HOWOGE-Arena „Hans Zoschke“, 16. September 2017, Endstand 2:1

 

Zurück geht es aus dem Erzgebirge an die Förde. Da das Wetter angenehm ist, wird für eine Pause noch ein netter Kick rausgesucht. Ungefähr auf halber Strecke liegt die Bundeshauptstadt – perfekt! Das Navi führt einen in den Stadtteil Lichtenberg, wo das Auto in der Normannenstraße vor der ehemaligen Stasi-Zentrale abgestellt wird. Das Objekt, das besichtigt werden soll, liegt allerdings ein paar Meter weiter und ist das zweitgrößte, reine Fußballstadion in Berlin, das Hans-Zoschke-Stadion.

 

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Hausherr ist der SV Lichtenberg 47. Dessen Wurzeln gehen im Endeffekt zurück auf den 1923 gegründeten LSC Germania, der unter den Nationalsozialisten mit anderen Vereinen zum VfB 23 Lichtenberg zwangsverschmolzen wurde. Der wurde nach dem Ende des Krieges durch den alliierten Kontrollrat aufgelöst. Viele Spieler fanden sich in der SG Lichtenberg-Nord wieder zusammen, die sich in SG Lichtenberg 47 umbenannte. Nach der Spaltung des Gesamtberliner Spielbetriebes wurde Lichtenberg 47 in die höchste Spielklasse, die DDR Oberliga eingegliedert. Dort konnte sich der Verein allerdings nur eine Saison halten. Teilweise ging es in den nächsten Jahren bis in die Bezirksliga runter. In den 1970ern schaffte der Verein, der inzwischen als BSG EAB (= Elektroprojekt und Anlagenbau) Lichtenberg 47 einem Trägerbetrieb angeschlossen war (quasi die DDR-Variante des Sponsorings), ein Comeback in die zweitklassige DDR-Liga. Seit 2012 ist Lichtenberg in der Oberliga zu Hause.

 

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Alleine wegen des Stadion ist der Besuch des Vereins dringend empfohlen. Denn der 1952 eröffnete Bau kann was. Benannt ist das Stadion nach Johannes Zoschke, Sportler und Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten. Ihm zu Ehren ist am Eingang eine Plakette angebracht und wahrscheinlich ist es seiner Persönlichkeit, bzw. dem Engagement seiner Witwe zu verdanken, dass der Bau überhaupt noch steht. Als das Stadion 1972 einer Erweiterung des eingangs bereits erwähnten Ministeriums für Staatssicherheit zum Opfer fallen sollte (einige sagen auch, dass Erich Mielke den Abriss höchstpersönlich angeordnet habe, da sein Verein, der BFC, gegen Lichtenberg verloren habe), intervenierte Elfriede Zoschke mit Unterstützung des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer an höchster Stelle. Der Protest hatte Erfolg.

 

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Willy-Sachs-Stadion, 25. August 2017, Endstand 3:1

 

„Menschlich, familiär, ehrlich mit einer Top-Stimmung, aber auch vielen Nörglern, denen man es niemals recht machen kann. Einfach ein Fußballverein, wie man ihn gern haben muss“, so beschreibt Schweinfurt-Präsident Markus Wolf seine 05er in einem Interview mit dem Zeitspiel-Magazin. Wer sich da ein wenig an Holstein Kiel erinnert fühlt hat gar nicht so unrecht, denn in vielen Dingen erinnert der Bayern-Regionalligist an die Störche – vor circa 15 Jahren. Das gilt auch für das Stadionrund mit Laufbahn, überdachter Haupttribüne und Baumbestand oberhalb der Stufen, der den norddeutschen Besucher fast ein wenig heimische Gefühle entwickeln lässt und das rund 580 Kilometer von der Ostseeküste entfernt.

