Und Deckel drauf...

 

6. Juni 2011 - Es ist mal wieder Montag, es ist übelst schwül und die Lust zu arbeiten, hält sich, wie so häufig an solch einem Tag in Grenzen. Trotzdem gibt es etwas, das einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Und das ist mein Verein.

 

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Und das nur 13 Monate nachdem die VfB-Fahne im Mittelkreis des Holsteinstadions und eine inakzeptable Leistung die "Krönung" einer Grottensaison bedeuteten. Für viele der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. "Neuanfang" - diese eigentlich mutige Maßnahme hatte sich bei Holstein in den letzten Jahren auch mehr als abgenutzt, war es doch immer wieder nur bei einem Austauschen von Spielern geblieben. Ingesamt schwankte die Stimmung im Frühsommer 2010, egal wen man fragte, irgendwo zwischen genervt und gefrustet.


Positive Signale aus der Mannschaft

"Es bringt wieder richtig Spaß - mit jungen, hungrigen Spielern.", die Aussage von Christian Jürgensen während der ersten Trainingswoche. Solche Worte machten Hoffnung, aber trotzdem blieben die meisten noch skeptisch. Kaum Vorschusslorbeeren für den neuen Trainer und das neue Gesicht der Mannschaft. Aber das Gesicht war immerhin schon mal ein junges, ein sympatisches Gesicht. Außerdem war es zum ersten Mal seit langer Zeit ein wirklicher Umbruch ohne Ex-Profis, die ihren Karriereabend gerne kickenderweise an der Förde verbringen wollten und keine "Hau-ruck-Aktion".

 

 

neue

 

Doch fehlten jetzt plötzlich einigen Anhängern die alten Leistungsträger, die "Korsettstangen" für das Team: kein Peter Schyrba, kein Sven Boy und vor allem kein Dmitrijus Guscinas. Die "Guschi, Guschi"-Rufe bei schlechten Aktionen waren damit eigentlich schon vorprogrammiert und nervten bereits unausgesprochen. Torsten Gutzeits Bitte gleich zu Beginn der Saison: "Gebt den Jungs Zeit. Es wird auch Niederlagen geben." Dafür musste man natürlich kein Prophet sein, trotzdem wichtige Worte, auch wenn es zum Auftakt zunächst gut los ging. Heimspiel in Hamburg, 8. August 2010 - Erster Spieltag der Aufbausaison und gleich drei Punkte eingefahren. Vielleicht etwas glücklich, aber auf jeden Fall gut für die Moral der Truppe und vielleicht auch ein kleines bisschen Werbung für das erste Heimspiel.

Neuanfang bei den Fans?

21. August 2010 - "AUF IN GUTE ZEITEN" - das Motto der Choreo von der West, hoffentlich auch das für Holsteins Zukunft.

 

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Auf dem Feld konnten die Neuzugänge überzeugen, aber vor allem gewann man den Eindruck, dass der Egoismus, der zum Ende der letzten Saison ziemlich deutlich war, aus dem Team verschwunden zu sein schien. Allerdings kassierte man gegen schwache Wilhelmshavener plötzlich das 2:2. Und es ging genau weiter wie letzte Saison. Ach echt? Frech sollte auswechselt werden. Ach echt? Siedo, Boy und Guschi musste  man zurückholen. Ach echt? Holstein muss halt immer 90 Minuten dominieren. Ach wirklich? Wenn man dies nicht so sah, wurde man als "Spinner", der "abhauen soll" bepöbelt, und fragte sich: Wo bleibt eigentlich der Neuanfang beim Publikum? Teilweise unerträgliches Genörgle, vor allem, wenn man eine Minute später das Team bejubelt, weil gerade das 3:2 gefallen ist. Was für eine Scheinheiligkeit. Zumindest waren solche Nasen wenigstens auswärts nicht dabei. Und über die Saison merkten die Spieler, wo sie sich bedanken müssen.

Durchwachsene Hinrunde


Weiter ging es in Oberneuland - eine Tour die für große Teile im Stau endete - der Rest durfte Ailton anschauen, bewundern aber die Störche, die ein 0:2 in einen 3:2-Sieg drehten, und Francky, der sich aufm Zaun unsterblich machte. Also 3 Siege zum Auftakt in der Tasche und der Aufstiegsfavorit zu Gast an der Förde - das bedeutete Zuschauerrekord.

 

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Legendäre Choreo, großer Kampf, leider nur 1:2. Aber: Lieber mit einer Mannschaft verlieren, die so leidenschaftlich kämpft, als mit einem so arrogant auftretenden Kunstprodukt gewinnen. Leider war das RB-Spiel der Beginn einer Durststrecke, zumindest, wenn man nur auf die Ergebnisse schaut: 1:1 in Wolfsburg (leidenschaftlich erkämpft), 1:3 gegen Plauen (nach gutem Start selbst vermasselt), 2:2 in Berlin gegen Hertha II (suboptimale Punkteausbeute trotz guter Leistung),

 

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0:1 gegen Cottbus II (okay, das wohl mit das schlechteste Spiel der Saison), 1:2 in Meuselwitz. Für einige war das Projekt Neuanfang inzwischen schon gescheitert, trennte die Störche doch nur ein Punkt von den Abstiegsrängen. "Gutzeit raus"-Rufe von der Vortribüne und sogar Befürworter der Entwicklung kamen ins Grübeln, als dann ausgerechnet beim bis dahin ungeschlagenen Chemnitzer FC ein grandioses 2:0 gelang. Ein Spiel auf welches das Nick Hornby Zitat: „90 Prozent des Lebens eines Fußballfans bestehen aus Demut, Leiden und Verzweiflung. Aber für die anderen zehn Prozent lohnt es sich, immer wieder zu kommen!" unglaublich gut passte. Nicht nur wegen Jügies Rettungsaktion in der ersten Hälfte, bei der er sich am Pfosten fast das Bein zertrümmert, respektable kämpferische Leistung der Mannschaft und auch respektabel, dass sich immerhin noch 50 Kieler trotz des Tabellenstands an einem Freitag quer durch den Osten auf den Weg zum Spiel machten.

 

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Nachfolgend Torfestivals gegen Havelse und Braunschweig II und Grottenspiele gegen Türkiyemspor und Hannover II. Stand noch ein Spiel an: das Derby! Sonderzug, ein blau-weiß-rotes Fahnenmeer im Gästeblock, nur mit dem Sieg sollte es 2010 nichts werden. 0:2 gegen den Erzrivalen und das in einem höchst mittelmäßigem Spiel.

 

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Zum Glück kam die Winterpause und zum noch größeren Glück diesmal keine Panikreaktionen von Seiten des Vereins


Solide Rückrunde


12. Februar 2011: Wow, ein Heimspiel - zum Glück kein richtungsweisendes, denn das zähe 1:1 gegen Oberneuland, die schon kurz nach Anpfiff netzten, machte in der ersten Hälfte wenig Hoffnung auf einen positiven weiteren Saisonverlauf. Immerhin konnte Holstein direkt nach Wiederanpiff ausgleichen und spielte eine passable zweite Hälfte. Was ein Wochenende später folgen sollte, war die große Marc Heider Show beim Auswärtsauftritt gegen Rasenball. Drei eigene Treffer und zwei Vorlagen bedeuteten eine Demütigung für den Retortenverein und das zweite, wirkliche Saisonhighlight nach dem erkämpften Sieg in Chemnitz. Auswärtsfahrer wurden diese Saison gerne mal verwöhnt, allerdings nicht in Plauen (ärgerliche 0:2-Niederlage, wenigstens schmeckte das Sternquell) und nicht in Wilhelmshaven, wo die Partie torlos endete. Gleich fünfmal jubeln durfte man dann gegen Herthas Zwote.

 

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Gegen Hamburgs Zweitvertretung gab es unter der Woche dann wieder nur ein mageres 0:0, worauf ein 1:0-Auswärtssieg in Cottbus folgte.
Ein hartes Stück Arbeit sollte auch das Pokalhalbfinale bei der FT Eider in Büdelsdorf werden. Fuzzi gelang es mit Glanzparaden, den eigenen Kasten 116. Minuten lang sauber zu halten, ehe uns Fischi ins Finale nach Lübeck schoss. Die Saison sollte also ihr großes Finale bekommen.

 

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Ultràgeil! Im Nachholspiel gegen Magdeburg gab es dann die letzte Saisonniederlage, die wirklich schmerzte, es sollten ein Sieg gegen Meuselwitz, ein gutes Unentschieden gegen Wolfsburg II und ein 3:0-Sieg gegen Halle folgen. Und der emotionale Höhepunkt der Saison, als Tim Wulff im ersten Spiel nach seiner schweren Verletzung nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung netzte.

 

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Da ging es fast ein bisschen unter, dass auch bei Jaroslaw Lindner der Knoten endlich platzte. Gegen den späteren Meister und Aufsteiger aus Chemnitz war das Team dann vielleicht noch etwas zu grün hinter den Ohren, denn trotz guter Leistung und mehr Ballbesitz stand es am Ende 0:2. Diese Saison sicher zu verschmerzen, da man in den folgenden Spielen auch wieder Erfolge feiern durfte: 1:0-Arbeitssieg auf dem Acker von Havelse, 8:0-Gala gegen ein auseinanderfallendes Türkiyemspor, das kuriose 2:5-Elmeterfestival in Braunschweig, sowie der 3:1-Sieg im strömenden Regen gegen Hannover II.

 

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Die Siegesserie endete ausgerechnet gegen die Grün-Weißen von der Trave, nachdem es so gut angefangen hatte und die 2:0-Halbzeitführung Hoffnung auf ein Ausrufezeichen vor dem dritten und wichtigsten Derby machte. Am Ende reichte es nur für ein 2:2 - Entscheidung über die Nummer eins im Land also um 2 Wochen vertagt. Das zwischen den beiden Derbys liegende Auswärtsspiel in Magdeburg wurde (fast erwartungsgemäß) verloren.

 

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Saisonziel in der Liga mit Platz sechs knapp verpasst, aber es gab ja noch den Landespokal.


Das "Grande Finale"

3. Juni 2011 - Mit gemischten Gefühlen ging es diesmal nach Lübeck, dem vermeintlich neutralen Finalspielort. Insgesamt konnte man jedenfalls schon vor dem Spiel gravierende Mängel im Sicherheitskonzept feststellen, aber sei es drum. Auf jeden Fall konnte man spüren, dass es diesmal um sehr viel ging und dass Derbystimmung auf beiden Seiten in vollem Maß vorhanden war. Für viele Holsteinanhänger ging es neben Derbysieg und DFB-Pokaleinzug auch um die Frage: Sollte die Mannschaft das Vertrauen rechtfertigen, dass man seit Saisonbeginn in sie gesetzt hatte?

 

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Oder sollte man sich doch getäuscht haben und das Finale in einem ähnlichen Desaster enden wie das letzte? Jedenfalls war die Zeit für Reden abgelaufen und Taten mussten und Taten sollten folgen. Holstein wirkte entschlossener, aggressiver und vor allem mutiger als der VfB. Jürgie per wunderschönem Freistoß zum 1:0 (35. Minute) und dann Gebers mit Eigentor zum 2:0 (67.Minute) und nach schöner Vorarbeit von Fiete Sykora Lindner zum 3:0 in der 79. Minute.

 

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Damit war nicht weniger als der schönste Abend seit dem 3.-Liga-Aufstieg perfekt und endlich wirkten Fans, Spieler und auch diejenigen, die das Projekt zu Beginn der Saison angeschoben haben, wie eine Einheit.

Juni 2011 - Diesmal geht es erwartungsfroh in die Sommerpause, denn der Grundstein für eine positive, neue Saison ist gelegt. Und hoffentlich gibt es in der schon in der Hinrunde wichtigere Themen als Ticketscanner und ähnliches. ;)

 
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