21. Mai 2018, Endstand 0:1

 

Vermutlich wurde schon alles gesagt, um diese überragende Saison zu beschreiben. Superlativen noch und nöcher. Da hätte ein Aufstieg nach zwei Relegationsspielen die Möglichkeiten, das Erreichte in Worte zu fassen vermutlich gesprengt.

 

Marsch

 

Aber soweit ist es nun nicht gekommen. Leider? Gott sei Dank? Die Gemütslage ist nach Abpfiff gemischt. „Endlich ist es vorbei...“, ist sogar zu hören. Anstrengend war es, auf jeden Fall. Der emotionale Ausnahmezustand der das Saisonfinale mit sich gebracht hat, ist vermutlich nicht an allen spurlos vorbei gegangen. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass diese geniale Mannschaft, die einem eine so wunderbare Saison beschert hat, zum letzten Mal in dieser Konstellation zusammen gespielt hat. Es wird Veränderungen geben. Viele. Denn auch der Trainer geht. Und mit ihm ebenfalls ein großer Teil dessen, was Holstein in den letzten Monaten ausgemacht hat. Da ist es vielleicht nur ein schwacher Trost, dass Momente wie diese in der Vergangenheit immer wieder dafür gesorgt haben, dass Mannschaft und Fans enger zusammen geschweißt wurden.

 

Sonne

 

Ralle und Bruno

 

Markus

 

Aber so ernüchternd diese Erkenntnisse alle sein mögen, sie täuschen nicht darüber hinweg, dass Holstein seinen Fans überproportional viele Glücksmomente verschafft hat. Wer in Wolfsburg war, der hat diesen positiven Geist schon vor Anpfiff gespürt. Glück, Stolz, Dankbarkeit. Und auch vor dem Rückspiel an heimischer Stätte gab man sich zwar realistisch, aber weder ängstlich, noch demütig. Vielmehr kamen eine gesunde Mischung aus Optimismus und Trotz zusammen. Schließlich hatte David Goliath am Ende auch besiegt.

 

West

 

Fähnchen

 

Pyro

 

Die Ausgangslage vor Anpfiff war aus Kieler Sicht nicht die Beste, aber auch für den VfL alles andere als sicher. Zwei Dinger sind schnell gemacht, wenn es bei Holstein läuft. Ducksch und Drexler machen das schon. Doch leider gab es hier schon den ersten Dämpfer. Drexler hatte sein vermutlich letztes Spiel für die KSV bereits in Wolfsburg gemacht. Für das Rückspiel stand er nicht zur Verfügung. Aber spätestens seit dem Heimspiel gegen Braunschweig wusste der Kieler Fan ja, dass es auch ohne Drexler funktionieren kann.

 

King

 

Das Spiel könnte theoretisch schnell erzählt sein, gäbe es da nicht Historisches zu berichten. Holstein von Beginn an hochmotiviert, mit deutlich weniger Respekt als noch im Hinspiel. Es dauerte nicht lange, bis Gast und Gastgeber erste Offensivszenen für sich verbuchen konnten. Wolfsburg dabei immer wieder ein bisschen abgewichster, aber die Kieler Defensive mit starker Leistung. Besonders Herrmann, der trotz gelber Karte in der 31. Minute bis zum Ende ein starkes Spiel gemacht hat und Schmidt zeigten sich in Bestform. Trotzdem zappelte der Ball in der 17. Minute im Holsteiner Netz. Zunächst jubelte der Gästeblock, während die echten Norddeutschen etwas muksch mit dem Mundwinkel zuckten. Doch eine kleine Geste des Schiedsrichters – in der 1. Bundesliga inzwischen ungeliebter Alltag – änderte die Situation. Der erste Videobeweis in der Geschichte von Holstein Kiel. Ambivalenter kann man sich kaum fühlen. Das System, dem die meisten Fußballfans aus vielen Gründen ablehnend gegenüber stehen, rettete Holstein zunächst das 0:0. Lange Gesichter in Grün, gemischte Gefühle, kurzfristige Ratlosigkeit und schließlich Erleichterung beim Heimpublikum. Der Treffer von Malli zählte nicht – Origi stand im Abseits und behinderte Kronholms Sicht. Bis zur Pause blieb die Partie torlos. Nicht zuletzt, weil die Wolfsburger Abwehr eine ihrer besseren Tage hatte und es den Kielern, die mitunter zu kompliziert spielten, schwer machten, einen echten Abschluss zu erzielen.