 

Nach ein Mitglied des fußball-kulinarischen Hopperkollektivs schon 2013 in der unterfränkischen Industriestadt vorbeigeschaut hatte, wurde der Kick am Freitagabend dieses Mal als Zwischenstopp auf dem Weg zum Spiel der KSV bei Jahn Regensburg genutzt. Insgeheim hatte der Schreiber ja für den DFB-Pokal ein wenig auf ein Zweitrunden-Auswärtsspiel in Schweinfurt gehofft. Da dies aber von der Losfee wahrscheinlich auf Runde drei vorschoben wurde (wenn sich beide Vereine gegen ihre Gegner aus der Bundesliga durchsetzen ;) ), sollte nicht mehr so lange gewartet werden. Und so war die Vorfreude spätestens bei 100%, als vom Parkplatz bereits der erste Flutlichtmast und wenig später der schöne, alte Eingangsbereich zu erblicken war.

 

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Bei bestem Sommerwetter fanden sich rund eine Stunde vor dem Anpfiff bereits einige Fans ein, die bei Bier und Stadionwurst, oder auch Kaffee und Kuchen zugunsten der Jugendabteilung den Feierabend einläuteten.

 

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Hauptthema natürlich der bereits erwähnte Pokal, beziehungsweise, in welchen Stürmer die zusätzlichen Einnahmen an besten investiert werden könnte. Nicht nur einmal war dabei zu hören, dass lieber bis zur nächsten Saison gewartet werden solle. Denn mit den aus der 2. Bundesliga bis in die Regionalliga durchgereichten Sechzigern gibt es in dieser Spielzeit einen schier übermächtigen Gegner, der sich auf keinen Fall die Meisterschaft nehmen lassen wird, so die Meinung. Immerhin herrscht bei den Gastgebern seit diesem Jahr Vollprofitum – es bleibt abzuwarten, wo sich der „schlafende Riese“ in ein paar Jahren wiederfinden wird.

 

In ihrer Geschichte haben die 1905 gegründeten „Schnüdel“ tatsächlich einige Höhepunkte vorzuweisen. Der Verein war vor der Einführung der Bundesliga 32 Jahre lang erstklassig, konnte in der Gauliga Bayern sogar zweimal die Meisterschaft feiern (1939 und 1942), stand 1936 im Halbfinale des Tschammer-Pokals und gehörte 1974 zu den Gründungsmitgliedern der 2. Bundesliga. Besonders stolz sind die Schweinfurter auch auf ihre Nationalspieler: Mit Andreas Kupfer kam der Kapitän im ersten Länderspiel der Bundesrepublik (gegen die Schweiz am 22. November 1950) vom FC 05. Zudem belegt der Verein in der Rangliste der meisten Abstellungen zu A-Länderspielen des DFB bis heute mit 90 Einsätzen Platz 17. Und: In der ersten „Weltelf“ der Fußballgeschichte, der ersten Europäischen Fußballauswahl 1938, waren zwei Deutsche vertreten, Andreas Kupfer und Albin Kitzinger, beide vom FC 05. Der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte war der Aufstieg in die 2. Bundesliga 2001. Der Aufenthalt im Unterhaus der Bundesliga endete allerdings bereits nach einer Saison und zog 2004 sogar die Insolvenz des Vereins nach sich, ausgerechnet ein Jahr vor dem 100-jährigen Vereinsjubiläum. Es folgte über mehrere Jahre ein Pendeln zwischen Bayern- und Landesliga, ehe es 2013 immerhin wieder in die Regionalliga hoch ging. Aktuell wird vom Ziel gesprochen, mittelfristig den Sprung in die 3. Liga zu schaffen.

 

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Stadion am Panzenberg, 28. Mai 2017, Endstand 0:1

 

Das Leben als Fußballfan kann so entspannt sein. Das eigene Team hat die Saison mehr als erfolgreich hinter sich gebracht, und es finden noch genug Aufstiegsrunden und Relegationsspiele statt, um nicht in den kalten Entzug zu gehen. Dazu hat auch noch der Sommer in Norddeutschland Einzug gehalten, weshalb es mit voller Besatzung und bester Laune auf die Autobahn in Richtung Bremen geht. Durch die Baustellen bis Hamburg quält man sich mehr schlecht als recht, weshalb schon über Alternativspiele nachgedacht wird. Zum Glück werden diese Ideen aber wieder verworfen – und um kurz vor drei wird der Wagen direkt vorm Stadion am Panzenberg abgestellt.

