in Kiel vor der Fahrt nach Osnabrück noch einmal umdrehte, öffnete sich bei unserm Mietwagen die Kofferraumtür schon wieder automatisch. Also schnell raus aus Bydgoszcz und nach einigen Minuten erlangte man endlich Erkenntnis, wo sich die über 300 Einwohner denn versteckt hielten: Plattenbau in Reinkultur, welch Wunder. Auch die Pilzesammler waren schon aufgestanden, zahlreiche Autos standen schon wieder am Waldesrand. Die aufgehende Sonne wies und wie so oft den Weg: Es ging ohne zu zögern Richtung Osten. Heute hatte man sich mal wieder für die Landstraße entschieden, was auf eine kleine Ausnahme (2 Zloty für 3 Kilometer Autobahn) auch ganz gut gelang. Die Bebauung am Straßenrand wurde allmählich immer verfallener, Warschau kam näher! Auf vollen Straßen betrachtete man die Skyline erst einmal nur von unten, denn bevor man heute Abend dem Hauptspiel der Tour bei Legia einen Besuch abstattete, hatte der Polen-Experte auf dem Beifahrersitz noch zwei unterklassige Spiele rausgesucht.

 

Wolski Robotniczy Klub Sportowy Olimpia Warszawa vs. Miejski Klub Sportowy Bug Wyszków

Stadion Olimpii, 13. September 2014, Endstand 3:2

 

Hinter obiger Aneinanderreihung von Konsonanten verbirgt sich ein Kick der 5. polnischen Liga. Vom Niveau her kann man sich das eigentlich nicht antun, wäre da nicht die Spielstätte der heutigen Begegnung, das Stadion Olimpii. Die Hauptstraße wurde schnell verlassen, dank sehr sportlicher Fahrweise der polnischen Autos war man darüber auch nicht ganz unglücklich. Nachdem die Gruppe einen heruntergekommenen Angelladen und einen geschlossenen Kiosk passierte, wähnte man sich bereits in irgendeinem Barrackenviertel oder einer Favela (seit der WM ein geflügeltes Wort, klingt auch einfach harmloser als Slum und seitdem Medien die Cuvrybrache in Berlin zu einer eben solchen erklärten, fast schon ein wenig hip). Doch kurz dahinter tauchte das Stadion dann doch. Das Olimpii besitzt nur auf den Hintertorseiten zwei ovale Tribünen, ansonsten darf man sich ebenerdig das Spiel anschauen.

 

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Die Sitze waren bereits überraschenderweise schön heruntergekommen und teilweise schon mit Bekenntnissen zu Legia beschmiert. So eine Stadionstruktur gibt es sicher noch selten in unseren breiten, daher war der Platz den Besuch schon wert. Das einzige, was noch fehlte, waren die Spieler. Das es jedem von uns schon etwas mit Bauch rumorte, war die einzige Verpflegungsmöglichkeit die Tankstelle 100 Meter weiter, sodass man sich vier Hot Dogs verschaffte. Die waren aus meiner Sicht ganz in Ordnung, in manchen Kreisen soll es ja einen regelrechten Kult darum geben, da ziehe den Fransk Hot Dog aus Dänemark aber deutlich vor. Inzwischen tat sich auch auf dem grünen Rasen etwas und überraschenderweise auch auf den Rängen. Waren zunächst nur einige ältere Herrschaften auf den notdürftig abgewischten Sitzen zugegen, hingen Minuten später schon ein paar Olimpia-Fahnen und ein paar Mal wurde der Name in den Morgenhimmel gerufen. Auch aus dem 50 Kilometer entfernten Wyszków hatten sich im kleinen Gästeblock etwa 20 Leute eingefunden, die nach ein paar Schlachtrufen aber lieber Fußball guckten.

