Stadion am Zoo, 14. Oktober 2017, Endstand 2:0

 

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„Großstadt im Grünen“, „Wiege der Industrialisierung Deutschlands“ oder auch das „San Francisco Deutschland“ - all das sind Attribute, die Wuppertal zugeordnet werden. Dabei ist die Stadt im Bergischen Land noch nicht einmal 100 Jahre alt, da sie erst 1929 durch den Zusammenschluss der Städte Barmen und Elberfeld, so wie Ronsdorf, Cronenberg und Vohwinkel entstand. Noch älter ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt, welches sie in einer Reihe mit Brockway, Ogdenville und North Haverbrook erscheinen lässt. Wohl niemand denkt bei dem Begriff „Schwebebahn“ nicht an Wuppertal und umgekehrt. Alleine, um einmal mitgefahren zu sein, lohnt der Ausflug an die Wupper.

 

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Wobei auch das Stadion am Zoo alleine durchaus seine Reise wert ist. Offiziell passen auf die Tribünen 28.300 Zuschauer, davon dürfen aus Sicherheitsgründen aber maximal 25.300 genutzt werden (im oberen Bereich der Gegengerade wird ein wenig Lost-Ground-Feeling erzeugt). Schmuckstück ist die in den 1990ern noch einsturzgefährdete, dann aber sehr gelungen renovierte Haupttribüne, die zur Wupper hin gelegen ist und 5000 Sitzern ein Dach über dem Kopf bietet.

 

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Einst zählte das Stadion am Zoo zu den größten im Westen der Republik und war weltberühmt für seine Radrennbahn, auf der etliche Rekorde erzielt wurden. Diese existiert aber schon lange nicht mehr, in den ehemaligen Kurven befinden sich inzwischen Stehränge. Aufgrund von finanziellen Komplikationen kam es während der Umbauten immer wieder zu Verzögerungen.

 

Klamme Kassen – wie bei vielen anderen Traditionsvereinen auch beim WSV, der drei Jahre in der Bundesliga (von 1972 bis 1975) spielte und auf eine Teilnahme am UEFA-Pokal 1973/74 (Erstrunden-Aus gegen Ruch Chorzów) zurückblicken kann, ein leidiges Thema. Die finanzielle Schieflage führte 2013 zur Zahlungsunfähigkeit und zum Absturz in die Fünftklassigkeit. Auf die „große Zeit" folgten in den 1970ern immerhin noch fünf Jahre in der 2. Bundesliga Nord. Danach blieb man, von einem kurzen Intermezzo in der 2. Bundesliga Anfang der 1990er abgesehen, drittklassig. Zur Jahrtausendwende stieg Wuppertal sogar bis in die vierte Liga ab, dies hatte aber weniger sportliche Gründe. Der Verein hatte vergessen Beiträge für die Berufsgenossenschaft zu leisten. Trotz vehementer Versuche sollte die Rückkehr in die 2. Bundesliga bis heute nicht gelingen, immerhin durfte sich der Verein aber zu den Gründungsmitgliedern der 3. Liga zählen. Doch brachte auch dies dem WSV kein Glück und man stieg weiter ab in die Regionalliga. Die Schuld an dieser Misere wurde von Fans unter anderem dem langjährigen Präsidenten Friedhelm Runge gegeben, der auch gleichzeitig der Geschäftsführer des Hauptsponsors war und zusätzlich Geld aus seinem Privatvermögen investierte. Mit seinem Rücktritt im Winter 2013 fehlte dem Verein von Stadion am Zoo nachfolgend ein Hauptsponsor, weshalb man im Sommer des gleichen Jahres Insolvenz beantragen musste.

 

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Seit der Saison 15/16 sind die rot-blauen Löwen wieder zurück in der Regionalliga und gehören in dieser Spielzeit aktuell sogar zur Spitzengruppe. Das ist unter anderem auch der Verdienst eines Spielers, der auch an der Förde noch bekannt sein dürfte. Christopher Kramer hat sich beim WSV zum Publikumsliebling hochgespielt. Und auch gegen die Zweite von Fortuna Düsseldorf ist er Dreh- und Angelpunkt der Heimoffensive. Nach 19 Minuten gelingt ihm dann per wuchtigem Kopfball das 1:0. Nach 25 Minuten das 2:0 – obwohl der Ex-Kieler wahrscheinlich sogar noch mit der Fußspitze dran war, wird der Treffer zurecht Linksverteidiger Niklas Heidemann zugesprochen. Der hatte einen gegnerischen Angriff unterbunden und war mit dem Ball über das halbe Spielfeld gesprintet, um dann vom Strafraumeck abzuschließen.

 

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Das Spiel ist damit irgendwie durch – die zweite Halbzeit kann dazu genutzt werden, sich ein wenig das Stadion anzuschauen, die Sonne und die Grillwurst zu genießen und die Fangruppen ein wenig genauer zu beobachten. Neben den Ultràs auf der Hintertortribüne, gibt es auch auf der Gegengerade einige aktivere Fans, dazu ein paar Kutten, Pöbler und einen Trompeter, der das Signal zur nächsten „Attacke“ gibt. Wirkt alles sehr authentisch und es ist wirklich zu hoffen, dass in diesem schönen Stadion in naher Zukunft zumindest bald wieder drittklassig gekickt wird.