 

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Glück muss man haben. Das kleine Schmuckstück wird nicht zum ersten Mal besucht – damals verirrten sich allerdings nur traurige 60 Zuschauer auf Stufen und Haupttribüne (Bericht hier). Zum Aufstiegsrunden-Spiel, das ein Duell zweier Traditionsvereine ist, sind es respektable 1.784 Schlachtenbummler, wobei ein Großteil es mit den Gästen vom AFC hält.

 

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28. April 2017, Stadion Grüne Au, Endstand 2:4

 

Auswärtsspiel in Regensburg – nicht nur, um etwas stressfreier unterwegs zu sein, begibt sich eine kleine Kieler Reisegruppe bereits am Freitagvormittag auf den Weg in Richtung Süddeutschland. Die Route über Hannover – Magdeburg – Halle/Leipzig führt weitestgehend über flaches Terrain, wodurch man sich trotz gefahrener Kilometer, nicht wirklich weit weg von der Kieler Heimat fühlt. Kurz vor dem Ziel dann die Abfahrt nach Plauen – nostalgische Gefühle an die alte Regionalliga (wohlgemerkt „Nord“!) kommen hoch. Nur 30 Kilometer weiter merkt man aber doch, dass der eigene Kulturkreis verlassen wurde. Im Radio sind nicht Trump, Erdogan oder sonstwer das bestimmende Thema, sondern das Aufstellen von Maibäumen, bzw. das Stehlen derselben. Man ist in Bayern angekommen. Wobei, was heißt hier Bayern? Böser Fehler – natürlich Franken!

 

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Wobei es uns „Preissn“ auch nicht leicht gemacht wird, schließlich trägt der Verein, der das Ziel des Abends ist, den Namen des Freistaats. Wobei dies zu Gründungszeiten noch anders aussah: Die heutige Spielvereinigung Bayern Hof entstand 2005 durch den Zusammenschluss der SpVgg Hof und des FC Bayern Hof. Der FC wurde 1910 als „Ballspielclub Hof“ gegründet, benannte sich ein Jahr später aber in Britannia Hof um. 1914 und diverse Anschlüsse anderer Vereine später war es mit der „Liebe“ zu Großbritannien auch schon wieder vorbei und aus Britannia wurde Bayern. Die ersten Jahre vor Kriegsausbruch sorgte man im Süden Deutschlands mit einigen Erfolgen, unter Anderem Siege über den FC Nürnberg, für Aufmerksamkeit. In der Zeit, als die Gauligen höchste Spielklasse waren, kämpfte man lange um Zugehörigkeit. Doch als der sportliche Erfolg endlich geschafft war, wurde der Spielbetrieb 1944 eingestellt.

In der Nachkriegszeit etablierte man sich in der Oberliga. Erst mit der Einführung der neuen eingleisigen Bundesliga 1963 ging es für die Bayern wieder runter. Die folgenden zehn Jahre waren von der Regionalliga geprägt. Der größte Erfolg war natürlich der Aufstieg in die neu geschaffene zweite Bundesliga, aus der man 1978 jedoch wieder abstieg. Bis zur Fusion mit der Spielvereinigung folgten Jahre als Fahrstuhlmannschaft in denen man zwischen Landes- und Bayernliga hin und her pendelte.

Auch der zweite Fusionspartner, die „Spotzer“ konnten einiges an Tradition mit in die Fusion einbringen: Die Ursprünge der SpVgg liegen in der 1893 gegründeten Fußballabteilung des Turnvereins Hof – auf diesem Gebiet absolute Pioniere in Oberfranken. 1924 löste sich die Sparte als eigener Verein von den Turnern ab, und konnte 1929 wie bereits acht Jahre zuvor in die höchste Spielklasse vordringen. 1966 folgte der letzte Höhenflug, als sich die SpVgg Hof für die Bayernliga qualifizierte. 2005 folgte die „Vernunftsehe“.

In der Saison 2016/17 gehört die SpVgg Bayern Hof der Regionalliga Bayern an, steht zum Zeitpunkt des Besuchs allerdings schon als Absteiger fest. Trotzdem, so wird uns vorher versichert, soll das Spiel gegen den designierten Meister Unterhaching nicht abgeschenkt werden. Die Rand-Münchener dürfen für einen Freitagabend mit knapp über 300 km eine respektable Distanz zurücklegen. So steht auch nur ein eher überschaubarer Haufen an Gästesupportern auf der einen Hintertortribüne.

