Polman-Stadion, 29. Oktober 2016, Endstand 2:2

 

Heracles gegen Sparta, was klingt wie eine historische Schlacht in Griechenland entpuppt sich bei genauerer Betrachtung doch nur als ein normales Ligaspiel in der Eredivisie.

 

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Trotzdem war es für uns etwas besonderes, Almelo war vor ein paar Jahren der erste Verein den wir in den Niederlanden besucht haben und genießt seit dem unsere Zuneigung. Außerdem wurde das Polman-Stadion modernisiert und auch das Wappen des Vereins hat sich geändert, beides zum positiven.

 

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Almelo hatte sich in der letzten Saison mit dem 6. Platz und dem Sieg in den Playoffs für Europa qualifiziert, leider war davon nicht mehr viel zu sehen. In der dritten Runde der Europa-League-Qualifikation schied man mit zwei Unentschieden gegen den FC Arouca aus und auch in der Liga lief es bisher nicht berauschend. Es war das Spiel des Tabellen 15. (Almelo) gegen den Tabellen 9. (Rotterdam).

 

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Nachdem wir unsere reservierten Karten im Fanshop abgeholt haben ging unser erster Weg natürlich gleich in den, im Stadion integrierten, Supermarkt. Früher gab es auch noch eine Bibliothek im Stadion die musste aber einem Fitnesstudio weichen...für uns war beides uninteressant ;-)

...oder Liebesgrüße aus Helsinki

 

Während der Süden der Republik sich wahrscheinlich unter Skandinavien ein einziges Meer von Bäumen, Elchen auf den Straßen und bärtigen Einsiedlern vorstellt, ist man ja als Kieler quasi schon halber Nordeuropäer. Kälte, schlechtes Wetter und eine Stadt jenseits von Prunk hat der Schleswig-Holsteiner eben auch zu bieten. Kopenhagen und Stockholm sind leicht mit dem Auto zu erreichen, nach Oslo geht’s für eine Nacht auf die Fähre. Einzig Finnland sticht da schon ein wenig heraus, vielleicht, weil man eben nicht so leicht hinkommt oder die anderen skandinavischen Staaten einfach sehr viel vertrauter wirken. Das einzige, womit der Schreiber bisher in Kontakt kam, war schließlich der Finnland-Stand auf der Kieler Woche.

 

Als dann die Webseite des Vertrauens für den Fußballreisenden das Helsinki-Derby über den Tag der deutschen Einheit anbot, da war guter Rat teuer. Nebenbei ist es auch gar nicht mal so einfach, eine bezahlbare Flugverbindung nach Finnland zu ermitteln. Einzig die guten Freunde von Ryanair haben das Potential des Landes schon erkannt und flogen vom Flughafen von der Weser direkt ins finnische Nichts zu Trollen und europaweit bekannten Metalbands. Ganz so war es natürlich nicht, das Flugziel Tampere ist immerhin die zweitgrößte Stadt des Landes mit ca. 200.000 Einwohnern, liegt aber auch 180 km nördlich von Helsinki. Ein weiteres kleines Problem war die Abflugzeit um halb sieben, also wurde sich noch fix eine Unterkunft in Bremen gebucht. So ging es an besagtem Freitag erst einmal an die Weser, die uns schon mit leichtem Regen empfing. Das Hostel wurde nach einigem Herumirren gefunden und hielt gleich einige kleine Extras bereit. Als drahtige Reisende macht es natürlich nichts aus, wenn der Aufzug im Haus einmal defekt ist, wenn aber auf den letzten Metern nach oben quasi jede zweite Stufe bröckelt, ist das schon beunruhigend. Kurz nach dem Einchecken waren nach Öffnen der Zimmertür die Betten noch nicht gemacht, also beanstandet und kurz noch in die City um mit einem in Bremen ansässigen Holstein-Sympathisanten asiatisch zu speisen. Irgendwie freut man sich ja immer, wenn es fix geht, aber länger als eine Minute darf es gerne dauern, um wenigstens dem Anschein von Frische zu erwecken. Anschließend rief aber schnell wieder das durchgelegene Bett. Hat mich alles ein wenig an den Bukarest-Trip von vor ein paar Jahren erinnert, da stand die schlechteste Unterkunft der Reise auch in Berlin und nicht in Rumänien.

