Alpenbauer Sportpark, 25. Oktober 2013, Endstand

 

An dieser Stelle könnte man wieder anfangen über die fanunfreundlichen Ansetzungen des DFB zu lamentieren. Aber lassen wir das. Es ist Freitagabend und Kiel spielt auswärts im Süden der Republik. Genauer gesagt in Bayern. Noch genauer gesagt geht es per Auto, per Bahn oder sogar per Flugzeug in die beschauliche oberbayerische Gemeinde Unterhaching. Und obwohl man es hier südlich von München nur auf ein Zehntel der Einwohnerzahl Kiels bringt und den letzten Teil der Reise per S-Bahn hinter sich bringen muss, befindet man sich nicht im fußballerischen Niemandsland.

 

Flugticket

 

Immerhin wurde hier im Tor zur Alpenwelt in der Saison 1999/2000 und 2001/2002 Bundesligafußball gespielt. In diesem Zuge wurde der einst auf der Ostseite befindliche Graswall durch eine überdachte Sitzplatztribüne errichtet. Das inzwischen 15.001 Zuschauer fassende Stadion ist zwar lange nicht so imposant wie zum Beispiel das Ellenfeldstadion in Neuenkirchen, erinnert in seiner Erscheinung aber ebenso an die damalige Bundesligazeit. Seit dem Abstieg wurde im Stadion lediglich Bestandspflege betrieben. Geld für Modernisierungen fehlt. Da kann man nur hoffen, dass die Glühlampen der hiesigen Anzeigetafel noch etwas durchhalten. Von eingefleischten Unterhachingern erfährt man nämlich, dass es keine Ersatzglühlampen mehr gibt. Im Sportpark ist die Spielvereinigung jedoch erst seit 1992 zu Hause. Vorher spielte der 1925 gegründete Verein im Stadion an der Grünau, das heute noch von den Nachwuchsmannschaften Unterhachings genutzt wird.

 

Rahmenbedingungen wunderbar: Der Süden erwartet die Kieler heute mit Sonnenschein und angenehmen 19°C. Für Ende Oktober ist das schon ziemlich gut. Für den folgenden Samstag werden sogar 22°C avisiert. Das schöne Wetter wird gleich genutzt um den vielleicht letzten Eisbecher des Jahres zu verputzen und sich einen kleinen Eindruck des Ortes zu verschaffen. Einst ein kleines Bauerndorf entwickelte sich der Ort seit den 60er Jahren zu einer klassischen Trabantenstadt vor den Toren Münchens.Trotz der Vielzahl moderner Wohnhäuser und des Fehlens eines historischen Ortskerns macht Unterhaching einen beschaulichen Eindruck und ist nicht mit den Wohnghettos anderer Städte zu vergleichen.

 

Brotzeit

 

Braten

 

Etwas enttäuscht ist man, als man die Räume des bereits im Vorfeld auserkorenen „Wirtshaus Althaching" ebenfalls in einem der modernen Bauten vorfindet. Die Enttäuschung verfliegt aber schnell als man die Speisekarte studiert. Und spätestens als die gewählten Speisen auf dem Tisch stehen ist vergessen, dass man nicht in einer 200 Jahre alten Bauernschänke sitzt. Eine üppige Brotzeitplatte und Schweinebraten in Biersauce, dazu zwei Getränke, darunter ein großes Radler für faire 24 Euro.

Auch wenn es mit gefülltem Magen verlockend wäre sich wieder für einzwei Stündchen in die Waagerechte zu begeben – das Ziel ist der oben bereits erwähnte Sportpark, der relativ dicht bei liegt. Der angeschlossene Bergarten macht einen gemütlichen Eindruck und die Farben Schleswig-Holsteins sind auch hier schon gut vertreten. Insgesamt sind es am Ende wohl um die 200 Kieler unter den rund 2.500 Zuschauern. Wechselgesänge zwischen Gästeblock und Holstein Anhang auf der Haupttribüne, auf der sich eine kleine Sponsorenkolonie niedergelassen hat, klappen jedenfalls wunderbar. Wirklich positiv, dass es an dieser Stelle echtes Miteinander gibt. Alles für die KSV!

 

Licht

 

Holsteinblock

 

Auf dem Feld zeichnet sich relativ schnell ein Duell auf Augenhöhe ab, erste Kopfballchance mit Manuel Hartmann, der an diesem Abend hervorragend aufgelegt ist. Danach kann sich Maxi Riedmüller in seiner Heimat auszeichnen, bei Voglsammers Schuss beweist er beste Reflexe. Und gleich nochmal – der beim FC Bayern München ausgebildete Keeper verhindert diesmal den frühen Rückstand. Beide Mannschaften versuchen immer wieder Offensivakzente zu setzen, wobei wirklich zwingende Chancen auf beiden Seiten bis zur Pause eher Mangelware blieben. Aber immerhin 0:0 zur Pause, also noch weiter alles offen. Und das beflügelt vor allem die Störche, die mit viel Schwung aus der Halbzeit kommen. Holstein mit einer Ecke nach der anderen, nur leider funktioniert „drei Ecken = ein Treffer" heute mal wieder nicht. Und zudem muss man sehen, dass man bei Kontern nicht in Gefahr gerät. Je länger das Spiel dauert, desto weniger lassen beide Innenverteidiger allerdings etwas anbrennen. Riesen Respekt mal wieder für Hauke Wahl.

 

Hauke

 

PatrickGeorge

 


Auf der anderen Seite dann Aufregung in der 65. Minute – Hartmann ist durch und auf dem Weg zum Tor, ehe er von Welzmüller gelegt wird. Nach Ansicht des Schiedsrichters Millimeter vor der Strafraumgrenze und anscheinend keine Notbremse. Zumindest alle Kieler haben das anders gesehen. Beim anschließenden Freistoß springt dann auch wieder nur eine Ecke heraus. Und das ändert sich, um es kurz zu machen, bis zum Schluss auch nicht. Aufgrund der zweiten Hälfte wäre auch in Unterhaching mehr drin gewesen und so wirklich einen Vorwurf kann man keinem Spieler machen. Nur hat mal wieder das Tor gefehlt. „Wenn wir im gegnerischen 16er noch eine Schippe drauflegen, dann klappt es 2013 auf jeden Fall noch mit einem Dreier" lautet das Fazit von Holstein Trainer Karsten Neitzel auf der anschließenden Pressekonferenz – eine Mischung aus Galgenhumor, Ironie und vielleicht auch einem Stück Ratlosigkeit.

 

Neitzel

 

Bier


Für die Spielanalyse geht es für ein paar Kieler wieder zurück ins oben bereits erwähnte Wirtshaus auf ein kleines (oder auch großes) After-Match-Bier. Trotz 850 km Anreise, trotz der inzwischen achten Partie ohne Dreier – alles ist besser als die Provinzliga!

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
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