Niedersachsenstadion/AWD-Arena, 10. Dezember 2012, Endstand 2:3

 

Okay, auch der Schreiber dieser Zeilen hatte sich über die seltsame Verlegung der Regionalligapartie gegen die Zweitvertretung von Hannover 96 in die überdimensionierte Arena an der Stätte des ehemalige Niedersachsenstadions mehr als einmal aufgeregt. Dass dazu noch zum zweiten Mal der Montagabend herhalten musste, rundete das Ärgernis ab, vor allem weil vorauszusehen war, dass die Straßen im Dezember vielleicht nicht so perfekt wären. Würde auf einen Arbeitstag wohl einigen Stress bedeuten. Ein Teil des Ärgers war allerdings verflogen, als der ursprüngliche Spieltag gezwungenermaßen wahlweise im Bett oder auf der Toilette verbracht werden musste. Aus egoistischen Motiven also alles genau richtig abgelaufen. Zwei Tage später schwankte die Stimmung dann zwischen „wieder fit und total motiviert“ und „will ich jetzt bei dem Schneeschauer nach Hannover fahren?“. Wobei sich die Frage des Nicht-Fahrens ja eigentlich nie wirklich stellt... Kollegen können sowas natürlich eher selten nachvollziehen und so erntet man bei der dank Überstundenkontos frühzeitigen Verabschiedung doch eher Unverständnis.

 

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Verstanden fühlt man sich erst dann wirklich wieder, wenn man feststellt, dass trotz glatter Straßen und ungünstigem Termin doch an die 250 Kieler ihr Team auch an diesem Tag supporten.

 

Das sorgt natürlich für einige Nervosität bei der Sicherheit, und so wird am Eingang auch gaaanz genau gefilzt. Ansonsten aber alles ganz friedlich, etwas zu friedlich, denn das Spitzenspiel scheint in Hannover selbst so wirklich niemanden hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorzulocken. Ja, Ofen ist sicher ne feine Sache an diesem Abend, aber wenn Fußball ist, ist eben Fußball.
Wobei der Zustand des Rasens eher an die Brunsbüttler Watt-Olympiade als ein Bundesligastadion erinnert. Aber sei es drum, ist ja kein Vor- oder Nachteil für eins der beiden Teams, denn sowohl die Hausherren, als auch die Gäste versuchen das beste draus zu machen. Hannover drückt gleich zu Beginn mächtig, Holstein mit der aus Pokal und von Bremen II bewährten Nadelstichtaktik und der schwer ausrechenbaren Variabilität in der Offensive. Und so kann als erstes Marc Heider nach 15 Minuten „stechen“, nachdem Krause einen geklärten Ball zurück nach vorne bring, wo Johansen dann dem Torschützen assistieren darf.

 

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Das Highlight einer kämpferisch guten ersten Hälfte, die aber von der zweiten komplett in den Schatten gestellt werden soll.  Wobei auch hier die ersten Minuten ausgeblendet werden können, obwohl auch die unterhaltsam sind. Richtig los geht es aber nach 59. Minuten mit dem Urschrei des Amando – lange Flanke Siedo auf den rechten Pfosten, wo Aust zur Stelle ist und den Ball über die Linie bringt.

 

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Erstmals richtig Party unterm und im Gästeblock. Für einige unbemerkt zudem noch ein Platzverweis für den Hannoveraner Behrens nach einer Tätlichkeit. Der Auftakt zu einer Reihe von unschöneren Szenen, die allerdings den Spielfluss der Kieler insofern stören, als dass Deniz Kadah auch an diesem Tag netzen darf und es plötzlich nur noch 1:2 steht. Kiel fällt es in dieser Phase schwer, dem Spiel den blau-weiß-roten Stempel aufzudrücken. Lattentreffer – gerade nochmal gut gegangen. Aber kurz danach ist es Casper Johansen, der mit einem trockenen Schuss in der 76. Minute die anwesenden Kieler ausflippen lässt.

 

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Und im Gäste-Block ist erstmals ein Danebrog zu sehen. Drei Minuten später kommen die Hannoveraner zwar noch auf 2:3 ran (wer sonst als Kadah...) - zu mehr reicht es an diesem Tag aber zum Glück nicht mehr – der Sieg wird dreckig über die Zeit gebracht (Hannover verabschiedet sich am Ende zu neunt), angefeuert durch die „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufe von den Rängen.

Wie soll es bitte schöner in die Winterpause gehen? Sieg im Spitzenspiel und weiter Tabellenführer mit jetzt drei Punkten Abstand. Holstein auswärts – auch am Montagabend, auch im übelsten Schneetreiben, auch in der überdimensioniertesten Schüssel – einfach nur gut. Alle Bilder in der Galerie.

 
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