20. Dezember 2014, Ostseestadion / DKB-Arena, Endstand 0:4

 

Wir sind es ja gewohnt nach 200 Kilometern, bzw. 2 Stunden unsere erste Pause der Tour zu machen. Umso angenehmer war es, dass wir im letzten Spiel des Jahres 2014 nach dieser Distanz schon am Ziel waren. Die Verkehrsnachrichten meldeten laufend Glätteunfälle aufgrund von Hagel und überfrierender Nässe. Offenbar hatten wir aber Glück und konnten den vorweihnachtlichen Wetterkapriolen irgendwie ausweichen. Und spätestens in Mecklenburg-Vorpommern waren die Bedingungen nahezu einwandfrei. Etwas Aufregung dagegen bei den Zugfahrern - wie erwartet verlief die Durchfahrt von Lübeck nicht ganz vorfallsfrei. Zum Glück sind uns keine Personenschäden bekannt. Und alle 800 reisewilligen Kieler haben ihren Weg nach Rostock gefunden.

 

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Der FC Hansa hatte indes noch nicht den richtigen Weg gefunden. Bisher verlief die Saison für die Hansestädter eher enttäuschend. Neben der unverändert klammen Finanzlage - Marteria, seines Zeichens glühender Hansa-Fan, hat bereits zum Solispiel im März 2015 aufgerufen - ist auch die sportliche Situation alles andere als bequem. Die Ausgangslage: die Greifen stehen auf einem Abstiegsplatz, die Störche haben sich in einer eher sorgenfreien Zone eingenistet. Als Kieler war man in seiner Prognose dennoch verhalten. Schließlich wußten wir nicht, wie gut Holstein die Heimniederlage vom vergangenen Samstag verkraftet hatte. Auf der anderen Seite gab es trotz der bisher sehr unglücklichen Saison noch einen Restoptimismus. Nicht zuletzt wegen eines besonderen Zuschauers. Um fleißig die Werbetrommel für das Soli-Spiel, in dem zur Sicherung der Lizenz bis Januar insgesamt 15.000 Karten verkauft werden sollen, zu rühren, war Marteria heute persönlich zu Gast.

 

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Und, wie der Stadionsprecher es als gutes Omen wertete, hatte der FCH noch nie verloren, wenn der ehemalige U17-Kicker Rostocks beim Ligaspiel anwesend war.

 

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Bereits vor Anpfiff war klar: Die 7.900 Zuschauer würden ein kampfbetontes Spiel auf einem durchweichten Acker sehen. Phasenweise war die Partie auch wirklich nicht schön anzusehen. Aber schnell war klar, wer das Heft in der Hand hielt.

Bereits in der 11. Minute konnte "Kopfballungeheuer" Marlon Krause nach einer Ecke zur Führung einnicken. Zwar konnte Holstein im Verlauf der ersten Hälfte noch nicht erhöhen, allerdings biss sich Hansa an der gegenüber letzten Samstag heute um Längen stärkere, Holsteiner Defensive die Zähne aus. Der Beginn der zweiten Halbzeit war düster. Denn im Verlauf der Pause zog eine Sturmfront auf und verdunkelte den Himmel über Rostock binnen weniger Minuten. Das Rostocker Flutlicht kam anfangs gar nicht hinterher. Doch auch mit TV-gerechter Luxzahl besserte sich das Spiel nicht. Ein Handspiel im Strafraum ermöglichte Kapitän Kazior per Elfmeter auf 2:0 zu erhöhen. Doppeltes Pech aus Hansaseite: Verursacher Krauße hatte kurz zuvor bereits gelb gesehen und musste mit gelb-rot vom Platz.

 

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In der Folge schaffte es Rostock nicht, das clevere Spiel der Störche zu unterbinden. Nach einer schönen Kombination Schäffler - Heider – Breitkreutz konnte Letzterer vollkommen unbedrängt zum 3:0 einschieben. Die Rostocker Defensive praktisch nicht vorhanden.

 

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Das stürmische Wetter mit teilweisen senkrechtem Sprühregen passte hervorragend zu der Stimmung, die sich auf den Heimrängen breit gemacht hatte. Der Support von der Südtribüne eingestellt. Lediglich Kieler Fangesänge, unter Anderem unterstützt durch eine Hand voll Anhänger der Ultrás Midtjylland und die auch bereits vorher zu vernehmen waren, schallten durch das Stadion. Das Rostocker Publikum geschockt, angesichts der desolaten und glücklosen Leistung ihrer Mannschaft. Aber noch war es nicht erlöst. Wenige Minuten vor Abpfiff flankte Kegel aus der Kieler Hälfte nach vorne. Der Ball, der kaum als Torschuß durchgegangen wäre segelt in Richtung FCH-Strafraum. Weder Schäffler mit seinem Karatesprung noch Torwart Brinkies kamen ran. Auch Hansas Ruprecht kam zu einer Rettungstat zu spät. Das Leder zappelte nach einem Flug von mehr als 50 Metern im Netz und es stand 4:0 aus Kieler Sicht.

 

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Während die Kieler damit allen Grund zum Feiern hatten, zeigte sich das Rostocker Publikum deutlich frustriert. Einige Gemüter erhitzten sich sogar so sehr, dass ein nicht unbeachtlicher Mob versuchte den Eingang zur Haupttribüne zu stürmen. Dies konnte jedoch durch Ordner und Polizei verhindert werden. Stattdessen stellten sich Trainer und Teile der Mannschaft den aufgebrachten Fans. Bleibt zu hoffen, dass der FCH in der Rückrunde noch die Kurve bekommt. Immerhin hat sich das Duell der Ostseestädte doch zu einem unserer Lieblingsspiele entwickelt. Auch eine Szene wie die der Rostocker gehört einfach nicht in die vierte Liga (Ahu!).

 

Bei uns überwog auf der Rückfahrt dennoch die Freude über drei weitere Punkte. Der sehr positiv ausfallende NDR1-Rückblick auf das Holsteinjahr verursachte sogar bei einigen der Mitfahrer eine kleine Gänsehaut. In diesem Sinne: Piraten statt Hanseaten!

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
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