19. November 2016, Stadion an der Gellertstraße/community4you Arena, Endstand 2:2


Chemnitz – von der Distanz her, eine der letzten Auswärtstouren, wo eine realistische Chance besteht, vor Mitternacht wieder zurück in der Heimat zu sein. Ja, als Kieler ist man Kummer gewohnt und blickt manchmal ein wenig mit Neid auf die Vereine in der Mitte Deutschlands, deren Anhänger sich schon bei Touren um die 300 Kilometer aufregen. Aber hilft ja alles nicht. So geht es am sehr frühen morgen auf de Autobahn, um noch zwei Mitfahrer einzusammmeln und dann Richtung Südwesten Sachsens zu fahren.

 

Einer der Zusteiger verkündet, dass an diesem Sonnabend der „Tag des Klos“ sei, woraufhin der Fahrer antwortet, dass es hoffentlich keinen Griff ins Selbige gäbe. Dass auf das ritualisierte Auf-Holz-Klopfen verzichtet wird, soll sich noch rächen... Hat jemand zufällig einen Lapop oder Netbook günstig abzugeben? Ernst gemeint, denn das des Schreibers wird leider durch den südostdeutschen Dauerregen wenig später gekillt. :( Also gerne melden...


Doch wieder zurück auf die Autobahn. Die ist ein paar Stunden vorher wunderbar frei und so wird sich ein kleiner Umweg erlaubt. An Leipzig vorbei geht es zunächst ein einen kleinen Ort, in dem der eine oder andere Holstein-Fan schon gewesen ist. Die Autobesatzung gehört in großen Teilen auch dazu, allerdings war damals eine kleine „Sehenswürdigkeit“ des Ortes unbekannt gewesen. Denn in Meuselwitz gibt es nicht nur die heute noch bespielte Bluechip Arena (ehemals Glaserkuppe Zipsendorf oder Ernst-Grube-Stadion), sondern auch noch das Helmut-Just-Stadion, wo einst die durchaus DDR-weit bekannte BSG Motor Meuselwitz kickte. Ehemals fasste das Rund bis zu 12.000 Zuschauer. „Ehemals“ stimmt hier wirklich sehr, denn aufgrund des Kohleabbaus in der Region kam es immer wieder zu Bodenabsenkungen, weshalb die Spielstätte 1993 verlassen wurde. Nach 23 Jahren hat sich die Natur vieles zurückerobert, aber halt nicht alles.

 

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Nach dem Abstecher zu diesem „Lost Ground“ geht es dann in Richtung Neubau, wobei in der auf dem Weg liegenden Skatstadt Altenburg noch ein paar einheimische Spezialitäten in Form von Senf und Bier eingeshoppt werden. Vom Supermarkt des Vertrauens ist es dann nicht mehr wirklich weit, biss zum eigentlichen Ziel des Tages.


Zeit für ein paar philosophische Gedanken: Wenn man ein zur Hälfte fertiggestelltes Stadion besucht, ist das dann eigentlich nur ein halber Punkt? Vermutlich kann diese Frage nur die Hopping-Polizei entscheiden. ;) Aber zumindest in Sachen Chemnitz steht diese Frage zum Glück nicht mehr zur Diskussion. Denn während Holstein zuletzt auf der Baustelle an der Gellertstraße zu Gast war, dürfen die Störche inklusive Anhängerschaft diesmal endlich das vollständig hergestellte Stadion des CFC bewundern.

 

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(Klick aufs Bild für größere Ansicht)


Zunächst fällt auf, dass nichts auffällt. Von außen nicht viel überraschendes, nicht hässlich, nicht hübsch – immerhin haben es die Flutlichter überlebt (irgendwie hat man als Fußballfan doch einen gewissen Fetischismus entwickelt, wenn es um Flutlichter geht – zudem dienen sie für Ortsunkundige auch immer als Landmarke). Von Innen offenbart der Neubau doch einige positive Eigenschaften. Die Ecken zum Beispiel sind zwar nicht bebaut, aber dank Verglasung geschlossen. Weniger Zug und bessere Akustik dürften das Ergebnis sein. Optisch wirken die in logischerweise himmelblau eingefassten Rahmen ein wenig retro, was an dieser Stelle positiv auffällt und dem Beton und Stahl irgenwie seine CFC-Identität gibt. Hinzu kommen gut geplante Laufwege und erhöhte Plätze für Rollstuhlfahrer. Nur das Dach hätte an diesem Spieltag etwas weiter in den Innenraum ragen dürfen. In den vorderen Reihe wird man nämlich nass. Stört einen echten Norddeutschen nicht, nur wenn selbst ein großer Schirm nicht reicht, um sich selbst und das Arbeitsgerät trocken zu halten... Dieses spezielle Problem haben die restlichen rund 150 Schlachtenbummler von der Förde nicht.

