Ta’ Qali National Stadium, 22. August 2015, Endstand 1:1
 
 
Zu guter Letzt soll also noch dem maltesischen Nationalstadion ein Besuch abgestattet werden. Dieses liegt genau in der Mitte der Insel auf dem Gelände einer ehemaligen Royal Air Force-Basis. Da unser Linienbus nicht direkt am Stadion hält, können wir uns davon überzeugen, dass einige der alten Baracken, die teilweise von Handwerkern, die ihre Erzeugnisse dann wahrscheinlich an Touristen verhökern, genutzt werden, noch immer stehen. Ausgeschildert ist der Weg natürlich nicht, so folgen wir dem Flutlicht …
 
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… und erhalten für die üblichen 7,- € Einlass in das weite Rund, welches Sitzplätze für knapp 18.000 Zuschauer bieten würde. So viele sollten es dann heute doch nicht werden.
 
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Victor Tedesco Stadium, 21. August 2015, Endstand 0:3
 
… Bus bekommen, jetzt nur noch an der richtigen Haltestelle raus. Klappt dieses mal nicht und so wird eine Station zurückgejoggt, um das Victor Tedesco Stadium in Ħamrun noch pünktlich zum Anpfiff der Partie zwischen dem St. Andrews FC und Valletta zu betreten.
 
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Es findet sich eine gut besetzte, unüberdachte Sitzplatztribüne und ein Spielfeld aus Kunstrasen vor. Die Anhänger des Valletta FC haben auf der einen Hintertorseite zwei Zaunfahnen am Fangnetz angebracht. Durchgehenden Support gibt es – wie beim ersten Spiel des Tages auch - nicht. Die guten Szenen des eigenen Teams, sowie die Auswechslungen werden dafür vom Großteil der Zuschauer frenetisch beklatscht und der Pöbelfaktor (Mix aus Englisch, Italienisch und Maltesisch-Kauderwelsch) ist recht interessant.
 
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Hibernians Stadium, 21. August 2015, Endstand 4:0
 
Es ist jeden Sommer das gleiche Spiel: Der Spagat zwischen „Strandurlaub“ (gewünscht von der Dame des Hauses) und Fußball. In diesem Jahr ist unser Ziel mit Malta ein kleiner Felsen im Mittelmeer, der die Wünsche beider Haushaltsangehöriger ausreichend berücksichtigt.
 
Die 12 Mannschaften der hiesigen „Premier League“ tragen ihren Spielbetrieb in nur 3 Stadien aus. Die wollen natürlich alle gekreuzt werden und so geht es aus unserem Touri-Ort für schmale 2,- € per ÖPNV zunächst in die Hauptstadt Valletta, um bei über 30°C die dortigen Sehenswürdigkeiten auf sich wirken …
 
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… und sich die ein oder andere mediterrane Köstlichkeit schmecken zu lassen.
 
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„Lieber - Hartz 4 bezieh´n, im Bett bis um 4 liegen, Bier trinken, Weed dealen, Speed zieh´n Als Geld im Staatsdienst verdien'“

 

Was haben Feine Sahne Fischfilets neue Single und eine Tschechien-Tour gemeinsam? Zum Biertrinken und Drogenkonsum soll sich die sympathische Pforte nach Osteuropa ja durchaus eignen. Diese Annehmlichkeiten sollten Grund genug sein, für den Schreiber (und einen Mitfahrer) einmal wieder die Bundesgrenze zu überqueren, quasi als finale Tour bevor man erst einmal für einige Zeit eben im Staatsdienst beschäftigt sein wird. Ursprünglich wollten wir bereits am Donnerstag das lange Wochenende einläuten, mit der Europa League Partie FK Jablonec (quasi Zwillingsstadt von Liberec) gegen den FC Kopenhagen gab es auch einen absolut würdigen Auftakt nur leider wurde das Spiel als einziges Aufeinandertreffen der Runde auf den Mittwoch, wahrscheinlich wollte man im Dreiländereck kein zweites zeitgleiches Spiel haben, schließlich spielte Liberec gleichzeitig am Donnerstag. Dieses Spiel sollte aber keine Alternative darstellen, schließlich hatten beide Teile des reisenden Duos diese Spielstätte bereits in ihrem Portfolio. Umso ärgerlicher, da der FCK doch einen ansehnlichen Auftritt im Gästeblock ablieferte.

