Rosenaustadion, 28. April 2018, Endstand 0:0

 

Kam adj 28 gen Augspurg, Gott hab lob und dank, er mir so gnedig her verholfen hat.

 

Während des Studiums durfte sich ein Teil von CCK über ein halbes Jahr mit dem spätmittelalterlichen Tagebuch des Fernkaufmanns Lucas Rem beschäftigen, der zwar durch ganz Europa reiste, aber doch immer dankbar war, in seine Heimatstadt Augsburg zurückzukehren. Um so viel vorweg zu nehmen: Nach dem Besuch der Stadt und des Rosenaustadions (das dürfte jener Lucas Rem eher nicht mehr kennengelernt haben) kann diese Liebe zu einer der ältesten Städte Deutschlands mehr als nachvollzogen werden. Wir waren beeindruckt.

 

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Die Ursprünge des heutigen Augsburgs liegen dabei in einem römischen Heereslager und der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum. Zum Ende der Renaissance entwickelte sich die Stadt dann zu einem der bedeutendsten Handels- und Wirtschaftszentren der Welt, verantwortlich hierfür waren die einflussreichen Handelsfamilien der Fugger und Welser. Noch heute sind die Spuren dieser großen Epoche noch überall zu sehen – auf einem Rundgang bei fast schon sommerlichen Wetter werden das Rathaus, der Perlachturm und die Fuggerei angesteuert, aber natürlich wird sich auch Zeit für den Stadtmarkt und einige Augsburger Spezialitäten genommen.

 

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Zwei Stunden vergehen wie im Flug, doch dann ruft Hauptgrund für die Reise in bayrische Schwaben. Und das ist das Rosenaustadion. „Eine der größten und modernsten Anlagen im Bundesgebiet“ oder „Eines der schönsten Stadien Europas“ titelten die Zeitungen 1951 bei der Eröffnung des Baues, der das Herz von Stadionnostalgikern höher schlagen lässt. Tatsächlich war das Stadion der erste große Stadionneubau in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und war lange Zeit eine der wichtigsten Sportanlagen im Freistaat, deren Bedeutung als Austragungsort für Länderspiele und -wettkämpfe erst mit dem Bau des Münchener Olympiastadions verloren ging.

 

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Das beeindruckende Gefühl beim Betreten des klassischen Stadion-Ovals, das seit 2014 unter Denkmalschutz steht, ist hingegen geblieben. Auf der Gegengrade ragen die teils bestuhlten Traversen steil nach oben, auf der anderen Seite befindet sich die wunderschöne Haupttribüne, die mit Holzsitzen ausgestattet ist. Diese dürften ältere Semester an ihre Schulzeit erinnern. Abgerundet wird der Bau durch die Flutlichtmasten Marke Fliegenklatsche und die Anzeigetafel, auf der per Hand die Nummern gewechselt werden. Offiziell ist das Stadion für 28.000 Zuschauer zugelassen, Platz würden aber 31.300 finden.

 

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Fußball, Feldhandball und Leichtathletik lockten früher noch größere Zuschauermassen an, 1973 verfolgten 42.000 Schlachtenbummler das Regionalliga-Duell zwischen dem FC Augsburg und dem 1. FC Nürnberg, zum Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz kamen in Jahr 1952 sogar knapp 65.000 Zuschauer. Bei diesem Länderspiel wurde der Grundstein für den späteren WM-Kader gelegt, weshalb dieser auch den Beinamen „Augsburger Elf“ bekam. Im „Alltag“ wurde das Rosenaustadion zunächst vom Ballspiel-Club Augsburg (mit dem legendären Helmut Haller), der später mit der Lizenzspielerabteilung des TSV Schwaben Augsburg zum FC fusionierte, genutzt. Zudem trug 2001 der TSV 1860 hier seine UI-Cup-Spiele aus.

 

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Die letzte große Modernisierung erhielt das Stadion 2007, als unter anderem eine Rasenheizung verlegt wurde. Zwei Jahre später zog der FCA allerdings in die neugebaute WWK Arena um, allerdings nutzen die Zweite und Frauen weiterhin die traditionsreiche Spielstätte. Und so können die Freude klassischer Spielstätten immer noch Spiele, wenn auch vor eher kleinerer Kulisse, in diesem wunderschönen Stadion verfolgen.

 

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Zum Mittelfeldduell der Regionalliga Bayern ist der FV Illertissen angereist. Der FVI gelangte vor ein paar Jahren mit seinem Ein-Mann-Away-Mob zu einer gewissen viralen Bekanntheit. „Illertissen spielt international“, ist zwar im Rund nicht zu vernehmen, trotzdem befinden sich unter den 250 Zuschauern einige Anhänger des Gastes. Diese sind dann eher Oldies als Ultràs und genießen die top Verpflegung und das gute Wetter.

 

 

Denn das Spiel hält leider wenige Highlights bereit. Das Heimteam hat mehr Ballbesitz und zeigt auch die eine oder andere gelungene Kombination, wohingegen die Gäste per Kontor gefährliche Nadelstiche setzen können. Zu Torerfolgen führt beides nicht. Nachspielzeit tut nicht Not - „Pfeif ab“, lautet der Kommentar eines Augsburger Spielers zum Mann an der Pfeife.

 

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Bei den neutralen Kielern herrscht aber alles andere als Enttäuschung. Stattdessen hat das Rosenaustadion eine Platz in ihren Herzen gefunden. Der Ausklang im Biergarten des Hasenbräu-Sudhauses macht den Tag den so richtig rund.

 

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Und wie der eingangs erwähnte Fernhandelskaufmann sind zwei Kieler sicher froh, wenn sie Augsburg wiedersehen.

 
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