Stadion an der Gellertstraße, 22. Oktober 2010, Endstand 0:2

 

„90 Prozent des Lebens eines Fußballfans bestehen aus Demut, Leiden und Verzweiflung. Aber für die anderen zehn Prozent lohnt es sich, immer wieder zu kommen!“ (Nick Hornby)

 

Erste große Leistung des Tages: Die Abfahrtzeit genau so zu berechnen, dass man exakt pünktlich zum Anstoß im Stadion ist und nicht unnötig viel Zeit in der Chemnitzer Kälte verbringen muss. An sich kann man gerne ca. 8 Stunden einplanen, hoffen, dass man freundliche Staumelder vor sich hat und darf keine Angst haben, über Holperpisten in der sächsischen Pampa zu fahren (Zitat T.S.: "Ich will nicht in Sachsen sterben."). Je näher man an das Ziel kommt, desto mehr ist aber jeglicher Fahrtstress vergessen, man erblickt ein Flutlicht und weiß, dass man sich richtig entscheiden hat.

 

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Bevor man allerdings das Stadion an der Gellertstraße betreten kann, muss man eine schier unüberbrückbare Hürde überwinden.

Diese erscheint nicht in Form von Ticketscannern, sondern für die "normalen" Fans in Form von schwerhörigen Ticketverkauferinen, die sich gerne etwas mehr Zeit nehmen, und für Fanbetreuer in Form von arroganter Security ("Mit wem haben sie gesprochen? - Ach, die hat eh keine Ahnung, die ist dumm."). Die zweite große Leistung des Tages: Beide Hürden können mit unterschiedlichen Strategien (Geduld und Rumdiskutieren) überwunden werden (Danke an die FB und die SKBs von Chemnitz) und so erreicht man endlich den Gästeblock.

 

stadion

 

Erster Eindruck des Stadions ist ein positiver: Reines Fußballstadion für 18700 Zuschauer, die hauptsächlich auf Stehplätzen Platz finden. Zudem eine schicke überdachte Haupttribüne, wo sich dann auch Sitzplätze zu finden sind. Über der Hintertortribüne auf der Chemnitzer Seite befindet sich zudem noch eine "manuelle" Anzeigetafel, was den charmanten Gesamteindruck abrundet.

 

fischbrötchen

 

Noch positiver die kulinarischen Fakten: Wir sind ungefähr 600 km von der Küste weggefahren und was hat der CFC, was die KSV nicht hat? Na klar, Fischbrötchen für 2 Euronen. Und sie scheinen sogar den Fans so gut zu munden, dass sie im Heimbereich zu Beginn der zweiten Hälfte komplett ausverkauft sind. Auch dem fischverwöhnten Kieler Gaumen mag das knusprige Brötchen belegt mit Matjesfilet, Zwiebeln und Gewürzgurke sehr munden. Dazu ein frisches Wernesgrüner im Pfandbecher (das scheint an der Gellertstraße reibungslos zu funktionieren) und man ist als Fischkopp hoch zufrieden. Für die etwas winterlichere Kombi wechsele man das Bier gegen einen heißen und leckeren Glühwein aus und ergänze das weinhaltige Heißgetränk um eine würzige Rauchwurst für 2,50 €. Genau wie der etwas günstigere Roster gibt es die Rauchwurst, dabei handelt es sich um eine grobe, gepökelte und gekochte Wurst (geht so ein bisschen Richtung Kohlwurst) im sättigenden und umweltfreundlichen Brötchen.

 

biiier

 

Auch was das Essen betrifft kann man sich in Chemnitz also sehr wohl fühlen - allerdings seien Außwärtsfahrer vorgewarnt: Von der Rauchwurst kann man respekttabel gut aufstoßen. Im Mix mit einem Matjesbrötchen und kohlensäurehaltigen Getränken verstößt das Gasgemisch eigentlich gegen die Biowaffenkonvention, sollte einem vom Genuss der genannten Produkte aber nicht abhalten. (:

 

zaun

 

Dritte große Leistung: Die Störche ermöglichen es ALLEN Fans, die sich am Morgen in Kiel aufgemacht haben, zwei Auswärtstore zu sehen. Damit wartet man nämlich bis Mitte der Zweiten Halbzeit (als auch die letzten Kieler eingetrudelt sind) nachdem es in der ersten Hälfte vor allem Michael Frech (weltklasse Paraden, was auch CFC-Anhänger anerkennen) und Christian Jürgensen (volles Risiko, voller Einsatz - die Farbe von Jürgies Scheinbein dürfte einen Tag später ein großes Spektrum an Blautönen beinhalten) zu verdanken ist, dass man zur Halbzeitpause ein gerechtes 0:0 erreicht.

Nach dem Seitenwechsel beginnt die KSV dann langsam den Spieß umzudrehen, Abwehraktionen enden nicht irgendwo im Mittelfeld, sondern leiten wunderschöne Angriffe ein, die aber zunächst aus oben genannten Gründen bewusst nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Nachdem sich dann endlich rund 50 bestens gelaunte Holsteiner im Gästeblock versammelt haben, startet Fiete Sykora flankiert von Marc Heider und Jakob Sachs durch, und macht das Tor selbst. Kiel obenauf, aber natürlich heißt es bei 1:0 diese Saison immer noch Zittern - das aber immer mehr abnimmt, weil der CFC an diesem Tag in der Offensive eher nicht seinen kreativen hat. Stattdessen weite Bälle, die von der gut stehenden Kieler Abwehr souverän geklärt werden. Kurz vor Schluss dann die Entscheidung durch Heider - schicker Sololauf. 2:0. Alles gut..

 

jubel

 

Vierte große Leistung also: Endlich belohnt sich das Team mal wieder für eine große Leistung. Und endlich gibt's mal wieder ne Humba. Heidi ziert sich zwar ein wenig, aber Marco Steil springt ein und auf den Zaun. 600 km haben sich voll gelohnt, Porno Spiel, genialer Abend, elektrisches Gefühl und Zitat aus dem Pöbelforum "ein satter Tritt in die Weichteile des Abstiegsgespenstes", das sich hoffentlich wieder ganz schnell von der Förde verabschiedet.

 

Sieges-Impressionen in der Galerie.

 

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P.S.: Kleiner Tipp für Hopper: Auf dem Rückweg nach Kiel sind wir in der Chemnitztalstraße am Stadion vom VfB Fortuna Chemnitz vorbeigekommen. Netter kleiner Ground, der sogar über eine kleine (unüberdachte) Sitzplatztribüne verfügt. Stadiongastro ist vorhanden, Flutlicht und Anzeigetafel auch.

 

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(Quelle: http://www.vfbfortuna.de/)

 

Sportlich ist der Verein kein unbeschriebenes Blatt, von 1978 bis 1990 spielte die BSG Motor "Fritz Heckert" Karl-Marx-Stadt durchgehend in der DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse), danach in der NOFV-Liga und dann von 1991 bis 2002 in der Oberliga. Derzeit spielt der Jugendverein von Michael Ballack in der Landesliga Sachsen. Wenn man also mal sowieso in der Gegend ist, vielleicht mal vorbeischauen.

 
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