20. September 2014, Endstand 0:0

 

Dass die dritte Liga unberechenbar ist, dürfte jedem Fußballinteressierten in der dritthöchsten deutschen Spielklasse wohl spätestens seit der letzten Saison klar geworden sein. Anders kann es eigentlich nicht sein, dass die KSV gegen den Aufstiegsfavoriten aus der hessischen Landeshauptstadt in der letzten Saison eine positive Bilanz vorweisen konnte und dabei den SVWW sogar mit 3:0 aus dem eigenen Stadion schoss. Solche drei Punkte ständen dem Punktekonto der KSV mal wieder gut zu Gesicht, nachdem man trotz ansprechender Leistungen nicht einmal einen Punkt aus Erfurt und Osnabrück entführen konnte. Sogar ein wenig weltmeisterliches Flair wehte mit der Einlaufmusik durchs Holstein-Stadion, wäre doch Wiesbadens Coach Marc Kienle fast an der Seite von Jogi Löw gelandet.

 

 

 

Stattdessen ging es heute in den hohen Norden nach Kiel. Die doch in letzter Zeit etwas mehr gewordenen leeren Stufen auf den Tribünen störten einen schon garnicht mehr, am Ende wurden gut 4000 Zuschauer Zeuge des Heimspiels bei bestem Spätsommerwetter. Die blau-weiß-roten Jungs auf dem Platz passten sich von der ersten Minute den besten Bedingungen an und attackierten das Gästetor sofort. Für den gesperrten Kazior setzte Trainer Karsten Neitzel heute auf die Dienste von Jarek Lindner. Nach kurzer Zeit bediente Herrmann den mit gelaufenen Schäffler, der nach Erfurt in dieser Szene leider nicht seinen zweiten Ligatreffer für die KSV erzielte. Besonders der wuselige Lindner sorgte in der SVWW-Defensive immer wieder für Unruhe und bescherte den Kielern auch den ersten aussichtsreichen Freistoß. Fabian Wetter fasste sich ein Herz, sein Schuss wurde noch gefährlich abgefälscht und brachte das Gästetor abermals in Bedrängnis. Nach etwa 10 Minuten stockte den Zuschauern der Atem, Jarek Lindner bekam in der Vorwärtsbewegung einen Schlag auf den Oberschenkel und musste raus – Diagnose: Pferdekuss. Für ihn kam Saliou Sané. Dieser Wechsel störte den Rhythmus der KSV überhaupt nicht, es ging weiter nach vorne. Vier Minuten später konnte Wiesbadens Kolke den Ball nach einem Rückgabe nicht klären, Schäffler zeigte sich ob dieser unerwarteten Chance ebenfalls orientierungslos, ihm sprang der Ball sogar noch an die Hand. Von Wiesbaden kam in der dieser Situation gar nichts, auf große Unterstützung konnten die Hessen auch nicht zählen, lediglich die Besatzung eines Neuners hatte den Weg nach Kiel gefunden. Umso besser dagegen Holstein auf Platz und Rängen, wo es zeitweise trotz Minuskulisse mal wieder richtig laut wurde. Nach einer Ecke fiel Hartmann der Ball vor die Füße, Kolke klärte den Ball mit beiden Fäusten. 120 Sekunden später zog Wetter einfach mal ab, knapp geklärt durch die Gästeabwehr. Holstein weiter nur im Vorwärtsgang, aus zahlreichen Standards konnte die KSV nicht wirklich Kapital ziehen. Nach 32 Minuten bediente der gute Mikkel Vendelbo Sané, sein Volleyschuss schnellte knapp am Tor vorbei. Bis zur Pause blieb die KSV weiter das spielbestimmende Team, die Gäste tauchten nicht einmal vor dem KSV-Gehäuse auf und das trotz starker Spieler wie Angolas Nationalspieler Vunguidica.

 

Stadion an der Bremer Brücke / osnatel-Arnena, 13. September 2014, Endstand 2:1

 

Noch vorm Spiel in Erfurt äußerte einer von uns den Wunsch, in Osnabrück zu Null zu gewinnen. Dafür würde man auch einen Sieg im Steigerwaldstadion herschenken.

 

Somit steht nach der ärgerlichen Niederlage in Thüringen das heutige Ergebnis quasi schon fest. Kein Grund allerdings, sich nicht auf den Weg ins Osnabrücker Land zu machen. Dafür gibt es allerdings andere Gründe. Zum Beispiel eine Reihe Stadtverbote für einige der Teilnehmer der mißglückten Erfurt-Anreise und Metronom-Verbote (Fernbus-Ultràs never surrender ;) ). Und vielleicht hat auch das Fehlen von Gästesitzplätzen den einen oder anderen potentiellen Auswärtsfahrer abgeschreckt. Der VfL, in diesem Fall leider fern von jeglicher Gastfreundschaft, stellte nämlich keine zur Verfügung. Aus unserer Sicht völlig daneben und offenbar seitens der Fanbetreuung nicht abwendbar.