 

Am nächsten Morgen dauerte es 15 Minuten Straßenbahn, 90 Minuten im Abflugbereich rumhängen und 100 Minuten Flug, dann empfing einen Finnland mit kaltem Wind und grauem Himmel. Irgendein Altrocker sprach mal von 60 Jahren Rock’n’Roll, davon 58 Jahre warten. Irgendwie ist es mit dem ewigen Reisen ja nicht anders. Auf Ryanair-Bus für 6€ hatte man wenig Lust, also ab zum anderen Terminal und auf den Linienbus gewartet. Das Ende vom Lied war, dass uns und ein paar Hamburger (die zum FC Santa Claus in den Norden wollten – tough guys!) ein Großraumtaxifahrer für 2€ pro Person (Schnäppchen) mit in die Innenstadt von Tampere nahm. Die anderen Jungs hatten einen Mietwagen, für uns ging es per Bus nach Helsinki. Nach knapp zwei Stunden verließ man den Bus am unterirdischen ZOB.

 

Erster Eindruck von Helsinki? Sehr sauber und sehr klare Strukturen, eben typisch skandinavisch. Für den ersten Eindruck nicht schlecht, von den Hauptstädten der nordischen Länder wahrscheinlich am ehesten vergleichbar mit Oslo. Nach 20 Minuten Fußmarsch war das Hostel erreicht, hier funktionierte übrigens der Aufzug, auch wenn er schon deutlich über 60 Jahre alt sein durfte. Das Hostel war im Prinzip eine große Altbauwohnung, Dusche gab es nur eine, aber das passte schon. Schließlich waren wir hier sowieso nur zum Pennen. ÖPNV wollten wir in Helsinki uns nicht geben, also ging es zu Fuß einen strammen Marsch durch die Stadt. Die Stadt hat wirklich was, 650.000 Einwohner machen Helsinki zum Zentrum Finnlands, im Großraum der Hauptstadt lebt jeder vierte Finne. Außerdem fühlt man sich als Kieler am Wasser immer am wohlsten, wenn es natürlich die Ostsee ist, die in mehreren Buchten in die Innenstadt hineinragt, dann kann es nicht viel besser kommen. Erster Anlaufpunkt war eine Kneipe, wo sich vorher wohl die HIFK-Leute sammeln wollten. Dort kamen wir dann auch erstmals mit dem finnischen Preisniveau in Berührung, über 6€ über ein 2,5%-Bier. Na denn, vom Essen wurde dann hübsch die Finger gelassen.

 

Von HIFK war auch noch nicht viel dort, stattdessen freuten sich ein paar Leute von FC Kopenhagen über einheimische Bierpreise und auch ein paar Esten konnte man entdecken. Da hat man einmal ein besseres Spiel hier im Norden und schon kommt halb Skandinavien nach Helsinki. Für uns ging es fix weiter. Wir waren ein bisschen zu früh dran, daher musste erstmal der Supermarkt am Platz beehrt werden, anschließend verbrachte man eine nette Stunde auf einer Bank direkt am alten Olympiastadion. Ursprünglich war auch ein Besuch auf dem Olympiaturm angedacht, aber leider wurde das ganze Areal aufpoliert, sodass uns der Blick auf die Stadt verwehrt blieb. Besser konnte man den Wochenendtrip hier nicht gestalten, aber es würde sich schon lohnen, im Olympiastadion mal ein Spielchen zu sehen, nette Schüssel. Der HIFK-Mob hatte sich inzwischen auch zusammengerottet und zog mit viel Pyro und Böllern mit ca. 500 Leuten durch die Straßen.

 

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Durchweg junge Leute waren da am Start, aber ein gutes Bild, wenn man bedenkt, dass Fußball hinter Eishockey und Wintersport nur Sportart Nummer drei ist und HIFK immer Moment in der Tabelle kurz über dem Strich steht. Das Sonera Stadion ist ein relativ neuer Bau und erinnert ein wenig an das Stadion in Maribor, eigentlich das Heimstadion von HJK, nutzt HIFK es mittlerweile auch als Heimspielstätte. Etwa 11.000 Leute passen hier rein, außer bei einigen Derbys ist es nie ausverkauft, so auch heute.

