21. Dezember 2013, Endstand 2:2

 

Holstein gegen Hansa, sicherlich kein traditionelles Aufeinandertreffen, dennoch war es wohl genau das Spiel, was bei den zuständigen Stellen seit Sommer für Kopfzerbrechen sorgen sollte. Das erste Kopfschütteln auf Kieler Seite sollte dann das Umgehen mit der Kartenproblematik sein, natürlich konnte niemand ahnen, dass mehr Rostocker ihrem Team folgen wollten als es Karten für den Gästeblock gibt. Als man dann sich der heutigen Lage bewusst bereits 150 Minuten vor Kick-Off zum Holstein-Platz aufmachte, sollte dem Frühaufsteher bereits einiges geboten werden, so konnte man gleich neben der Pre-Match-Tanke, heute übrigens in Rostocker Hand, den ersten Wasserwerfer seit einem Gastspiel von Dynamo Dresden sowie ein gepanzertes Einsatzfahrzeug bestaunen, das Ganze hinter einer doch recht löchrigen Polizeikette.

 

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Kurzes Gepöbel sollte es einige Zeit später geben, als sich auch der KSV-Anhang mal kurz zeigen sollte. Als man auch noch von Ordnern vom Rasen weg auf den zwei Meter entfernten Vorplatz verwiesen wurde, reichte es einem dann doch und man begab sich rasch auf die Ränge, welche für diesen Zeitpunkt bereits anständig gefüllt waren.

 

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Bis zum Anpfiff sollten sich dann über 9000 Zuschauer einfinden, davon gut 2500, die der Elf aus Mecklenburg-Vorpommern die Daumen drückten und sich trotz Taktik der Polizei, verirrte Rostocker im Block O unterzubringen, im ganzen Stadion auf den Stehplätzen vereinzelt wiederfanden.

Dann Anpfiff, die Blöcke voll und spätestens beim Blick auf die Suptras Rostock Fahne wurde auch dem letzten klar, dass das Spiel der letzten Jahreswochen gegen Rostock bestritten wurde. Die Tabellensituation, oft in dieser Liga kein Maßstab für das vermeintliche Leistungsvermögen, sollte sich in den ersten Minuten doch auf dem Platz zeigen, Hansa einfach mit mehr Biss und viel Zug zum Tor. Das zeigte sich sogleich nach vier Minuten, Hansa mit einer der stets sehr gefährlichen Ecke und einem Mendy-Kopfball, der knapp am Tor vorbeirauschte. Holstein danach auch mit einigen guten Ansätzen, doch die Rostocker zunächst mit mehr Spielanteilen. Diese Tendenz sollte sich in der 16. Minute ändern. Der starke Kapitän Rafael Kazior im Zusammenspiel mit Marc Heider, der sich auf gut 50 Metern gegen den ohne Ball langsameren Pelzer durchsetzte und anschließend Jörg Hahnel keine Chance lässt.

 

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Ekstase im Stadion, endlich mal wieder zu Hause in Führung! Dies war auch das erste Mal, dass die Hansa-Kurve verstummen sollte, zuvor konnten die kollektiven Hüpfeinlagen doch beeindrucken. Doch Hansa blieb weiter aktiv, David Blacha fand sich in der 23. Minute im spitzen Winkel vor Niklas Jakusch wieder, der sich im Eins gegen Eins behaupten sollte. Pekovic verpasste einige Zeigerumdrehungen später wiederum nach einer Ecke das Tor knapp. Der Holstein-Anhang war inzwischen auch auf einem guten Laustärkepegel angekommen und konnte sich oft Gehör verschaffen. In der Folgezeit schwenkte die Aufmerksamkeit ein wenig auf das Wurstbudendach des Gästeblocks, wo es sich einige Gästefans bequem gemacht hatten und sich von dort natürlich auch nicht von Bitten und Betteln des Stadionsprechers vertreiben ließen.

 

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Auf dem grünen Rasen verflachte das Spiel nun ein wenig, Holstein nun weiter konzentriert, aber auch ohne Mittel gegen die präzisen Ecken des Tabellendritten, was sich 5 Minuten vor der Pause auch bemerkbar machte, als Halil Savran nach einer Ecke keine Gegenwehr vorfand und den Ausgleich markierte. Holstein nun weiter unkonzentriert, die nächste Standardsituation das gleiche Bild, der Rückraum verwaist und der starke Mendy mit einem präzisen Schuss ins Netz, keine Chance für Jakusch. Der Gästeblock im kurzen Zeitraum bis zur Pause wieder sehr laut, Holstein ging dank verschlafenen 5 Minuten mit einem Rückstand in die Kabine.

 

Nach dem Seitenwechsel brachte Trainer Karsten Neitzel vor den Augen seines Kollegen aus Bochumer Zeiten Andreas Bergmann Manuel Hartmann für Marcel Gebers. Holstein nun von Anfang an da mit gutem Spiel in Richtung Westtribüne, was die Stimmung noch einmal beflügelte. Die beste Aktion dann in der 56. Spielminute, der in der zweiten Halbzeit starke Fabian Wetter bediente an Hahnel vorbei den im Rückraum postierten Tim Siedschlag, der (glücklicherweise) keine Mühe hatte, den Ball ins Netz zu befördern.

 

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Vom FC Hansa kam nun garnichts mehr, auch die Ränge der Ostkurve traten nicht mehr großartig in Erscheinung. Anders dagegen die KSV: Holstein nun mit dem unbedingten Willen zum Torerfolg, was doch ein kleiner Dreier in Saarbrücken alles bewirken kann. 64. Minute, Wetter auf Hartmann, der drehte sich und versuchte sich an einem Fallrückzieher – knapp vorbei. Die KSV jetzt mit ihrer besten Phase, Hansa wurde nun vollständig in die Defensive gedrängt. Zwanzig Minuten vor Schluss, Marc Heider mit einem Pass auf Fiete Sykora, der aus fast identischer Position wie Mendy leider nur den Außenpfosten traf. Sekunden später tankte sich Kazior im Strafraum durch, Rostocks Defensive konnte in letzter Sekunde das Tor verhindern. Holstein danach weiter spielbestimmend, die größten Chancen waren aber vertan, einzig ein Kazior-Freistoß in der Mauer. Daran konnte auch Ex-Rostocker Marcel Schied nichts mehr ändern.


Am Ende bleibt ein Spiel, in dem die KSV mit einer guten Leistung den Tabellendritten am Rande einer Niederlage hatte und die Erkenntnis, dass der Tabellenplatz eben nicht viel aussagt. Das musste man leider auch bei den Ergebnissen der Konkurrenz feststellen, sodass die KSV auf Platz 17 über dem Strich überwintert, aber mal wieder ihr Potential zeigen konnte. Auf den Rängen hatte der FCH natürlich seine bemerkenswerten Phasen, der vorhergesehene „Überauftritt" blieb aber aus. Genau wie der weltuntergang. Dass das Spiel dennoch ein Highlight war, zeigten außer der zum Teil überzogenen Bewertung der Presse auch einige Besucher aus Nah und Fern, neben Besuchern aus Altona und Karlsruhe konnte man auch einige Fetzen eines irischen Dialektes aufschnappen.

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
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