Stadion im. Zdzislawa Krzyszkowiaka, 12. September 2014, Endstand 2:4

Polen again! Nachdem sich ein Teil der Autobesatzung bereits einige Monate zuvor nach Stettin gewagt hatte, sollte es dieses Wochenende sehr viele Kilometer tiefer in die osteuropäischen Gefilde gehen. Ursprünglich wollte man eher in Richtung Südostpolen vordringen, dank miserabler Ansetzungen und Vereinsnamen mit für den normalen Fußballtouristen viel zu vielen Konsonanten wurde es eher die Mitte des Landes und ein Abstecher nach Warszawa. Tags zuvor wurden noch ein paar Währungseinheiten getauscht (inklusive der Erkenntnis, dass man nicht erst nach Polen fahren muss, um beim Geld tauschen beschissen zu werden) und das Auto abgeholt, dass am Ende sich sogar als größeres Exemplar herausstellte, dessen Stoßdämpfer in den kommenden Tagen auf polnischen Landstraßen strapaziert werden konnten. Dank einem Ein-Mann-Reisebüro und Polen-Kenners auf dem Beifahrersitz wusste man selbstverständlich genau, was einem an diesem Wochenende serviert wurde. Am frühen Freitag musste erst einmal die Distanz Richtung Stettin überbrückt werden. Ein weiteres Mal zogen die Weiten Mecklenburgs-Vorpommern an einem vorbei, einen Augeblick später verließ man die Autobahn wieder, um die bekannte Landstraße Richtung Polen zu fahren. Die großen Flutlichtmasten vom Pogon Stadion markierten heute glücklicherweise nicht das Ende der Reise. Aber schon in Szczecin selber merkte zumindest die vordere Bank des Wagens, dass man sich hier auf eine andere Fahrweise einstellen muss. Auch wenn besonders einige polnischen Bürger nicht sehr gerne hören werden, in diesem Land herrscht zumindest auf der Straße Anarchie! Vielleicht sollten sich einige grenznahe Landkreise mal ein wenig Gedanken machen, ihre Fahrschüler im Nachbarland ausbilden zu lassen, dann schockt dem frischen Führerscheininhaber selbst das große Berlin nicht mehr oder eben das übergroße Maskottchen von PolskiBus, was in Stettin über den Bürgersteig watschelte. Anschließend beobachtete man noch ein wenig den großen Hafen der Stadt an der Oder um dann schneller als gedacht das zu erblicken, was einem die nächsten 250 Kilometer oder 4 Stunden begleiten sollte: polnische Landstraße! Der letzte Satz mag jetzt etwas sarkastisch klingen, dennoch war das ganze Auto der Meinung, hier wirklich goldrichtig mit der Straßenwahl zu liegen (ja gut, was soll man auch anderes machen, wenn keine Autobahn vorhanden ist?). Auf diese Weise bekam man sehr viel mehr von Charakter des Landes geboten, zum einen wirklich schöne hügelige Landschaften mit großen Wäldern, zum anderen heruntergekommene Dörfer, in denen man sich fragen kann, was zur Hölle man als Bewohner denn anderes machen soll, als am Wochenende zum Fußball zu fahren? Eine Möglichkeit wäre übrigens Pilze sammeln, unzählige Liebhaber derselben konnten in den Wäldern nahe der Straße erspäht werden. Apropos Fußball, erste Anzeichen waren an jeder Bushaltestelle gut zu erkennen, waren es anfangs noch Pogon-Schmierereien, markierten danach mehr und mehr die Jungs aus Bydgoszcz ihr Revier. Einige doch sehr mutige Überholmanöver unserer polnischen Nachbarn später kündigten erste Silhouetten schöner großer Plattenbauten die Ankunft in Bydgoszcz an. Bydgoszcz (deutsch: Bromberg) hat etwa 360.000 Einwohner und gehört somit zu den größten Städten des Landes. Insbesondere kulturell und besonders auf musikalischer Ebene hat die Stadt einiges zu bieten, so findet hier das einzige Opernfestivals Polen statt. Viel junges Volk war hier auf den Straßen unterwegs, kein Wunder, eine Vielzahl von Hochschulen haben in Bydgoszcz ihren Hauptsitz oder eine Zweigstelle. Überhaupt machte die Stadt einen netten Eindruck und bestätigte so gar nicht den Eindruck des deutschen Vorteils eines Berliner Loftbewohners, dass die Landschaft östlich des Brandenburger Tor sowieso zum Verfall freigegeben sei. Dass meine komplette Familie väterlicherseits aus der Stadt kommt, ließ mich sowieso die Stadt nochmal in ein wenig anderem Licht sehen. Bevor es in Richtung Unterkunft gehen sollte, stattete man dem Szene-Shop einen kleinen Besuch ab. Eyecatcher, so der Fachbegriff in der Werbebranche, waren aber nicht die ganz nett anzuschauenden Schals und Shirts, sondern vielmehr das reichhaltige Pyroangebot hinter dem Tresen zum freien Verkauf. Da wurde zumindest eine Person fast ein klein wenig schwach. Das würde doch eine tolle Tour werden, weder wurde man verhauen, noch wurde das Auto geklaut, nur in Frankfurt/Oder wanderte die Besatzung ersteinmal in U-Haft . Als dann auch noch einige Kanten der Zawisza Szene den Laden betraten war dann aber auch Schluss für heute. Doch genug der Ahnenforschung, der architektonischen Bewertung und der zwielichten Erlebnisse mit Einheimischen, das Hotel war schnell gefunden und lag strategisch günstig gegenüber dem Stadion von Zawisza. Für ein ordentliches Vierbettzimmer waren heute knapp 40 Zloty fällig (1€ sind ca. 4 Zloty), da hat man schon in irgendwelchen stickigen Hostels für das doppelte gepennt. Nun aber fix wieder raus, denn wer noch nicht in Polen beim Fußball war, dem sei gesagt, dass auch bei kurzer Schlange sich der Ticketkauf zu einer sehr langen Zeremonie entwickeln kann. Bydgoszcz bildete da leider keine Ausnahme, das Mädel am Schalter sprach kein Wort Englisch, da musste erst einmal ein Kollege aushelfen, der aber ganz schnell wieder verstand und wir mit Händen und Füßen klar machen mussten, dass die Ausweisnummer natürlich nur die einzige Nummer auf dem Perso sein musste. Irgendwann waren die 30 Zloty aber auch an die Frau gebracht, kurz noch typisch polnisch am Lidl eingekauft und rein ins Stadion. Dieses wurde 2008 grundlegend renoviert und besticht besonders durch seine blaue Laufbahn, welche aber tatsächlich noch regelmäßig für größere internationale Wettkämpfe benutzt wird. Insgesamt machte das ganze einen wirklich netten Eindruck, irgendwie ist der Charme einer alten Ostblockschüssel nicht wirklich verschwunden.

