Robert-Kölsch-Stadion, 19. Mai 2019, Endstand: 3:2

 

Der VfR Bürstadt hat schon bessere Zeiten erlebt. Zwischen 1978 und 1985 wurde dort insgesamt vier Saisons zweitklassig gekickt, die traurige Gegenwart sieht den Traditionsverein in der achtklassigen Kreisoberliga Bergstraße. Dass die großen Tage lange zurückliegen, sieht man dem Robert-Kölsch-Stadion daher auch mehr als deutlich an. Insbesondere gilt dies für die schöne Tribüne, deren Tage nach dieser Saison endgültig gezählt sind. Hier und heute findet das letzte Spiel statt, bevor sie nach Saisonende dem Abriss zum Opfer fällt. Einige Kommentare zum Für und Wider kann man bei Fupa finden.

 

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Da das Wochenende mit der Freundin im nahen Heidelberg verbracht wurde, waren glücklicherweise nicht übermäßig viele Überredungskünste vonnöten, um den Spielbesuch hier noch „dranzuhängen“. Eher die üblichen Bestechungen, also Kostenübernahme für Eintritt, Wurst und Getränke... ;) Vor dem Anpfiff bleibt noch Zeit für einen Rundgang um den Platz. Nicht nur die Tribüne mit ihrem geschwungenen Dach macht Eindruck, auch die Traversen mit den dicht stehenden Bäumen und dem herauswuchernden Gras lassen das Herz des Fußballromantikers höher schlagen.

 

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Rein sportlich geht es im Saisonfinale noch um Einiges: der VfR liegt punktgleich mit der zweitplatzierten FSG Riedrode auf Platz 1, der zum direkten Aufstieg berechtigen würde. Platz 2 ist den Hausherren bereits nicht mehr zu nehmen, wäre aber mit einer Relegation verbunden. Die Gäste aus Fürth (im Odenwald, aber ebenfalls in grün-weiß) hingegen brauchen noch den einen oder anderen Zähler um ganz sicher die Klasse zu halten. Das Spiel ist natürlich kein Augenschmaus, Tempo und Präzision sind auf beiden Seiten auf keinem allzu hohen Niveau, aber – es ist spannend, weil es eine absolut ausgeglichene Partie ist.

 

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Die größte Chance im ersten Durchgang gehört sogar den Gästen: erst ein strammer Schuss, der vom Keeper seitlich pariert wird, im Anschluss trifft der Fürther aus sieben Metern nicht das freie Tor, sondern nur den Innenpfosten, der dritte Schuss wird schließlich geblockt. Das torlose Remis zur Pause ist also eher ein wenig schmeichelhaft für die Bürstädter.

 

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Association Sportives Hayabley vs. FC Dikhil

Stade El Hadj Hassan Gouled, 22. Februar 2019 (17 Uhr), Endstand 1:2

 

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Association Sportive du Port vs. Association Sportive Arta Solar 7

Stade El Hadj Hassan Gouled, 22. Februar 2019 (19 Uhr), Endstand 2:2

 

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Beruflich war ich in Djibouti und hatte an einem Wochenende im Nationalstadion (das bis zu 40.000 Zuschauer fasst) Flutlicht gesehen. Ein Blich auf die Internetseite von Soccerway verriet, dass am darauffolgendem Wochenende ein Spieltag ausgetragen wurde. Da ich dann natürlich hin zum Stadion und  habe am Zaun nach Tickets gefragt. Da dieses Land als eines der ärmsten Länder zählt, sind die Eintrittspreise mit 100 DJF also umgerechnet 0,50€ mehr als günstig. Dafür kann man einen kompletten Spieltag sehen. Die Spiele starten um 15:00, 17:00 und 19:00 Uhr. Da die Temperaturen hier momentan nicht wirklich unter 30Grad sind, kann man sich vorstellen, dass bei den ersten Spielen noch nicht wirklich viele Zuschauer vor Ort sind.

