Glasgow hat „The old firm“, Porto Alegre das „GreNal“ und Belgrad „das ewige Derby“ - die großen Feiertage des Fußballs finden unter direkten Nachbarn statt. Ein besonderes Duell dieser Art findet auch unweit des Nord-Ostsee-Kanals in Dithmarschen statt. Ein Landstrich im Südwesten Schleswig-Holsteins, der als Europas größtes geschlossenes Kohlanbaugebiet bekannt ist, und dafür dass die Bauern der Region am 17. Februar 1500 das zahlenmäßig weit überlegene Heer des dänischen Königs Johann I. und seines Bruders Herzog Friedrich von Holstein besiegen konnten. Ein Ereignis, das bis heute identitätsstiftend für die Menschen zwischen Eider, Elbe und Nordsee ist.

 

20161106 163253

 

Dort, im Schatten der Brunsbütteler Hochbrücke, liegt auf einem langgezogenen Erdstreifen die Gemeinde Averlak - mit nur 2 m üNHN nur sehr knapp über dem Meeresspiegel, was dem Dorf auch seinen Namen gab (Aver de Lake = „über dem Wasser“). Bei knapp 600 Einwohnern ist es schon keine Selbstverständlichkeit mehr, dass es überhaupt noch einen Sportverein am Ort gibt. In Averlak gibt es sogar zwei. Los ging es 1959 mit dem FC Averlak, gegründet laut Homepage von einer „handvoll sportbegeisteter Leute“. Der Verein entwickelte sich hervorragend, doch kam es in den 1980ern zu internen Streitigkeiten.

 

20161106 133053

 

20161106 160530

 

Vom FCA spaltete sich 1986 der SV Blau-Weiß ab und startete zunächst in der Kreisklasse E. Inzwischen spielen beide Vereine zusammen in der Kreisklasse A. Und als wären zwei Mannschaften aus demselben 600-Einwohner-Ort nicht schon genug, gibt es von jedem Verein auch noch eine „Zweite“, die zusammen in der Kreisklasse D spielen. Ein wenig profitiert das Dorf dabei auch davon, dass im benachbarten Brunsbüttel, was den Fußball betrifft, vereinstechnisch eher eine Monokultur herrscht.

 

20161106 163729

 

20161106 163813

 

20161106 163954

 

Zwei Sportplätze gibt es entlang der 3 Kilometer langen Hauptstraße zwar nicht, abseits des Grüns ist aber alles in rot-weiß und blau-weiß getrennt. Das Vereinsheim des SVs hat sich dabei von einer kleinen zu einer inzwischen recht stattlichen Gartenhütte entwickelt. Bei der räumlichen Dichte sind die Derbys selbstverständlich eine besondere Angelegenheit. Auch wenn diese aufgrund der Sperrung des heimischen Platz auf dem benachbarten Sportplatz in Dingerdonn ausgetragen werden.

 

Wieder einmal ein auf und neben dem Feld unterhaltsamer unterhaltsamer Sonntagnachmittag beim Amateurfußball. Nachdem es am letzten Wochenende nach Schellhorn ging, hieß das Ziel diesmal Lehmkuhlen. Dort empfing der TSV Lepahn die Zweite des Raisdorfer TSV.

 

DSC 9821

 

DSC 9829

 

DSC 9832

 

DSC 9840

Ein entspannter Sonntagnachmittag in der Kreisklasse A Plön. Der Platz der 1949 gegründeten Schellhorner Gilde liegt fast schon idyllisch am Lanker See. Einziger Wehrmutstropfen beim ansonsten unterhaltsamen 2:2: Vereinsheim zu, keine Wurst, kein Kaffee.

 

DSC 9687

 

DSC 9663

 

DSC 9657

 

DSC 9662

 

DSC 9670

 

DSC 3219

 

DSC 3130

 

DSC 3143

 

DSC 3156

 

DSC 3210

 

DSC 9691

 

DSC 9698

 

Leimbachstadion, 21. Oktober 2016, Endstand 1:5

 

„Was ist besser als Verlieren? - Siegen!“ Um das WWW (Wehen-Wiesbaden-Wochenende) ein wenig aufzuhübschen, entschieden sich zwei Kieler schon mal am Freitag den Ritt in Richtung Süd-Westen zu starten.

