9. November 2014, Südstadion, Endstand 0:0

 

Das zweite Sonntagsspiel der Saison führte uns diesmal ins Rheinland. Die Befürchtungen, der noch stockende Bahnverkehr würde sich auf die Straße verlagern bewahrheitete sich zum Glück nicht. Im Gegenteil: Die freien Straßen erlaubten uns sogar entspanntes Fahren und großzügige Pausen. Letztere wurden dazu genutzt, die neuesten Reviermarkierungen zu erkunden. Der Haupspieltag Sonnabend war schließlich durch und nicht wenige Vereinsanhänger hatten sich entlang er A1 verewigt.

 

Das gute Zeitpolster reichte auch noch für einen geplanten Abstecher, der fast als Pilgerfahrt bezeichnet werden konnte. Nördlich des Zentrums befindet sich der Kölner Stadtteil Weidenpesch. Heute ist die Ecke bekannt für die Pferderennbahn. Doch auch wenn es sich auf dem Gelände der Reitsportanlage befindet, das Objekt unser Begierde war natürlich ein Ground. Oder was von dem Ground noch übrig ist. Das Stadion Weidenpescher Park beheimatete einst den VfL Köln 1899. Dieser zog 2002 jedoch aus der traditionsreichen Spielstätte, deren letztes Highlight wohl die Dreharbeiten zu Sönke Wortmanns 'Das Wunder von Bern' waren, aus.

 

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Das Stadion galt mit einem Fassungsvermögen von 16.000 Zuschauern einstmals als eines der größten Fußballstadien Deutschlands. 1905 und 1910 fanden hier die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft statt. Moment... Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1910? Hat da nicht....? Richtig, unsere altehrwürdige KSV, bzw. der Vorgängerverein FV Holstein Kiel spielte, bevor 1912 der große Meisterschaft-Wurf gelang, zwei Jahre früher vor 5.000 Zuschauern auf eben jenem Grund und Boden, auf dem wir uns bei unserer Erkundungstour befanden (übrigens: 2 von 3 verlassenen Stadien haben Löcher im Zaun... ;) ). Von dem damaligen Glanz ist inzwischen allerdings nicht mehr viel zu erkennen. Die 1920 errichtete und damit älteste Fußballtribüne des Landes verfällt zusehendst. Trotz Denkmalschutz. Und wo einst 22 Mann um das runde Leder kämpften, finden nur noch gelegentliche Flohmärkte statt.

 

Danach Abfahrt zum Südstadion – das hatte man als Kieler zuletzt am 1. Oktober 2005 besucht, allerdings damals um die Zweitvertretung des 1. FC Köln durch Tore von Molata und Coiner 2:0 zu besiegen. Mit der Fortuna verbindet die KSV dann die gemeinsame Zweitligazeit.

 

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Dass die Kieler es alle drei Spielzeiten in Bundesliga Zwei mit der Fortuna aus Köln zu tun bekamen ist kein Wunder, schließlich fühlte sich der Verein aus der Südstadt in dieser Spielklasse besonders wohl. Insgesamt 26 Jahre von 1974 bis zum Jahr 2000 spielte man zweitklassig und schaffte es weder aufzusteigen (1986 scheiterte man an in der Relegation an Borussia Dortmund) noch abzusteigen (1992 konnte man aufgrund der Insolvenz von Blau-Weiß 90 Berlin noch in die Relegation einziehen und da knapp die Klasse halten). Auch gelang es nie, die Vormachtstellung des 1. FC Köln in der Stadt ernsthaft infrage zu stellen. Zwar konnte die Fortuna den einen oder anderen Derbysieg einfahren, so auch in der Saison 1999/2000. Doch am Ende ging es für die Fortuna in die Regionalliga, während die Geißböcke in die Bundesliga aufstiegen. Einher mit dem sportlichen Niedergang ging die finanzielle Pleite: Präsident und Mäzen Hans „Jean" Löring (in Köln „De Schäng" genannt), der den Verein immer in der 2. Bundesliga gehalten hatte, musste sich zurückziehen und hinterließ einen hochverschuldeten Verein, für den es bis in die fünftklassige Verbandsliga Mittelrhein runter ging. Für die finanzielle Konsolidierung bekamen die Spieler des Vereins, die unter dem Motto „Einem nackten Mann greift man nicht in die Tasche – aber unter die Arme" im Adamskostüm posierten, Hilfe unter anderem vom Schauspieler Ralf Richter, Michael Schumacher und den Prostituierten des Bordells „Pascha". Dieses Jahr schaffte man dann wieder den Sprung in den Profifußball, durch das Herzschlagfinale gegen die Zweitvertretung der Münchner Bayern.