 

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Ich bin zur zweiten Halbzeit des zweiten Spiels gekommen. Die Ränge waren ganz gut besucht. Bis auf eine ältere Dame, die mit einer Art Bauchladen durch das Stadion gelaufen ist und einzelne Zigaretten, Kekse und Kaugummis verkauft hat, waren nur Männer vor Ort. Als der Muezzin Abendgebet rief, wurde das Stadion für den Zeitraum des Gebets etwas leerer. Die Männer kamen aber wieder und schauten sich eher emotionslos das Spiel an. Ich hatte das Gefühl, dass sich auch über Gott und die Welt unterhalten wurde und das Spiel so nebenbei betrachtet wurde. Erst zur Schlussphase wurde es etwas lauter und die Zuschauer unterstützten die Teams mit einzelnen aber lauten Zwischenrufen.

 

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Das Niveau war sehr niedrig. Aber es gab eine ganze Reihe an lustigen Szenen. Angefangen von mehreren Elfmetern in einem Spiel, die nicht alle verwandelt wurden bis zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, die der Schiedsrichter mit störrischer Ruhe hat laufen lassen. Während des Spiels hat sich der Linienrichter es sich nicht nehmen lassen, des Öfteren mal auf sein Handy zu schauen, welches er natürlich ganz selbstverständlich in der Hosentasche hatte.

Das Ausfüllen des Urlaubsantrags im Dezember ist eine doppelte Freude: Zum einen weil dank Resturlaub 2018 noch nicht die „neuen“ Urlaubstage 2019 angebrochen werden müssen, zum anderen wurde die Wahl der Destination vom Lieblingsverein abgenommen. Und nach Spanien wird den Störchen doch gerne hinterher gereist. Der Ort für Holsteins Wintertrainingslager ist Oliva Nova, ähnlich wie La Manga im Jahr zuvor eher ein Retorten-Ort für Touristen, dafür aber nur eine Stunde von Valencia entfernt, was ein Plus an Kultur, Kulinarik und guten Kicks bedeutet. Und eigentlich ist schon die Aussicht das trübe, norddeutsche Wintergrau gegen ein wenig Sonnenschein zu tauschen, ein guter Grund die Flüge zu buchen. Dazu wird noch ein Apartment gemietet (die Auswahl an guten Lebensmitteln lädt auch mal zum Selbstkochen ein) und ein Mietwagen gebucht – schon geht die Vorfreude los und man beginnt den Klassiker von Michael Schanze und der Nationalmannschaft zu summen: Olé España!

 

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Sonntagmorgen wird der Wagen am Helmut-Schmidt-Airport abgestellt und mit Zwischenstopp Düsseldorf und die spanische Mittelmeerküste relativ entspannt gereicht. So bleibt nach dem Einkauf der Grundausstattung im Supermercado sogar noch Zeit, beim Training der KSV vorbeizuschauen. Die Besuche beim Training sollten in den folgenden Tagen zu einem festen Ritual werden. Insgesamt viel wirklich auf, wie sehr es Coach Tim Walter schafft, die Jungs zu motivieren - hätten vor einem halben Jahr auch die wenigsten gedacht. Auf der Anlage, die wohl die beste von denen ist, auf der die Störche bisher ihre Winter verbringen durften, sind schon einige bekannte Gesichter auszumachen.

 

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Während die Profis auf dem Rasen schwitzen, lässt man es selbst ruhig angehen. Schließlich wollen die ersten Sonnenstrahlen gebührend genossen werden. Danach geht es in den kleinen Hafenort Gandia – zwischen freundlich-lauten Einheimischen werden in einer kleinen Bar die ersten Tapas und eine kühle Cerveza genossen. Danach ist Zeit fürs Bett – in der noch recht kühlen Mietwohnung unter einem Stapel von Decken. In den Tagen danach sollte die Heizung dann gegen die teils frostigen Nächte ankommen.

 

Am Montag hieß es Testspiel, Holstein international, Teil 1. Davor wurde allerdings ein wenig die Umgebung erkundet. Unter anderem ging es in die wunderschöne, kleine Hafenstadt Dénia, die neben den verwinkelten Gassen und dem Castillo de Denia (einer ehemals maurischen Festung) vor allem durch die tierischen Einwohner punkten konnte. Sind Eichhörnchen, die Datteln essen, eigentlich Dattelhörnchen?

