Ellenfeldstadion, 1. Oktober 2011, Endstand 3:1

 

Nach dem Betzenberg am Vortag ging es für uns einen Tag später in ein weiteres, allerdings nicht ganz so bekanntes Kultstadion in Deutschland: das Ellenfeld-Stadion in Neunkirchen. Ein Stadion, das schon sehr lange auf meiner Liste stand - und die hohen Erwartungen wurden definitiv nicht enttäuscht. Ich kann nur jedem empfehlen, diesen Ground zu kreuzen, solange er noch in diesem Zustand erhalten ist, was leider nicht so lange mehr der Fall sein wird, da vor allem die Tage der beeindruckenden Hintertor-Stehtribüne gezählt sind. Also haltet Euch ran.

 

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Eröffnet wurde das Ellenfeldstadion 1912 mit dem Spiel Borussia Neunkirchen vs. Infanterie-Regiment 105 Straßburg, das die Neunkirchener mit 6:3 für sich entscheiden konnten. Das ganze allerdings noch vor recht niedrigen Rängen, denn die erste Tribüne auf dem Ellenfeld wurde erst 1921 eröffnet und bot 4000 Zuschauern Platz. Die Holztribüne brannte allerdings sieben Jahre später vollständig ab, ein massiver Neubau entstand 1933 auf der anderen Seite des Stadions. 1964 wurde das Stadion grundlegend renoviert - Grund war der Aufstieg in die Bundesliga (nach Siegen in der Qualifikationsrunde beim FC Bayern München, dem FC St. Pauli und zuhause gegen den SC Tasmania 1900 Berlin).

 

 

 

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Bei der Gründung ein Jahr zuvor hatte der 1905 als Fußballclub Borussia 1905 gegründete Verein gegenüber den Südwest-Rivalen Kaiserlautern und Saarbrücken noch den Kürzeren gezogen, und das obwohl Neunkirchen zuvor von 1959 bis 1963 jeweils an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teilgenommen hatte. Als kleinste Bundesligastadt spielte man eine überragende Premierensaison, ehe man in der folgenden Saison wieder abstieg. Ein weiterer Aufstieg in das Oberhaus gelang in der Saison 1967/68, als man allerdings als Vorletzter wieder direkt abstieg. Ähnlich verliefen die beiden Spielzeiten in der 2. Bundesliga in der man sich 1974 und 1978 jeweils nur ein Jahr halten konnte. Seitdem pendelt man zwischen Ober- und Regionalliga und konnte nur noch überregional im DFB-Pokal eine Visitenkarte abgeben. Gleich zweimal wurde den Neunkirchnern dabei der FC Bayern München zugelost, was ihnen 1992 sogar ein Livespiel im Fernsehen einbrachte. Letzer Umbau des Stadions erfolgte 2002, bei der die Haupttribüne auch ihre roten Schalensitze erhielt, offizielles Fassungsvermögen war nach diesem Umbau 23.400 Zuschauer, der Zuschauerrekord wurde 1971 mit 31.000 im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg aufgestellt - beides Zahlen, die wohl nie wieder erreicht werden dürften, denn der Zahn der Zeit hat, wie bereits oben erwähnt, schon arg am Bauwerk genagt.

 

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Aktuell kickt die Borussia in der Oberliga-Südwest und setzt, wenn man den Zuschauern glauben darf, unter Trainer Paul Linz alles dran, sich für die neue Regionalliga zu qualifizieren.

 

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Gegen den Tabellenführer aus Völklingen wird im "Eisenwerk-Derby" aber eher mit einer Niederlage gerechnet.

 

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Davon war auf dem Feld aber wenig zu spüren, stattdessen setzen die von Ex-Paulianer Nico Patschinski Hausherren die Abwehr des SVR06 mächtig unter Druck. Nach einer halben Stunde fällt dann das völlig verdiente Tor, nachdem Deniz Siga umringt von Abwehrspielern eiskalt bleibt und den Ball zum 1:0 über die Linie drückt.

 

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Nach dem Wiederanpfiff nutzt wiederum Siga einen groben Schnitzer in der Gästeabwehr zum 2:0. Nachfolgend hätte Neunkirchen die Gäste deklassieren können, allerdings gelingt nur noch ein Tor - Patschinski vom Punkt zum 3:0, nachdem Siga gefoult wurde. Das Völklingen noch auf 3:1 verkürzen kann, dürfte dem Großteil der 650 Zuschauer egal gewesen sein. Aufgrund der Dominanz hat niemand an diesem Nachmittag einen Zweifel am Heimsieg. Auch nicht die "Garde Noir", die Ultràs von Neunkirchen, die im schwarz-weiß gestrichenen Block 5 links neben der Haupttribüne ihr zuhause haben und über sehr ansehnliches Fahnenmaterial verfügen.

 

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An diesem Tag zwar zahlenmäßig nicht so mächtig, schafft man es zum Derby gegen den Erzrivalen aus Homburg doch immer einen respektablen Mob zu mobilisieren (was uns sogar von Anhängern des Ligakonkurrenten Pirmasens bestätigt wird).

Zum Schluss soll  natürlich auch in Neunkirchen aus das Gastronomische nicht ungetestet bleiben. Wer nicht in die Vereinsgaststätte zum Doris gehen möchte, hat an den Grillbuden die Wahl zwischen der Rostwurst (also ähnlich einer Thüringer) und der roten Wurst (oder einer Frikadelle, die uns allerdings nicht so anlacht), die ein wenig wie eine gegrillte Bockwurst schmeckt.

 

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Ungewöhnlich, aber nicht schlecht und im knusprigen Brötchen auch mit 2€ preislich völlig im Rahmen und erfüllt den Zweck der Sättigung. Getränketechnisch gibt es neben den üblichen Softdrinks als Bier, genau wie auf dem Betzenberg, "Karlsberg" aus der Stadt des Erzrivalen. Kann man aber trotzdem gut trinken.

Bei den sommerlichen Temperaturen allerdings nicht zu viel, denn es soll an diesem Tag ja noch weitergehen - Luxemburg steht auf dem Zettel.

 

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Nachtrag:

 

Wie ich zwei Tage nach unserem Besuch in Neunkirchen lesen konnte, habe sich die Wege von der Borussia und Nico Patschinski schon wieder getrennt. Mehr dazu bei schwarz-auf-weiß.info.

 
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