Sportpark Ronhof, 15. September 2018, Endstand 4:1

 

Das mit dem Fußball, oder besser gesagt mit der Liebe zu ihm, ist so eine Sache. Nick Hornby hat es festgehalten, wie kein Anderer. "Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.", heißt es in seinem Buch Fever Pitch.

 

Eine Aussage, die vermutlich jeden Fußballfan ins Herz trifft. Noch beim letzten Auswärtsspiel fragten wir uns, warum wir so blöd sind, binnen sieben Tagen zwei Mal nach Bayern zu reisen. Die Antwort darauf und auf die Frage, warum wir sogar drei Mal binnen vier Wochen die Landesgrenze zum Freistaat überqueren, nur um 90 Minuten lang 22 Männern beim Sporttreiben zuzuschauen, lässt sich nicht schöner formulieren, als besagter Nick Hornby es getan hat. Und neben dem Sportlichen und den zu überbrückenden Distanzen, schmerzen auch Begleiterscheinungen wie andauernde Nebenkriegsschauplätze mit Verbänden, Funktionären und Vereinsoberen. Und wie in jeder guten Beziehung mag sich das Verhältnis zum Lebenspartner verändern, nicht mehr frei von Kritik sein und voller Bewusstsein für den Schmerz. Aber die Liebe bleibt. Und Liebe trägt bekanntlich seltsame Blüten.

 

Also ging es am Freitag nach Feierabend (um 19 Uhr !) auf die A7, mit dem Ziel mindestens bis Hessen zu kommen. Kurz vor Kassel, circa eine halbe Stunde vor Mitternacht, beflügelte die Liebe, vielleicht aber auch der Koffeinkonsum derart, dass bis kurz vor die Landesgrenze Bayerns durchgezogen wurde. Gute Entscheidung, wie sich herausstellte. Schließlich bietet die Barockstadt Fulda viele Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Dom St. Salvador oder das Stadtschloss.

 

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Viel Zeit für Sightseeing blieb nicht, schließlich galt es die keine 20 km entfernte Landesgrenze zu überqueren, um in einer fränkischen Metzgerei das Frühstück zu organisieren. Unsere Wahl fiel auf Bad Brückenau. Dem fleißigen Bildzeitungsleser oder alternativ, den Radsportinteressierten dürfte der Ort aus der jüngeren Berichterstattung zu Jan "Ulle" Ullrichs Therapie bekannt sein. Fun Fact: In Bad Brückenau gibt es ein Fahrradmuseum. Wir interessierten uns allerdings mehr für die kulinarischen Spezialitäten der Region und nannten bei Verlassen des pittoresken Örtchens zwei Tüten Sonntagsaufschnitt und eine warme Tüte Braten im Brötchen fürs Frühstück unser Eigen.

 

Liebe geht halt auch durch den Magen und wenn der Fußball dafür sorgt, dass unsere Mägen stets mit dem Besonderen der deutschen Metzgereien gefüllt ist, kann nicht so viel schief gelaufen sein. Gesättigt wurde das Stadion angesteuert. Gegenüber des letzten Besuches in Fürth war die neue Haupttribüne des Sportparks Ronhof weiter gewachsen. Da blickt man als Kieler fast ein bisschen neidisch drauf. Denn anstatt mit Baufortschritt, glänzte das Kieler Tribünenprojekt zuletzt mit negativer Presse. Nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder Ausbauprojekte von Stadien deutscher Profivereine durch die öffentliche Hand gefördert wurden, scheint dies auf ein mal nicht mehr "en vogue" zu sein. Eine Diskussion, die man an anderer Stelle vielleicht mal führen kann.