 

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Nach dem Erklimmen der Festungsanlage hieß es aber schnell zurück nach Oliva Nova, unterwegs noch ein paar Empanadas geshoppt und ab zu Holstein Kiel gegen KV Mechelen. Gegen den den aktuellen Zweiten der 2. Belgischen Liga gab es ein zufriedenstellendes 2:0 durch Tore von Serra und Okugawa. Auch die mitgereisten Nachwuchsstörche machten sich gut und bekamen viel Spielzeit. Die Laune war zu diesem Zeitpunkt durchweg positiv.

 

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Am Dienstag ging es nach nach dem Interview mit Stefan Thesker und Janni Serra (zu lesen hier) nach Calp, ein Ort der mit einem riesigen Kalkfelsen im Meer direkt vor der Stadt und einer Saline, in der Flamingos wild leben, punkten kann. Wäre alles sehr charmant, wenn es den Massentourismus nicht gäbe. Highlight des Tages ist dann die selbstgemachte Paella – feines Teil.

 

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Moixent hieß das Ziel am Mittwoch - das kleine Städtchen erlangte Bekanntheit durch den „Krieger von Mogente“, einer um 500 v. Chr. entstandenen Figur, die 1931 bei Ausgrabungen entdeckt wurde. Über einen steilen Pfad ging es von der Kirche San Pedro Apóstol, von der ein süßlicher Weihrauchduft verströmt wurde, hoch zum Torre Mora (wo es dann nach wildem Rosmarin roch). Anstrengend, aber als Lohn gibt es einen schönen Ausblick auf die Stadt und die alte iberische Festung.

 

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In der Zwischenzeit hatte es eine zweite Kieler Delegation auf die Iberische Halbinsel geschafft – der Umweg über Madrid hatte seine Gründe dabei nicht nur im drohenden Streik einer irischen Billigfluglinie.

 


Real Madrid Club de Fútbol vs. Club Deportivo Leganés

Estadio Santiago Bernabéu, 9. Januar 2019, Endstand 3:0

 

Da bis kurz vor Abflug nicht klar war, ob der Ryanair-Flug nach Valencia auch dem berechtigten Streik der spanischen Flugbegleiter*innen zum Opfer fallen würde, wurde kurzerhand eine Alternative ausgegraben, schließlich bot Star Alliance Mitglied Iberia noch einen Flug nach Madrid für unter 50€ an. Zufällig bestritt der von einigen Fußballkundigen als „größter Verein der Welt“ bezeichnete Club am Ankunftsabend noch ein mehr oder weniger wichtiges Spiel im spanischen Pokal gegen die Vorstädter von CD Leganés. Sicherlich kein Spiel, von dem man seinen Kindern noch erzählen würde, gleichzeitig aber eine preisgünstige Chance, einmal ein Spiel im Bernabéu zu sehen. Schließlich könnte man eben diesen Kindern ebenso nicht erzählen, irgendeinen osteuropäischen unterklassigen Kick, aber nie ein Heimspiel von Real Madrid gesehen zu haben.

 

Iberia setzte pünktlich im Madrid auf, der Mietwagen konnte nach ein paar Sprachbarrieren auch angeschmissen werden. Der Weg zum Hotel durch die hauptstädtische Rushhour war im Anschluss ein kleines Abenteuer für sich, verstopfte Straßen, riesige Kreisel, wo man öfters von mutigen anderen Verkehrsteilnehmern geschnitten wurde und die tickende Uhr sorgten für ein wenig Spannung. Wenig später waren die überraschend günstig geschossenen Zimmer im Gerner-Hotel bezogen und ab ging’s zu Fuß die 20 Minuten Richtung Bernabéu. Erst im letzten Moment tauchte es zwischen den Häusern auf und ragte doch ziemlich in die Höhe. Die billigen Plätze lagen passender Weise auch ganz oben, sodass vor dem Blick ins Rund noch ein beschwerlicher Weg über Treppen und Rolltreppen angetreten werden musste. So ziemlich jeder Fußballinteressierte dürfte das weite Rund aus diversen Fernsehübertragungen kennen, dennoch hatte man schon oft die Erfahrung gemacht, dass die Eindrücke vor Ort sich doch deutlich von den erwarteten Bildern unterscheiden, so auch hier. Einfach ein riesiges, beeindruckendes Rund, auch wenn heute nicht die ganz große Fußballbühne geboten wurde.

 

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Das Bernabéu ist mittlerweile fast 72 Jahre alt und fasst um die 81.000 Zuschauer. Jahrzehnte zuvor strömten auch schon einmal 125.000 Zuschauer auf die Tribünen, im Zuge der Umwandlung von Stehplätzen in Sitzplätze und einiger anderer Entwicklungen sind es dieser Tage etwas weniger, die natürlich in Champions-League-Spielen und bei Duellen gegen Barcelona oft fünffach verkauft werden könnten. Zum Pokalspiel waren lediglich die Hälfte dieser Plätze besetzt und das bei Preisen von 15€ in der günstigsten Kategorie.

 

Ein ähnliches Interesse an diesem hatte auch die sportliche Leitung der „Königlichen“, sodass nicht die ganz große Kapelle auf dem Rasen stand. Der Gast aus Leganés spielt seine dritte Saison in Spaniens Primera Division und taucht wenig überraschend eher in der unteren Tabellenhälfte auf. Der Außenseiter wurde von etwa 500 Gästen unterstützt, die von Real im obersten Rang einquartiert wurden und ab und zu auch zu vernehmen waren, allerdings ohne im Gedächtnis zu bleiben. Auf Heimseite sorgten etwa 1000 komplett in weiß auftretende Fans hinter dem Tor für etwas Stimmung. Die „Grada Fans“ wurden vom Verein im Jahre 2014 gegründet, dadurch sollte ein Stimmungsloch verhindert werden, das nach dem Rausschmiss der rechtsextremen Gruppe der „Ultras Sur“ die Stimmung im Bernabéu erwartet worden war. Fans im diesem Sektor bezahlen das Stadionerlebnis nicht nur mit wenigen Euros, sondern eben auch mit zwingender Kleiderordnung und personalisierten Tickets.

 

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Eine kleinere Gruppe der ehemaligen Ultras sorgte dennoch für etwas Stimmung von einem der oberen Ränge, keine Ahnung, ob dies ein regelmäßiges Phänomen darstellt oder diese Leute das schwache Interesse nutzten, um eine größere Anzahl an Tickets zu kaufen, was so im Ligaalltag eher selten möglich sein dürfte. Unten auf dem Feld mühte sich der Gast vergeblich gegen die Übermacht von Real. Madrid musste nicht allzu viel Aufwand betreiben, nach einem Strafstoß kurz vor der Halbzeit und der Führung durch Ramos war die Messe gelesen, Vázquez und Vinicius Junior sorgte für ein standesgemäßen 3:0 im zweiten Durchgang.

 

Deutlich enttäuschender war im Anschluss allerdings der Fakt, dass der Weg vom Stadion zum Hotel keinerlei Kneipe bereithielt, auch die Hotelbar schenkte nicht mehr aus, eigentlich unfassbar.

 

Fußball, Fußball, Fußball hieß es dann auch am Donnerstag - aber Zeit für einen kleinen Bummel durch die Altstadt von Oliva und ein kurzer Trip zu den nahegelegenen Thermalquellen war trotzdem. :)

 

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Allmänna Idrottsklubben vs. Hammarby Idrottsförening
Friends Arena, 23. September 2018, Endstand 1:0

 