 

Tom

 

So setzte das Heimpublikum alle Hoffnungen auf die zweite Hälfte. Immerhin wäre es nicht das erste Mal, dass Holstein erst gegen Ende der Partie so richtig aufdreht. Und zunächst sah es auch so aus, als hätten die Störche die Partie weitestgehend im Griff. Die meisten Angriffe gingen von den Gastgebern aus. Doch das Tor wollte weiterhin nicht fallen. Zumindest nicht für Kiel. Doppelt bitter - just in der 75. Minute, als nach Jahren des Schweigens die alte Glocke den Holstein-Geist herauf beschwören sollte, trafen die Wölfe ins Kieler Herz. Ecke, Kopfball, Tor – der einfachste Dreisatz der Welt. Banger Blick zum Schiedsrichter – vielleicht...?! Doch zwei Mal schlug das Glück nicht zu. Das Tor zählte. Noch war der Trotz auf Kieler Seiten aber nicht aufgebraucht. Dann eben vier Tore in 15 Minuten. Machbar – oder?

 

Doch es sollte nicht sein. Das war spätestens in der 87. Minute klar. Czichos hatte nur eine Minute zuvor den Ball über die gegnerische Linie gedrückt – mit dem Arm, wie Schiedsrichter Siebert auf dem mittig der Gegengerade installierten Monitor feststellte. VAR – die Zweite.

 

var

VOLKSWAGEN-ARENA, 17. Mai 2018, Endstand 3:1

 

Über den Sinn oder Unsinn der Relegation wurde schon viel diskutiert. Während Anhänger des HSV gefühlt mehr als die zwei Male und auch der VfL Wolfsburg in diesem Jahr zum zweiten Mal hintereinander sich derzeit vermutlich pro Relegation aussprechen würden, waren die von unten aufstrebenden Mannschaften viel zu oft die Gekniffenen. Da ist man drittbester der Liga und muss nochmal zwei Spiele lang zittern und wird im Negativfall noch um den Lohn harter Arbeit gebracht. Umgekehrt spielt sich eine Mannschaft eine Saison lang nur Grütze zusammen und bekommt trotzdem nochmal die Chance, sich dank eines furios inszenierten Finales selbst zu feiern. Gerecht ist anders. Hinzu kommt die fehlende Planungssicherheit für beide Kandidaten.

 

Relegation

 

Eine Erfahrung, die Holstein schon 2015 machen durfte. Wie es ausgegangen ist, wissen wir alle. Und trotzdem war schon damals und auch im Jahr 2018 das Erreichen der Relegation für die Störche ein echtes Highlight. Bloß mit dem Unterschied, dass man 2015 zumindest schon mal verstohlen in die nächsthöhere Liga geschielt hatte, während in dieser ersten Zweitligasaison niemand davon zu träumen gewagt hatte, an die große, schwere Tür zur Beletage anzuklopfen.