 

 

Der Tripp in die Domstadt galt schon von Anfang der Saison an für viele als gebucht, wobei eher die Stadt, denn das Stadion gelockt haben dürfte. Klar hat man schon schlimmeres gesehen, aber so wirklich vom Hocker haut einen das Rund dann eher nicht. Eröffnet wurde das Südstadion 1978 und ist Teil der Bezirkssportanlage Köln-Süd. Insgesamt hat es eine Kapazität von 14.800 – eine Marke, die beim Aufstiegsspiel gegen die Zweite von Bayern München in diesem Jahr erstmals wieder in einem Pflichtspiel der Fortuna nach 31 Jahren erreicht wurde.

 

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Für viele unbekannt liegt in der Kölner Südstadt tatsächlich die Wiege der deutschen Ultràkultur. Die 1986 gegründeten „Fortuna Eagles" waren der erste Fanclub diesseits der Alpen, der den italienischen Vorbildern nacheiferte und bis heute aktiv ist.

 

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Weiterer bekannter Fanclub ist die „Schäng Gäng", die das Andenken des ehemaligen Präsidenten hoch hält. Fast schon ein bisschen seltsam, dass bei der eher bescheidenen Größe der Szene doch zwei bundesweit bekannte Gruppen vertreten sind. Insgesamt waren es an diesem Sonntag 1.989 Besucher, davon locker 300 Gästefans. Der Kieler Block präsentierte zum Einlaufen der Mannschaften eine feine Choreo in blau-weiß-rot und konnte sich zumindest zu Beginn auch akustisch bestens bemerkbar machen.

 

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Auf dem Platz brauchte die KSV ein klein bisschen Anlaufzeit – die Kölner schafften es dank rustikaler, aber fairer Spielweise die meisten Kieler Offensivbemühungen im Keim zu ersticken. Eine durchaus überzeugende Leistung bot dabei Kusi Kwame, der von 2010 bis 2012 selbst an der Förde kickte, es aber nur auf fünf Einsätze brachte.

 

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Nach und nach konnte sich die Kieler Offensivreihe mit Schäffler, Kazior und Heider besser in Szene setzen, deutliche Chancen blieben aber Mangelware. Auf der Gegenseite sah es nicht viel besser aus, Keeper Kronholm verlebte recht ereignislose erste 45 Minuten, auch weil Kraus seinen Lupfer Sekunden vor dem Halbzeitpfiff Zentimeter über die Latte setzte.

 

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Nach dem Seitenwechsel führte fast nur noch Kiel Regie – Chancen ergaben sich jetzt häufiger - Schäffler (64./74.), Siedschlag (65.) und Kazior (67.) - doch fehlte es an diesem Tag ein wenig am Glück. Die meist diskutierte Szene folgte dann aber, als sich schon fast alle im Stadion mit dem Unentschieden abgefunden hatten. Vendelbo wurde bei seinem letzten Angriff zu Fall gebracht, in den Augen des Schiedsrichters allerdings hauchdünn vor der Strafraumgrenze. Da fehlte wohl ein wenig der Mut, so kurz vor Schluss auf den Punkt zu zeigen.

 

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Der anschließende Freistoß brachte nichts mehr ein – unter dem Strich konnten wohl auch beide Teams mit der Punkteteilung leben, auch wenn Holstein am Ende näher am Dreier dran war. So geht es als (Überraschung) 11. in die Länderspielpause – mit der respektablen Bilanz von acht ungeschlagenen Spiel in Folge. Das macht doch Lust auf Duisburg!

 

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