Stadion Rote Erde, 30. November 2013, Endstand 1:1

Angesichts einer Feststellung, die sich unterwegs ergibt, kommt man nicht umhin, wieder über die Distanzen der 3. Liga zu sprechen. „Fast schon ein Derby“, bemerkt die heutige Besatzung belustigt. Und tatsächlich scheint die bescheidene Distanz nach Dortmund ein Katzensprung gegenüber den letzten Touren nach Bayern und Baden-Württemberg.

Die Vorfreude auf das altehrwürdige Stadion Rote Erde und die ungebrochene Hoffnung auf einen Dreier zum ersten Advent lässt die knapp 4 ½ Stunden entspannte Fahrtzeit schnell vorbeigehen. Als erstes Highlight erwartet einen die Parksituation vor Ort. „Da durch und dann im Zickzack ums Stadion!“, lautet die Anweisung der Ordnerin. Wenig später findet man sich unmittelbar unterhalb der Ecke zwischen Süd- und Osttribüne des Westfalenstadions wieder. In dieser Liga definitiv einer der besten Parkplätze.

 

 

rote erde

 

Direkt an die Ostribüne der zweimaligen WM-Arena angrenzend befindet sich die Haupttribüne des Stadions Rote Erde. 1926 erbaut, bot sie der Borussia in den Jahren 37 bis 74 eine Heimat. Trotzdem trugen auch weitere Dortmunder Vereine hier sicherheitsrelevante Spiele aus.

 

eroeffnung

 

Das erste große Fußballspiel fand jedoch bereits 1929 statt. Nicht die beheimatete Borussia schoss hier ihre Tore. Gastgeber beim Viertelfinalspiel um die Deutsche Meisterschaft war seinerzeit Erzrivale FC Schalke 04. Es folgte eine bewegte Geschichte mit großen Erfolgen des BVB in den 50er und 60er Jahren vor bis zu 42.000 Zuschauern. Nach Bau des Westfalenstadions 1974 wurde die hölzerne Behelfstribüne durch eine für die Zeit klassische Betonkonstruktion ersetzt und nach Hannover ins Oststadtstadion geschafft. Das Dach alten Tribüne bietet den Anhängern der Arminia Hannover am Bischofshol seit 1976 einen Unterschlupf vor Wind und Wetter.

Neben den Amateurmannschaften Borussias diente die Rote Erde über die Jahre vielen anderen Dortmunder Vereinen wie z. B. der LG Olympia Dortmund (Leichtathletik) und TuS Westfalia Hombruch (Feldhandball) als Wettkampfstätte. Zudem konnte der Hombrucher FV 09 1958 hier das Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft gewinnen. Festes Zuhause wurde der Amateure ist das Stadion seit 1998, vorher kickte man auf dem Mendespielplatz oder im Hoeschpark (Dank an Herrn Zimmer für die Infos).

Im Stadion erwartet einen die gleichnamigen Gaststätte. Wer sich schon immer gefragt hat, wo die urgemütlichen und ehrlichen Vereinskneipe geblieben sind, der kommt hier auf seine Kosten.

 

frika

 

In authentischem Ambiente bekommt man hausgemachte Frikadellen, belegte Brötchen, Knack- und Currywurst serviert. Klarer Sieger vor dem Spiel ist aber die Erbsensuppe vom Metzger. Schmeckt wie bei Muttern.

Nachdem Genuß der gemütlichen Fußballnostalgie, heisst es dann aber, sich wieder der harten Realität auf dem Platz zuzuwenden. Die heutige Mission der Kieler ist klar: 3 Punkte. Nach 11 Spielen ohne Sieg lechzt man nach einem Erfolg. Und auch wenn dank des guten Torverhältnisses ein Abrutschen auf die Abstiegsränge nur theoretisch möglich ist, wäre eine Niederlage ein weiterer herber Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt.

So negativ möchte man zu Beginn des Spiel aber nicht denken. Dass die aktuelle Tabellensituation die tatsächliche Qualität der Mannschaft nicht widerspiegelt dürfte trotz der geringen Punkteausbeute zuletzt nachwievor klar sein. Die Amateure Dortmunds nur 2 Plätze vor den Störchen haben sich zudem bisher auch nicht als unbesiegbar gezeigt.

