12. August 2018, Endstand 1:1

 

Die Zeitenwende an der Förde geht in die zweite Spielzeit. Während noch vor ein paar Jahren, der THW nicht auf Werbung angewiesen war und Holstein in der ganzen Stadt plakatieren musste, ist es inzwischen so, dass die Zebras sich mehr anstrengen müssen, die Halle voll zu bekommen, während das Holstein-Stadion sogar gegen den 1. FC Heidenheim heimseitig ausverkauft ist. Sicher würde auch noch locker mehr gehen, aber derzeit ist die Zuschauerzahl durch die Baustelle auf der Ostseite begrenzt.

 

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Die Gäste kommen für die Zeit des Umbaus in Block L unter, was zumindest akustisch eine deutliche Verbesserung für die Schlachtenbummler aus dem Rest der Republik bedeutet. Trotz der fanunfreundlichen Anpfiffzeit am Sonntag, um 15:30 Uhr hatte sich ein kleiner, optisch ansprechender Mob auf den Weg von der Brenz an die Förde gemacht.

 

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Die aufkeimende Lee-Mania führte im Übrigen dazu, dass auch einige asiatisch anmutende Menschen auf den Rängen auszumachen waren. Ob dieses allerdings einmal quer um die Welt gejettet waren? Egal, auf jeden Fall auch eine Sache, die es an der Förde so noch nicht gab. Liebe Stadion-Caterer: Bitte neben Fischbrötchen (weiterhin sehr dringend) auch an die südkoreanischen Gäste denken. Gerneeee. :D Der Bruder des südkoreanischen Neuzugangs ist übrigens gleich mit an die Förde gekommen: Als Berater, Dolmetscher,... Was er vom Maskottchen der Störche so halten soll, wusste er wohl selbst nicht genau, am Ende war es immerhin ein freudiges Staunen.

 

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Auf Kieler Seite wurde mit neuer Block-(501)-Fahne und einer blau-weiß-roten Choreo in die Saison gestartet. Großes Banner, blau-weiß-rote Schwenker – einfach, aber klar und gut. Gefiel auf jeden Fall sehr. Insgesamt war dem anwesenden Volk die Euphorie nach dem grandiosen HSV-Spiel anzumerken, wobei den Realisten recht klar war, dass der Auftritt im Volkspark nicht das normale Zweitligaspiel war. Aber drei Punkte und gleich mal paar Tore auf der Habenseite – wer will sich da beschweren. Dass es ob des breiten Kaders zu Härtefällen kommen würde, war den Fans vor der Saison schon klar. In Hamburg war es u.a. Dominic Peitz, beim ersten Heimspiel dieser Saison traf es auch Steven Lewerenz und Benjamin Girth, beide fanden sich auf der Tribüne wieder. Dafür rutschten Manuel Janzer und Aaron Seydel in den Kader.

 

Der 1. FC Heidenheim hatte sich nicht vorgenommen, in Holstein-Stadion etwas zum Spiel beizutragen. Lieber verschanzte man sich in der eigenen Hälfte und wartete geduldig ab, was Holstein so anzubieten hatte. Dass das die richtige Marschroute für einen Holstein-Gegner an diesem Tag war, konnte man bereits nah wenigen Minuten sehen. Holstein versuchte das Spiel zu gestalten und zeigte auch ein paar gelungene Kombinationen und lief die Gäste früh an. Das bot aber immer wieder Räume für die Heidenheimer. War es nach einer Viertelstunde noch Honsak, der Gästeschlussmann Kevin Müller prüfte, war Holstein kurze Zeit später unaufmerksam im Spielaufbau. Heidenheim schnappte sich das Leder, der Ball kam zu Glatzel, der keine Mühe hatte, die Führung zu erzielen. Die KSV zeigte sich aber keinesfalls beeindruckt, fünf Minuten später flog der Ball in den Strafraum der Süddeutschen, Serra brachte den Ball zu Lee, der keine Mühe hatte, seine erstes Störche-Tor zu erzielen.