 

Am Freitag wurde das Gefährt der Autovermietung meines Vertrauens dann endlich geentert. Der Freitstaat Sachsen begrüßte uns dann sogleich mit einem Stau kurz hinter Dresden in Richtung CZ, ob entweder alle stolzen Deutschen aus Freital endlich das Land verlassen oder doch Wirtschaftsflüchtlinge aus Urlaubsregionen die Straße blockieren, um endlich ein Upgrade in ihren Hotels zu erreichen, blieb für uns ungeklärt. Im kleinen Container kurz vor der Grenze versorgte man uns gewohnt unfreundlich mit einer Vignette und Sekunden später hatten die Reifen tschechischen Teer unter dem Profil. Unser kleines Domizil lag für die nächsten zwei Nächte in Teplice. Mir war der Ort vorher immer nur als erste Wegmarke auf dem Weg nach Prag in Erinnerung, doch schon beim Eintreffen war man positiv überrascht. Kein Wunder, schließlich verhalfen einige Heilquellen und die dann entstehenden Bäder dem Ort zu einem Status als Kurort. Aus aller Welt kommen Gäste mittlerweile in die Stadt mit 50.000 Einwohnern, doch dazu später mehr!

 

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Das Hotel versprach dann auch einiges, für 50€ pro Nacht gab’s zwei Betten im Kurbezirk und ein gutes Frühstück. Gerne! Bevor man sich allerdings den preislichen und flüssigen Annehmlichkeiten in Teplice widmete, sollte es 20 Minuten nach Osten gehen, dort stand das Eröffnungsspiel der zweiten tschechischen Liga an.

 

FK Ústí nad Labem vs. FC MAS Táborsko

Městský stadion, 31. Juli 2015, Endstand 1:1

 

Das Stadion ist natürlich für Fußballinteressierte im Bereich des NOFV ein alter Hut, aber von Kiel aus sind es eben mit 620 km auch kein Katzensprung. Natürlich hatte das norddeutsche Auto noch keine einzige Kronen-Münze in ihren Geldbeuteln, das Problem konnte aber schnell behoben werde. Als Eintrittberechtigung gab’s heute für 50 Kronen einen formschönen Kassenbon zu bestaunen, was soll’s. Früher war das hier ein schöner kleinen Tschechenground. 2011 war es damit vorbei, die Laufbahn blieb, es entstanden jedoch neue Baulichkeiten, sodass das Stadion immer noch einen gewissen Charme hat, die ganze Szenerie aber sehr modern wirkt. Bezeichnenderweise ist das Stadion nun auch erstligatauglich, seit dem Umbau krebst der FK Ústí nad Labem allerdings noch im Unterhaus herum, daher war heute auch nicht Plzen oder Sparta zu Gast, sondern der FC Táborsko aus Sezimovo Ústí, einer Stadt, welche doch noch einige Kilometer südlich von Prag liegt.

 

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Dass Tschechien bis auf ein paar Ausnahmen keine großartige Fankultur besitzt, dürfte allgemein bekannt sein, Gäste durfte man heute nicht erwarten. Irgendwie auch egal, die zwei Kieler hatten sowieso nur Augen für die Klobasa! Die präsentierte sich gewohnt billig und fettig, natürlich wird dazu auch eine Scheibe Brot gereicht, eine ziemlich gute Sache, sollte man in Deutschland vielleicht auch das ein oder andere Mal versuchen.

 

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Das sahen auch andere Deutsche so und beim bekannten CZ-Ambiente wäre unser einer als Bewohner des Freitstaates Sachsen wohl ebenfalls öfter jenseits der Grenze. Das Spiel passte sich der guten Stimmung nicht so richtig an, das war schon ein übles Gekicke. Zwanzig Anhänger des Heimvereins ließen es sich trotzdem nicht nehmen, ihre Helden verbal zu unterstützen, sie wurden nach dem Rückstand zur Pause immerhin mit dem Ausgleich belohnt. Für uns ging es wieder zurück ins Wohngebiet zu einem gemütlich aufgeheizten Mietwagen.