 

Der eingangs zitierte Schmerz ist nur allzu oft von sportlichen Ergebnissen geprägt. Erinnern wir uns zurück an den Saisonauftakt, als eine völlig entfesselt spielende KSV allen Unkenrufen nach dem Umbruch zum Trotz einen verunsicherten HSV im Volkspark mit einem 3:0 in die Kabine prügelte. Da fiel es schwer, auf die Euphoriebremse zu treten. Und obwohl die nachfolgenden Spiele in der Liga und auch im DFB-Pokal deutlich weniger furios abliefen, entlockten sie den Kieler Anhängern zumindest ein zufriedenes "Jo" - in Norddeutschland ja bekanntlich schon höchste Anerkennung. Schließlich hatten sich die Störche das Prädikat "Ungeschlagen" verdient. So war auch die Stimmung im Gästelager gut - vom Auswärtsblock gab es ein nettes Intro zum Auflaufen.

 

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Damit wären wir auch schon beim Spiel gegen die Kleeblätter. Von direkten Tabellennachbarn wurde vermutlich ein ausgeglichenes Spiel erwartet. Zunächst sei gesagt, dass es sich bei dem Spiel definitiv um schwere Kost handelte. Zäh bisweilen, ohne echte Offensivszenen. Die beste hatte in Halbzeit eins noch Steven Lewerenz, der in die Startelf gerückt war. Doch die Latte verhinderte Schlimmeres für die Gastgeber. "Das gewinnt Kiel heute, die machen das gut.", hieß es von Andreas Bornemann, der auf der Tribüne zu Besuch war. Wer wollte ihm da widersprechen? Schließlich sah es in den ersten 45 Minuten tatsächlich so aus.

 

kingsley

 

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Doch ohne mit weiteren Zitaten um sich werfen zu wollen - ein Fußballspiel hat bekanntlich eine zweite Hälfte. Und die war - sagen wir es diplomatisch - zum abgewöhnen. Zunächst schien Kiel mit einer Chance von Kinsombi weiter das Chancenplus auf der eigenen Seite zu haben. Zehn Minuten später folgte aber der Gegenschlag. Und im Gegensatz zu den Versuchen der Gäste, saß dieser. Alles andere als Unschuldig an dem Treffer ausgerechnet der Ex-Fürther Stefan Thesker, der erstmals diese Saison zum Einsatz kam. Statt dem eigenen Mann, erreichte der Pass Fürths Sebastian Ernst, der legte seinem Kollegen Keita-Ruel auf. Führung für Fürth in der 52. Minute. Damit begann das, was man eine ernsthafte Beziehungskrise nennen kann. Ein Fehler von Wahl, verursachte das 2:0 in der 60. Minute. Aus „gar nicht so schlimm“ hatten zwei individuelle Fehler ein „hier droht eine Klatsche“ gemacht. Nur zwei Minuten später fast das 3:0. Holstein stand zu diesem Zeitpunkt mächtig offensiv, wo allerdings zu wenig an diesem Tag gelang. Stattdessen rollten die Konter in Richtung Kieler Tor. Keita-Ruel begrub nach 83 Minuten die letzte Hoffnung, noch etwas Zählbares mitzunehmen. Girth gelang zwar noch ein Treffer für Blau-Weiß-Rot.

 

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3. September 2018, Endstand 2:1

 

19.30 Uhr. Der Versuch pünktlich Feierabend zu machen, ist gescheitert. Missmutig werden die ersten WhatsApps verschickt: „Bin dann vielleicht in der zweiten Halbzeit da“. Zudem auch noch Stau zwischen Arbeitsplatz und Zielort herrscht. Kurz danach dann aber doch das erlösende Fallen des Stiftes, ab geht es ins Auto und mit Höchstgeschwindigkeit über die inzwischen freien Straßen in Richtung Stadion. Parkraum am Westring ist auch noch vorhanden und nach einem kleinen, aber strammen Fußmarsch ist sogar noch ein Zeitpuffer bis zum Anpfiff von fast 10 Minuten. Das Flutlicht strahlt, die Ränge sind gut gefüllt und langsam fällt der Stress ab – "Scheiß Montagsspiele", bleibt aber trotzdem der Gedanke.

 

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Dann ertönt aber auch schon der Pfiff von Schiedsrichter Dr. Kampka. Der Gästeblock legt direkt lautstark los, während es aus dem Block 501 zunächst deutliche Unmutsbekundungen in Richtung Geschäftsführung des Vereins gibt. Seit dem Frühjahr sind die Fronten arg verhärtet, das „Hauptribünenverbot“ für die aktive Szene beim Spiel der U23 gegen die Zwote des HSV, sowie die anschließende „Würstchengate“ und deren Folgen hatten unter der Woche zu einer neue Eskalation geführt, die so absolut nicht wünschenswert ist.

 

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Akustisch der Support danach aber auf einem guten Level, mit einem richtigen Gegner im Gästeblock singt es sich vielleicht doch lauter (und die Magdeburger durften ja diesmal Überdachung nutzen). Auch auf dem Feld sieht es so aus, als wenn die Gäste nicht nur zerstören wollen, bereits nach wenigen Minuten muss Kronholm bei einem Kopfball von Erdmann eingreifen. Auch die nächste Chance erspielen sich die Gäste, der Winkel ist für Costly dann aber doch etwas zu spitz. Bei Holstein blitzt immer wieder die Idee des neuen Spielsystems auf, zu Beginn hakt es aber noch häufig, der FCM stört den Spielaufbau immer wieder erfolgreich. Dann nach 25 Minuten aber ein Kopfball von Honsak, den der Magdeburger Keeper noch gerade vor der Linie festhält. In der Folge ist Holstein dann feldüberlegen aber nicht zwingend. So wirklich unzufrieden sind beide Lager zur Pause wohl nicht.

 

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 Continental Arena, 26. August 2018, Endstand 0:0

 

Gerade mal sieben Tage war es her, dass die Kieler die Landesgrenzen von Bayern verlassen haben. Doch weil der Freistaat im August so schön ist, durften die Störche gleich ein zweites Mal innerhalb einer Woche gen Süden ziehen. Beide Male auf einem Sonntag, was schert es den Norddeutschen schon, erst spät in der Nacht, oder gar am frühen Morgen des Montages zu Hause zu sein!? Rücksicht konnte von DFB und DFL nicht verlangt werden. Es war doch verständlich, dass Duisburg die 259 Kilometer nach Darmstadt oder Sandhausen die 326 Kilometer nach Bochum lieber auf einem Samstag machen. Der Kieler ist es ja von Haus aus gewohnt, weite Strecken in Kauf zu nehmen. Da sind über 800 Kilometer auf einem Sonntag doch kein echtes Hindernis. ¯\_(ツ)_/¯

 

Für die CCK-Reisegruppe stand nach dem Trip nach München fest, dass man sich die Tour nach Regensburg am darauffolgendem Wochenende eigentlich sparen kann. Also fanden wir uns am Samstag vorm Spiel auf der Autobahn wieder. Wie das passieren konnte, lässt sich rational nicht erklären. Aber wo man, nach einem kleinen Abstecher beim Fußball in Rudolstadt (Bericht folgt) schon mal in Regensburg war, ließ man es sich nicht nehmen, die bayrische Gastfreundschaft zu genießen. Wie schon in München wurde ins Gasthaus eingekehrt. Statt ins Kneitinger ging es dieses Mal ins Regensburger Weißbräuhaus. Hier wurde geworben mit Bier aus eigener Herstellung, Fleisch und Wurst aus der eigenen Metzgerei und eigenem landwirtschaftlichen Anbau. Die beworbene Qualität wurde getestet und für die kommende Saison kann ganz klar eine Empfehlung ausgesprochen werden.

 

 

 

 

Besonders Bayern ist bekannt dafür, dass Touristen aus Asien sich die Schönheiten Europas binnen 24 Stunden zeigen lassen und somit auch in Scharen durch das südlichste und vermeintlich deutscheste Bundesland der Republik ziehen. So war es am Morgen auch nicht ganz klar, ob es sich bei am Hotel vorbei ziehendem Tross um jene Touristen oder dem Lee-Fanclub handelte, der von Spiel zu Spiel größer zu werden scheint.

