Millerntor-Stadion, 25. Februar 2018, Endstand 3:2


In Ermangelung anderer, klassischer Derbygegner (der HSV kommt ja erst nächste Saison und die Travestädter sind bekanntlich sehr weit weg von unserer Liga) war der Durst nach einem emotionalen Duell zuletzt sehr groß. Denn auch die Begegnungen mit dem FC Hansa in der 3. Liga befriedigten diesen Wunsch nicht in Gänze. Mit dem FC St. Pauli traf die KSV im Rückspiel immerhin auf einen Gegner, der in der über 100-jährigen Geschichte immer wieder den Weg der Störche kreuzte. Und angesichts der Ereignisse rund um das Hinspiel hatte die Begegnung in Hamburg eine besondere Brisanz, die natürlich auch Sicherheitskräfte auf den Plan rief. Besonders der gemeinsame Treffpunkt aller Kieler auf dem Hans-Albers-Platz, zwar im Herzen des Kiez' aber schon Territorium des anderen Vereins aus der Hansestadt mochte den einen oder anderen im Vorfeld nervös werden lassen.

 

Wasserwerfer

 

Marsch

 

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Bullen

 

Doch die Sorge war unbegründet. Rund 650 Kieler marschierten vom Treffpunkt friedlich über die Reeperbahn bis zum Gästeblock des Millerntor-Stadions. Und auch wenn der alte, rotte Charme des einstigen Stadions, welches 1963 eingeweiht wurde, auch zu einem Teil der Identifikation der Gastgeber beigetragen hat, so ist auch der moderne, teilweise fast schon englisch anmutende Bau von individuellen Elementen geprägt und passt sich dem Image des Kiezklubs an. Vermutlich einmalig ist auch die Galerie im Umlauf der Haupt- und Südtribüne. Die Wände werden regelmäßig von unterschiedlichen Künstler gestaltet. Mal mit lustigen, mal mit zum Denken anregenden Motiven. Aber immer bunt und kreativ. Und mit Fischbrötchen...

 

Panorama

 

Galerie

 

Weißnichtwurst

 

Fischbrötchen

 

stay rebel

Ampelrauch

 

Bunt wurde es auch auf der Südtribüne kurz vor Anpfiff. Unter dem Motto "Stay rude, stay rebel." quoll roter, gelber und grüner Rauch zur Haupttribüne herüber. Im bis auf den letzten Platz gefüllten Gästeblock machten sich rund 3.500 Kieler laut bemerkbar. Hier und da waren aber auch auf der Haupttribüne die schönsten Farben der Welt vertreten. Wer konnte, war dabei. Und wirklich jeder kam auf seine Kosten. Das Spiel begann schnell und energisch auf beiden Seiten. Der FC St. Pauli, für den der Ligaalltag mal wieder Mittelmaß hieß, wollte wichtige Punkte sammeln, um der Saison zumindest noch einen halbwegs ordentlichen Anstrich zu verpassen. Kiel wollte einfach nur mal wieder gewinnen. Bei anhaltendem Schneefall waren es aber die Gastgeber, die ein erstes Ausrufezeichen setzten. Quasi aus dem Nichts landete ein Schuss von Bouhaddouz zunächst an den Pfosten. Neudecker steht perfekt und braucht den Ball aus fünf Metern nur einzuschieben. Ärgerlich, aber nur drei Minuten später folgt der postwendende Ausgleich durch Schindler nach einem Foulelfmeter. Sieben Minuten später hatte der Gästeblock erneut allen Grund zu jubeln. Seydel legte ausgerechnet St. Pauli - Leihgabe Ducksch den Ball perfekt auf. Der konnte den Ball zur Führung durch die Beine von Himmelmann hindurchschieben. Bis zum Halbzeitpfiff konnte sich Holstein dann mit einem souveränen Auftritt weitere Chancen erspielen. Keiner der insgesamt 29.546 Zuschauer hätte sich über ein 1:3 zur Pause gewundert.

 

Ducksch

 

DuckschCzichos

 

Jubel

 

Tor

 

Furios ging es wenige Minuten nach Wiederanpfiff weiter. Ein Abpraller vom Tor der Gastgeber landete vor den Füßen des Fußballgottes, dessen Schuss nur knapp neben dem Tor ins aus ging. Bei einigen Kieler Zuschauern sorgte diese Szene vermutlichen für einen kurzen Herzstillstand. Man möchte sich gar nicht ausmalen, welche Explosion es im Gästeblock gegeben hätte, wäre dieser Ball drin gewesen. Das Spiel wurde zunehmend kampfbetonter. Dr. Brych, der die Partie ohne Fehler und ruhig leitete, bekam etwas mehr zu tun, als im ersten Durchgang. Aber spätestens nach einer Stunde Spiel hatte es das Prädikat Derby durchaus verdient. Die Stimmung war hervorragend, Kiel peitschte die Männer in blau immer wieder hörbar nach vorne und hoffte auf das 3:1. Die Boys in brown wiederum wurden vom eigenen Publikum nach allen Kräften angefeuert. In der 74. Minute wurde dieses Engagement auch belohnt. Obwohl die Störche die bis dato bessere Manschaft waren, übten die Kiezkicker zwischenzeitlich etwas mehr Druck aus. In dieser Phase war es wieder Neudecker, der die Chance nutzte und zum ausgleich traf. Dreieinhalb von vier Tribünen bebten unter dem erleichterten Jubel St. Pauli-Anhänger. Holstein versuchte weiter, den Druck aufrecht zu erhalten. Aber obwohl sich die Störche noch wieder Chancen erarbeiteten, waren es wieder mal die anderen, die jubeln durften. Ausgerechnet der in Kiel geborene Christoph Avevor brachte den FC St. Pauli in der 89. Minute in Führung. Bis zum Abpfiff setzte die Kieler Mannschaft nochmal alles daran, den Spielstand zumindest noch zu egalisieren. Jedoch vergeblich. Wieder schafften es die Störche nach einer Führung nicht, diese über die Zeit zu bringen, geschweige denn, eine der zahlreichen Chancen zu nutzen, diese abzusichern. Frustpotential definitiv vorhanden. Trotzdem wurde der Mannschaft applaudiert. Denn auch wenn die zweite Hälfte wieder Schwächen aufgewiesen hatte, am Ende stimmte zumindest die Einstellung. Auch wenn die nicht gerecht belohnt wurde. In einer gerechten Welt hätte Patrick Herrmann das 3:1 gemacht und wir hätten gewonnen.

 

King

 

Herrmi

 

So bleibt nur der Standard. Mund abwischen, weiter machen und darauf setzen, dass die Mühe bald mal belohnt wird und sich der Aufwärtstrend auch in Ergebnissen niederschlägt. Auf ein Neues am kommenden Sonnabend gegen die punktgleichen Zebras.

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
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