 

Doch bevor der Kieler Fan sich emotional auf dieses Großereignis einstellen konnte, hagelte es aus Richtung der DFL noch ein paar Steine, die den Weg schwerer machen sollten... Es gab kein Vorbeikommen an dem Thema Holstein-Stadion. Nicht die Sicherheitsbedenken oder manch eine improvisierte Struktur waren das Problem. Es war schlicht die Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze. Das Ringen um die Lizenz begann, es wurden Ausweichmöglichkeiten diskutiert, in den Medien machte sich Stimmung pro Holstein und contra DFL breit. Die Anhängerschaft bangte um die möglichen Bundesligaheimspiele am Westring. Hamburg? Rostock? Oder gar Hannover? Das Holstein-Stadion war alternativlos, unantastbar. Am letzten Spieltag äußerten nicht nur die Kieler Fans ihren Unmut. Auch Solidaritätsbekundungen unter Anderem aus Berlin und München machten die Runde. Denn schließlich ging es nicht alleine um die KSV und das Holstein-Stadion. Es ging um die Einstellung, die die DFL einem Verein wie Holstein gegenüber hatte. In einer Zeit, in der sich viele Vereine hoch verschulden um eine Arena zu errichten und nicht selten an den eigenen Ansprüchen scheitern, kommt die Einstellung Holsteins fast schon spießig daher. Es wird investiert in ein Nachwuchsleistungszentrum, Investitionen ins Stadion beschränken sich aufs für die aktuelle Spielklasse Nötige. Es geht nicht um „neu“ und „schick“ - der Norddeutsche nimmt es, wie es ist. Hauptsache es löppt. Und trotzdem wird im Hintergrund an der Zukunft gearbeitet. Damit sie solide ist, geht der Verein es langsam an. Nich' auf Deubel komm' raus, nich' mit Hauruck. Stück für Stück. Nachdem nicht wenige Vereine in den letzten Jahren besonders unter der Last hoher Stadionmieten zusammen gebrochen sind, muss das Vorgehen Holsteins den Verbänden doch solide und vernünftig vorkommen.

 

Aber genau dieses Vorgehen drohte den Störchen nun auf die Füße zu fallen. Doch 26 ½ Stunden vor Anpfiff des Relegationshinspiels schlug die Nachricht, dass eine Einigung erzielt wurde ein, wie eine Bombe. Erst nur über ein Newsportal, verbreitete sich die Nachricht rasend schnell durch das World Wide Web. Die DFL erteilte Holsten unter strengen Auflagen die Lizenz für die 1. Bundesliga. Inklusive Heimspielen im Holstein-Stadion. Der Stein, der den Holstein-Fans vom Herzen fiel war vermutlich bis an die Aller zu hören. Ein zusätzlicher Schub für den Donnerstag.

 

Nicht wenige dürften in der Nacht davor eher unruhig geschlafen haben. Egal ob morgens in aller Ruhe, Mittags nach einem halben Arbeitstag oder unmittelbar nach Feierabend. An die 4.000 Holstein-Fans machten sich auf den Weg. Bereits drei Stunden vor Anpfiff war das Gelände vorm Gästeblock teilweise in Rot getaucht. Viele genossen auf dem Deich des Mittellandkanals, der direkt hinter der Kurve entlang fließt, die warmen Sonnenstrahlen. Es wurde viel gelacht, gefachsimpelt und vor allem über die aktuellsten Geschehnisse gesprochen. Ein Gefühl von Sommerfest. Dass es hier um ein sportliches Großereignis handelte, war fast Nebensache. Vielmehr war es Teil eins der Abschlussfeier einer großartigen Saison. Trotzdem war eine gewisse Spannung vorm Spiel nicht von der Hand zu weisen. Spätestens bei einem Blick auf den Gästeblock innerhalb des Stadions kribbelte es. Hier konnte der Grundstein für etwas ganz Großes gelegt werden.

 

Arena

 

Stadion

 

Doch bevor Schiedsrichter Deniz Aytekin zur Attacke blies, gab es noch die übliche „Wolfsburg-Show“ mit künstlichem Gewitter (Gebt York einen Dimmer fürs Flutlicht!) und Wolfsgeheul (Müssten wir dann klappern?). Ganz ohne Special Effects sorgte auch der Gästeblock für ordentlich Stimmung. Das rote Dreieck in der Arena sang schon vor Anpfiff nach vollen Kräften, die Atmosphäre aus Kieler Sicht einmalig. Und nicht nur der Gästeblock sollte mit Kiel mitfiebern. In zahlreichen Kneipen, Biergärten und anderen Public Viewing Locations in Kiel, eigentlich in ganz Schleswig-Holstein wurden die Daumen gedrückt. Anfeuerungs-Nachrichten kamen von Freunden aus ganz Deutschland aufs Handy. Jeder der ansatzweise Sympathien für Holstein hegte war dabei. Ob am Ticker, am Radio oder, weil die DFL den Fans ja mehr Spannung durch die K.O. - Spiele im TV versprochen hat, kostenpflichtig im Eurosport-Player (genau unser Humor...) - selten hatte Holstein so viele Fußballfans hinter sich.

 

WOB

 

Fäste

 

Die Aufstellung sorgte bei den KSV-Anhängern erstmal für große Erleichterung. Gegen Braunschweig noch verletzt auf der Tribüne standen Schmidt, Drexler und Herrmann wieder in der Startelf. Im Vorfeld herrschten in erster Linie fast schon euphorische Gefühle. Aber mit Anpfiff war klar, dass gute Laune, blendende Stimmung und überragender Support alleine keine Tore schießen. Die Gastgeber, im Vorfeld wurde stellenweise angezweifelt, ob der Millionen-Kader sich überhaupt der Tragweite der Wolfsburger Situation bewusst war, bestand schlussendlich aber aus Profis.

 

Wöfi

 

Bruno

 

Markus

13. Mai 2018, Endstand 6:2
 
Sommer, Sonne, Sonntag – und dazu noch ein Spiel, das nicht mehr mit dem ganz großen Druck daher kommt. So die Ausgangslage vor der letzten regulären Partiel der Saison. Für die Gäste hingegen war es der letzte Strohhalm, zudem war der BTSV allerdings auch darauf angewiesen, dass die direkten Abstiegskonkurrenten nicht zu ihren Ungunsten punkten.
 
Lieberknecht
 
Unterschiedlicher konnte auch die Gemütslage der Zuschauer nicht sein. Die knapp über 2.000 Braunschweiger waren vermutlich größtenteils mit der Hoffnung angereist, dass Holstein keine reine A-Elf aufstellen würde und lieber ein paar „Stammspieler“ für die kommenden Aufgaben schonen würde. Und tatsächlich hatte Markus Anfang gegenüber dem Spiel in Düsseldorf auf gleich sieben Positionen gewechselt. Unter anderem mussten die Verletzten Herrmann, Schmidt und Drexler ersetzt werden. Darüber hinaus fehlte Kinsombi, Weilandt, Schindler und Ducksch hüteten die Bank. Stattdessen standen Sicker, Heidinger, Peitz, Seydel, Lewerenz und Dürholtz in der Startaufstellung.
 
Sicker
 
Vor Anpfiff sorgten die Denkedrans in Richtung Westtribüne für ordentlich Gänsehautstimmung – da blieb kein Auge trocken (und auch die Protagonisten selbst nicht) und spätestens bei Refrain – Keine andere Stadt, keine andere Liebe, kein andrer Verein, nur Holstein – konnte sich keiner des Kieler Publikums dem Song entziehen. Mitsingend stiegen sogar die Sponsoren die Stufe zu ihren Plätzen auf der Haupttribüne hinauf, während „Bankdrücker“ Marvin Ducksch sich in einem neuen Tätigkeitsfeld versuchte. Der für Kiel typische leichte Wind ließ die Fahnen im Gästeblock wehen – insgesamt herrschte eine fantastische Stimmung. Auf Kieler Seite war das Ergebnis im Vorwege eher egal und dieses Spiel wurde als entspannter Ausklang der regulären Saison genossen. Trotzdem wurde nochmal mit Nachdruck auf die aktuelle Stadionfrage reagiert und deutlich gemacht, dass es seitens der Fans keine Alternative zum Holstein-Stadion gibt. Und auch der weiterhin bestehende Mangel an Fischbrötchen kam zur Sprache.
 