 

Größere Staus gibt es auf der Strecke zum Glück keine, dafür viele kleine :/ Hier zehn Minuten, da eine Viertelstunde, bringt überhaupt keinen Spaß. Dank früher Abfahrtzeit bleibt aber noch genug Reserve, um entspannt zu bleiben. Nach dem Kamener Kreuz ist dann auch der letzte Stau überstanden und über die A46 und quer durchs Sauerland (mein Herz das schlägt fürs Sauerland). Kurz vor der Abfahrt Richtung Lüdenscheid entschließt man sich zu einem Abstecher in eben jene Stadt. Grund hierfür ist, wie sollte es denn auch anders sein, Fußball. Rot-Weiß Lüdenscheid gehört nämlich zu den Vereinen, mit den sich die KSV während der Zweitliga-Jahre duellieren durfte. Ehemalige Heimspielstätte der inzwischen nur noch in der achtklassigen Bezirksliga Westfalen kickenden Lüdenscheider ist das 1972 eröffnete Stadion Nattenberg.

 

DSC 9473

 

DSC 9513

 

Inzwischen ist die Anlage rückgebaut, in den Kurven und auf der Gegengerade sind die Stufen einem Graswall gewichen, wodurch inzwischen statt 17.000 nur noch knapp über 7.000 Zuschauer zugelassen sind. Flutlichter und Panorama sind aber immer noch da, weshalb der Umweg lohnt (besonders auch weil ein Jugendtrainer für die anwesenden Kieler gerne mal aufschließt) und – obwohl man selbst nicht dabei war – nostalgische Gefühle hervorruft.

 

DSC 9509

 

c3451843 667b 4a66 a0e6 8b00331d2e93

 

DSC 9476

 

DSC 9482

 

DSC 9484

 

DSC 9485

 

DSC 9489

 

DSC 9491

 

DSC 9497

 

DSC 9500

 

Dann wieder auf die Autobahn und entspannte zwei Stunden vor dem Anpfiff ist die Unterkunft erreicht – als Kieler ganz stilecht wird natürlich im Hotel „Zum Storch“ eingecheckt. Nach kurzer Besichtigung des Zimmers geht es dann aber zügig weiter in Richtung Leimbachstadion. Nur 15 Minuten später wird der Wagen knapp 10 Meter vom Haupteingang entfernt geparkt und es geht hinein ins Vergnügen.

 

DSC 9521

 

Nach der langen Fahrt schweifen die Blicke allerdings zunächst einmal Richtung Verpflegung (ausführlicher Test hier), ehe die Augen das Stadion an sich begutachten. Der 1957 mit einem Spiel gegen den FV Hombruch 09 eröffnete Bau besteht ganz klassisch aus einer überdachten Haupttribüne (1975 eröffnet) mit 2.108 überdachten Sitzplätzen und unüberdachten Traversen in den Kurven und der Gegengerade. 19.400 Zuschauer ist die Gesamtkapazität des Stadions, in dem in der Saison 2004/05 Zweitligafußball zu sehen war. Der namensgebende Leimbach verläuft übrigens immer noch in Rohren unter dem Stadion.

 

DSC 9516

 

056ef104 ffc9 4c1f 9669 618bba217917

 

DSC 9527

 

DSC 9528

 

DSC 9536

 

DSC 9545

 

DSC 9566

 

DSC 9581

...oder Liebesgrüße aus Helsinki

 

Während der Süden der Republik sich wahrscheinlich unter Skandinavien ein einziges Meer von Bäumen, Elchen auf den Straßen und bärtigen Einsiedlern vorstellt, ist man ja als Kieler quasi schon halber Nordeuropäer. Kälte, schlechtes Wetter und eine Stadt jenseits von Prunk hat der Schleswig-Holsteiner eben auch zu bieten. Kopenhagen und Stockholm sind leicht mit dem Auto zu erreichen, nach Oslo geht’s für eine Nacht auf die Fähre. Einzig Finnland sticht da schon ein wenig heraus, vielleicht, weil man eben nicht so leicht hinkommt oder die anderen skandinavischen Staaten einfach sehr viel vertrauter wirken. Das einzige, womit der Schreiber bisher in Kontakt kam, war schließlich der Finnland-Stand auf der Kieler Woche.

