OPEL Arena, 24. Oktober 2017, Endstand 3:2 n.V.

 

20. Dezember 2011: Der Regionalligist Holstein Kiel schlägt, nachdem die damaligen Zweitligisten FC Energie Cottbus und MSV Duisburg schon dran glauben mussten in der 3. Runde des DFB-Pokal den Erstligisten Mainz 05 und ernteten zu recht den Beinamen "Pokalsschreck". Fünf Jahre später zählt die KSV selber zu diesen Zweitligisten, konnte in der ersten Runde Ligakonkurrenten Eintracht Braunschweig eliminieren und durfte dieses Mal bereits in Runde 2 gegen Mainz antreten. Mit einem weiteren Unterschied zu damalsd: Der Ligazugehörigkeit zum Dank landete Holstein im Profitopf und bekam ein Auswärtsspiel zugelost. Also hieß es auf einem Dienstag ab ins rund 630 Kilometer entfernte Rhein-Main-Gebiet.

 

yugo45

 

Dass ein Teil der CCK-Reisegruppe zeitig am Dienstagmorgen aufbrach, war noch einem ganz besonderen Abstecher geschuldet. Wir waren mal wieder in kulinarischer Mission unterwegs. Unser Ziel? Das YUGO 45 in Offenbach. Wenn die Stadt, die sich so liebevoll an Frankfurt schmiegt, eine Sache zu bieten hat, dann ist eine Vielzahl von Imbissen mit Balkanspezialitäten. Und ein ganz besonderer ist eben jener Laden im Zentrum Offenbachs. Die Speisekarte ist übersichtlich. Neben Cevapcici und Hacksteak stehen nur wenige weitere Gerichte, allesamt fleischlastig, zur Auswahl. Da wir aber genau wegen dieser beiden Spezialitäten im Yugo eingekehrt waren, landeten diese zusammen mit hausgemachten, gegrilltem Brot, Ajvar und Kajmak, einer schweren butterartigen Käsecreme, wie uns erklärt wurde, auf dem Teller. Ein Gedicht. Dafür lohnt ein Abstecher nach Offenbach.

 

Noch ein kurzer Besuch bei unserer Airbnb-Gastgeberin im Hessischen Mainz-Kastel um den Schlüssel abzuholen und das "Feierabend"-Bier kalt zu stellen (einen ganz herzlichen Dank nochmal!) und schon quälten wir uns durch den Berufsverkehr über den Rhein, durch das Rheinland-Pfälzische Mainz bis zur OPEL Arena (oder ehemalige Coface Arena - pro traditionelle Stadionnamen ;) ).

 

opelarena

 

Da noch reichlich Zeit bis Anpfiff war und die Podcastcrew, mit der wir verabredeten waren, nicht an den Laden kam (der Parkplatzshuttle weigerte sich, nur zwei Autobesatzungen zur acht Kilometer entfernten Arena zu fahren), gönnte sich unsereins noch einen Pre-Match Snack, in Form eines Sloppy Joes (Bolognese in Hot Dog Brötchen) und eine großzügige Tüte Süßkartoffelfritten (leider kalt). Zugegeben, die Brisanz des heutigen Abends war gering, bis gar nicht vorhanden. So standen im Verpflegungsbereich vor der Haupttribüne Kieler und Mainzer einträchtig nebeneinander, tranken Bier und fachsimpelten. Echte Pokalathmosphäre kam nur schwer auf. Nur rund 8.500 Karten wurden im Vorfeld verkauft. Das Interesse an dem heutigen Spiel schien aus Mainzer Sicht nicht besonders groß. Vermutlich auch, weil das anstehende Derby gegen die Eintracht seine Schatten voraus warf. So lautete die Devise - Mainz auswärts nach allen Kräften zu einem Heimspiel zu machen.