 

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Die Kieler waren im Anschluss das dominante Team, so wirkliche Großchancen sprangen aber nicht heraus. Die Heidenheimer blieben selbst auch weiter gefährlich. Im Falle aller Fälle war Kenneth Kronholm aber auch dem Posten.
Nach der Pause war eigentlich alles bereitet für eine weiter wachsende Kieler Dominanz. Allerdings ging Johannes van den Bergh an der Mittellinie kurz nach Wiederanpfiff etwas zu rabiat zu Werke, was Schiedsrichter Storks mit der Ampelkarte quittierte. Diese Unterzahl brachte Holstein zunächst etwas aus dem Konzept. Honsak rückte für den fehlenden Außenverteidiger nach hinten. Viel ging jetzt für die Heidenheimer über die umformierte Kieler Seite, wirklich zündende Ideen hatte der Gast aber nicht. Die wenigen Kontersituationen spielte die KSV ebenfalls schlecht aus, sodass richtige Torchancen bis zur Schlussphase eher selten blieben. Dann aber hatte der FCH einige Chancen auf den Auswärtsdreier: Erst verfehlte Thiel in der 84. Minute nur knapp, schon in der Nachspielzeit bekam Schmidt im Sechzehner nicht genug Druck hinter den Ball, Minuten später setzte der Ex-Saarbrücker einen Kopfball gegen die Latte.

Volksparkstadion, 3. August 2018, Endstand 0:3

 

Saison 2007/2008, Oberliga Nord. Die Realität für Holstein Kiel hieß Oberneuland, Cloppenburg, Osterholz-Scharmbek oder Heeslingen. Der HSV hingegen scheiterte erst im Achtalefinale der Europa League und hatte sich bis dahin gegen Vereine wie AC Florenz oder Galatasaray Istanbul ordentlich auf dem internationalen Parkett geschlagen. In Kiel wurde auf den postwendenden Aufstieg gehofft, um den Abstieg in die Oberliga als kleinen Ausrutscher abstempeln zu können. Der HSV schloß am Ende der Saison mit einem sensationellen vierten Platz ab und in Hamburg träumte man schon von einer großartigen Zukunft. Etwas mehr als zehn Jahre später fanden sich die aktuellen Mannschaften beider Vereine beim Eröffnungsspiel der 2. Bundesliga wieder. Eine Entwicklung die nur die wenigstens vermutet hatten. Und doch war es in diesem Rekordsommer 2018 Realität. Bitter für die Gastgeber. Bittersüß für die Gäste. Denn schließlich fühlte sich dieser Auftakt sehr stark an wie das, was den Störchen in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg wie Sand durch die Finger gerieselt war. Grund für Trübsal auf Kieler Seite ist das aber nicht.

 

Da waren es eher der Aderlass des letztjährigen Erfolgskaders oder die suboptimal verlaufene Saisonvorbereitung, die vereinzelt als Grund zur Besorgnis schienen. Hinzu kam der "Fluch der verlorenen Relegation", dem schon einige Vereine, zuletzt Eintracht Braunschweig, zum Opfer gefallen waren. Doch spätestens mit dem Transferkracher Jae Sung Lee stieg die Fieberkurve bei den meisten Anhängern an der Kieler Förde. Und auch wenn DFL-Spektakel nicht jedermanns Sache sind, am Eröffnungsspiel der zweithöchsten deutschen Liga beteiligt zu sein, kann durchaus als etwas Besonderes angesehen werden. Nicht zuletzt die Tatsache , dass es bei dem Saisonauftakt auch direkt zum ersten Nordderby auf Ligaebene seit 55 Jahren kam, machte gegen Ende der Vorbereitung dann doch Laune.

 

So war es nicht verwunderlich, dass selbst bei gestandenen Fußballfans, die vielleicht sogar schon mal Heimspiele des HSV besucht haben, das blau-weiß-rote Herz kurz aussetzte, als sie vorm Volkspark standen. Ein Moment, der für Vieles entschädigte.

