2. Mai 2015, Schüco-Arena, Endstand 2:2

 

Mit dem Klassiker der Talking Heads – Road to nowhere, der auf dem Weg nach Bielefeld lief, sind bereits alle Witze zu dem Thema abgefrühstückt...

 

Als im letzten Sommer feststand, dass wir auf die Alm nach Bielefeld dürfen, war die Freude außerordentlich groß. Ein schönes Stadion, dass für viele Kieler sicher auch ein neuer Ground sein dürfte und ein Verein mit bekanntlich gutem Support.

 

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Bereits beim Hinspiel in Kiel kam die Arminia als Tabellenführer an die Förde. Kiel - damals auf Platz 11 - sorgte mit dem Heimsieg für eine kleine Sensation und unter Mithilfe von Wiesbaden, Münster und Erfurt für ein Abrutschen Bielefelds auf Platz vier. Der Verlauf der Saison bis zum Rückspiel ist bekannt. Der DSC hat sich den ersten Platz zurück erobert und bislang verteidigt. Und unsere KSV? Die hat in den letzten 24 Spielen nur eine Niederlage kassiert und steht damit völlig zurecht direkt dahinter auf Platz zwei.

 

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Dass die Störche als Aufstiegskandidat zum absoluten Spitzenspiel auf die Alm reisen würden, damit hatte seinerzeit wohl keiner gerechnet. Doch die Verfolger MSV Duisburg und Stuttgarter Kicker lauern auf ein Ende unserer Serie. Der Abstand nach hinten ist gering. Entsprechend groß ist das Kribbeln in den Tagen vor dem (vermutlich) viertletzten Saisonspiel. Und jeder will es sehen. Bereits vorm Spieltag war die Alm heimseitig ausverkauft und Kiel mit gut 1500 Schlachtenbummlern angekündigt. Somit war eine Gänsehautkulisse vor schlußendlich 24.249 Zuschauern garantiert.

 

 

Bereits drei Tage zuvor konnte der Deutsche Sportclub ausverkauftes Haus im Halbfinale des DFB-Pokals vermelden. Hier verlor man zwar deutlich mit 0:4 gegen den VfL Wolfsburg, doch von Niedergeschlagenheit keine Spur. Die Bielefelder Fans feierten den diesjährigen Pokalschreck, als hätten sie den Titel gewonnen. Dass eine solche Pokalsaison das Vorankommen in der Liga bremsen kann, hat Holstein in der Saison 2011/2012 ja am eigenen Leib erfahren. Zwar hat die Arminia in der Rückrunde die eine oder andere Feder lassen müssen, ein Art "Pokalerschöpfung" ist aber bisher nicht zu erkennen gewesen. Trotzdem hofften die Kieler darauf, einen Punkt entführen zu dürfen.

 

Obwohl es nach mehr klingt, teilen der DSC und die KSV keine große, gemeinsame Tradition. Auf der Alm war die KSV bisher erst einmal und zwar 1979 zu Besuch. Seitdem hat sich das Gesicht des 1926 eröffneten Stadion stark verändert. Noch in den 60er Jahren herrschten abenteuerliche Bedingungen auf der Alm, die erst mit dem ersten großen Ausbau nach dem Aufstieg in die Bundesliga behoben wurden. Im Laufe der Jahre wurde das Stadion der 1905 gegründeten Arminia immer wieder um- bzw. ausgebaut. Nachdem in den Jahren von 1996 bis 1999 die Nord-, West- und Südtribüne erneuert wurden folgte von 2006 bis 2008 der letzte große Schritt mit der Errichtung der neuen Osttribüne.

 

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Der Ausbau wurde immer wieder von anhaltenden Konflikten rund um den Lärmschutz begleitet. Denn das Stadion liegt inmitten eines Wohngebietes. Eingebettet zwischen Häusern, einer Schule und Kleingärten wird hier dem Fußball gefröhnt. Teilweise scheinen sich die Anwohner jedoch mit dem großen, lauten Nachbarn abgefunden zu haben. Die Kleingärtner im Bereich des Gästeeinganges ließen sich zumindest nicht beim Grillen in der warmen Frühlingssonne von den anreisenden Kielern stören.

 

Beste Stimmung herrschte auch innerhalb des Stadions. Bereits vor Anpfiff leisteten sich die Fans beider Lager erste Gesangsduelle, die immerhin nicht durchweg an den Gastgeber gingen. Großes Kino und Sonnenschein zum Anpfiff. Und auch auf dem Platz brauchte keiner der Akteure eine Aufwärmphase. Insbesondere unsere Störche gaben vom Punkt an Gas. So sehr sogar, dass der Gästeblock bereits der in 3. Minute kollektiv ausrasten konnte. Nach einer schönen Flanke von Kohlmann konnte Tim Siedschlag unbedrängt zu Führung einschieben.

 

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Doch die Freude währte nicht lange. Nachdem Kapitän Kazior in der 9. Minute im Strafraum die Hand zu Hilfe nahm, zeigte Schiedsrichter Sascha Stegemann zurecht auf den Elfmeterpunkt. Und dass die Bielefelder Elfmeter schießen können, haben sie bereits im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen die Borussia Mönchengladbach unter Beweis gestellt. Besonders ärgerlich dabei: Mit der zehnten gelben Karte fehlt Rafael Kazior im kommenden Heimspiel gegen Köln.

 

So stand es in der 10. Minute bereits 1:1. Also alles auf Anfang. Holstein kämpfte um jeden Meter. Und obwohl die individuelle Qualität auf Seiten der Gastgeber etwas überwog, konnten unsere Störche mithalten. So schmerzte es besonders, dass in der 31. Minute der Führungstreffer für die Arminia unglücklich fiel. Bielefelds Goalgetter Fabian Klos konnte nach einem lang geschlagenem Freistoß freistehend ins lange Eck einköpfen. Das Kieler Spiel danach weiterhin engagiert aber ohne zählbaren Erfolg.

 

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Die zweite Hälfte war geprägt von vielen Zweikämpfen. Holstein konnte offensiv zwar Akzente setzen, aber keine zwingenden Abschlüsse herbeiführen. Bielefelds Klos, der mit jedem Ballkontakt kleine Herzkasper bei dem Kieler Anhang verursacht, rieb sich auf. In der 76. Minute musste er ohne weiteres Tor vom Rasen. Dafür auf Seiten der Kieler ein eher ungewöhnlicher Wechsel. Fünf Minuten vor Schluss Kam Marcel Gebers für Marlon Krause. Eigentlich als Mann der Defensive bekannt, durfte er in dieser Partie die Offensive beleben. Insgesamt hatte mal das Gefühl, dass Kiel am Ende wieder einmal etwas mehr Luft hatte als der Gegner. Ob es an Bielefelds zusätzlicher Belastung unter der Woche lag? Am Ende egal. Denn als schon keiner mehr damit rechnete, konnte Holstein doch tatsächlich die Niederlage abwenden. Der schon oft als Joker gut funktionierende Patrick Breitkreuz bekam den Ball nochmal vor die Füße und konnte in der 90. Minute aus sieben Metern zum verdienten Ausgleich einschieben.

 

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Großer Jubel, ja kollektives Ausrasten bei den Gästen. Zwei Minuten ließ der Schiri noch nachspielen. Dann war Schluß. Die Arminia, die bei einer Niederlage Duisburgs am Sonntag schon den Aufstieg hätten feiern können, nicht wirklich enttäuscht. Die Störche im Freudentaumel. Das Team bekam gar nicht genug vom Feiern mit den Fans.

 

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Selbst als schon fast alle in den Katakomben des Stadions verschwunden waren, hüpfte ein gut gelaunter Tim Siedschlag über den Rasen und freute sich mit dem Gästeblock der gar nicht aufhören wollte zu jubeln, über sein Kopfballtor. Am Ende gab es noch ein Riesenlob von Trainer Karsten Neitzel in Richtung der Fans. Im Namen der Mannschaft bedankte er sich für die "für Kieler Verhältnisse Invasion" in Bielefeld und betonte nochmal, wie wichtig diese großartige Unterstützung auch für den Rest der Saison sein wird.

 

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Insgesamt musste sich die Kieler Anhängerschaft heute nicht im Geringsten verstecken. Das bestätigten auch einige Bielefelder Stimmen, die den Kielern den bisher besten Gästesupport der Saison bescheinigten.

 

Noch auf der Hinfahrt wurde darüber sinniert, dass einige Anhänger von anderen Vereinen aus purer Unwissenheit Kiel die Eignung als Fußballstandort absprechen. Spätestens nach dem Auftritt auf der Alm dürfte Fußballdeutschland ein ganz anderes Bild von uns haben. Und genau das wollen wir den Rest der Saison auch weiter auf den Rängen sehen. Als nächstes haben wir die Möglichkeit dazu am kommenden Samstag, wenn wir vor hoffentlich (heimseitig) ausverkaufter Kulisse unsere Serie fortsetzen. Diesmal natürlich mit einem Dreier. Es gibt keine Ausreden, am Samstag nicht gegen die Fortuna ins Stadion zu kommen. Also Arsch hoch und die KSV in Liga 2 brüllen!

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
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