Albstadion/Voith-Arena, 15. Oktober 2017, Endstand 3:5

 

Vor rund 15 Millionen Jahren wurde Heidenheim nur knapp von einem im Durchmesser circa 3,8 Kilometer großen Meteoriten verfehlt. So spielt hier im Jahre 2017 die 2. Bundesliga.

 

Prolog:

 

Bevor es an die Brenz, den das Tal durchfließenden Fluss, ging, schlug die CCK-Reisegruppe ihr Nachtlager im gut eine Stunde nördlich gelegenen Rothenburg ob der Tauber auf. Eine wunderschöne, mittelalterliche Stadt, die bei Touristen aus aller Welt, aber besonders denen aus dem asiatischen Raum, beliebt ist. Zurecht, denn die Liste der Baudenkmäler in Rothenburg umfasst einen eigenen Artikel bei Wikipedia. Eines der berühmtesten Denkmäler ist sicher die bis heute erhaltene Stadtmauer, die sich einmal rund um den historischen Stadtkern zieht. Zu unserem Glück konnten wir ein Zimmer im Hotel Schwarzer Adler beziehen, welches wir wirklich nur empfehlen können. Trotz zum Teil altbackener Einrichtung sind solche Dinge wie Matratzen und Dusche auf gutem Standard und spätestens im Frühstücksraum stellt man fest, dass hier mit sehr viel Liebe gearbeitet wurde. Die liebenswürdige Gastgeberin setzt dem Ganzen noch die Sahnehaube auf. Apropos Sahne, die gab es auch zum Nachtisch im Gasthof "Zur Höll". Fragt man in Rothenburg nach einer Empfehlung fürs Abendbrot, ist die Aussage, zur Hölle zu gehen, ein durchaus gut gemeinter Rat. Denn hier in einem der ältesten Häuser Rothenburgs wird man mit Gastfreundschaft geradezu überschüttet. Obwohl die Frage nach der EC-Kartenzahlung verneint wurde, wurden wir hinein gebeten. Zunächst verhandelten wir über die Menge des abzuwaschenden Geschirrs. Letzten Endes wurde uns angeboten, einfach am nächsten Morgen im nahe gelegenen Hotel, welches über ein Kartenzahlungsgerät verfügt, zu bezahlen. Da ein Geldautomat fußläufig erreichbar war, haben wir trotz dieses Vertrauensvorschusses nicht von dem Angebot Gebrauch gemacht. Doch nicht nur Herzlichkeit und Gastfreundschaft hat diesen Abend zu einem echten Highlight gemacht. Ob Bauernente mit Rotkraut und Klößen (die Beilagen konnten frisch aus der Küche nachgeordert werden) oder Brotzeitteller mit Obazda - die bayerisch-fränkische Küche kann andernorts kaum besser geboten werden. Weiter gen Süden ging es beim Nachtisch. Unser Gastgeber kam gebürtig aus Tirol und hat seinem Küchenchef beigebracht, wie ein richtiger Kaiserschmarrn gemacht wird. Zwei kleine Kugeln Eis, eingemachte Blaubeeren und ein Kleck Sahne dazu und der Abend war perfekt. Wir mussten uns geradezu zwingen, unseren Weg zurück zur Unterkunft anzutreten, so wohl fühlten wir uns. Und auch die Abreise aus der Stadt selber erzeugte Wehmut. Hatten wir doch eigentlich viel zu wenig von ihr gesehen.

 

Brotzeit

 

Zur Höll

 

Schwarzer Adler

 

1. Akt:

 

Aber wir waren ja wegen des Fußballs in den Süden gekommen. Und Süden war auch das Stichwort. Angesichts des Wetters und der Temperaturen hatten wir kurz das Gefühl, die Alpen überquert zu haben und an der Riviera gelandet zu sein. Strahlender Sonnenschein und über 20°, in der Sonne noch deutlich mehr, brachten den Sommer kurz zurück. Und das nach der zweiten Länderspielpause der Saison. Die hatte der Kieler Fan eigentlich so gar nicht gebraucht, weil sie aus norddeutscher Sicht hauptsächlich die Unterbrechung des hervorragenden Laufs bedeutete. Und nicht aus dem Rhythmus zu kommen hatte Holstein gegen die Zweite des SV Werder Bremen getestet. Eine Empfehlung gab dabei mit zwei Toren Aaron Seydel ab, der dafür gleich mal in die Startaufstellung rückte. Kingsley Schindler blieb dafür erstmal auf der Bank.