Schweden kann was. Nicht nur landschaftlich gehört das größte Land Skandinaviens zu einem der Top-Reiseziele in Europa, auch auf dem grünen Rasen und den Traversen drumherum spielen sich einige erzählenswerte Geschichten ab. Die Erfahrung konnte der Schreiber bereits vor zwei Jahren im Sommer machen, als man zum ersten Mal das Derby in der Hauptstadt des Landes zwischen Hammarby und AIK sah und in Verbindung mit dem wirklich tollen Stockholm ein rundum gelungenes Wochenende verbrachte. Das schrie nach Wiederholung! Man konnte wirklich meinen, der Fußballgott hatte ein Auge auf die Allsvenskan geworfen, schließlich war Hammarby nach Jahren der Erfolglosigkeit wieder on top. Ein paar Spieltage vor Saisonende sollte es zum absoluten Spitzenspiel bei AIK kommen. Das konnte man sich doch nicht entgehen lassen! Doch zunächst hatte man sich noch etwas Vorprogramm herausgesucht. Ursprünglich stand für die Kiel-Hannover-Connection ein Besuch in Helsingborg auf dem Programm, der Verein bat aber kurzfristig um eine Spielverlegung von Freitag auf Sonntag und somit war der Plan dann auch für die Tonne. Schade, Helsingborg ist gerade in der Spitzengruppe der 2. Liga und konnte in den letzten Spielen immer über 5000 Zuschauer begrüßen, für die Superettan ein sehr guter Wert. Nach einem kurzen Besuch in der Unterkunft musste daher mit Ramlösa Södra IF etwas unterklassiger Fußball herhalten. Statt Radau von den Rängen gab es einen Kunstrasen mit zwei kleinen Tribünen, das ging schon klar. Das Niveau war für siebte Liga auch ganz annehmbar, insofern war es ein netter Auftakt für das Wochenende.

 

Am nächsten Tag ging es nach einem ausgiebigen Mal beim blau-gelben Möbelhaus Richtung Stockholm. Die E4 von der Südspitze Schwedens in die Hauptstadt ist landschaftlich sehenswert und führt unter anderem auch am Vättern, dem zweitgrößten See des Landes, vorbei. Wirklich beeindruckende Aussichten. Das Zwischenziel hieß Nyköping, wo noch ein feiner Drittligakick auf uns wartete. Die Zeit bis zum Kick-Off vertrödelte man noch ein einem großen Sportkomplex, wie es ihn wohl auch in Deutschland keine fünf Male gibt, 4-5 Hallen für unterschiedlichste Sportarten umfasste das Sportzentrum und alle Bereiche waren besetzt. Das ganze steht wohlgemerkt in einer Stadt mit etwas über 30.000 Einwohnern. Für die Hallensportarten interessierten sich am Ende auch deutlich mehr Zuschauer als für das Gekicke auf dem Rasen, das etwa 150 Zuschauer sehen wollten. Neben einer Tribüne auf einer Seite ist der Platz von einem großen Wall umgeben, solche Leichtathletikstadien gibt es in Skandinavien bekanntlich öfter, aber ein gutes Spiel, um die Wartezeit zu verkürzen, da störte es auch herzlich wenig, dass der Gast aus Karlslund durch das 0:2 alle drei Punkte entführte.
Im Anschluss dauerte es noch etwa 60 Minuten, bis wir unsere final destination für die nächsten zwei Nächte erreicht hatten. Den Abend ließ man dann in bester Gesellschaft der Gastgeber ausklingen, wirklich interessant, wie es zwei schon lange in Schweden lebenden Deutschen in Skandinavien so ergeht. Vielen Dank noch einmal für das tolle Wochenende!
Am nächsten Tag hieß es dann endlich: Derbyzeit! So richtig an einem Sieg Hammarbys beim Rivalen von AIK wollte im Umfeld keiner glauben, an die sich noch in Reichweite befindliche Meisterschaft schon gar nicht, aber ein paar Punkte, um die Wahrscheinlichkeit einer Europa-League-Teilnahme zu erhöhen, durften es schon sein, schließlich warteten auf den folgenden Plätzen mit Malmö und Norrköping schon einige etablierte Teams aus dem oberen Tabellendrittel, dass das Team aus dem Süden Stockholms schwächelte. Zunächst musste es für den Schreiber noch einen obligatorischen Touri-Rundgang geben, zwar kannte man den Großteil der Innenstadt schon, aber ohne ein paar Eindrücke konnte man dann doch nicht wieder nach Hause fahren.

