9. Februar 2018, Fritz-Walter-Stadion, Endstand 3:1

 

Man könnte sie auch "Liga der klingenden Namen" nennen. 1. FC Union Berlin, SV Darmstadt 98, 1. FC Nürnberg und nun 1. FC Kaiserslautern. Dass die Terminierung dann auch noch auf einen Freitagabend erfolgte, freute Flutlicht-Fetischisten besonders. Die Zahl der Urlaubsanträge und gelben Scheine für den 9. Februar dürfte sprunghaft angestiegen sein. Denn das wollten sich viele nicht entgehen lassen. Bereits im Vorverkauf wurden 300 Karten abgesetzt, am Ende waren es gut 700 Kieler. Vielleicht hätten es noch ein paar mehr sein können, aber angesichts von Distanz, Wetter und eben der Tatsache, dass ein paar Menschen in Kiel die Wirtschaft am Laufen halten, war die Zahl völlig okay.

 

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Ein Teil der CCK-Reisegruppe reiste bereits am Donnerstag nach Südwesten, um die Schönheiten des Saarlandes - insbesondere die Saarschleife - zu erkunden und Bekanntschaften zu pflegen. Der Rest machte sich um 7:00 Uhr am Freitagmorgen auf den Weg. Trotz Eiseskälte erwies sich die Fahrt als recht entspannt, denn immerhin war es trocken. Und je weiter es gen Südwesten ging, desto wärmer wurde es. Statt der eingangs der Woche avisierten -10° C war es bei Anpfiff "nur noch" 1° C in Kaiserslautern. Geradezu mild. Der Frost, der sich entlang der Strecke auf die Vegetation legte, zauberte zeitweise malerische Bilder. Und die Zeit reichte sogar noch für einen Abstecher ins vertraute Guxhagen, wo wie so oft günstige und lecker belegte Brötchen direkt über die Theke der Supermarktschlachterei gereicht wurden und nebenbei hessisches Kulturgut in Stangenform eingepackt wurde. Im Nachtlager, pittoresk gelegen unter einer Burgruine, wurde schnell noch weitere wärmende Kleidung angelegt, bevor er erklommen wurde: Der Betzenberg. 

 

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Nicht nur eine schöne, sondern auch eine Spielstätte mit Tradition, denn am gleichen Ort wurde bereits am 13. Mai 1920 gegen den Ball getreten, zwar noch auf Sand, aber immerhin verfügte der Vorgänger des heutigen Stadion schon über einige Stufen und eine kleine Holztribüne. Erste große Erweiterung wurde zwölf Jahre später vorgenommen, mit der nun 18.000 Zuschauer die Heimspiele der Lauterer verfolgen, 1953 waren es dann 30.000 und 1972 rund 38.000. Sein Gesicht veränderte der Betzenberg erstmals in den 1990ern, als auf der Nordtribüne die ersten VIP-Logen entstanden. Der letzte Umbau wurde zur Weltmeisterschaft 2006 abgeschlossen, womit da Stadion nun über eine Kapazität von 48.500 Plätzen verfügt. Zudem wurden mit diesem Umbau alle Tribünen auf das gleiche Niveau angehoben, sowie die Nord-Ost- und Nord-West-Ecken mit Türmen geschlossen. Allerdings schossen die Umbaukosten damals dermaßen in die Höhe, dass der Verein selbst finanzielle Schwierigkeiten bekam und gezwungen war, das Stadion zu veräußern.

 

Seinen offiziellen Namen "Fritz-Walter-Stadion" erhielt der Betzenberg am 2. November 1985 zum 65. Geburtstag des Ehrenspielführers der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, wobei man immer wieder gerne die Anekdote lesen kann, dass nach der Umbenennung zunächst die Heimstärke abhanden gekommen war und Fritz Walter selbst für eine Rückbenennung plädierte. Diesem Wunsch wurde aber natürlich nicht entsprochen, musste aber auch nicht, da sich der Trophäenschrank der "Roten Teufel" noch weiter füllen sollte. Insgesamt bringt es der Verein, der 1929 aus der Fusion der Vereine SV Phönix 1910 und FV 1900 enstand, auf vier Deutsche Meisterschaften (in der Saison 1997/98 gelang das Kunststück, als Aufsteiger Meister zu werden) und zwei Pokalsiege, zudem gewann man dreimal den UI-Cup, stoß zweimal bis ins UEFA-Cup-Halbfinale vor und erreichte einmal das Viertelfinale der Champions League. Großen Anteil hatte der 1. FCK aber noch an einem viel bedeutenderen internationalen Titel, schließlich bestand des Gerüst der 1954er-Weltmeister-Elf mit Werner Liebrich, Fritz Walter, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel und Ottmar Walter aus fünf Lauterern (übrigens wurde nicht nur Fritz Walter am Betze geehrt - die vier Stadiontore sind nach den weiteren Spielern benannt).

 

Das letzten Jahre waren für den Verein ein sportlich und finanziell schwieriges - konnte man bis 2005/06 noch immer den Abstieg knapp verhindern, hieß es von 2006 bis 2010 Abwesenheit aus dem Oberhaus des deutschen Fußballs. Der Erfolg stellte sich wieder unter Trainer Marco Kurz ein, dem zunächst als Zweitligameister der Aufstieg gelang und nachfolgend ein hervorragender siebter Platz in der Abschlusstabelle der Bundesliga-Saison 2010/11. Im Sommer 2012 fand sich Kaiserslautern allerdings am unteren Tabellenende wieder und trat erneut den Gang in die 2. Bundesliga an. Und auch hier lief es in der laufenden Saison alles andere als optimal. Als Tabellenletzter droht derzeit sogar der bittere Abstieg in die 3. Liga. Dazu kommt nach der Entlassung Norbert Meiers nach dem siebten Spieltag noch die Erkrankung des neuen Trainers Jeff Strasser, die ihn zum Rücktritt zwang. Die Partie an diesem Freitagabend war das zweite Spiel unter Ersatzcoach Michael Frontzeck. Das erste Spiel auswärts in Braunschweig hatten die Roten Teufel gewonnen und konnten entsprechend selbstbewusst ins erste Heimspiel unter Frontzeck gehen.

 

Die Gäste aus Kiel hingegen blieben in der Rückrunde bisher hinter den, durch die sensationelle erste Saisonhälfte geschürten Erwartungen zurück. Und auch wenn Platz drei und nur eine Niederlage aus den letzten zehn Spielen alles andere als schlecht klingen, Kieler Fans und noch mehr vermutlich die Mannschaft selbst wünschten sich endlich mal wieder einen Sieg. Erneut gab es Veränderungen in der Mannschaft. Drexler kehrte nach seiner Gelbsperre zurück und Amara Condé debütierte nach überzeugenden Ansätzen gegen Jahn Regensburg in der Startelf. Es dauerte allerding nur zwei Minuten bis zum ersten Paukenschlag. Osawe, auch laut Markus Anfang Man of the Match, der kaum zu verteidigen war, kam bis zur Grundlinie, bediente seinen Kollegen Borello, der Kronholm keine Chance ließ. Die ohnehin schon beeindruckende Stimmung auf dem Betzenberg hebte sich nochmal. Auch als Kieler war man durchaus beeindruckt. This is Betzenberg. Zu allem Überfluss holte sich Patrick Herrmann noch die fünte Gelbe ab. Doch weder die Kieler Mannschaft noch die Fans steckten auf und gaben weiter Gas. Offensiv kamen die Störche zunehmend in den Tritt, auch wenn es in Sachen Abschluss noch etwas hakte. In der 12. Minuten wurde Drexler allerdings zu Fall gebracht, Bundesligaschiedsrichter Winkmann zeigte ohne zu zögern auf den Punkt. Doch dieses, zumindest von einigen Lauterern so angesehene, Geschenk wurde nicht angenommen. Duckschs halbhoch, mittig geschossener Elfmeter landete direkt in den Armen des Keepers. Zum Haare raufen. Auch in der Folge blieb Ducksch ohne Glück im Abschluss, genau wie sein Kingsley Schindler, der den Ball an den Pfosten nagelte. In der 32. Minute lohnte sich dann das Kieler Geackere, David Kinsombi konnte den Ball in den Maschen unterbringen.

 

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Sollten die Störche vermeintlichen Respekt vor der Kulisse gehabt haben, hatten sie ihn spätestens jetzt abgelegt und konnten vor allem offensiv Akzente setzen.

Trotzdem ging es mit einem Rückstand in die Pause. Osawe hatte geschickt bei Dominik Schmidt eingefädelt - und das auch noch im Strafraum, weshalb es den zweiten Elfmeter an diesem Abend gab. Moritz machte es besser als Ducksch - 2:1 für die Roten Teufel.

 

Nach dem Seitenwechsel bekamen die 20.664 Zuschauer fast eine Kopie der ersten Minuten von Hälfte eins geboten. Nur dass Osawe diesmal nicht Vorbereiter, sondern Vollstrecker war. 3:1 nach 50 Minuten - drohte hier eine Klatsche oder würden die Störche noch einmal zurückkommen können? Im Endeffekt war es ein glückloses Anrennen der Kieler, die immer aufpassen müssten, nicht noch einen Konter zu kassieren. 

 

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Am Ende blieb es beim 1:3 aus Kieler Sicht, zu den eher nicht so tollen Resultat kam noch eine Verletzung von Amara Condé, die ihn hoffentlich nicht zu weit zurückwirft. "So verspielt Kiel die Bundesliga", lautete die knallharte Analyse von Sky Sports. "So ist Fußball", lautet die knallharte Analyse von CCK, die eine Menge Raum für eigene Interpretationen lässt. Betze mit drei wäre noch geiler gewesen, aber wenn Lautre durch diese drei Punkte am Ende die Klasse hält, freuen wir uns schon auf die Reise in die Pfalz nächste Saison - also wenn Holstein tatsächlich die Bundesliga verspielt...

marvin

 

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