14. Dezember 2013, Ludwigsparkstadion, Endstand 1:2


Der Ludwigspark steht sicher auf den To-Do-Listen vieler Hopper. Umso besser, wenn man dieses außergewöhnliche Stadion mit seinem eigenen Verein kreuzen kann und dabei noch an ehemaligen großen Namen des Südwestfußballs erinnert wird, man passiert auf der Fahrt u.a. Alsenborn, Pirmasens, Homburg oder das bereits besuchte Neunkirchen.


Da es sich um eines der drei „Grenz-Spiele" (Chemnitz ca. 40 km nach Tschechien, Burghausen gefühlt -3 km nach Österreich), lässt man es sich natürlich nicht nehmen, das nur 8 km entfernte Frankreich zu besuchen. Praktischerweise schlägt man hier nach gut 9 Stunden Fahrt (inkl. Stau vor Hannover und Sichtung eines Wegweisers nach Paris – Europapokal!) das Nachtlager auf, wo man gezwungenermaßen sich noch mit Frauenkickboxen den Restabend vertreibt, da man einen Katzensprung von Deutschland entfernt jedoch nur einen deutschen Sender zur „Auswahl" hat. Und wo man doch gerade da ist, spottet man das Stade du Schlossberg.

 

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Das pittoresk gelegene Mehrzweckstadion ist der Homeground der ehemaligen Ligue 1 – Mannschaft Union Sportive Forbach. Mittlerweile wird hier jedoch nur Sechstligafußball gespielt. Zum Frühstück holt man sich anschließend noch ein paar französischen Leckeren aus der Boucherie (Schlachterei) und Boulangerie (Bäckerei).

 

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Dass man bei einem Holsteinspiel noch einmal französisch sprechen muss, hätte vor ein paar Jahren wohl keiner der Besatzung für möglich gehalten. Und ganz nebenbei werden kleine Mitbringsel der kulinarischen Art zum unter den Weihnachtsbaum legen erworben.

So gestärkt geht es es zurück über die Ländergrenze nach Saarbrücken. Und mit dem ersten Blick auf die Flutlichter stellt sich ein großes Gefühl der Vorfreude ein. Endlich Ludwigspark.

 

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Das 1953 eröffnete Stadion gehört mit seiner Lage, den zwei großen Oldschool-Tribünen und der hohen, steilen Hintertorkurve zu den schönsten verbliebenen Bauten dieser Epoche des Fußballs.


Wo heute Drittligafußball vor durchschnittlich 5500 Zuschauern gespielt wird hat sogar mal ein Länderspiel zur WM-Qualifikation 1954 stattgefunden. Gastgeber damals nicht die Bundesrepublik, sondern das autonome und von der Fifa als eigenständiges Mitglied anerkannte Saarland. Die Partie vor damals 50.000 Zuschauern endete mit einem 3:1-Sieg für den späteren Weltmeister Deutschland. Besonders Highlight am heutigen Tag ist aber wunderschöne old-school Anzeigetafel, die mit diversen grafischen Finessen aufzuwarten weiß.

 

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Die Tage dieses eindrucksvollen Stadion in seiner jetzigen Form sind jedoch gezählt. Spätestens Ende 2014 beginnen umfangreiche Umbaumaßnahmen. Unter anderem fallen den Sanierungsmaßnahmen die etwas niedrigeren Stehränge im Bereich des Marathontors weg. Und auch Sanierung der übrigen Zuschauerränge und der Tribünen werden das Bild des Ludwigsparks verändern.

Wermutstropfen eines solchen Stadions ist natürlich immer das Zuschauer-Kapazität-Verhältnis, das sich auch heute, mit insgesamt 3475 Zuschauern auf den gut 35.000 Menschen fassenden Rängen eher im Ungleichgewicht befindet. Im Gleichgewicht dagegen scheint sich Holstein heute zu präsentieren. Nach bereits 4 Minuten gehen die Störche dank eines Treffers durch den endlich mal wieder von Beginn an spielenden Fiete Sykora in Führung.

 

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 (Danke an Sven Siegrist für die Fiete-Jubler)

 

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Danach können die knapp 100 mitgereisten Kieler einen kleinen Offensivlauf der Störche beobachten. Nur 5 Minuten später hatte Siedschlag sogar das 2:0 auf dem Fuß, verfehlt den gegnerischen Kasten aber nur knapp.