Denkedrans
 
Duckschi
 
Stadion
 
Fischbrötchen

ESPRIT-Arena, 6. Mai 2018, Endstand 1:1

 

Schon freitags und sonnabends vorm letzten Auswärtsspiel der Saison war die Facebook-Timeline voll von Bildern aus Düsseldorf. Viele Holsteiner hatten sich bereits zeitig auf gemacht um noch das eine oder andere Altbier am Rhein genießen zu können. Bei dem Wetter, das in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt herrschte, auch keine ganz schlechte Idee. Aber viele machten sich auch am Sonntagmorgen erst auf den Weg. Eine Anpfiffzeit um 15:30 Uhr machte die Planung als Tagestour ganz angenehm. Schon bei anderen Auswärtsfahrten fragte sich die Schreiberin beim Überholtwerden von Autos mit KI, RD und PLÖ, ob diese vielleicht das selbe Ziel hätten. An diesem Tag war sie sich bei jenen Kennzeichen zu 99% sicher. Hinzu kamen auch die vielen NFs, HEIs, PIs und sogar OHs,von denen sicher einige die Rheinmetropole angesteuert haben dürften. Am Ende wurden es fast 4.000 Holstein-Anhänger und damit der größte Auswärtsmob in der Geschichte der Störche.

 

Kielblock

 

Auf der Fahrt wurde sich musikalisch auf den Besuch bei den Aufsteigern eingestimmt. Denn neben vielen anderen Dingen ist Düsseldorf auch bekannt als Heimat vieler Bands. Entsprechend wurde das Unterhaltungsprogramm gestaltet. Nicht nur Die Toten Hosen und Die Broilers, sondern auch die Antilopen Gang, Nichts, Doro Pesch oder nicht zuletzt Fehlfarben mit „Ein Tag“ in dem es heißt: „Geschichte wird gemacht...“ stimmte die Autobesatzung auf das vorletzte Spiel der Saison ein.

 

Die Düsseldorfer Fans hatten für die Aufstiegsparty dazu aufgerufen, mit dem Fahrrad eine Sternfahrt zum Stadion zu veranstalten. Bei der Anfahrt wurden zahlreiche Radler in Rot-Weiß gesichtet und je näher die 2005 eröffnete Multifunktionsarena kam, umso mehr Zweiräder wurden es. Unmittelbar an der Messe, rhein- und flughafennah gelegen, lässt sich über das Äußere des Stadions tatsächlich streiten. Bei so Manchem erweckt die Außenkonstruktion gar den Eindruck, das Stadion sei eingerüstet und befände sich im Umbau. Dem war selbstverständlich nicht so.

 

Arena außen

 

Panorama

 

Flieger

 

Als Austragungsort diente die Arena bisher nicht nur Fußballspielen der Fortuna, der Nationalmannschaft und als Ausweichstadion auch Bayer Leverkusen in 2009, sondern auch anderen Ereignissen wie dem World Bowl (z.B. 2006), der TV Total Stock Car Crash Challenge in 2008 oder dem Eurovision Song Contest 2011. Da Letzteres während der laufenden Saison stattfand, zog die Fortuna übrigens vorübergehend in die sogenannte „Lena-Arena“. Das unweit der eigentlich Heimat errichtete Stadion, offiziell unter dem Namen airberlin world, bot der Fortuna für drei Heimspiele Asyl. Knapp drei Millionen Euro hat der Spaß gekostet. Vielleicht auch eine Alternative für Kiel? Immerhin hatte die Errichtung seinerzeit nur rund zwei Monate gebraucht.