 

auflaufen

 

heimkurve

 

gästeblock

 

Zahlenmäßig wurden es am Ende 10.441 Zuschauer, davon 762 aus Kiel. Im Holstein-Stadion wären es vielleicht ein paar mehr geworden. Nichtsdestotrotz ist Holstein im DFB-Pokal auswärts ein echtes Erlebnis. Zumal das Spiel einen großen Teil dazu beigetragen hat. Dass die Begegnung gegen den zwölften der Bundesliga auch für eine derzeit top aufgelegte, Kieler Mannschaft kein Spaziergang würde, war im Vorfeld den meisten klar. So verwunderte es auch nicht, dass Mainz in den ersten 20 Minuten etwas mehr vom Spiel hatte. Doch für den Kieler zu dem Zeitpunkt kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Holstein konnte spielerisch durchaus mithalten und erlaubte sich so gut wie keine Fehler. So war es auch mehr ein einfch guter Spielzug, als eine Nachlässigkeit Kiels, die zur Führung der Gastgeber führte. Und obwohl Mainz durch das Tor beflügelt schien, ließ sich Holstein nicht lumpen und erspielte sich ebenfalls die eine oder andere Chance. Besonders Ducksch ackterte unermüdlich, blieb am Ende des Abends jedoch glücklos. Bis zur Halbzeit war einziges Highlight noch ein Wechsel beim 1. FSV. Torhüter René Adler musste verletzt das Feld verlassen. Für ihn Robin Zentner, der ja bekanntlich 27 Spiele lang das Kieler Tor gehütet hat.

 

Adler

 

Zentner

 

Nach der Pause legte die KSV nochmal zu und erspielte sich binnen weniger Minuten weitere Chancen. Zählbares gab es aber erst in der 54. Minute. Nach einem Foul an Schindler zeigte der Schiedsrichter völlig zu Recht auf den Elfmeterpunkt. Der Gefoulte selber verwandelte souverän. Lange ließ die Antwort der Mainzer allerdings nicht auf sich warten. In der 67. netzte Fischer, der bereits das 1:0 für sich markieren konnte, zur erneuten Führung. Der Unterhaltungsfaktor der Partie sank für das Kieler Publikum trotzdem nicht. 74. Minute - Einwechslung des aus Mainz geliehenen Seydel, erste Ballberührung ein Schuss aus 17 Metern direkt auf Zentner. Drexler wollte nachsetzen, sein Gegenspieler kam zu spät, ein Pfiff und der Schiedsrichter zeigte erneut auf den Punkt. Wieder war es der Gefoulte, in Person von Drexler, der zum Ausgleich traf.

 

Elfer

 

Schindler

 

Drexler

 

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Pokalathmosphäre nicht mehr zu leugnen. Das Mainzer Publikum, insbesondere die aktive Hintertortribüne, gab alles, um die Mannschaft nach vorne zu peitschen. Der Gästeblock sang nach Leibeskräften gegen an. Fast vergaß man die rund 22.000 leer gebliebenen Plätze. Die Partie wurde zunehmend umkämpfter, doch bis zum Abpfiff der 90 Minuten änderte sich der Spielstand nicht mehr und so ging es in die Verlängerung.

 

Herrmi

 

Beide Teams kämpften verbissen. Keiner schien sich ins Elfmeterschießen retten zu wollen. Seydel und auch Kinsombi hatten die Führung auf dem Fuß. Doch wieder waren es die Mainzer, die das Tor mehr schossen. Ein nahezu perfekt geschossener Freistoß landete hinter Kronholm im Tor. Von Kieler Schockstarre auf dem Platz war nichts zu sehen. Ungeachtet der möglichen Gefahren spielte Holstein unermüdlich nach vorne. Doch auch nach dem Seitenwechsel wollte sich der Ball einfach nicht mehr über die gegnerische Linie bringen lassen.

 

Ende

 

Ende 2

 

Verständlicherweise war die Enttäuschung bei den Jungs auf dem Platz groß. So hart gekämpft und doch am Ende leer ausgegangen. Aber der Gästeblock hat die Leistung der Mannschaft trotzdem gefeiert. Über 120 Minuten haben sich die Störche mehr als teuer verkauft und gezeigt, zu was sie in der Lage ist. Nun gilt es volle Konzentration auf den Ligabetrieb. Denn schon am Samstag geht es in Darmstadt um wichtige Punkte für den Klassenerhalt.

 

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