 

Back in Teplice entscheid man sich für einen kleinen Streifzug durch den Kurort und machte doch einige überraschende Entdeckungen. Zunächst einmal bestätigte sich der gute Eindruck, unser Hotel lag neben dem besten Domizil am Platz in einer idealen Lage. Etliche Stadtvillen und alten Gebäude prägten das Bild, aber auch sehr viele vollverschleierte muslimische Frauen. Das war natürlich eine Überraschung, 60 km weiter nördlich protestiert man gegen den Verfall des Abendlandes und hier gibt es offenbar eine große muslimische Gemeinde, die ihre religiösen Traditionen so offen auslebt. Einerseits natürlich ungewohnt, andererseits war natürlich auch um diese Zeit noch Leben in den Straßen. Ein wenig Recherche über dieses Phänomen brachte Klarheit, so ist der Kurort Teplice bevorzugt Ziel von Gästen aus Kuwait oder Saudi-Arabien. So richtig begeistert ist die Teplicer Bevölkerung nicht über diesen sicherlich auch großen Wirtschaftsfaktor, da steckt doch einiges Konfliktpotential drin. Wer über die Situation mehr erfahren möchte, der wird in diesem Artikel auf Englisch fündig: http://www.praguepost.com/czech-news/41966-teplice-has-to-allow-wearing-of-burqa-niqab.

 

So richtig Lust auf eine Einkehr hatten wir aber nicht mehr, ein paar Getränke im asiatischen Späti (Mein Gott, Teplice ist multikultureller als ganz Sachsen zusammen!) sollten für die weitere Abendgestaltung reichen, schließlich rief am nächsten Morgen schon wieder die Pflicht!

23. Juli 2015, Gamla Ullevi, Göteborg, Endstand 2:0

 

Mit Spannung wird regelmäßig die Auslosung der ersten Qualifikationsrunden für die Champions oder Europa League verfolgt. Besonders im skandinavischen Raum ergeben sich hierbei gerne interessante Begegnungen wie in der Vergangenheit z. B. FC Kopenhagen vs. Manchester City oder Odense BK gegen Aston Villa oder VfB Stuttgart.

 

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In diesem Jahr fiel die Wahl unserer Reisegruppe auf die Partie IFK Göteborg vs. Slask Wroclaw. Die Voraussetzungen für das Rückspiel in der 2. Qualifikationsrunde waren bestens. Nach einem 0:0 in Breslau musste die Entscheidung im Gamla Ullevi fallen. Und da man vor geraumer Zeit mit dem Göteborger Stadtderby lediglich das einstige WM-Stadion Nya Ullevi gekreuzt hatte – seinerzeit befand sich das „Nya" Gamla noch im Bau – war heute ein neuer Ground, für einen der Kieler Besatzung sogar ein neuer Länderpunkt fällig.

 

Theoretisch böte sich eine Überfahrt direkt von Kiel aus an, wäre da nicht der Faktor Geld. Deutlich günstiger zeigt sich die Variante, mit dem PKW die 4 Stunden nach Frederikshavn auf sich zu nehmen, diesen dort zu parken und für entspannte 19,- EUR pro Person pro Strecke überzusetzen.
Mit einer Übernachtung und einer Rückfahrt zur Mittagszeit hätte das Gesamtpaket ziemlich entspannt werden können. Doch zumindest in Sachen Rückweg machte uns das Schicksal in Form eines Öltankers einen Strich durch die Rechnung. Weniger als eine Woche vor Abreise wurde eine der für die Strecke Frederikshavn – Göteborg eingesetzten Fähren derart beschädigt, dass der Verkehr durch die Stena Line nur noch eingeschränkt stattfinden konnte. Hieß für uns: die entspannte Mittagsfähre fällt aus. Stattdessen musste der Check-In am Freitag bereits um 7:30 Uhr erfolgen. Das sollte aber weitestgehend der einzige Wermutstropfen der Tour sein. Auf dem Hinweg zeigte sich das Wetter über der Ostsee von seiner besten Seite. Chillen an Deck war angesagt. Trotz Sonnencreme leider nicht ganz ohne Folge. Unter der strahlenden Sonne sorgte die Fahrt durch die vorgelagerten Inseln hinein in die Mündung der Göta älv schon für ein kleines Urlaubsgefühl.