 

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Auf der HIFK Seite hatte man durch das Herausnehmen von ein paar Sitzen einen kleinen Stehplatzbereich geschaffen, der Test des Stadions waren komplett Sitzplätze. Zum Einlauf zündete die Heimkurve ganz nett herum, die Gäste hatten eine einfache Choreo gebastelt, das ging beides in Ordnung.

 

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Bei HJK stand heute Thomas Dähne im Tor, hat mal Jugend-Nationalmannschaft in Deutschland gespielt, auf der Bank nahm Mikael Forssell Platz, der hat sich die Schuhe auch schon für Chelsea und Gladbach gebunden, mittlerweile ist er 35 Jahre alt, sein Vertrag bis Ende des Jahres bei HJK dürfte auch der letzte sein. Ein wenig enttäuscht war man über den HJK-Anhang, wirklich viel stand da nicht im Gästeblock, wenigstens machten viele mit. Auf der Gegenseite spielte sich wohl das Beste ab, was man in der finnischen Veikkausliiga so finden kann: Schwenker ständig in der Luft und 400 Leute wussten echt, was sie zu tun und zu lassen hatten. Schick! Erst dachte unsere kleine Reisegruppe, die kämen im Prinzip nur alle von HIFK Eishockey, aber denkste, die gehen nur zum Fußball haben Bock auf ihren Verein und das, obwohl der Club seit 2014 erst wieder erstklassig ist, nach 43 Jahren (!) unterklassigem Gekicke. Das Gekicke auf dem Kunstrasen ging schon klar, HJK individuell natürlich deutlich besser, aber HIFK hielt gut dagegen. Nach 33 Minuten setzte sich die Willensstärke des Heimteams dann durch und der HIFK-Anhang konnte zum ersten Mal durchdrehen, nett!

 

Direkt nach dem emotionalem WM Finale 2014 fragte mich mein Vater: „In zwei Jahren findet die Europameisterschaft in Frankreich statt, wollen wir hinfahren?“ Da konnte ich natürlich nur mit einem deutlichen JA antworten und so war dies der Startschuss für die Vater Sohn Tour zur Europameisterschaft in Frankreich. In der ersten Verkaufsphase der UEFA bewarben wir uns bereits für Tickets und bekamen zwei Gruppenspiele zugesprochen. Die Begegnungen Portugal – Island und Ukraine Nordirland. Tickets für jeweils 55 Euro. Als schließlich feststand, welche Mannschaften sich qualifiziert haben und die Gruppen ausgelost wurden, bewarben wir uns um Tickets des deutschen Kartenkontingents für die ersten beiden Gruppenspiele der deutschen Mannschaft gegen Polen und die Ukraine. Mit Erfolg: Für beide Spiele bekamen wir Tickets für jeweils 105 Euro.

 

Hauptbedingung dafür war jedoch erstmal die Mitgliedschaft im Fan Club Nationalmannschaft beim DFB. So kamen zum Preis der Eintrittskarte 40 Euro dazu – 10 Euro Aufnahmegebühr für den Fan Club und 30 Euro Jahresgebühr. Mit der Zusage der Tickets konnten wir uns nun auch darauf einstellen, wie unsere Route verlaufen wird: Von Kiel nach Lille (Deutschland – Ukraine), von Lille nach Saint-Etienne (Portugal – Island), von Saint-Etienne nach Paris (Deutschland – Polen) und schließlich wieder von Paris nach Kiel. Das Spiel Ukraine – Nordirland konnten wir leider nicht sehen, da es an dem gleichen Tag war, wie das deutsche Spiel gegen Polen. Zu diesem Zeitpunkt entschieden wir uns dann auch dafür, dass wir uns für die Tour ein Wohnmobil leihen werden. Die Planungen liefen...