 

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Das Stadion an sich hätte aber schon ein paar mehr Gäste verdient. Denn die traditionsreiche Spielstätte „Grüne Au“, die heute 8.100 Zuschauern Platz bietet, ist seit 1913 der Platz des FC Bayern Hof (bzw. dessen Vorgängern) und nach und nach gewachsen. Sprich jede Seite sieht anders aus, was dem Bau einen unverwechselbaren Charakter gibt. Auf den Hintertorseiten gibt es jeweils einige Stufen zum Stehen, wobei diese auf der einen Seite zum Großteil zurückgebaut wurden.

 

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Mommsenstadion, 24. Februar 2017, Endstand 3:1

 

Auftakt ins Fußballwochenende in der Bundeshauptstadt. Der TeBe-Freitagabend-Termin passte natürlich für die Reisegruppe aus dem Norden perfekt. Nur die Informationen aus Berlin ließen in den Tagen vor dem Spiel nichts gutes ahnen. Als städtischer Platz würden Absagen schon bei drei Tropfen Regen erfolgen und in dieser Woche gab es an der Spree eigentlich Dauerregen. So lauteten die Aussagen irgendwas zwischen „fällt definitiv aus“ und „findet höchstwahrscheinlich nicht statt“. Doch – Entscheidung sollte am Freitagmorgen erfolgen und die war zur Freude aller positiv. Also mit guter Laune auf die Autobahn, Kurs Richtung Südost und nur 3 ½ Stunden später wurde das Auto in Charlottenburg geparkt.

 

Vor dem Stadionbesuch war noch genügend Zeit für ein kleines Abendessen. Dank der Berliner Bekanntschaft ging es in die kleine, urige Pizzeria „Senza Nome“, wo Tina und Toni (inzwischen stolze 79 Jahre alt) inzwischen seit 40 Jahren eine der besten Pizzen der Stadt servieren. Der Laden, an dessen Wänden neben diversen Plakaten von Boxveranstaltungen ganz klar die Hertha dominiert, hat durchaus einen besonderen Charme.

 

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Einige würden rumpelig sagen, wir und die meisten anderen sagen „ehrlich und gemütlich“. Vielleicht ist der Schreiber aber auch ein wenig geschmeichelt, da der Besitzer darauf besteht, man sei ein bekannter TV-Star :D

 

Nachdem man so schon mal ganz gut in der Stadt angekommen ist, geht es weiter Richtung Mommsenstadion. Freitag, Flutlicht Fußball – dieser Dreisatz lässt das Herz des Groundhoppers immer wieder freudig pochen, und natürlich auch an diesem Abend, als das Auto auf dem Parkplatz hinter der Haupttribüne abgestellt wird.

 

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„Endlich“, denkt der Schreiber, denn Stadion und Verein standen schon seit Ewigkeiten auf der To-Do-Liste. Besonders auch wegen wechselvollen Geschichte des Vereins, zu der sicher ganze Bücher geschrieben werden könnten (und andere Leute haben das auch schon getan), hier sei der Versuch einer Kurzusammenfassung gewagt. Los ging es im Jahr 1902 als Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft Borussia. Wie der Name bereits vermuten lässt, war Fußball nicht die ursprüngliche Idee, die Sparte wurde allerdings schon ein Jahr später gegründet. Es dauerte noch bis in die 1920er, ehe sich TeBe in dieser Disziplin einen Namen machen konnte. Bedeutenden Anteil daran hatte der spätere erste Reichstrainer Otto Nerz. Und auch unter den Spielern tummelte sich mit Sepp Herberger ein prominenter Name. Ins Finale um die Oberliga-Meisterschaft ging es erstmals 1928, wo allerdings die unbezwingbare Hertha wartete. In den nächsten vier Jahren wiederholte sich das Spiel, erst 1932, als der Gegner Minerva 93 Berlin hieß, wurde die Hürde übersprungen und es ging in die Endrunde um die Deutsche. Dort konnte der Verein allerdings nicht zu Höhenflügen ansetzen.