 

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Während man also in aller Ruhe in den Hafen einfuhr und erst einmal die nächste Tramhaltestelle suchte, hatten die beiden Parteien vom Abend schon ihren Spaß. Die Gäste aus Wroclaw waren mit ihren Freunden aus Gdansk, Krakow und Lublin schon in der Stadt (da fragt man sich natürlich, ob überhaupt noch Gäste aus Breslau selbst die schwedische Polizei auf Trab hielten) und attackierten den Heimmob in einer Kneipe. Eine mittlere zweistellige Anzahl Polen konnten das Spiel dann ad acta legen. Als eine der größten Szenen Schwedens konnte Göteborg da durchaus etwas entgegenstellen, doch dazu später mehr.

 

Das Hotel wurde schnell gefunden, dankenswerterweise mit vollständigem Blick auf das große Ullevi-Stadion, was mittlerweile nur noch zu besonderen Anlässen genutzt wird.

 

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Im Hotelzimmer Akku aufladen und dann ab zum Gamla Ullevi. Der Name ist ein wenig verwirrend, trägt der Neubau doch den Namen des alten Stadions, welches vorher an der Stelle stand. Der große Bau 300 Meter weiter wurde einst für die WM 1958 in Schweden gebaut.

 

Der ist aber, Derbies und sonstige Spiele mit übermäßigem Zuschauerandrang mal außen vor, für alle Göteborger Vereine deutlich zu groß. Dies gilt auch für die „Sportvereinigung Die Kameraden", denn so löst sich IFK ins Deutsche auf, und das obwohl sich die Bilanz des 1904 gegründeten Vereins durchaus respektabel liest: 18 Meistertitel, 6 Pokalsiege und zwei UEFA-Cup-Siege. Um eine adäquate Spielstätte mit passender Größe zu schaffen, wurde nach allem möglichen Hin und Her und explodierender Baukosten von 2007 bis 2009 ein neues Stadion errichtet, das neben den Äglarna („die Engel" - so der Spitzname von IFK), auch die Lokalrivalen Örgryte IS und GAIS Göteborg beherbergt. Zudem ist das Ullevi das Nationalstadion der schwedischen Frauen-Nationalmannschaft und bietet dabei auf zwei Rängen insgesamt 18.416 Zuschauern Platz, wobei 16.596 Plätze offiziell zum Sitzen sind. Dazu kommen noch 27 VIP-Logen, Fanshops und zwei Restaurants.

 

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Im Allgemeinen sind Stadien mit eingebauter Eventkultur, wie sie sie in Holland besonders vorkommen, nicht gerade berauschend, hier an der Westküste Schwedens weiß die Burgerkette Max durchaus zu gefallen. Vernünftige Preise (überraschend ähnliches Preisniveau wie in der Bundesrepublik) und echt gut gemachte Burger. Das wussten auch einige gute gebaute Polen (alle mit der gleichen trendigen Frisur) für sich zu entdecken, sodass der Laden gleich von einigen IFK-Leuten in Augenschein genommen wurde - na so ein Zufall. Insgesamt knisterte es schon gut in der Luft, da hatte man unter vielen Vergleichen von Isländern gegen Osteuropäische Nester etc. natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken den Trip nach Göteborg gewählt.

 

Anschließend ging's rein ins Stadion, ein ordinärer Neubau wie er oft zu finden ist, aber dennoch ganz akzeptabel. Aufgrund der UEFA Richtlinien und Pufferblöcken sollten nur etwa 12.000 Zuschauer Platz finden. Kaum hingesetzt, explodierten außerhalb des Stadions schon die ersten Böller, da wagte man doch einmal einen Blick raus. Göteborg hatte sich mit einem guten Haufen aus 200 Leuten gesammelt und lief an einer Seitenstraße des Gästeblocks vorbei, die die Polizei bereits abgesperrt hatte. Auf der anderen Seite durften sich in einem Park aber anscheinend ein paar Gäste frei bewegen und machten gleich auf sich aufmerksam. Da ließ sich der Heimanhang nicht zweimal bitten und einige Polen bekamen doch gut was ab.

 

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Die Staatsmacht war mit nur einer kleinen Anzahl vor Ort. Das muss man sich einmal in Deutschland vorstellen, Risikospiel und die panischen Behörden fordern eben keine fünf Hundertschaften für das Spiel an. Das Spiel verfolgte auch ein junger Herr aus Saarbrücken, Grüße ins Saarland an dieser Stelle!

 

 
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