 

Als dann die Webseite des Vertrauens für den Fußballreisenden das Helsinki-Derby über den Tag der deutschen Einheit anbot, da war guter Rat teuer. Nebenbei ist es auch gar nicht mal so einfach, eine bezahlbare Flugverbindung nach Finnland zu ermitteln. Einzig die guten Freunde von Ryanair haben das Potential des Landes schon erkannt und flogen vom Flughafen von der Weser direkt ins finnische Nichts zu Trollen und europaweit bekannten Metalbands. Ganz so war es natürlich nicht, das Flugziel Tampere ist immerhin die zweitgrößte Stadt des Landes mit ca. 200.000 Einwohnern, liegt aber auch 180 km nördlich von Helsinki. Ein weiteres kleines Problem war die Abflugzeit um halb sieben, also wurde sich noch fix eine Unterkunft in Bremen gebucht. So ging es an besagtem Freitag erst einmal an die Weser, die uns schon mit leichtem Regen empfing. Das Hostel wurde nach einigem Herumirren gefunden und hielt gleich einige kleine Extras bereit. Als drahtige Reisende macht es natürlich nichts aus, wenn der Aufzug im Haus einmal defekt ist, wenn aber auf den letzten Metern nach oben quasi jede zweite Stufe bröckelt, ist das schon beunruhigend. Kurz nach dem Einchecken waren nach Öffnen der Zimmertür die Betten noch nicht gemacht, also beanstandet und kurz noch in die City um mit einem in Bremen ansässigen Holstein-Sympathisanten asiatisch zu speisen. Irgendwie freut man sich ja immer, wenn es fix geht, aber länger als eine Minute darf es gerne dauern, um wenigstens dem Anschein von Frische zu erwecken. Anschließend rief aber schnell wieder das durchgelegene Bett. Hat mich alles ein wenig an den Bukarest-Trip von vor ein paar Jahren erinnert, da stand die schlechteste Unterkunft der Reise auch in Berlin und nicht in Rumänien.

 

Am nächsten Morgen dauerte es 15 Minuten Straßenbahn, 90 Minuten im Abflugbereich rumhängen und 100 Minuten Flug, dann empfing einen Finnland mit kaltem Wind und grauem Himmel. Irgendein Altrocker sprach mal von 60 Jahren Rock’n’Roll, davon 58 Jahre warten. Irgendwie ist es mit dem ewigen Reisen ja nicht anders. Auf Ryanair-Bus für 6€ hatte man wenig Lust, also ab zum anderen Terminal und auf den Linienbus gewartet. Das Ende vom Lied war, dass uns und ein paar Hamburger (die zum FC Santa Claus in den Norden wollten – tough guys!) ein Großraumtaxifahrer für 2€ pro Person (Schnäppchen) mit in die Innenstadt von Tampere nahm. Die anderen Jungs hatten einen Mietwagen, für uns ging es per Bus nach Helsinki. Nach knapp zwei Stunden verließ man den Bus am unterirdischen ZOB.

 

Erster Eindruck von Helsinki? Sehr sauber und sehr klare Strukturen, eben typisch skandinavisch. Für den ersten Eindruck nicht schlecht, von den Hauptstädten der nordischen Länder wahrscheinlich am ehesten vergleichbar mit Oslo. Nach 20 Minuten Fußmarsch war das Hostel erreicht, hier funktionierte übrigens der Aufzug, auch wenn er schon deutlich über 60 Jahre alt sein durfte. Das Hostel war im Prinzip eine große Altbauwohnung, Dusche gab es nur eine, aber das passte schon. Schließlich waren wir hier sowieso nur zum Pennen. ÖPNV wollten wir in Helsinki uns nicht geben, also ging es zu Fuß einen strammen Marsch durch die Stadt. Die Stadt hat wirklich was, 650.000 Einwohner machen Helsinki zum Zentrum Finnlands, im Großraum der Hauptstadt lebt jeder vierte Finne. Außerdem fühlt man sich als Kieler am Wasser immer am wohlsten, wenn es natürlich die Ostsee ist, die in mehreren Buchten in die Innenstadt hineinragt, dann kann es nicht viel besser kommen. Erster Anlaufpunkt war eine Kneipe, wo sich vorher wohl die HIFK-Leute sammeln wollten. Dort kamen wir dann auch erstmals mit dem finnischen Preisniveau in Berührung, über 6€ über ein 2,5%-Bier. Na denn, vom Essen wurde dann hübsch die Finger gelassen.