 

Bevor wir uns in die Schlacht an der Bremer Brücke stürzen, holen wir uns noch etwas Beistand bei dem bekanntesten Feldherren der Gegend. Dank eines dicken Zeitpolsters können wir uns noch einen Abstecher ins Varusschlacht-Museum in Kalkriese erlauben. Hier gibt es viel Interessantes über den sensationellen Sieg Arminius' (oder Hermann der Cherusker) über die römischen Truppen im Jahr 9 nach Christus zu erfahren. Denn den örtlichen Ausgrabungen zufolge, kann diese historisch bedeutsame Schlacht in die Region um Osnabrück verortet werden. Die große, parkähnliche Anlage ermöglicht gemeinsam mit einer in der Basis des Aussichtsturm befindlichen Ausstellung einen interessanten Einblick in die Erkenntnisse der Archäologen.

 

Holstein Block

Steigerwaldstadion, 6. September 2014, Endstand 3:2

 

Es gibt Tage die fangen schon grausam an. Wir zum Beispiel beginnen den Tag mit einem Schwarm Wespen in der Wohnung, einem Wespenstich unterm Fuß und einer Fast-Bauchlandung beim Verlassen der Dusche. Mit pieksendem Fuß den Mitfahrer Nummer eins eingesammelt, nur um festzustellen, dass man sich mit der Einsammelzeit von Mitfahrer Nummer zwei um eine Stunde vertan hat. Aber zum Glück muss der die Stunde nicht warten, sondern kann sich auf einer zufällig kreuzenden WET-Reisegruppe anschließen.
Unterwegs stellt sich noch heraus, dass der eigens und liebevoll zusammengestellte Oldschool-Hiphop-Mix nicht funktioniert. Dank diverser Straßensperren, die sich noch bis nach Erfurt rein ziehen, fahren wir in Schleifen durch Niedersachsen, Sachsen und Thüringen, nur um dann festzustellen, dass unser Navi uns offenbar elegant um den Thüringer Bratwurststand, den wir eigentlich fest eingeplant hatten, herumnavigiert hat. Für kurzzeitige Erheiterung sorgt währenddessen mal wieder der Wahlkampf und seine Slogans (nach Sachsen ist nun der Freistaat Thüringen dran, sich ein neues Landesparlament zu wählen), wobei die Lacher diesmal nicht BüSo, AfD oder NPD zu verdanken sind, sondern der Partei: „Thüringen? Bratwurst!" Zack, auf den Punkt. Leider, leider auch nicht sättigend.

 

sws

(Danke für das Bild an den Kasseler Skywalker)

 

Trotzdem erreicht man irgendwie doch gut gelaunt das Steigerwaldstadion, dem die Kieler Delegation auch gleichzeitig die letzte Ehre erweist, weicht der old-school Bau mit den markanten Flutlichtern doch ab diesem Herbst nach und nach einer modernen Arena, deren Eröffnung für 2016 angeplant ist. Gebührend verabschiedet wird das SWS am 8. Oktober noch mit der Neuauflage des Europapokalspiels der Erfurter gegen den FC Groningen, auf den RWE in seiner letzten Europapokalsaison traf und der zweimal mit 1:0 geschlagen wurde. Schick, schick.

 

aufgehts

 

Doch zurück in die Gegenwart und die heißt pünktlich zum Anpfiff durch Bibi <3 Steinhaus Gewitter. Nicht nur ein bisschen, sondern so richtig. Der leider eher spärlich gefüllte Gästeblock (bei der WET-Reisegruppe "Ultrà" wurde von der Staatsmacht noch während der Hinfahrt die Rückreise durchgesetzt, bildet Euch selbst ein Urteil - hier und hier - wir waren halt nicht dabei) hält wacker im Regen durch.

 

30. August 2014, Endstand 1:1

 

Gefühlt war man erst ein paar Stunden nach einer nächtlichen Fahrt aus Dresden wieder in Kiel, da bat der Spielplangestalter schon wieder zu einem Heimspiel gegen den SC Preußen. Die Preußen waren dem aufmerksamen Kieler Fan aus der letzten Saison noch bestens bekannt, schließlich konnte die KSV mit 6:0 Toren und 6 Punkten die beste Bilanz gegen sämtliche Gegner ausgerechnet gegen den Traditionsverein aus NRW vorweisen. Eigentlich doch neben dem Auswärtssieg in Dresden mal wieder beste Voraussetzungen, erneut optimistisch den Weg ins Holstein-Stadion zu finden.