Die Freude über die Führung währt, wie sollte es anders sein, aber nicht lange. Nach einem Freistoß in der 33. Minute egalisiert Saarbrücken den Spielstand. Zwar lässt Holstein der Gegentreffer ziemlich kalt (das hatte auch mal auch lange nicht mehr), Zählbares kommt bei den nachfolgenden Chancen jedoch nicht heraus.
In der Halbzeit darf sich der geneigte Schleswig-Holsteiner dann auf die Stadiongastro freuen, die bereits vor den Toren des Ludwigsparks zu begeistern weiß, wo ein Wagen zu fairen Preisen u.a. Merguez-Frikadelle, Käsewurst oder Lyoner und Dosenbier (!) anbietet. Drinnen freut man sich über eine tolle Grillmettwurst im Brötchen für faire 2,50 Euro!

 

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Das ändert sich in der 2. Halbzeit zunächst nicht. Eher im Gegenteil. Holsteins Spiel wird ungenauer, während Saarbrücken einen Gang hoch schaltet und mehr Spielanteile haben. Insgesamt hat die Attraktivität gegenüber der ersten 45 Minuten deutlich nachgelassen. Erst gut 20 Minuten vor Schluß nehmen die Kieler wieder das Heft in die Hand und lassen auf Saarbrücker Seite nur noch wenig zu. Und auch das Glück scheint in der 70. Minute zu Holstein zurückgekehrt zu sein. Nach einem Foul an Patrick Herrmann im Strafraum entscheidet Schiedsrichter korrekterweise auf Elfmeter. Fiete Sykora verwandelt eiskalt zur 2:1-Führung, obwohl der gute Timo Ochs die richtige Ecke ahnte. Doch noch ist das Spiel nicht zu Ende. Eine Viertelstunde verteidigen die Kieler noch ihre Führung und haben selbst noch beste Chancen zum Torerfolg zu kommen. Und nach endlos erscheinenden 3 Minuten Nachspielzeit fällt einem mit Schlußpfiff mehr als nur ein Stein vom Herzen.

 

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Die große Erleichterung ist den Gesichtern unserer Spieler abzulesen und mit Verschwinden in die Katakomben ertönt ein lauter, erleichterter Jubel aus deren Kehlen.
Kleine Posse am Rande: Milan Sasic wurde durch ein Fernsehinterview derart aufgehalten, dass sich der Kieler Tross schon Sorgen machte, den Flug zu verpassen.

 

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Nach geschlagenen 20 Minuten Wartezeit konnte die Pressekonferenz endlich starten. Großes Lob des Trainers an die Kieler Fans, die sich auch nach der Negativserie noch auf den langen Weg nach Saarbrücken gemacht haben um die Mannschaft zu unterstützen. Für sie und natürlich auch für die Mannschaft freut sich unser Trainer besonders über den wichtigen Sieg.

Nun gilt es, sich für das letzte Spiel des Jahres zu Hause gegen Hansa Rostock zu rüsten. Sicher erwarten wir keine Wunder, aber mit dem heute gewonnenen Selbstbewusstsein freut man sich trotz des starken Gegners auf das kommende Heimspiel, denn egal ob Sieg oder Niederlage, das schaffen Fans und Mannschaft nur gemeinsam, da hat der Kapitän heute recht gehabt!

Auf den Rängen ist der 1. FCS übrigens sehr viel besser vertreten als in der Pressekonferenz. ;) Während man im Gästeblock an diesem Tag auf gelegentliches spielbezogenes Supporten setzt, ist die Virage Est mit den Boys Saarbrücken trotz der brisanten sportliche Lage stets zu hören und macht auch optisch einen guten Eindruck.

 

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Die Saarbrücker sind dabei deutlich vom nahen Frankreich beeinflusst und pflegen eine enge Freundschaft mit der Szene vom AS Nancy aus der Ligue 2, was die zahlreichen Besuche beweisen, so waren u.a. 120 französische Nachbarn beim Pokalspiel gegen Borussia Dortmund anwesend. Dies erfuhr man unter anderem aus der „Kurvenlage", dem Spieltagsflyer der Heimszene, wo man sich dann auch gleich mit neuesten Exemplaren des Saarbrücker Hoppingzines „Saarboteur" eindecke, welcher auf den ersten Blick sehr gut an die gelungenen Vorausgaben anknüpft.

 

Fazit der Tour: Diesmal haben sich die 1.500 Kilometer wirklich gelohnt!

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
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