Dementsprechend sieht man von Beginn an wieder eine Kieler Mannschaft die sich vom Gegner unbeeindruckt zeigt und bereits in den ersten 10 Minuten mehrfach vorm Dortmunder Tor auftaucht. Das Kieler Gehäuse nur einmal ernsthaft in Gefahr, als ein verdeckter Schuss aus zweiter Reihe knapp über die Latte geht.

Auch schnell erkannt: Dortmund verfügt über ein starke Amateursupporterszene. Zuschauerzahlen im fünfstelligen Bereich bilden zwar die Ausnahme, können bei Topspielen aber erreicht werden. Der heutige Zuschauerandrang bleibt auf einem bescheidenen Niveau. 850 Zuschauer sehen sich dieses Duell auf Augenhöhe an. Trotzdem zeigen sich die Dortmunder sangesfreudig und nutzen die gute Akustik unter dem Dach der Haupttribüne. Die rund 250 mitgereisten Kieler, davon ca. 50 auf der Hauptribüne, halten kräftig dagegen.

 

holsteinaway

 

Trotz der noch fehlenden Tore regt das Spielgeschehen auf dem Rasen auch zu guter Stimmung an. Einziger Wermutstropfen bisher, die frühe Auswechslung von Manuel Hartmann in der 20. Minute, der mit muskulären Problemen sicherheitshalber seinen Platz mit dem wieder fitten Rafael Kazior tauscht. Trotzdem bleibt Holstein die spielbestimmende Mannschaft

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit wird das Engagement auch belohnt. Nach einem Abklatscher des Dortmunder Keepers kann Marc Heider aus perfekter Position den Ball eiskalt verwandelt.

 

jubel

 

Ein Jubel voll Erleichterung dringt aus dem Gästeblock. Und für einen kurzen Moment wünscht man sich für den Rest des Spiels eine Ergebnissicherung wie zu Zeiten Peter Vollmanns. Insgesamt geht die erste Halbzeit in Ordnung. Gewohnt stark gehen die Störche ins Spiel und bauen Druck auf. Den Unterschied zu den letzten Spielen macht der wichtige Treffer von Marc Heider aus, der zum Ende der hoffentlich einzigen Schwächephase Balsam für die Kieler Seele ist.

Zu Erwähnen ist auch, dass Ersatzkeeper Jockel Jakusch bei seinem 2. Drittligaspiel seiner Karriere einen soliden Auftritt abliefert und sogar Sonderlob von Fans auf Gastgeberseite für seine Nervenstärke und Souveränität beim Rauslaufen erntet.

Zu Beginn der zweite Hälfte kann Jakusch diesen guten Eindruck halten. Der Dortmunder Nachwuchs drängt jetzt zunehmend auf den Ausgleich. Und versucht mit allen Mitteln, von Zaubern bis Brechstange, an Holsteins Schlussmann vorbei zu kommen.

Leider bleibt Kiel damit streckenweise nur der Weg über die Konter um sich Chancen zu erarbeiten. Dies jedoch weithin erfolglos. Holstein müht sich sehr auf dem schweren Boden der nach 2 Regentagen keine optimale Unterlage für das Spiel bietet. So ist es kein Wunder, dass kurz vor Ende des Spiels die Ansage „Lasst uns auf diesem scheiß Platz diese scheiß Serie beenden!“ über das Feld schallt.

 

duksch

 

Genützt hat es leider wenig. Der Dortmunder Ducksch kommt ohne Gegenwehr Kiels vor das Tor und lupft den Ball unbedrängt über Niklas Jakusch hinweg ins Netz. Zu einer Beurteilung dieses Gegentreffers lässt sich Trainer Neitzel in der Pressekonferenz nicht hinreissen. Er habe zu weit weg gestanden um Jockel das Tor anzukreiden. Jedoch habe dieser Holstein über weite Strecken im Spiel gehalten und für sein zweites Drittligaspiel eine gute Leistung gezeigt.

Zufrieden ist man nach Abpfiff mit diesem Punkt natürlich nicht. Das Ganze fühlt sich sogar fast wie eine Niederlage an. Und so lautet die Devise beim nächsten Heimspiel mit 11 gesunden und erholten Spielern drei Punkte gegen Darmstadt zu holen.

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok