Rudolf-Harbig-Stadion/DDV-Stadion, 14. April 2018, Endstand 0:4

 

Statt wie ursprünglich geplant am Sonnabendmorgen ging es spontan schon am Freitagnachmittag gen Osten. Denn erstens fanden wir, dass Aufstehen um acht in Berlin verlockender klang, als Aufstehen um vier in Kiel (wobei das nur mit der Zeit und nichts mit dem Ort zu tun hat) und zweitens lockte in Malchow ein schnuckeliger Oberligaground, der sich nicht nur aus kulinarischer Sicht als kleines Juwel herausstellte. Dazu an anderer Stelle mehr.

 

Ausgeschlafen wurde das letzte Teilstück Richtung Elbflorenz in Angriff genommen. Bei strahlendem Sonnenschein ging es (allerdings inkognito) noch auf ein Radler in die Torwirtschaft. Unmittelbar gegenüber vom Stadion und am Eingang zum „Großen Garten“ lud der angeschlossene Biergarten bei dem Wetter natürlich viele Stadionbesucher zum Verweilen ein.

 

Aber auf der anderen Straßenseite fand ja noch ein Fußballspiel statt. Und mal wieder war Holstein zu einem besonderen Zeitpunkt zu Gast (2009 waren die Störche eine Woche vorm offiziellen Eröffnungsspiel die ersten Gäste im fertigen Neubau.). Dieses Mal war es der 65. Geburtstag der SGD, der gefeiert wurde. Im Vorprogramm sollte Dresdens einstigen Kultspieler Ulf Kirsten zunächst eine große Ehre zu Teil werden, denn er wurde zum Ehrenspielführer Dynamos ernannt und reiht sich damit in Namen wie Hans-Jürgen Dörner und Eduard Geyer ein.

 

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Kurz vor Spielbeginn gab es für das Heimpublikum eine kurze Einführung in die geplante Geburtstagschoreo. Auf Westtribüne und K-Block wurden Pappen in schwarz und gelb im Wechsel mit weißen und weinroten Pappen hochgehalten. Dazu zierten das Vereins- und das Stadtwappen sowie ein überdimensionaler Jubiläumswimpel die Tribünen. Das Spiel war bereits in vollem Gange, also die Pappen auf Kommando zusammengeknüllt und in Richtung Umlauf geworden wurden. Dabei wäre beinahe das erste Highlight des Spiels untergegangen.

 

Nach gerade einmal vier Minuten zeigte Schiedsrichter Felix Zwayer, der am Donnerstag zuvor noch Europa League in Moskau gepfiffen hatte, auf den Punkt, nachdem Weilandt Horvath im Strafraum zu Boden gebracht hatte. Doch Kenneth Kronholm war trotz des Dresdner Ehrentags nicht gekommen, um Geschenke zu verteilen und parierte den von Koné geschossenen Strafstoß. Es blieb beim 0:0. Positiver Nebeneffekt war eine danach hellwache Defensive aus Kiel, die, obwohl durch die Dresdner Angriffe durchaus ordentlich beschäftigt, alles relativ gut im Griff behielt.

 

In der ersten Hälfte entwickelte sich für die 29.035 Zuschauer eine spannende Partie, die aber zumindest aus Holsteiner Sicht arm an Chancen war. Besonders die Atmosphäre, sicherlich zusätzlich durch Sonnenschein und Geburtstagsstimmung gesteigert, zeigte mal wieder, warum es so viel Spaß macht, durch die 2. Bundesliga zu reisen. Die schwarz-gelbe Wand präsentierte sich gewohnt lautstark. Naturgemäß war es für den mit rund 600 Kielern besetzte Gästeblock schwer, sich da akustisch durchzusetzen. Aber man blieb nicht ungehört und so waren die Rahmenbedingungen bestens.

 

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Bis zur Halbzeitpause machte Dynamo es den Störchen nicht leicht, konnte aber keine der wenigen Chancen verwerten. Dafür jubelte der Gästeblock. Denn nach einem Foul Heises an Drexler zeigt Felix Zwayer diesmal zugunsten Holstein auf den Punkt und Schindler verwandelte eiskalt zur Führung.

 

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Die gute Stimmung setzte sich zunächst auch in der zweiten Hälfte, die ein eigenes Intro in Form von Geburtstagswimpel und Pyrotechnik bekam, fort. Auf dem Rasen wurde der Ton rauer, das Spiel deutlich kampfbetonter, Dynamo beschäftigte die Holsteinabwehr weiterhin gut. Doch war es in der 66. Minute wieder der Gästeblock, der jubeln durfte. Assist Herrmann, Tor Ducksch. Damit hatte zu diesem Zeitpunkt keiner gerechnet. Doch sich aufgeben gehört gewiss nicht zu den Eigenschaften der Gastgeber und so wurde weiter darum gekämpft, wenigstens einen Punkt zum Vereinsjubiläum zu erarbeiten. Das Team um den Unparteiischen bekam mehr und mehr zu tun und konnte dabei besonders den Vorstellungen des Heimpublikums nicht gerecht werden. Das quittierte die eine oder andere Entscheidung des Offiziellen mit gellenden Pfiffen, die so manche Ohren schmerzen ließ.

 

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Doch alle Mühe wurde nicht belohnt. Holstein legte eine gnadenlose Effizienz an den Tag. In der 86. Minute setzte Lewerenz zu einem Konter an, passte den Ball an Drexler, der ihn wiederum Mühling überließ. 3:0 – im Gästeblock wurde sich angesichts der ungewohnt guten Chancenverwertung die Augen gerieben. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit bekam Dominik Schmidt noch einen kleidsamen Kopfverband verpasst, da ein Zweikampf schmerzhafte und vor allem blutige Spuren am Kopf hinterließ. Das Heimpublikum indes trat vereinzelt schon den Heimweg an. Dass viele von Ihnen noch ein weiteres Tor verpassten, hat sie dann wohlauch nicht mehr gestört. Nur wenige Sekunden vor Abpfiff der Nachspielzeit erhöhte Ducksch noch auf 4:0 aus Kieler Sicht und ist damit sicherlich Partycrasher Nummer 1.

 

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Nicht aber für die aus Kiel mitgereisten Fans. Die feierten ausgelassen ihre an diesem Tag hocheffiziente Mannschaft. Der Sieg mag am Ende vielleicht etwas zu hoch ausgefallen sein, hatte sich Dynamo doch letztenende ganz und gar nicht als Fallobst bewiesen, aber über drei Punkte mochte sich der Kieler natürlich auch nicht beschweren und fuhr mit einem dicken Grinsen nach Hause.

 

Bevor CCK die Heimreise antrat, wurde es noch etwas märchenhafter, als die Saison es schon ist. Unweit von Dresden befindet sich das Schloss Moritzburg, das einst als Kulisse für den Weihnachtsklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ diente. Bei weiterhin warmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein machte der Abstecher zusammen mit ein paar einheimischen Spezialitäten ein paar Kilometer weiter, den Tag fast schon zu einem unterhalt- und erholsamen Urlaubstag.

 

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(Würzfleisch - sieht etwas seltsam aus, ist aber lecker - außerdem überbacken und nicht vegan :D )

 

Ernst wird es erst in neun Tagen wieder, wenn Holstein in seinem ersten Zweitliga-Montagsspiel zu Hause gegen den Zweitplatzierten 1. FC Nürnberg antritt. Immer noch kaum zu glauben, aber immer noch voll wahr.

 

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