5. November 2017, Endstand 3:0

 

Es war ungefähr die 10. Minute des Spiels, als ich meinen Blick durchs Stadion schweifen ließ und mein Herz anfing noch ein bisschen mehr zu hüpfen als sonst an den Spieltagen derzeit.

 

Es hatte nichts mit der Begegnung gegen Dynamo, die wir so oder so ähnlich ja schon einige Male hatten, zu tun. Auch waren es nicht die fast 10.500 Zuschauer, die das Stadion füllten. Vermutlich war es einfach ein Schwall Liebe und Stolz, der mich überkam. 13. Spieltag, Holstein auf Platz zwei, volles Haus, norddeutsches Wetter, die alte Kurve, das letzte Überbleibsel unseres alten Runds, prall gefüllt (zumindest der Gästeblock M), die funktionellen Stahlrohrtribünen, die geliebt und gehasst werden und nicht zuletzt die altehrwürdige Haupttribüne, die schon unzählige Umbauten erlebt und noch unzähligere Spiele gesehen hat und sogar das sympathische Kommentatoren-Urgestein Uli Potofski ins Schwämen brachte – all das ließ mein Herz in dem Moment höher schlagen. Vielleicht war der Auslöser die vergangene Nacht, die ich damit verbracht hatte, Video um Video aus den letzten 30 Jahren Holstein Kiel im Internet abzurufen.

 

Uli

 

Gästekurve

 

Für einen Moment war das Geschehen auf dem Rasen egal. Und doch war es das nicht. Ein Bekannter erzählt immer gerne, dass er seit über 40 Jahren Holstein-Fan ist und „seine“ KSV noch nie so gut gewesen sei. In einer anderen Unterhaltung stellte ich fest, dass es vermutlich die beste KSV seit Einführung der Bundesliga 1963 ist.

 

So oder so ist es im Moment einfach, Holstein Kiel – Fan zu sein. Das muss doch sogar Wolf von Lojewski zugeben. (in Kiel aufgewachsener Journalist, der mal das Zitat:“Es ist eben leicht, Fan von Bayern München oder vom HSV zu sein. Aber Holstein..., da brauchst Du seelische Kraft.“ geprägt hat.)

 

Jubel 1

 

Jubel 2

 

Ergebnis

 

Vor jedem Spiel halte ich mich mit dem Gedanken am Boden, dass wir sicher irgendwann auch mal wieder eine Niederlage kassieren werden. So auch dieses Mal. Doch 90 Minuten später zeigte die Anzeigetafel drei Tore zugunsten Kiel. Ducksch, Lewerenz, Schindler. Der Gegner nur selten mit der Chance, und wenn, dann war Kenny zur Stelle. Man könnte das Haar in der Suppe suchen. Zum Beispiel den verschossenen Elfmeter, den Drexler an die Latte setzte, einige vertane Gelegenheiten, die Führung früher auszubauen, gelegentliche Unkonzentriertheiten gegen Ende, die die Sachsen zu Kontern einluden. Doch der Schwall Liebe und Stolz riss nicht ab. Wäre er auch nicht bei einem Unentschieden oder einer Niederlage. Als wir schon wieder auf dem Weg zum Auto waren, feierte die Heimkurve noch immer, als hätten wir einen Titel gewonnen. Genau genommen haben wir das ja auch. Bester Zweitligaaufsteiger aller Zeiten und als Bonus sind wir einen Platz in der ewigen Zweitligatabelle hochgerutscht. Vorbei an einem Verein, der rund 90 Kilometer weiter südlich an der Trave beheimatet ist und derzeit in der Regionalliga sein Dasein fristet.

 

Feierei

 

Alle Bilder in der Galerie.