 

Leider zeigte sich zunächst das gleiche Phänomen wie in der Woche zuvor gegen Cottbus: Die Ränge füllten sich nur langsam und auch der Gästeblock konnte quantitativ lange nicht an die Zahl aus der Vorsaison heranreichen. Am Ende sollten es etwas über 4000 Zuschauer sein, die sich das Duell aus dem Mittelfeld der Tabelle angucken wollten.

 

blockj

 

blocki

 

gäste

 

Auf dem grünen Rasen fehlte heute Manuel Schäffler, in der Offensive begannen Rafael Kazior und Marc Heider, Fabian Arndt fand sich heute das erste Mal im Kader wieder. Das Spiel begann zunächst ein wenig verfahren, auch wenn die KSV zumindest optisch an die Vorstellung aus Dresden anknüpfen konnte. So richtige zwingende Situation beobachtete der Zuschauer bei der KSV aber nicht, immerhin ließen die Störche wie so oft vor dem eigenen Tor nahezu garnichts zu, aus der Defensive sorgte vor allem der genesene Fabian Wetter für einige gute Szenen auf dem linken Flügel der Kieler.

Stadion Dresden, 26. August 2014, Endstand 1:2

 

Dresden... da war doch was. Damals in der ersten Drittligasaison schien nach dem Debakel bei der inoffiziellen Einweihung des Rudolf-Harbig-Stadions vieles bei Holstein zerbrochen. Das Ende der Götz-Ära eingeläutet. Diesmal reisen wir recht früh in der Saison an die Elbe. Vor einem solchen Szenario hat also zu diesem Zeitpunkt keiner Angst. Die Vorzeichen dieses Spiels sind dennoch nicht die Besten. Zwar konnte Dynamo am vergangenen Wochenende gegen Erfurt nicht punkten, aber spätestens seit dem die SGD mit einer überragenden Leistung den FC Schalke 04 aus dem DFB-Pokal gekickt hat, ist unstrittig, das hier Fußball gespielt werden kann. Und auch bei Rückblick auf das letzte Spiel unserer Störche geht der Blick eher besorgt in Richtung Dienstagabend. Die Hoffnungen schwanken zwischen Klatsche und Kulttour. Beide Optionen erhalten jeweils vier Stimmen bei vier Insassen. ;)

 

Nun ist es bei der Anfahrt auf große Metropolen der Dritten Liga inzwischen eine Tradition geworden, die letzten Meter auf Schleichwegen und Schotterpisten hinter sich zu bringen. Nach sechs reibungslosen Fahrstunden finden wir uns beim Stau umfahren zwar nicht in böhmischen, dafür aber in sächsischen Dörfern wieder. Dort treffen wir auf die unterirdischen Parolen einer bekannten Heimatpartei, die einfach mal "Weg mit dem Crystal-Dreck" fordert. Nur noch übertroffen durch die Forderung einer neuen Seidenstraße und die Verbrüderung mit Russland. Das sorgt für gute Laune, die durch ein Transpi vorm Block der Ultras Dynamo, welche sich anstatt der Modedroge lieber Dynamo reinziehen wollen, noch gesteigert wird.

 

K-Block

 

Eck-Town

 

Insgesamt macht sich die überschaubare Zahl von gut 70 Kielern auf den Weg in die Höhle des Löwen. Diese ist gegenüber unseres letzten Besuchs schon lange fertiggestellt und in Betrieb. Bei der Anfahrt stellen wir anerkennend fest, dass der Bau durchaus gelungen ist. Der zwischen 2007 und 2009 errichtete Neubau bietet gut 32.000 Zuschauern Platz. Während die Anlagen rund um das Stadion 2009 noch aus Baustelle und Provisorien bestand hat sich das gesamte Areal inzwischen zu einem echten Fußball-Mekka entwickelt - angemessen für einen Verein, der immerhin auf 98 Europapokal-Partien, acht DDR-Meisterschaften und sieben DDR-Pokalsiege zurückblicken kann.

 

Und eine weitere positive Entwicklung gilt es rund um das schmucke Stadion zu vermelden. Nachdem im Juli 2014 der Sponsoringvertrag mit dem einem Energierlieferanten ausgelaufen ist, haben sich weder Verein noch Stadioneigentümer Stadt Dresden um einen Nachfolger bemüht. Bewusst, wie der Presse zu entnehmen ist. So sind wir heute schlicht im Stadion Dresden zu Gast, das den Nostalgikern aber weiterhin unter dem Namen des 2007 abgerissenen „Rudolf-Harbig-Stadion“ geläufig ist.

 

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok