Stadion an der Lohmühle, 27. November 2010, Endstand 2:0

 

"It could have been all songs in the street..."

 

choreo

 

Die Stadt Derby liegt in der Grafschaft Derbyshire in Mittelengland, hat 236.300 Einwohner, war eines der Zentren der Industrialisierung Englands und wirbt heutzutage mit dem großartigen Spruch "Derby does it." Doch eine ganz essentielle Sache fehlt der Stadt mit dem prägnanten Namen: ein Derby. Die Vorraussetzungen sind insofern nicht gegeben, als dass sich in der näheren oder weiteren Nachbarschaft kein weiterer oder gar rivalisierender Verein befindet. Kiel hat hingegen nicht nur fast die gleiche Einwohnerzahl, sondern auch noch ein Derby.

Ob die 113. Ausgabe des Aufeinandertreffens mit dem VfB aus der Marzipanstadt allerdings den Namen "Derby" verdient, darüber mag man sich sich im nachhinein streiten. Die Vorraussetzungen waren jedenfalls gut. Vor der Saison die Wechsel von Sachs und Siedo zum jeweiligen Erzfeind, die Tage vorher zittern, ob der Wintereinbruch gar die Austragung gefährden würde (ein Blick in eine Stockelsdorf-Webcam hätte einen freilich beruhigt) und endlich mal wieder ein Sonderzug, der sich voll ausgelastet Richtung Südosten aufmachte. Mission: Farben der Landeshaupstadt vertreten (und nein, die sind nicht pink, auch wenn man dies vermuten konnte ;) ).

 

jarekundrangers

 

Hinfahrt verlief extrem entspannt, nachdem man die Grünen in Kiel auf dem Bahnsteig hinter sich gelassen hatte. So kann es doch auch gehen. Ankunft am Ziel war akustisch gut zu vernehmen und so wurde man auch gleich wieder in Empfang genommen. Vom Lautsprecherwagen gab es dann noch allerlei lustige Ansagen ("Bitte machen sie jetzt unter allen Umständen nicht dies oder jenes..." - vielleicht sollte man es ja mal mit umgekehrter Psychologie versuchen: "Eigentlich macht es nichts, wenn sie sich jetzt hier auf diesem Kreisel hinsetzen..."), Derbymarsch ging aber trotzdem groß, laut und bunt Richtung Lohmühle.

 

marsch

 

Choreo der Kieler auch mehr als respektabel, vor allem wenn man an die Restriktionen denkt, die es im Vorfeld von Seiten des Gastgebers gab. Apropos Gastgeber: Riesendank nochmal an den FB für das "Ja, das sind Kieler." Der Kauf eines neuen Kameraobjektivs wird mich immer an diesen Tag zurückdenken lassen.
Womit wir dann auch schon bei den unschönen Seiten des Tages wären - nein, keine schweren Ausschreitungen, auch wenn die laut eines anwesenden ehemaligen Holsteinspielers (nicht Fuzzi!) eigentlich zu einem richtigen Derby dazugehören würden. Der Platzverweis erfüllte sich ja immerhin noch (77. Minute, Schulz, wiederholtes Foulspiel). Bis dahin gab es aber eher wenig Highlights für den Kieler Anhang zu sehen. In der ersten Halbzeit wurde auf dem gefrorenen Rasen wenigstens noch eine annehmbare Leistung geboten, vor allem zu Beginn machte Holstein durch Heider und Meyer gut Druck auf das Lübecker Tor, doch mehr als ein Lattentreffer sprang aus dieser Druckphase nicht raus.

 

angriffsversuch

 

Nachfolgend wurden die Grün-Weißen stärker (ohne wirklich zwingende Chancen zu haben) und das Spiel insgesamt zerfahrener, woran auch Bibiana Steinhaus ihren Anteil hatte. Spiel beruhigen gut und schön, aber man kann durch andauerndes Zurückpfeifen auch den gesamten Fluss zerstören. Vielleicht waren einige Kieler ja schon mit den Gedanken in der Halbzeitpause, als Siedo einen Freistoß in den Strafraum schlenzte und Marheineke ihn versenkte.
Halbzeit, Currywurst gegessen, auf Besserung gehofft. Doch genau wie gegen Hannover wirkte Holstein nach dem Wechsel kein bisschen frischer oder aggressiver, einzige Torchancen resultierten aus Freistößen. Ansonsten eher Magerkost, die gegen die Kälte nicht so recht helfen wollte.

 

block

 

Hatten in der ersten Hälfte noch Wechselgesänge mit dem kleinen Kieler Block auf der Haupttribüne geklappt, verflachte jetzt auch die Stimmung im Gästeblock komplett, ohne dass sich selbige bei den Heimfans im gleichen Maße gesteigert hätte. Nicht einmal nach der 2:0-Vorentscheidung. Wo der VfB-Trainer ein von "Wille und Leidenschaft" geprägtes Spiel gesehen hat, ist mir persönlich ein Rätsel, da auch die Hansestädter zwar ingesamt cleverer agierten, aber leidenschaftlich? Da konnte sich dann halt auch nichts auf die Ränge übertragen. Derbystimmung? Fehlanzeige! Aber wohl insgesamt das Abbild der derzeitigen Verfassung des schleswig-holsteinischen Fußballs.

 

gefaelltmirnicht

 

Trotzdem bleibt es zu hoffen, dass nicht wieder die positiven Ansätze (und da war man sich ja zum Großteil absolut einig) vom Saisonanfang über den Haufen geworfen, sowohl was die Mannschaft (Trainerwechsel oder Winterpausenpaniktransfers haben Holstein in den letzten Jahren nichts als Unruhe gebracht), als auch was die Fanszene (jeder darf meckern und nach ner Derbyniederlage auch rumheulen, aber man kann auch immer selbst was tun, alte Projekte wiederbeleben und mitanpacken) betrifft. Und die Mannschaft muss bis zur Winterpause kämpfen - und siegen. Für Holstein.

 

Bilder in der Galerie.


 
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