24. Juli 2010, Ernst-Abbe-Sportfeld, Endstand 2:1

 

Auf ins Paradies zur Paradieswurst ;) Jena stand sowieso schon länger auf der To-Do-Liste, weil 1. immer noch ein Besuch bei unseren Freunden von den Blue Kaputtos ausstand, 2. das Ernst-Abbe-Sportfeld ein Muss für Flutlichtfetischisten ist und natürlich 3. die Thüringer Bratwurst in der Wurstszene als das Non-Plus-Ultra gilt.

 

graf

 

Im März war der Versuch noch im Eisregen kurz vor Wolfsburg gescheitert, im Juli hofften wir jetzt auf bessere Straßenverhältnisse und sollten auch nicht enttäuscht werden. Kiel - Jena ist gut in einem Rutsch möglich, lediglich die LKWs auf der A2 nerven schwer.

Trotz derer schon um 10 Uhr in der Saalestadt angekommen, erblicken wir das Ernst-Abbe-Sportfeld im Jenaer Paradies. Passender Name - direkt am Fluß gelegen ragen die sicherlich einmaligen Flutlichtmasten (jaja, es war nicht alles schlecht in der DDR ;) ) aus dem von Kalkbergen eingerahmten Tal hervor. Die Tallage Jenas führt übrigens zu sehr milden Durchschnittstemperaturen, weshalb die Gegend auch Toskana Thüringens heißt. Wein haben sie ja auch und nicht mal schlechten.

 

eas

 

Vor dem Stadionbesuch steht allerdings ein Abstecher in die Innenstand auf dem Plan, schließlich ist es noch 2 Stunden vor Stadionöffnung und bis auf eine handvoll Ordner und ein paar Ultràs lungert noch niemand am Stadion rum. Also ab in die Straßenbahn Richtung Marktplatz. Da gibt es dann auch die erste echte Thüringer in Thüringen. Wobei man als Einheimischer weder von einer Thüringer, noch von einer Bratwurst spricht, sondern von einer Roster. Und das ist schon seit dem 15. Jahrhundert ein - zurecht - schwer wichtiges Kulturgut (erste urkundliche Erwähnung 1404 :D ), das nach EU-Recht auch nur aus Thüringen kommen darf, also nicht auf billige Fälschungen reinfallen.

 

wurst

 

Bei der Herkunft gibt es übrigens, ähnlich wie bei der Currywurst, einen Streit zwischen zwei Städten: Jena und (wie hieß nochmal die andere?) Erfurt. Resultiert hieraus vielleicht auch die Rivalität auf fußballerischer Ebene? Egal woher - die echte Thüringer vom Holzkohlegrill ist einfach die Bombe (ich empfehle jedem mal bei einer Bude vom Grillteufel vorbeizuschauen - die verstehen ihr Handwerk). Danach noch Wein aus der Region und Vita Cola eingepackt (im Gegensatz zu den meisten "Ossis" mag ich die) und zurück zum Stadion, da Peggi, unser Mann vor Ort eigentlich pünktlich da sein will.

 

fanprojekt

 

Die Wartezeit verbringen wir am und im Pub des Fanprojekts, der einen als Kieler mal wieder traurig werden lässt. Schöner Raum mit Bar in Stadionnähe, Beamer und Leinwand, Kickertisch, Fanszines... Ich befürchte, so etwas wird es bei Kiel nie geben. Neu eingekleidet und mit dem Bratwurstdealer (das Jenaer Fanzine) in der Tasche geht es dann in den Block und man kann das Stadion auch von innen begutachten. Dominiert wird das Ernst-Abbe-Sportfeld neben den schon erwähnten schicken Flutlichtmasten von der relativ modernen und relativ großen Haupttribüne, die rund 4000 Zuschauern Platz bietet. Die Stahlrohrtribüne auf der Gegengerade steht nicht mehr, nur noch der "untere" Bereich bietet Sitzplätze. Sieht etwas unproportional aus, aber der Umbau ist in Jena ja ein aktuelles Thema.

 

ultras

 

Abgerundet wird der ganze Bau von der Südkurve (wo die Ultràs, die an diesem Tag gut Stimmung machen, aber lautstärketechnisch gegen den Wind kämpfen UND auch der Gästeblock, in dem sich an diesem Tag nur etwa 50 Leute mit eben so vielen Fahnen, Schwenkern und Doppelhaltern zu finden sind) und der Nordkurve (die "Pöbelkurve", wie wir aufgeklärt werden). Damit bietet der EAS über 15000 Leuten Platz, wovon an diesem Tag allerdings nur etwas über ein Drittel genutzt wird. Zu erwähnen, weil es auch das in Kiel nicht gibt, sei noch die große Anzeigetafel, deren Vorgänger von einem Blitz gekillt wurde.

Pünktlich zum Anpfiff sind alle unsere Leute vor Ort eingetroffen und das ist auch in sofern gut, weil es nur bummelig fünf Minuten bis zum ersten Jenaer Tor der neuen Drittligasaison dauert. Stichwort: Fliegenfänger im Heidenheimer Tor.

 

jubel

 

Danach entwickelt sich leider kein hochklassiges Spiel, sondern eher ein sehr zerfahrenes, woran auch der kleinlich pfeifende Schiedsrichter seinen Anteil hat. Beide Mannschaften sind etwa gleichstark, was sich nach 36. Minuten dann auch im Ergebnis ausdrückt. Gerechtes 1:1 zur Halbzeit. Von der Halbzeitwurst wird mir übrigens dringend abgeraten, aber ich hab das Gefühl, dass es sich um Jammern auf hohem Niveau handelt und hebe mir den Test für nach dem Spiel auf (zudem die Schlange vor dem direkt hinter der Kurve liegenden und herrlichen Grillduft verströmenden Wurststands relativ lang ist). Stattdessen ein kühles Köstritzer und über die Saisonaussichten des FCC und der KSV philosophiert.

 

schals

 

Zu Beginn der zweiten Hälfte bettelt Jena quasi um das 1:2, nur Torhüter Nulle stemmt sich dagegen und wird entsprechend gefeiert. Nach und nach wird das Spiel besser, vor allem Jena hat gute Chancen und schafft dann die erneute Führung durch ein wunderschönes Stokeltor bei dem der Ball gefühlte Minuten braucht, um über die Linie zu rollen. Das Ergebnis wird dann souverän über die Zeit gebracht, drei Punkte auf dem Konto und ein guter Anfang für eine prognostiziert schwere Saison. FCC-Anhang ganz zufrieden und auch das kleine Grüppchen Heidenheimer feiert (sich) weiter ausgelassen.

Nach Apfiff traue ich mich dann auch dann an den Wursttest. Preis ist mit 1,70 sehr okay und dass es die Wurst im leckeren Brötchen statt auf doofer Pappe gibt, sorgt schon einmal für eine positive Grundstimmung beim Tester.

 

stadionwurst

 

Auffällig ist, dass die Würste deutlich kleiner sind, als ihre Verwandten in der Innenstadt, gemein haben sie aber, dass beide vom Holzkohlegrill kommen und an den Enden richtig schön knusprig sind (also kann Jena auch hier punkten). Gut, etwas saftiger könnte das Brät sein, aber die Würzung mit deutlicher Kümmelnote kommt gut. Abgerundet wird das Wurst-Brötchen-Ensemble übrigens mit einem Produkt der Firma Altenburger Senf (ein wenig Schleichwerbung sei hier erlaubt), die speziell für den FCC und deren Fans einen eigenen Senf kreiert hat. Ob man es braucht, najaaaa, aber nettes Gimmick für Stadionwurstfans allemal. Fazit Wursttest: Zur "Paradies"wurst fehlt noch ein wenig, aber ansonsten jammert Jena tatsächlich auf hohem Niveau. Zudem man an den Buden neben der Wurst auch noch Klops (ich liebe dieses Wort) im Brötchen kriegt oder Pizza und noch weitere Belegte Brötchen (Wurst, Schnitzel,...) und Bockwurst am Fanprojekt.

 

kaputtos

Gruß an unsere Leute vor Ort :)

 

Gastro also top, Stadion hat Charme, Leute vor Ort & Fanprojekt sympatisch - nach einem entspannten Bierchen geht es zurück Richtung Norden, aber wir kommen wieder ;)

 

Bilder vom Tag in Jena gibt es in der Galerie.

 
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