 

Felge

 

Doch erstmal galt es, die Relegation klar zu machen. Obwohl Düsseldorf bereits als Aufsteiger feststand, ging es für die Gastgeber immerhin noch um die "Felge", also den Meistertitel. Holstein hingegen konkurrierte im Fernduell mit Nürnberg zumindest noch minimal um den direkten Aufstiegplatz und wollte den fehlenden Punkt um Platz drei festzuzurren bereits einen Spieltag vor Schluss einsacken. Auf einen Selbstgänger konnten sich die Anhänger beider Mannschaften also nicht einstellen.

 

Lenz und Peitz

Audi Sportpark, 29. April 2018, Endstand 1:5

 

Läge Bayern am Meer, so wäre es durchaus eine Option, hier zu leben. Natürlich nur, wenn auch Holstein hier ansässig wäre. Aber trotzdem hat dieses Bundesland durchaus etwas für sich. Besonders an diesem frühsommerlichen letzten Aprilwochenende präsentiert sich das südlichste Bundesland von seiner besten Seite. Bei all dem Mist, den sich die DFL in Sachen Spieltagsplanung einfallen lässt, diesmal wollen wir uns nicht so richtig beschweren. Denn laue Abende, bzw. Vormittage im Biergarten gehören sicherlich zu den angenehmeren Dingen des Lebens.

 

Bier

 

Obadzda

 

Kein Wunder also, dass nach dem Frühstück im Augsburger Nachtlager noch ein zweites Frühstück in Ingolstadt angepeilt wurde. Und zwar im Biergarten – wo auch sonst, in der Stadt, in der 1516 das Deutsche Reinheitsgebot verkündet wurde. Dass man in Bayern war, merkte man spätestens bei der Bestellung des "kleinen" Bieres. Beim Servieren entschuldigte sich die Bedienung – ein Halber sei das kleinste. Der Weg nach Ingolstadt führte übrigens unter Anderem durch Schrobenhausen. Spargel hier, Spargel da. An jeder zweiten Ausfahrt wurde das weiße Gold verkauft.

 

In der Liga schien Gold schon vergeben zu sein, da die Fortuna am Samstag den Aufstieg in das Oberhaus klar gemacht hatte und mit einem Vorsprung von fünf Punkten nur noch schwer einzuholen sein dürfte. Und auch Silber wurde am vergangenen Montag von Nürnberg deutlich verteidigt. Aber so wie der Hamburger SV mal wieder (derzeit erfolgreich) nach jedem Strohhalm greift, so durfte auch der Kieler zumindest noch theoretisch auf einen Direktaufstieg hoffen. Dass aber auch Platz drei nach wie vor ein sensationeller Erfolg für Holsteins erste Zweitligasaison nach 36 Jahren wäre, kann nicht oft genug betont werden. Trotzdem erhofften sich die Störche und ihre Anhänger natürlich ein ordentliches Saisonfinale und zu dem gehört bekanntermaßen auch das eine oder andere Erfolgserlebnis. Zuletzt schlug die emotionale Kurve in Extremen aus. Ein kaum zu glaubender Kantersieg vor beeindruckender Kulisse in Dresden, gefolgt von einer bitteren Niederlage gegen den Tabellennachbarn Nürnberg zu Hause. Und Ingolstadt war trotz des Tabellenplatzes nicht zu unterschätzen. Mit nur vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegsrelegation wollten auch die Schanzer um jeden Preis punkten. Und die Qualität der Oberbayern war bekannt.

 

Panorama

 

Das letzte und bisher einzige Spiel in Ingolstadt liegt inzwischen mehr als acht Jahre zurück. Damals noch im alten ESV-Stadion, das inzwischen von der zweiten Mannschaft bespielt wird. Etwas außerhalb auf der grünen Wiese ist im selben Jahr der Audi Sportpark entstanden, der die neue Heimstätte des FCI geworden ist. Wie viele Stadien dieser Generation ein wenig Austauschbar. Besonders bei strahlendem Sonnenschein erweist sich die Lage als ungünstig. So waren vor und nach dem Spiel quasi keine schattigen Plätzchen zu finden.

 

MA

 

Bibi

 

Stevo

 

 
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