 

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Einen kleinen Rundgang durch die Altstadt später ging es zum Centralen, von wo einen der Vorortzug in kurzer Zeit nach Solna brachte. Der Zug war bereits gut gefüllt mit HIF-Fans. In den Gästeblock zog es dann auch den Rest der Crew, man selbst wollte es sich auf den neutralen Plätzen gemütlich machen. Nach fixer Eingangskontrolle ohne jegliches Abtasten hielt der gebuchte Platz, was er versprach: dritter Rang, erste Reihe, beste Sicht.
Die Friends Arena wurde erst 2012 eröffnet und trat an die Stelle von Rasunda, in dem AIK und die schwedische Nationalmannschaft seit 1937 ihre Heimspiele austrugen. Was folgte war ein doch etwas seelenloser Bau, der sich perfekt in die neue europäische Stadionlandschaft einfügt. Ein gewachsenes Umfeld gibt es ebenso nicht, direkt daneben liegt lediglich ein großes Einkaufszentrum. Schade, aber das ist wohl der Zeitgeist.
Die Blöcke füllten sich auch langsam, schon weit vor Anpfiff konnte man Vorbereitungen für Choreos in beiden Blöcken erahnen, im Gästeblock hantierte man mit Pappen, im Heimbereich schon mit einem großen Spruchband. Die Sitzplätze füllten sich nur langsam, waren aber bis zum Einlaufen der Mannschaften nahezu vollständig gefüllt. Über 49.000 Zuschauer waren heute Zeuge des Derbys und Spitzenspiels der Allsvenskan, Rekord für ein Derby in Stockholm!

 

AIK arbeitete zum Auslaufen der Mannschaften mit ein paar Fackeln und Spruchbändern, die Gäste verglichen das Heimteam mit putzigen Nagern aus der Kanalisation, ließen dann eine Hammarby-Sonne aufgehen und zündeten selbst noch ein paar Dutzend Bengalos! Nicht schlecht für den Anfang, top Auftakt!

 

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Auch das Spiel hatte für die Allsvenskan kein so schlechtes Niveau, Hammarby versuchte mutig nach vorne zu spielen, während AIK defensiv sicher stand und abwartete.

 

Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim 1899 II vs. FK 03 Pirmasens
Dietmar-Hopp-Stadion, 12.08.2018, Endstand 6:2

 

Es ist Anfang August und das anhaltend gute Wetter macht richtig Lust auf ein nettes (verlängertes) Hoppingwochenende. Dann überfliegt man kurz den Kalender, streicht Urlaube, Familienfeste und sonstige Termine heraus und stellt fest, dass bis Ende September mal wieder alles verplant ist. Da hilft alles nichts, ein paar Tage Urlaub müssen dran glauben und die Tour eben in die Woche hinein gelegt werden. Das ist nicht schön und führt vor allem zu einer etwas eingeschränkten Spielauswahl - gerade am Montag – was das Ganze eventuell leicht zusammengeschustert wirken lässt. Aber am Ende stehen dann doch vier Tage mit vier Spielen in drei Ländern.

 

Es geht von Nürnberg aus gen Westen, und den Auftakt macht am Sonntag die Paarung Hoffenheim II gegen die FK Pirmasens in der Regionalliga Südwest. Im Gegensatz zur ersten Mannschaft spielt die Zwote tatsächlich noch im namensgebenden Sinsheimer Stadtteil Hoffenheim. Fußläufig vom Bahnhof auch gut erreichbar, ist man trotz 1,1km Entfernung schon gut bedient. Mittagszeit, Sommerhitze, ein Rucksack randvoll mit Reisegepäck und die steile Treppe hinauf zum Dietmar-Hopp-Stadion sorgen in einer unheilvollen Allianz für erhöhte Transpiration und einen klatschnassen Rücken.