 

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Am 11. Juni, dem zweiten Spieltag der Europameisterschaft ging es dann endlich los Richtung Frankreich. Abfahrt in Kiel war um 10 Uhr – Ankunft in Lille um 20 Uhr. In Lille angekommen parkten wir das Wohnmobil auf einem öffentlichem Parkplatz. An einer Straße, wo Busse fuhren und Fußgänger liefen. In einer Gegend, die vertrauenswürdig schien. Von dort aus liefen wir zum nahegelegenen Fanfest in der Innenstadt. Nach etwas halbherzigen Kontrollen befanden wir uns in der Fanzone. Auf der Leinwand schauten wir uns dann mit einem 7 Euro Bier das Spiel England – Russland an. Bei dem Bier gab es noch einen Euro Pfand, den man jedoch nicht immer zurückbekam.

 

Nach dem Spiel erwartete uns dann ein Albtraum: Die Fensterscheibe der Fahrerseite unseres Wohnmobils wurde eingeschlagen und sämtliche Wertgegenstände oder Klamotten, die mehr oder weniger wertvoll waren und im Wohnmobil lagen, wurden geklaut.

 

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Mein Vater ging in ein Hotel um von dort die Polizei zu rufen. In der Zwischenzeit fuhr ein Polizeiwagen an mir vorbei: Den drei Polizisten im Wagen schilderte ich die Situation, doch diese wollten erst gar nicht helfen, sie seien dafür nicht zuständig gewesen und sind einfach weitergefahren. Als mein Vater wiederkam hatte, er auch keine gute Nachricht: Die Polizei wird nicht kommen, sie würde nur kommen, wenn es Verletzte geben würde. Wir mussten zur Polizei fahren um eine Anzeige aufzugeben. Eine Einladung für jeden Einbrecher in Frankreich, der weiß, dass die Polizei scheinbar nie zum Tatort kommt.

 

Ohne Navigationsgerät, welches uns ebenfalls geklaut wurde, erreichten wir etwa um 1 Uhr nachts die Polizeistation. Die zwei Polizisten hinter dem Tresen schienen von Beginn an sehr überfordert. Wir konnten auch nur mit einem von beiden sprechen, da der andere gar keine Englischkenntnisse besaß. Im weiteren Verlauf bekamen wir dann immer wieder Formulare, die wir ausfüllen sollten, bis ihnen auffiel, dass es doch wieder das falsche Formular ist. Um 3:30 Uhr konnten wir dann endlich die Polizeistation verlassen und uns auf dem Weg zu einem Campingplatz machen. Welcome in France sagte der Polizist.

 

An dem Sonntag konnte es nur besser werden: Die Scheibe wurde notdürftig abgeklebt und am Abend wartete das erste deutsche Spiel auf uns. Zusammen mit anderen deutschen Fans fuhren wir mit dem Taxi in die Innenstadt und stimmten uns dort mit weiteren hundert Fans auf das Spiel ein. Mit der Metro ging es später weiter zum Stadion. Am Stade Pierre Mauroy erwarteten uns die selben Kontrollen wie tags zuvor am Fanfest. Unsere Plätze waren in der Kurve Höhe der Eckfahne relativ weit oben. Die Stimmung war gut und wir waren einfach froh, dass es nun wieder um Fußball ging. Höhepunkt des Spiels war dann wohl die Einwechslung Schweinsteigers und sein anschließendes Tor.

 

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Nach dem Spiel verließen 50.000 Fußballfans das Stadion und der Bereich um das Stadion herum war scheinbar nicht dafür ausgelegt, es ging nur sehr langsam voran. Schilder die uns den Weg zu einem Taxistand zeigen sollten waren scheinbar falsch angebracht, da es irgendwann nicht mehr weiterging und wir auf die andere Seite des Stadions geschickt wurden. Dort gab es ein reines Verkehrschaos. Doch einen Taxistand gab es auch hier nicht und so mussten wir bis 0:30 Uhr auf ein Taxi warten (das Spiel war um 22:45 Uhr zu Ende).