 

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Wer jetzt in den kommenden Zeilen Gewaltorgien und Pyro en masse erwartet, diesen geschätzten Leser muss ich leider enttäuschen. Die Szene von Zawisza boykottiert aufgrund eines Konflikts mit der Vereinsführung bereits seit Monaten die Spiele des Teams, wirklich schade, gehört der Anhang doch zu den größeren Nummern in der polnischen Fanlandschaft. Die Gäste aus dem Süden solidarisierten sich kurzerhand mit ihrem Gegner und ließen den Gästeblock komplett leer. Das muss man nicht verstehen, gehört irgendwie in das nicht leicht zu durchschauende System von Rivalität und Solidarität im Kampf gegen die Staatsmacht und die Obrigkeit untereinander. Kurzum: Eigentlich war nichts vorhanden, warum ein Großteil der Fußballinteressierten eigentlich ins östliche Nachbarland fährt. Dennoch sollte es auf dem Feld ein ganz netter Abend werden, dafür sorgte nicht zuletzt die obligatorische Kielbasa am Eingang, die für 10 Zloty daherkam und wirklich lecker war (siehe...).

 

 

Auf dem Feld standen sich heute der Vorletzte und der Tabellenführer aus Krakau gegenüber, das sah man auch schon nach kurzer Zeit: Wisla flankt nach nicht einmal dreißig Sekunden vor das Tor und die Bromberger legen sich den Ball dank missglückter Befreiungsaktion selbst ins Netz. Ohne, dass ich mich jetzt zu weit aus dem Fenster lehne: Wir wurden wohl Zeuge des schnellsten Eigentores in der Geschichte der Ekstraklasa. Ist das was? An der Seitenlinie stand bei Wisla mit Trainer Smuda übrigens kein ganz unbekannter Name, er betreute bereits die polnische Nationalmannschaft und Jahn Regensburg (für welches der beiden Teams war das jetzt ein Kompliment?).

 
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