 

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Noch mehr tat es die Stimmung innerhalb des Stadions. Egal, wie die Sympathien für den HSV gelagert sind, die Aufbruchsstimmung, die seit dem historischen Abstieg in der Hansestadt herrschte, war beeindruckend. Dabei wurde zwar auch allzu oft vom direkten Wiederaufstieg gesprochen. Doch nachdem die Ausgliederung der Fußballsparte vor einigen Jahren für Unmut unter den Anhängern des Dinos geführt und einen deutlichen Knick in der Stimmung zur Folge hatte, scheint dieser Abstieg zumindest nach Außen hin eine reinigende Wirkung gehabt zu haben. Ein bisschen "Jetzt erst recht!" kann ja auch nie schaden. Dementsprechend hoch war auch der Lautstärkepegel bereits vor Anpfiff.

 

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Vor ausverkauftem Haus, insgesamt 57.000 Zuschauer, davon mindestens 6.000 aus Kiel, fand das wahre Spektakel dann aber ab der 45. Minute statt. Nicht, dass die erste Hälfte wenig unterhaltsam war, sie war bloß nicht so ansehnlich. Der HSV trat ohne echten Stürmer an, bekam aber von Holsteins anfänglich noch sehr unausgewogenen Defensive einige Präsente, die sie wiederum nicht verwerten konnten. Holstein hingegen mit Offensivdrang - Kingsley Schindler sollte in Kiel festgekettet werden, sonst ist der vor Ende des Monats noch weg - der gegen Ende der letzten Spielzeit so manches Mal vermisst wurde. Wer war eigentlich nochmal Marvin Ducksch? ;) Doch obwohl es nach Ansicht einiger Anwesender schon nach den ersten 45 Minuten 2:2 hätte stehen können, blieb es zunächst torlos.

 

Dieser Umstand änderte sich elf Minuten nach Wiederanpfiff. Ein schnell ausgeführter Einwurf, Vorlage Lee, Traumtor Meffert. Der Kieler Block explodierte förmlich. Das Hamburger Publikum musste sich kurz schütteln, der Support riss aber nicht ab.

 

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Auf dem Rasen hingegen schien der Dino den Faden verloren zu haben und agierte zunehmend nervös. Dieser Umstand spielte der KSV natürlich in die Karten, da das Tor einen ordentlichen Schub Selbstbewusstsein gegeben hatte. Erste vereinzelte "Herrmann, Herrmann"-Rufe kündigten den ersten Wechsel bei der KSV an. Der Fußballgott ersetzte Janni Serra, Kinsombi kam für den verletzungsbedingt ausgewechselten Dehm und brauchte gefühlt 0,3 Sekunden, um sich zu aklimatisieren. Nach acht Minuten legte Lee ihm den Ball auf und der frisch ernannte Kapitän netzte sehenswert zum 2:0. Dieses Tor hatte nun deutlichen Einfluss auf die Stimmung. Während der Gästeblock angesichts des unerwarteten Spielstandes um Fassung rang, ertönten erste Pfiffe und Unmutsbekundungen von den Heimrängen. Es schien fast so, als ob78 Minuten Holstein Kiel ausgereicht hätten, um die Aufbruchsstimmung beim HSV im Keim zu ersticken. An den Kopf fassen mussten sich die Anhänger der Störche in den letzten Minuten der Nachspielzeit. Ein Konter, von Kinsombi super weiter verarbeitet, landete bei Honsak. DREI ZU NULL! Spätestens jetzt hatte das Hamburger Publikum die Nase gestrichen voll. Erste Abwanderungen waren zu sehen.

 

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Der Schiedsrichter hatte nach Ende der fünf Minuten Nachspielzeit ein Erbarmen und pfiff pünktlich ab. Die Kieler rieben sich ungläubig die Augen, viele lagen sich vor Freude in den Armen. Ein Auftakt, wie man ihn sich nicht besser hätte erträumen können.

 

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Natürlich werden diesem Spiel noch viele schwere Begegnungen folgen und ein 3:0 - Sieg in Hamburg zum Auftakt muss kein Maßstab für die Saison sein. Aber gewiss ist, dass das Holstein-Stadion am kommenden Sonntag zum Zerbersten voll sein dürfte. Ganz Kiel freut sich auf den Heimauftakt gegen Heidenheim. Jetzt erst Recht!

 

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