 

Am Montag sollte in der 2 km entfernten Werkstatt eine neue Scheibe eingesetzt werden. Doch vor Ort wusste noch niemand Bescheid und so hieß es, dass die neue Scheibe erst in 24 Stunden geliefert werden sollte. Doch nach langem hin und her und mit Hilfe vom ADAC wurde schließlich eine neue Scheibe besorgt und wir konnten um 15:30 Uhr unsere Reise fortsetzen. Auf dem Weg nach Saint-Etienne fuhren wir für die Nacht einen Campingplatz in Marcenay an. Dieser lag eine Stunde abseits der Autobahn und auf dem Weg dorthin fuhren wir durch Dörfer, die komplett ausgestorben schienen. Am Dienstag ging es wieder zurück auf die Autobahn, weiter Richtung Saint-Etienne. Autobahnen, die teilweise privatisiert sind und wir bis dahin schon Mautgebühren zahlen mussten die schon eine Frechheit sind.

 

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Um 17 Uhr kamen wir auf dem Campingplatz in Saint-Etienne an und wenig später fuhr glücklicherweise direkt ein Shuttle zum Stadion. Drei weitere Deutsche, die mit uns im Shuttle saßen erzählten von Leuten, die in Marseille mit ihrem Wohnmobil auf einem Rastplatz übernachteten und dort ebenfalls überfallen wurden. Mitten in der Nacht wurde Lachgas in das Wohnmobil gesprüht und wurden komplett ausgeraubt – mehrere tausend Euro sowie mehrere Kreidtkarten. Was am morgen blieb, war ein kratzen im Hals. Auf der Fanmeile in Saint-Etienne waren die Kontrollen noch schlechter als zuvor. Zu essen gab es „Pain Americain“ für 6 Euro – ein Brötchen in dem ein Steak sowie Pommes waren. Absolut in Ordnung und für den restlichen Abend war der Hunger auf jeden Fall gestillt. Bereits auf dem Fanfest konnte man feststellen was für einen Spaß die Isländer haben. Die Stimmung übertrug sich später auch ins Stadion. Im Stadion hatten wir nun Plätze hinter dem Tor nahe den Isländischen Fans, allerdings fast ganz oben.

 

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Das änderte sich dann jedoch in der zweiten Halbzeit, als wir sahen, dass auf der Haupttribüne Höhe des Strafraums ein paar Plätze frei waren und wir uns diese mitten im Island Block sicherten – in der ersten Reihe. Ein Spiel, dass Laune machte. Doch nach dem Spiel das gleiche Problem wie in Lille: Ein Taxistand? Fehlanzeige ! So dauerte es auch dort wieder bis um 0:20 Uhr, bis wir ein Taxi hatten.

 

Futbolny Klub „Zenit“ vs. Futbolny Klub „Lokomotiv“

Петровский (Petrovskij), 15. Mai 2016, Endstand: 1:1

 

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„Ich glaub es geht schon wieder los …“ und dieses Mal sollte es mit LOT von Hamburg über Warschau nach Sankt Petersburg gehen. Erster Schreck am frühen Morgen in Fuhlsbüttel: Der Flug in die polnische Hauptstadt war gestrichen. Wir wurden auf Lufthansa über Frankfurt umgebucht und verloren dadurch keine Zeit. Also alles wieder gut…

 

Das Visum klebte seit einem Monat im Reisepass und die Einreiseprozedur beim grimmig schauenden Grenzer am Flughafen Pulkowo erfolgte reibungslos.

 

Ab Frankfurt war der halbe Flieger mit Kanadiern gefüllt, die sicher nicht nur die kulturellen Höhepunkte der nördlichsten Millionenstadt der Welt bewundern wollten, sondern vielmehr auf dem Weg zur in Sankt Petersburg (und Moskau) stattfindenden Eishockey-Weltmeisterschaft waren.

 

Auch wir hatten uns im Vorfeld Karten für das Turnier gesichert und wollten dem Match Deutschland vs. Belarus beiwohnen. Nach dem Einchecken im Hotel ging es per pedes die Kleine Newa entlang, am Petrovskij-Stadion vorbei zum gegenüberliegenden Austragungsort der Eishockey-Spiele, dem Jubileiny-Sportkomplex. Dort gönnten wir uns vor der Halle bei bestem Wetter zunächst die ersten Biere des Trips und verfolgten das Spiel USA vs. Ungarn auf einer Leinwand. Insgesamt eine sehr kuttige, aber durchaus unterhaltsame Veranstaltung.