 

Vor Anpfiff wurde es aber auch für CCK nochmal touristisch. Ein kleiner Abstecher zur Walhalla - einer Gedenkstätte für bedeutende deutsche Persönlichkeiten. Neben der stark ans Pantheon angelehnten Architektur, beeindruckte besonders der Blick über die Landschaft entlang der Donau. Den Eintritt in die Ruhmeshalle haben wir uns allerdings gespart, denn wir waren uns sicher, dass man unter den bedeutenden Persönlichkeiten keine Büste Patrick Herrmanns finden würde. Ein unverzeihlicher Fehler, der uns keinen Cent wert war.

 

Walhalla

 

 

Also direkt weiter zum Stadion, dass praktischerweise direkt an der A3 liegt und damit zu den verkehrsgünstiger gelegenen Stadien gehört. Leuchtend rot und hochmodern tauchte es am Horizont auf. Eine Schönheit ist es von aussen eher nicht. Auch wenn sich gegenüber dem letzten Besuch neue, beeindruckende Graffiti hinzugekommen sind. Aber schon damals fiel auf, dass die Akustik der engen Arena sehr gut ist. Heim wie Gästekurve sind dank des Daches und der steilen Kurve gut im Stadion zu hören.

 

 

 

 

 

Gegenüber des Pokalspiels standen Seydel statt Kapitän Kinsombi und Honsak in Vertretung für den Gelb-Rot-gesperrten van den Bergh in der Startaufstellung. Seit 2013 hat der Jahn nicht mehr gegen Kiel gewonnen. In der 2015 gebauten Continental Arena haben die Regensburger gegen Kiel sogar nur Niederlagen eingefahren. Die Statistik vorm Spiel sprach also für uns.

 

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Bereits nach wenigen Minuten konnte Seydel einige Offensivaktionen für sich verbuchen und zeigte bis zu seiner Auswechselung viel Engagement - leider ohne zählbaren Erfolg, trotzdem rechtfertigte er seinen Platz in der Startaufstellung. Insgesamt ließ einen die erste Halbzeit dennoch etwas ratlos zurück. Weder mangelte es an Unterhaltung, noch Chancen. Doch die Überlegenheit, die Kiel die letzten Mal an der Donau gezeigt hatte, fehlte. Die hoch stehenden Gastgeber machten es Holstein schwer. Den 9.700 Zuschauern, davon rund 150 aus Kiel, fehlten für einen höheren Unterhaltungswert lediglich die Tore.

 

Auch die zweite Hälfte begann zunächst wieder besser für die Störche. Doch je weiter die Zeit voran schritt, desto unsicherer wirkte das Kieler Spiel wieder. Die konsequente und starke Verteidigung von Regensburg ließ jeden Versuch in Führung zu gehen ins Leere zu laufen. Da war es auch kein Wunder, dass rund 20 Minuten vor Ende auf einmal nur noch der Jahn nach vorne spielte. Die Null stand dank einer Mischung aus Pech (Latte), mangelnder Präzision und dem beherzten Eingreifen von Kronholm, der sich gegenüber der ersten Hälfte deutlich gesteigert hatte.

 

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Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße, 19. August 2018, Endstand: 1:3

 

18. August 2018, 6 Uhr - Die Kieler Reisegruppe macht sich auf in Richtung Süden. Zu zwei dritteln vergleichweise spontan, die komplette Distanz mit dem Auto (dafür mit Fußball und Übernachtung in Franken), zu einem drittel ab Hamburg per Flieger direkt nach München. In Giesing finden die Norddeutschen wieder zusammen...

 

2. Juni 2015 - Allianz Arena. Das Rückspiel der Relegation zwischen der 3. Liga und der 2. Bundesliga ist gerade abgepfiffen. Die Löwen in erleichtertem Freudentaumel. Die Störche mit einer Mischung aus Stolz und Trauer. Drei Jahre und zweieinhalb Monate später schmerzte die Erinnerung gar nicht mehr so sehr. Auch, weil sich die Verhältnisse seit dem geändert haben. Der TSV, nach dem Fall in die Regionalliga und dem direkten Wiederaufstieg nun in der 3. Liga, empfing die KSV diesmal als Underdog. Ein weiterer Unterschied? Gespielt wurde nicht in dem Schlauchboot in Fröttmaning, sondern mitten in Giesing. Gibt es eine positive Sache am Abstieg der Löwen, so ist es vermutlich die Rückkehr an die Grünwalder Straße. 

