Stadion am Fliesenwerk, 17. März 2018, Endstand 0:2

 

Der wilde, wilde Osten fängt gleich hinter Gudow an. ;) Naja, diese an Truck Stop angelehnten Zeilen sind sicher nicht ganz falsch, wobei Mecklenburg-Vorpommern immer nur bedingt Ostdeutschland ist. Zwar war das Bundesland ein Teil der DDR, andererseits wird man bei der Begrüßung „Moin“ auch nach 12 Uhr nicht fragend angeschaut. Das spricht eindeutig für Norddeutschland - alles ist halt relativ.

 

Boizenburg 17.03.2018 13 46 19

 

Boizenburg 17.03.2018 19 20 09

 (Für Großansicht aufs Bild klicken)

 

Boizenburg 17.03.2018 19 20 19

 (Für Großansicht aufs Bild klicken) 

 

Boizenburg 17.03.2018 15 43 47

 

Das gilt im übrigen auch für die Temperaturen. Während drei Kieler, die sich am Vorabend den Ar... abgefroren haben und froh sind, dem blizzard-artigen Schneesturm entkommen zu sein, freut sich der Stadionsprecher über jeden Besucher, der bei „arktischem“ Wind den Weg zum Verbandsligakick gefunden hat. Zugegeben, im Wind ist es etwas schattig, wo diesem allerdings entkommen werden kann, ist es fast schon frühlingshaft.

 

Am Eingang werden faire 4 Euro gelöhnt, gratis dazu gibt es die Information, dass es sich beim Gästetrainer quasi um einen Prominenten handelt. Übungsleiter beim Greifswalder FC ist mit Roland Kroos nämlich der Vater von Felix und Toni Kroos, die beide in der Hanse- und Universitätsstadt das fußballerische Einmaleins erlernten. Ganz so große Söhne im fußballerischen Bereich hat Boizenburg nicht zu bieten. Mit Rainer Kaube (in den 1970ern Stamm-Libero bei Hansa Rostock) und Hans Tauchert aber doch zwei nicht ganz unbekannte Namen. Letzterer war in der Saison 1948/49 neben dem Hamburger SV für elf Spieltage auch noch Trainer bei Ligakonkurrent Holstein Kiel in der Oberliga Nord, so dass es zu dem Kuriosum kam, dass im April 1948 Tauchert bei einem Spiel Trainer beider gegnerischer Mannschaften war. Ein prominenterer Name aus neuerer Zeit, der mit dem Verein in Verbindung gebracht werden kann, ist der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Torsten Koop.

 

Als Erfolge für den Verein, der 1948 unter dem Namen BSG Keramik Boizenburg gegründet und 1951 zunächst in BSG Chemie und dann 1954 in BSG Aufbau umbenannt wurde, können immerhin zwei Aufstiege in die zweitklassige DDR-Liga verbucht werden. Trägerbetrieb neben der Elbewerft war das ortsansässige Fliesenwerk (die Stadt trägt auch den Beinamen „Fliesenstadt“), das in direkter Nachbarschaft zum Stadion liegt und zudem Namensgeber ist. Direkt hinter einem der Tore wurde früher sogar der dafür notwendige Rohstoff abgebaut.

 

Boizenburg 17.03.2018 13 47 45

 

Boizenburg 17.03.2018 13 49 03

 

Boizenburg 17.03.2018 13 51 03

Boizenburg 17.03.2018 13 51 17

 

Boizenburg 17.03.2018 13 51 56

 

Boizenburg 17.03.2018 15 46 50

 

Boizenburg 17.03.2018 14 28 10

 

Boizenburg 17.03.2018 14 29 33

 

Boizenburg 17.03.2018 14 31 18

 

Schon beim Betreten des „Stadion am Fliesenwerk“ sind drei Kieler vom charmanten Ostbau begeistert. Nicht nur wegen der Lage neben der „Platte“, sondern auch wegen des kultigen Sprecherturms und überhaupt. Insgesamt sollen im Stadion bis zu 5.000 Zuschauer Platz finden, welche zwischen überdachten Tribünen auf der einen Seite oder blauen Bänken unter freiem Himmel auf der gegenüberliegenden Seite wählen können. Da die Sonne, wie bereits eingangs erwähnt, scheint, entscheidet man sich, wie der Großteil der leider eher weniger Anwesenden (67 Zahlende sind es), für eine der Bänke im Windschatten des Multifunktionsgebäudes. Hier lässt es sich mit Blick auf den Gästeblock ;) gut aushalten.

 

Boizenburg 17.03.2018 13 56 37

 

Boizenburg 17.03.2018 14 36 56

 

Boizenburg 17.03.2018 19 20 01

 

Die Rollen zwischen den beiden Verein sind relativ klar verteilt. Das Heimteam muss sich nach unten orientieren, wohingegen die Greifswalder auf Platz zwei mit vier Punkten Rückstand auf den Güstrower SC (aber auch mit zwei Spielen weniger) ernste Aufstiegsambitionen hegt. Der Name Velimir Jovanović überrascht in der sechsten Liga dann aber doch etwas. Schließlich lief der 30-jährige Serbe auch schon für Energie Cottbus, Carl-Zeiss Jena und den 1. FC Magdeburg auf. Auch wenn die erste Großchance auf Seiten der Gäste zu verbuchen ist, hält Aufbau gut mit. Nach einer Viertelstunde gelingt Nick Lösel allerdings von links ein Doppeltunnel und damit die 1:0-Führung. Im Gegenzug hat Boizenburgs Kruse dann den Ausgleich auf dem Fuß, der Torhüter des GFC ist aber auf dem Posten. Stattdessen kann der bereits erwähnte Jovanović nach zwanzig Minuten eine Flanke von links aus kurzer Distanz zum 2:0 verwerten. Auch wenn die Gäste dem 3:0 näher sind, stellen sie keineswegs eine Übermacht dar - „effektiv und clever“ trifft es wohl ganz gut und das sind ja bekanntlich Tugenden, die ein Spitzenteam ausmachen. Da ist es auch egal, dass im zweiten Durchgang bis auf die Auswechselungen gar nicht mehr sooo viel passiert. Mit einer Bratwurst in der Hand, wird man von den anwesenden Rentnern bestens unterhalten. „Da wäre er noch nicht einmal mit dem Fahrrad rangekommen!“

 

Nach den 90 Minuten wird noch einmal eine kleine Runde durch die wirklich hübsche Innenstadt gedreht, wobei für Fußball-Touristen auch der Sportplatz „Grüner Weg“ nicht fehlen darf.

 

Boizenburg 17.03.2018 15 57 49

 

Zumindest der Eingang verfügt ebenfalls über einen „Ostcharme“. Drei Kieler sind glücklich und haben den Ausflug absolut nicht bereut.

 

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok