Stadion der Freundschaft, 19. März 2011, Endstand 0:1

"Ein Fluch ist ein Spruch (...), der ursprünglich auf ritualisierte Weise einer Person oder einem Ort Unheil bringen soll. (...)"
(Quelle: www.wikipedia.de)

Und das gibt es natürlich auch im Fußball. Bestimmte Gegner können nicht besiegt werden, in Wettbewerben gibt es eine magische Grenze (z.B. Viertelfinale) die nicht überschritten werden kann oder manchmal gibt es einfach Negativserien, deren Ursprung man in bestimmten, anwesenden Faktoren sehen will.

Drehen wir mal kurz die Zeit zurück auf Anfang der Saison. Auswärtsspiel in Norderstedt bei den Amateuren des HSV. Wir gewinnen, ich bin dabei. Nächstes Auswärtsspiel; während meine Autocrew und ich im Stau auf der A7 verenden, legt Holstein in Oberneuland ein heißes, erfolgreiches Tänzchen aufs Parkett. Und damit sollte meine Negativserie starten. In Wolfsburg konnte ich weningstens noch einem zähes 1:1 beiwohnen. Ab da war es eine einfach Rechnung. War die Fanbeauftragte dabei, konnte Holstein kein Land gewinnen, war ich mal nicht mit an Bord, holte Holstein Punkte und sogar unerwartete Siege. Deshalb war für mich nach Plauen eigentlich Schluß. Der Mannschaft zuliebe wollte ich zugunsten von Punkten auf die letzten Auswärtsfahrten verzichten.

Aber einer glaubte an mich. Vielleicht war er sich der Gefahr, in die er seine Teamkameraden hätte bringen können, nicht bewußt, aber der junge Mann, der hier unerwähnt bleiben soll, bestand darauf, mich in Cottbus sehen zu wollen.

 

Cottbus

 

Also Cottbus Sektion Nord mit ins Auto geladen und zu dritt in die Lausitz. Dort angekommen Presseleibchen für den CCK-Knisper und Freikarten für einige der weit Angereisten entgegengenommen und nach seeeehr ausführlicher Kontrolle des Brandenburgischen Sicherheitspersonals ab in den Gästebreich.

 

Zaunfahnen

 

Pluspunkt dennoch an einige der Ordner, denn soviel engagierte Hilfe beim Anbringen der Zaunfahnen im nebenanliegenden Block wie in Cottbus, erlebt man auch nicht überall. Weiteres positives Merkmal im Stadion der Freundschaft: Der Gästebereich verfügt über ein Capo-Podest, dass sich manche Fans so auch im Heimbereich wünschen würden. Dieses sollte heute zwar nicht zum Einsatz kommen, dennoch kann sich der Kieler Mob mit ansehnlicher Auswärtschoreo und lautem, durchgängigen Support sehen lassen. Dazu eine gute, von einem halbthüringer Profigriller zubereitete Bratwurst und strahlender Sonnenschein. Fußballherz, was willst Du mehr?

 

Choreo

Mob

 

Stimmt, da war ja noch was. Punkte, möglichst drei. Das mancherorts geschundene Holsteinherz lechzte nach Kontinuiät und vor allem nach einem Auswärtssieg.  Verlegen beobachtete ich das Geschehen auf dem Rasen. Zu sehen gab es Chancen auf beiden Seiten und in so mancher Situation konnte man sich für das gute Händchen unseres Keepers, dass sich wacker gegen meinen Auswärtsfluch stemmte, bedanken. Kein hochklassiges Spiel, aber mit starkem Willen und etwas Glück (der Tüchtigen) sollten wir nach knapp 70 Minuten tatsächlich in Führung gehen. Nach einem Assist von Sykora verwandelte Marc Heider eiskalt. Die allgemeine Freude war groß, jubeln wollte ich aber erst nach Abpfiff.

 

Abwehr

Toooooooor

 

Den erlebte ich direkt an der Auswechselbank. Tatsächlich 1:0 ! Mein erster Auswärtssieg seit 7 Monaten und 11 Tagen. Dazu eine Serie von 4 Spielen ohne Niederlage und Gegentor.
Der Mannschaft in Richtung Gästeblock hinterher, trottete ich über den Rasen, wie seinerzeit der Kaiser nach dem gewonnen WM-Finale. Vielleicht kein passender Vergleich, aber wer so einen Fluch überwindet, darf schon mal übertreiben. ;)

 

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Humba

 

P.S.: Von dieser Stelle nochmals herzliche Grüße an das Team vom hervorragenden "Amateure Supporter". Und auch an die Geschäfts- und Pressestelle des FC Energie für die Unterstützung.

 

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P.P.S.: Allen, die mal länger in der Gegend sind, seien noch zwei weitere Stadien empfohlen. Auf das eine der beiden wird man bei Amateurspielen per Transpi hingewiesen - das Stadion der Eisenbahner, liebevoll auch Loki genannt oder offiziell Stadion am Südeck in der Lipezker Straße (womit auch schon die Straße geklärt ist, an der man das Loki finden kann). Als letztes durften hier zu Oberligazeiten die Amas von Energie antreten und rein von der Kapazität her macht das auch sehr viel Sinn, allerdings sind von den Regionalligaauflagen im Loki nur sehr wenige erfüllt.

 

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Ein Gästekäfig ist vorhanden, auch wenn dieser teilweise etwas runtergerockt aussieht, ansonsten kann man noch einige (unüberdachte) Sitzplätze, sowie einen Sprecherturm mit integrierter Anzeigetafel finden. Dass die Energie-Anhänger zum Loki eine besondere Liebe hegen, liegt übrigens unter anderem daran, dass die BSG Aktivist Brieske-Ost nach ihrer Delegierung nach Cottbus hier zunächst unter dem Namen SC Cottbus und dann später als BSG Energie Cottbus ihre Heimspiele austrug, bis man Ende der 70er ins Stadion der Freundschaft wechselte.

Noch ein wenig charmanter als das Loki kommt (meinem persönlichen Empfinden nach) das Stadion am Stadtring daher - Heimspielstätte des BSV Cottbus-Ost (dem Nachfolgeverein der beiden Vereine FV Brandenburg Cottbus und des ehemaligen DDR-Ligisten Fortschritt Cottbus). Hier finden bis 4000 Zuschauer Platz, wahlweise auf den Stehtraversen oder auf den ebenfalls unüberdachten Sitzplätzen.

 

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Highlight ist der Sprecherturm/Eingangsbereich, alleine der Spruch ist schon mehr als kultverdächtig.

 

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Ansonsten macht die Anlage einen sehr schönen und gepflegten Eindruck. Sollte man unbedingt mal kreuzen - mehr Infos zum Verein gibt es hier.

 

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Und wenn man schon mal da ist, kann man auch paar Meter weiter "Energie" tanken. Für uns ging es nach diesem Extraprogramm ab nach Schwerin.

 

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Bilder sind  in der Galerie.

 
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