29. November 2014, Stadion an der Kreuzeiche, Endstand 0:0

 

Während es in der ultraorientierten Szene "Von Stadionverboten lassen wir uns nicht aufhalten!" heisst, steht unsere Fahrt mehr unter dem Motto "Von platten Reifen und kaputten Turboladern lassen wir uns nicht aufhalten!".

 

Gut drei Stunden vor Abfahrt steht das Transportmittel der Wahl quasi nur noch auf drei Füßen da. Also wird kurzerhand die Werkstatt des Vertrauens mit einem Eilauftrag betraut. Was sich anfangs noch wie eine kleine Katastrophe anfühlt, stellt sich am Ende als Glücksfall heraus. Nicht nur einer, sondern alle vier Reifen haben die Verschleißgrenze nach 60.000 Kilometer Dauerbelastung überschritten. Es wird sogar noch bescheinigt, das uns die Reifen schon lange um die Ohren hätten fliegen können. Glück gehabt. Als Konsequenz geht es dann mit vier nagelneuen und frisch aufgezogenen Gummis gen Süden. Weit kommen wir allerdings nicht. Kurz vor der Landesgrenze zu Hessen, also unmittelbar am Fuß der Kasseler Berge drosselt der Motor ab. Mehr als 90 km/h werden nicht mehr erreicht. Dazu die heutzutage übliche Warnlampendisko im Cockpit.

 

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Also nächsten Rastplatz angsteuert und Mobilitätssevice von Volkswagen kontaktiert. Eine Stunde später die Diagnose durch den herbeigeeilten Notdienstmechaniker: Defekt am Turbolader, die Reise für den Golf ist hier beendet. Aber VW wäre ja nicht VW, wenn die hohen Anschaffungs- und Wartungskosten der Marke nicht einen Gegenwert hätten. Auf der Ladefläche des Notdiensttransporters steht ein Passat Kombi. Ganze drei Tage dürfen wir den für lau fahren. Reicht um die Tour in Richtung Nachtlager mit gut 1 1/2 Stunden Verspätung fortzusetzen. Genug Aufregung für ein Wochenende. Auch wenn die Nacht deutlich zu kurz ist, am Frühstückstisch macht sich erste Vorfreude breit. Da im Degerloch noch fleißig gewerkelt wird, weichen die Kickers für ihre Heimspiele, die sich aufgrund der Anfahrt mit Mannschaftsbus aus Stuttgart aber vermutlich auch wie Auswärtsspiele anfühlen, ins Reutlinger Stadion an der Kreuzeiche aus.

 

bus

 

Der SSV Reutlingen ist in der Oberliga deutlich entfernt von einer erneuten Begegnung mit Kiel. Zuletzt traf man 1965 in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga aufeinander. Also beste Gelegenheit, sich dieses ehemalige Zweitligastadion mal aus Nähe anzusehen. Auf jeden Fall einen Besuch wert. Während Kurve und Gegengerade an das alte Holstein-Rund erinnern, ist die leicht geschwungene, offene Haupttribüne von 2003 aufgrund ihrer Größe das herausstechendste Merkmal des Reutlinger Stadions.

 

kreuzeiche

 

haupttribüne

 

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Dort hat es sich auch der Supportblock der Kickers gemütlich gemacht - die Kieler befinden sich in der Kurve und können sich trotz etwas enttäuschender Anzahl an Auswärtsfahrern immer mal wieder bemerkbar machen.

 

 

kickers

 

gästeblock

 

Ebenfalls positiv bewertet wird das Pressecatering. Während es andernorts oft nicht über Schnittchen oder Bockwurst hinaus geht, muss an dieser Stelle insbesondere das kulinarische Lokalkolorit loben. Maultaschenauflauf mit schwäbischen Kartoffelsalat. An Letzterem konnte sogar Manu Hartmann nach dem Spiel nicht vorbei gehen, ohne wenigsten einen Löffel der Spezialität seiner alten Heimat zu probieren.

 

maultaschen

 

Auch für zwei weitere Mitglieder des Holstein-Reisetrosses gab es ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Immerhin kann Trainer Karsten Neitzel zwei Jahre als Aktiver bei den Kickers vorweisen. Der gebürtige Stuttgarter Patrick Auracher kommt, Jugendmannschaften mitgerechnet, sogar auf ganze zehn Jahre Vereinsangehörigkeit zu den Blauen.
Also gewisse Bande der Sympathie in Richtung der Kickers? Wenn man das Ergebnis von 0:0 vorweg nimmt, könnte man sogar an einen Nichtangriffspakt glauben. Vielleicht festgeschrieben beim Wechsel von Auracher? Nein, ganz so schlimm ist es dann doch nicht, oder beide Mannschaften auf dem Rasen sind recht gute Schauspieler. ;)

 

Zu Beginn darf Kiel sich ein wenig mehr offensiv ausleben. Kaum rollt der Ball, hat Kapitän Rafael Kazior eine gute Möglichkeit auf dem Fuß, sucht allerdings nicht selbst den Abschluss, weshalb wiederum die Stuttgarter die Möglichkeit bekommen, den Ball zu klären. Nach nicht einmal zehn Minuten ist es dann Marc Heider, der von Kohlmann bedient, das 1-gegen-1-Duell mit dem Kickers-Keeper Müller für sich entscheiden kann, den Ball dann aber nur noch gegen den Pfosten platziert. Danach beginnen sich die Teams ein wenig zu neutralisieren, sprich bis zur Pause passiert nicht mehr viel Zwingendes auf dem Feld.

 

heidi

 

scheffe

 

Hälfte Zwei sieht dann zunächst aktivere Hausherren, woraus drei Minuten nach Wiederanpfiff eine gute Chance für Halimi resultiert, allerdings streicht die Kugel knapp über den Kasten von Kenneth Kronholm. Beginn der besten Phase der Kickers, aus der allerdings (wir hatten die Spannung ja bereits rausgenommen) auch kein Tor resultiert. Insgesamt mal wieder das, was als typisches 3.-Liga-Spiel bezeichnet wird. Oder um mit Karsten Neitzel zu sprechen. "Schön anzusehen war das Spiel phasenweise nicht.", wobei der Trainer sich hier zurecht eher auf die 45 Minuten nach dem Seitenwechsel bezieht. Trotzdem gibt es am Ende vom Trainer des Gastgebers ein dickes Lob für das starke Kieler Spiel. Letzte Saison, wenn die Störche so häufig ohne den gerechten Lohn von drei Punkten vom Feld gingen, klangen diese Worte manchmal schon wie Hohn, inzwischen hört man sie gerne. Und so halten wir es am Ende mit Siedo: "Auswärts ein Punkt, zu Hause 'nen Dreier, das ist in Ordnung. Nicht zu vergessen - die Serie hält."

 

siedo

 

Damit geht es mit dem Leihwagen quer durch die Republik zurück an die heimatliche Förde - insgesamt ist die Stimmung im Vergleich zum Abend vorher auch gar nicht so schlecht. Die Hinrunde wird auf dem achten Tabellenplatz abgeschlossen, seit zehn Ligaspielen ist man unbesiegt und die "null" ist derzeit zementiert. Macht insgesamt viel Laune auf die zweite Saisonhälfte, die nochmal wo startet? Ach ja, Unterhaching. Reutlingen war noch nicht weit genug.

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
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