 

Von HIFK war auch noch nicht viel dort, stattdessen freuten sich ein paar Leute von FC Kopenhagen über einheimische Bierpreise und auch ein paar Esten konnte man entdecken. Da hat man einmal ein besseres Spiel hier im Norden und schon kommt halb Skandinavien nach Helsinki. Für uns ging es fix weiter. Wir waren ein bisschen zu früh dran, daher musste erstmal der Supermarkt am Platz beehrt werden, anschließend verbrachte man eine nette Stunde auf einer Bank direkt am alten Olympiastadion. Ursprünglich war auch ein Besuch auf dem Olympiaturm angedacht, aber leider wurde das ganze Areal aufpoliert, sodass uns der Blick auf die Stadt verwehrt blieb. Besser konnte man den Wochenendtrip hier nicht gestalten, aber es würde sich schon lohnen, im Olympiastadion mal ein Spielchen zu sehen, nette Schüssel. Der HIFK-Mob hatte sich inzwischen auch zusammengerottet und zog mit viel Pyro und Böllern mit ca. 500 Leuten durch die Straßen.

 

P1060425

 

P1060429

 

P1060438

 

Durchweg junge Leute waren da am Start, aber ein gutes Bild, wenn man bedenkt, dass Fußball hinter Eishockey und Wintersport nur Sportart Nummer drei ist und HIFK immer Moment in der Tabelle kurz über dem Strich steht. Das Sonera Stadion ist ein relativ neuer Bau und erinnert ein wenig an das Stadion in Maribor, eigentlich das Heimstadion von HJK, nutzt HIFK es mittlerweile auch als Heimspielstätte. Etwa 11.000 Leute passen hier rein, außer bei einigen Derbys ist es nie ausverkauft, so auch heute.

 

P1060439

 

P1060440

 

Auf der HIFK Seite hatte man durch das Herausnehmen von ein paar Sitzen einen kleinen Stehplatzbereich geschaffen, der Test des Stadions waren komplett Sitzplätze. Zum Einlauf zündete die Heimkurve ganz nett herum, die Gäste hatten eine einfache Choreo gebastelt, das ging beides in Ordnung.

 

P1060454

 

P1060455

 

P1060458

 

P1060469

 

P1060466

 

Bei HJK stand heute Thomas Dähne im Tor, hat mal Jugend-Nationalmannschaft in Deutschland gespielt, auf der Bank nahm Mikael Forssell Platz, der hat sich die Schuhe auch schon für Chelsea und Gladbach gebunden, mittlerweile ist er 35 Jahre alt, sein Vertrag bis Ende des Jahres bei HJK dürfte auch der letzte sein. Ein wenig enttäuscht war man über den HJK-Anhang, wirklich viel stand da nicht im Gästeblock, wenigstens machten viele mit. Auf der Gegenseite spielte sich wohl das Beste ab, was man in der finnischen Veikkausliiga so finden kann: Schwenker ständig in der Luft und 400 Leute wussten echt, was sie zu tun und zu lassen hatten. Schick! Erst dachte unsere kleine Reisegruppe, die kämen im Prinzip nur alle von HIFK Eishockey, aber denkste, die gehen nur zum Fußball haben Bock auf ihren Verein und das, obwohl der Club seit 2014 erst wieder erstklassig ist, nach 43 Jahren (!) unterklassigem Gekicke. Das Gekicke auf dem Kunstrasen ging schon klar, HJK individuell natürlich deutlich besser, aber HIFK hielt gut dagegen. Nach 33 Minuten setzte sich die Willensstärke des Heimteams dann durch und der HIFK-Anhang konnte zum ersten Mal durchdrehen, nett!