 

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Und all das für ein Spiel einer „Zweiten“, bei der schon die erste Mannschaft nicht gerade eine übermäßig große Anziehungskraft ausstrahlt. Auch die Gäste haben im Ligavergleich keine der ganz großen Szenen, sodass die Erwartungen nicht allzu hoch sind. Ebenso ist das Stadion ein recht funktional gehaltener Bau.

 

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Die Haupttribüne sticht etwas heraus, der Rest ist von Wellblechoptik dominiert. 5000 Zuschauer passen rein, spärliche 240 sind heute gekommen. Doch tatsächlich können hier einige Dinge punkten: die Feuerwurst ist ihr Geld wirklich wert, die Musikauswahl vor Spielbeginn trifft mit Rock/HardRock-Klassikern ebenfalls meinen Geschmack.

 

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Das kann aber nicht, wirklich in keiner Weise diese bodenlose Frechheit einer Vereins“hymne“ entschuldigen. Billigster Trash im Ballermannstyle garniert Lyrics, die wohl sogar für das Oberbayern zu flach wären. Ein Schundwerk der übelsten Sorte und ich wage mal die Behauptung, dass die „Kompositions“zeit dieses Songs kürzer war als seine Laufzeit. Das sagt eigentlich auch schon alles.

 

Die gerade zurückgewonnene Laune droht zu verfliegen, doch das Spiel nimmt einem schnell mit. Dass die Tabelle nach gerade einmal drei Spieltagen noch keine Aussagekraft besitzt, zeigt sich hier deutlich. Pirmasens ist 3. mit 7 Punkten, Hoffenheim 15. mit nur einem Zähler auf der Habenseite. Doch die Kraichgaureserve gibt vom Fleck weg Gas und es sind nicht mal 10 Minuten gespielt, da steht es bereits 2-0. Nach einer Viertelstunde gibt es dann auch noch Strafstoß für die Gastgeber und die Gelegenheit zur Vorentscheidung.
Der wird aber klasse pariert und Pirmasens kann sich bei seinem Torhüter bedanken, dass es noch im Spiel ist. Die Partie ist jetzt offener, aber immer noch mit Vorteilen beim Gastgeber. Kurz vor der Pause können die Gäste aber doch noch per Kuddelmuddelkacktor verkürzen. Der 2-1-Pausenstand passt nicht zum Spiel, verspricht aber immerhin etwas Spannung. Das sehen offenbar auch die mitgereisten Fans aus Pirmasens so und melden sich nach dem Anschlusstreffer erstmals zu Wort.

 

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Deren Freude steigert sich noch, als wenige Minuten nach Wiederanpfiff der – man muss es so sagen – unverdiente Ausgleich gelingt. Es folgt kurz danach sogar eine Gelegenheit zur erstmaligen Führung, und ich beginne schon gedanklich, diesen Spielbericht um den Knackpunkt des vergebenen Elfmeters herum zu strukturieren, da schlagen die Hoffenheimer zurück. Das 3-2 fällt wenige Zeigerumdrehungen nach dem Ausgleich, bis zur 70. wird das Resultat auf ein komfortables 5-2 erhöht. Es scheint, als habe Pirmasens einfach zu viel investieren müssen, um den Rückstand zu egalisieren. Meist laufen sie jetzt hinterher. Passend dazu einer der älteren Herren in meiner Umgebung im badischen Idiom: „Der hodd den fesdgehalde, hoschd des ned g'sehn?“
in der 88. Minute wird mit dem Tor zum 6-2 der Endstand hergestellt, für „die“ Klub aus Pirmasens ist damit die erste Saisonniederlage besiegelt. Daran konnte auch der Ex-Storch Marco Steil in der Innenverteidigung der der FK 07 nichts ändern.