 

Heidenheim

 

Seydel

 

Paule

 

Die erste Chance des Spiels hatte Marvin Ducksch, dieser konnte seine Abschlusskriese zu Beginn aber noch nicht überwinden. Wie aus dem nichts kam kurz danach die Führung für Heidenheim, der ja manchmal auch gerne als FC Schnatterer bezeichnet wird. Und es war eben dieser Marc Schnatterer, der aus 20 Metern einfach mal abzog und dem Ball eine so unglaubliche Flugbahn verpasste, dass Kenneth Kronholm nur noch hinterherschauen konnte. Holstein bliebt dran scheiterte aber immer wieder an der Defensive der Gäste, die nach der Führung recht kompakt stand. In der 40. Minute bediente dann Alexander Mühling den in der Mitte gestarteten Ducksch, der zum verdienten Ausgleich vollendete. Drei Minuten später dann sogar noch die Kieler Führung, wieder Ducksch, diesmal per Strafstoß. Der FCH war zudem bis Spielende in Unterzahl, Wittek war für die Notbremse vom Platz geflogen.

 

Marvin 1

 

Marvin 2

 

Marvin 3

 

Jubel 1

 

2. Akt:

 

In der Halbzeit hieß es abkühlen – für den gemeinen Norddeutschen war es fast schon wieder zu heiß. Nach dem Seitenwechsel gab es dann wieder ein Tor aus dem nichts, wieder für Heidenheim, wieder war Kronholm machtlos. Und es sollte noch schlimmer kommen: In der 52. Minute zirkelte abermals Schnatterer den Ball in den rechten Winkel. Das Spiel in Unterzahl gedreht – das gab einen Boost für das Selbstbewusstsein. Darüber vergaßen die Hausherren allerdings die Defensive: 53. Minute, Ausgleich Holstein. Ducksch hatte zunächst nur die Latte getroffen, Drexler stand aber goldrichtig für den Abstauber. Die Mitgereisten bereuten den Ausflug in den Süden keineswegs und die Stimmung im Auswärtsblock brandete immer wieder auf – das Spiel hatte aber auch einen Unterhaltungsfaktor wie das grandiose Duell mit Union Berlin. Nur sollte diesmal die KSV vom Platz gehen. Dafür sorgte David Kinsombi, der den Ball über die Linie brachte, nachdem Drexler zunächst zweimal gescheitert war. Den Schlusspunkt setzte Marvin Ducksch mit seinem dritten Treffer des Tages, durch den er sich auch gleich mal an die Spitze der Torjägerliste setzte. Krise? Falls überhaupt existent gewesen, ist sie auf jeden Fall überstanden.

 

Duxler

 

Drexler

 

Jubel 2

 

Jubel 3

 

Ergebnis

 

Und Holstein sammelt weiter fleißig Punkte (aktuell steht das Konto bei 22 – noch 18 bis zum Klassenerhalt) und bringt einfach so richtig Spaß. Locker bleiben und genießen heißt die Devise, über alles andere (Spieler halten) dürfen und werden sich die Verantwortlichen Gedanken machen.

 

Die nächste Chance, die Jungs zu feiern besteht schon Sonnabend, wenn Arminia Bielefeld an der Förde gastiert. Und die Mannschaft hat es sich eigentlich jetzt schon mehr als verdient, dass bis zum Saisonende immer ausverkauft ist. Echt mal.

 

Epilog:


1. Ich fahr die ganze Nacht auf der A7 ;)
2. Ich lauf durch jede Wüste, ich schwimm durch jedes Meer, würd mich sofort in Dich verlieben, wenn ich's nicht schon wär. <3 = Holstein
3. Alle Bilder in der Galerie.