 

Kurve CFC

 

Ruhender Ball


Die Tabellensituation ist vor dem Spiel klar. Der CFC steht nicht unverdient auf Platz drei und hat die letzten vier Spiele nicht verloren. Holstein dagegen auf Platz elf. Nach einer Reihe von Spielen der Marke "gut gespielt, aber trotzdem nicht gewonnen" eine eher frustrierende Situation. Und auch wenn man versucht, den angemessenen Realismus walten zu lassen, hofft man auf eine Überraschung. Schließlich hat es die U19 der KSV im rund 70 km entfernten Leipzig gegen den BUllen-Nachwuchs knapp eine Stunde vor Anpfiff in Chemnitz vorgemacht: 4:1 Auswärtssieg. Bämmm!
Aber die Realität ist doch ein echtes Arschloch. Es dauert zwölf Minuten und der Holsteinfan landet auf dem Boden der Tatsachen. Obwohl die Störche von Beginn an versuchen ihr Spiel aufmerksam und aufgeräumt durchzuziehen, entpuppt sich der heutige Gastgeber schnell als kreuzgefährlich vor dem Kasten. Daniel Frahn belohnt den Einsatz der Himmelblauen nach nicht einmal einem Drittel der ersten Hälfte. Die KSV sucht immer wieder den direkten Zweikampf. Trotzdem kommt Chemnitz bis zur Pause zu noch mindestens zwei ernsthaften Chancen. Holstein schafft die Torannäherung meist über den ruhenden Ball, wobei nichts Zählbares rumkommt. Die Halbzeitführung also nicht wirklich unverdient, auch wenn der Journalistentross sich ziemlich einig ist, dass es vor dem einzigen der Tor der ersten Hälfte ein klares Foul gab. Sei es drum, Mund abwischen, auf in den zweiten Durchgang.

 

Milad

 

Jubel

 

Jubel 2

 

Der startet mit der Einwechselung von Milad Salem, der auf Außen neue Offensivkraft bringen soll, dafür rückt Hoheneder zurück in die Innenverteidigung und Bieler zurück auf die Sechs. Trainer Markus Anfang setzt also voll auf Offensive. Und auf dem Feld zeigen die Jungs in rot gewisse Tugenden, die man als Fan gerne sieht: Leidenschaft und Kampfgeist. Das sieht nicht immer schön aus, aber es ist zu spüren, dass da noch was in der zweiten Halbzeit geht – auch wenn die beste Chance zunächst eine Chemnitzer ist. Fink trifft allerdings nur den Pfosten. Ein bisschen Glück hinten und vorne Dominick Drexler, der keine Minute später per Abstauber den Ausgleich markiert. Geht doch!

 

Pflücken

 

Nur wird der Kieler Jubel schnell abgewürgt: Wieder ist es Frahn, der einen Schuss von Sturmkollege Anton Fink über die Linie drückt und das nur eine Minute nach dem Kieler Ausgleich. Nach dem Spiel stellt Markus Anfang fest, dass so etwas häufig der „Genickbruch“ sein kann. Dagegen wehren sich aber die elf Roten auf dem Platz. Die Partie wird ruppiger, aber Kiel behält Oberwasser. Und der, nachdem er vor zwei Wochen noch eine Denkpause verordnet bekommen hatte, sehr motivierte Steven Lewerenz knallt den Ball nach 60 Minute flach ins Tor. Verdient!

 

Stevo

 

Endstand

 

Auch wenn es am Ende nur für einen Punkte reicht (der in der Tabelle Platz drei bedeutet), fühlt sich das Unentschieden irgendwie ganz gut an. Gegen Regensburg zuhause kann dann ja gerne der Sieg her. Die persönliche Bilanz des Tages wurde übrigens noch durch eine Thüringische Bratwurst auf der Rücktour verbessert. Immerhin...

 

Alle Bilder in der Galerie

 

Den Podcast zum Spiel von den Jungs von1912 FM gibt es natürlich ebenfalls. Zu hören wie immer au deren Seite:

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