 

Auf dem Rückweg sammle ich dann noch unfreiwillig Material für ein weiteres Kapitel meines bald erscheinenden Buches „111 Wege, einen Zug zu verpassen“: die knapp 20 Minuten von Abpfiff bis zur Abfahrt der S-Bahn um 16:05 Uhr reichen dicke, um zunächst noch das stille Örtchen aufzusuchen. Natürlich ein fataler Fehler. Denn ich treffe zwar rechtzeitig Punkt 16 Uhr am Bahnhof ein, aber eben an Gleis 1. Die S-Bahn fährt an Gleis 2. Zu erreichen nur über den Bahnübergang, denn eine Unterführung gibt es nicht. Und die Bahnschranke ist natürlich bereits unten. Folglich habe ich weitere 60 Minuten Zeit, die Schönheiten eines verlassenen Kleinstadtbahnhofs zu genießen.
So erreiche ich später als geplant Sinsheim, wo sich mein heutiges Nachtlager befindet. Zunächst wird aber ein hübsch gelegenes Lokal in der Altstadt direkt an der Elsenz aufgesucht.

 

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Speis und Trank entschädigen etwas für die entstandene Verspätung, wenngleich ich hier noch eine Warnung aussprechen muss: das ausgeschenkte Palmbräu tituliert sich selbst als „Stolz des Kraichgaus“, für meinen Geschmack eine etwas zu vollmundige Ansage des für ein Pils doch arg süßlichen Gesöffs. Eine klare Empfehlung muss hingegen für das später im Hotel genossene Distelhäuser Pils ausgesprochen werden.

 

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Jos Nosbaum-Stadion, 13.08.2018, Endstand 0:2

 

Am nächsten Tag zieht es mich ca. 200 km weiter westlich ins Großherzogtum Luxemburg. Für diese vergleichsweise kurze Strecke ergibt sich nicht nur eine erkleckliche Reisedauer von etwa 6 1/2h, sondern auch beträchtlicher Spaß bei der Buchung. Die DB-App spuckt mir zwar eine Verbindung raus, lässt mich diese aber nicht buchen, weil die letzten zwei Teilstücke (Luxembourg → Bettembourg und Bettembourg → Dudelange) komplett im Ausland liegen. Also werde ich nach dem Frühstück gegen 10 Uhr im DB-Reisezentrum vorstellig. Meine präferierte Verbindung kenne ich ja bereits, Abfahrt ab Sinsheim um 10.49, Ankunft in Dudelange um 17:18. So habe ich noch zwei Stunden Puffer bis zum Anstoß um 19:30. Alleine, so richtige weiterhelfen kann mir der gute Mann auch nicht („Wie heißt das? Dü-de-ling?“), immerhin kann ich aber schon mal bis nach Luxemburg-Stadt buchen.

 

Also mache ich es mir mit meinem Kaffee am Gleis gemütlich, als mein Blick auf die Anzeige fällt: meine S-Bahn nach Heidelberg fällt aus. Kurzer Check, was das heißt, macht klar: aus einer Stunde Verspätung jetzt werden später zwei. Neue geschätzte Ankunftszeit: 19:18 Uhr. Bye bye Puffer. Selbstverständlich sieht mich der nette DB-Mitarbeiter noch mal wieder, um mein Ticket umzuschreiben, danach geht die Reise los. Ständig die Uhr im Blick, und draußen schüttet es dazu. In Sinsheim, in Heidelberg, in Mannheim und Saarbrücken. Erstaunlicherweise klappt aber jetzt alles, die Anschlüsse werden erreicht, in Luxemburg-Stadt muss ich für den Bus noch nicht einmal bezahlen und für weitere 2 Euronen gelange ich von Bettembourg nach Dudelange. Dies sogar mit einer früheren Verbindung als ursprünglich gedacht, sodass ich sogar vor Spielbeginn noch im Hotel einchecken kann. Entspannt geht es zum Ground, und der ganze Stress fällt ab. Passend zu meiner Stimmung kommt jetzt auch die Sonne wieder durch.

 

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Der definitive Highlightmoment auf dieser Tour: den ganzen Tag unterwegs gewesen, immer in der Sorge, es könnte doch noch was schiefgehen. Es gibt Menschen, die sagen, das Glück der Erde liege auf dem Rücken eines Pferdes. Ich sage, nach einem solchen Sch...tag mit Bier und Wurst in Händen auf den Strehtraversen des Stade Jos Nosbaum den Sonnenuntergang zu genießen ist zumindest nicht weit weg ;)

 

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