 

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Wie so viele machte ich mich letztes Jahr nach meinem mehr oder weniger erfolgreichen, doch immerhin bestandenen Abitur auf den weiten Weg nach Australien.

Nach überstandenem Jetlag wurden erst mal die umliegenden Strände sondiert, um der neu gewonnen Freiheit nichts tuend Ausdruck zu verleihen. Doch so geil die Strände und Landschaften auch sind, es kam die Sehnsucht auf, endlich mal wieder Stadionluft zu schnuppern und zu schauen, was Down Under fussballtechnisch so zu bieten hat.

 

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Also fix das nächstbeste Spiel herausgesucht. Western Sydney Wanderers vs. Adelaide United sollte mein erstes Match auf australischem Grund lauten. Entspannte 10 Minuten Fußweg vom Hostel war das Parramatta-Stadium gelegen. So konnte dank rechtzeitigem Aufbrechen noch das ein oder andere Gerstenkaltgetränk in der, in unmittelbarer Entfernung zum Stadion liegenden Fankneipe der Wanderers verköstigt werden. Das Stadion an sich ist kein besonderes Highlight. Das lag unter anderem daran, dass es, wie in ganz Australien, keine Stehplätze zu bieten hatte. Auch das Spiel wusste nicht unbedingt zu überzeugen. Beide Teams mussten sich mit einem 0:0 zufrieden geben. Aber das war an diesem Tag nebensächlich. Die Freude, einen neuen Ground 16.000 km abseits der Heimat abgehakt zu haben, überwog deutlich.

Meine Reiseroute führte entlang der Süd- und Ostküste Australiens. Das hatte zum Vorteil, dass nahezu alle australischen Großstädte passiert wurden, in denen fast alle Clubs der nur 10 Teams umfassenden Liga beheimatet sind.

Das aus meiner Sicht schönste Stadion fand ich in Adelaide vor. Durch seine große Haupttribüne konnte ein Funken Tradition in dieser erst sehr jungen australischen Fußballgeschichte versprüht werden. Denn obwohl natürlich auch in der ehemaligen britischen Strafgefangenenkolonie schon seit Ende des 19. Jahrhundert gegen den Ball getreten wird, wurde der australische Verband erst 1961 gegründet. Der Beitrott zur Fifa erfolgt 1963 – in dem Jahr, in dem in Deutschland die Bundesliga gegründet wurde und bereits 51 Deutsche Meistertitel errungen wurden.

Der erste Ligabetrieb wurde sogar erst 1977 eingeführt. Bei der heutigen ersten Liga, der A-League, handelt es sich um eine in sich abgeschlossene Liga. Sportliche Auf- noch Abstiege sind nicht möglich. Der Unterbau ist bereits in diverse Regionalverbände aufgeteilt.

In der Gegenwart wurden natürlich auch die kulinarischen Begebenheiten genauestens unter die Lupe genommen. Besonders die mit Käse veredelte deutsche Bratwurst, die es bei Melbourne Victory gab, wusste zu überzeugen. Lediglich der stolze Preis von 10$ war uns ein Dorn im Auge. Selbes traf auch auf die Bierpreise zu, welche sich in ähnlich schwindelerregenden Höhen befanden.

 

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Nach neun Monaten Australien und insgesamt 13 besuchten Spielen, lässt sich sagen, dass Australien für vieles steht. Unendliche Weiten, offene Menschen, traumhafte Landschaften, aber für seinen Fußball sicherlich nicht. Vielmehr wird es hier als ein „family-event“ inszeniert, welches in erster Linie auf Konsum ausgelegt ist. So etwas wie Fankultur hat die Liga in den meisten Fällen nicht zu bieten. Das war neun Monate lang für mich auch völlig in Ordnung. Aber irgendwann freut man sich trotzdem wie Bolle, nächste Saison endlich wieder auf der Westtribüne, unseres geliebten Holsteinplatzes stehen zu können.

 

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