 

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Lange war es 1860 aufgrund der hohen Auflagen in den beiden oberen Ligen nicht möglich, die Heimspiele in ihrem eigentlichen Stadion auszutragen. Nicht nur für die Anhänger des Vereins ein Umstand, der zu großem Bedauern geführt hatte. Fußballnostalgiker mussten auf die Spiele des Nachwuchses, vorzugsweise auf die kleinen Derbies 1860 II gegen FC Bayern II ausweichen.

 

Das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße, wie es heute offiziell heißt, geht zurück auf den 1911 eigens durch die Löwen errichteten Sportplatz. Schon damals gab es eine überdachte Holztribüne für 160 Zuschauer, Garderoben und Waschräume. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges wurde das Stadion regelmäßig erweitert. Schwere Kriegsschäden machten einen Wiederaufbau nötig. Bis heute wurde an dem Stadion immer wieder ausgebessert, ausgebaut und die alles dafür getan, dass die nötigen Auflagen erfüllt werden. Bekanntlich nicht immer mit Erfolg. Mal konnten Europapokalspiele an der Grünwalder Straße stattfinden, hatten sich die Auflagen zu Ungunsten der "Sechz'ger" geändert oder der Renovierungsstau konnte nicht aufgeholt werden, wurde ausgewichen, vor Existenz der Allianz Arena zum Beispiel ins Olympiastadion. Nicht selten stand auch ein möglicher Abriss zur Diskussion. Doch zum Glück wurden diese Pläne nie umgesetzt. Stattdessen wurde weiter saniert und mit dem Sturz in die Regionalliga kehrten die Löwen wieder in ihre Heimat in Giesing zurück.

 

Sportlich lief es in der Regionalliga derart gut, dass die Zuschauerzahlen alle Rekorde brachen. Am Ende waren an der Grünwalder Straße fast zehn Mal so viele Zuschauer, wie beim zweiten der Zuschauertabelle FC Augsburg II.
Auf Kieler Seite wurde die Auslosung mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Zu präsent waren die Erinnerungen an den Juni 2015 bei einigen. Außerdem war Kiel doch im Profitopf und so mancher hatte sich eine Dorftour zu einem Underdog gewünscht. Nun war München nicht gerade ein Dorf. Aber der Gegner war vor allem nach dem holprigen Start in die Drittligasaison, der Underdog. Die Favoritenrolle im Pokal war neu für die Störche. Ob dieser Umstand dazu beigetragen hatte, dass das Spiel zunächst einen unbefriedigenden Verlauf zu nehmen drohte, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Vielleicht war es aber auch die durch aus witzige Choreo auf der Westtribüne, der einen Löwen zeigte, der hinter einem Storch her war und ihm am Ende auch erwischte.

 

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Sicher ist, dass die erste Hälfte aus Kieler Sicht eher nicht so rühmlich verlief. Das Spiel war gerade mal sechs Minuten alt, als das erste Tor fiel - für die Gastgeber. Grimaldi brachte den Ball auf Karger, Schmidt und Kronholm ohne Chance. Eine kalte Dusche für die Gäste. Eine echte Reaktion ließ leider auch auf sich warten. Wer gehofft hatte, der Treffer der Münchener würde als Weckruf fungieren, der wurde enttäuscht. Holstein bekam die bissigen und ruppigen Löwen nicht in den Griff. So hatten auch die Störche vor noch nicht allzu langer Zeit ihre Spiele in der 3. Liga gewonnen. Ästhetik entwickelte sich keine auf und die Räume, die ein Lee in Hamburg noch hatte, wurden regelmäßig von 1860 dicht gemacht. Was schon Heidenheim im letzten Ligaspiel gut gemacht hatte – in erster Linie aufs Zerstören des Kieler Spiels aus sein - klappte auch bei diesem Pokalspiel hervorragend. Nach 45 Minuten rauften sich die Kieler auf den Rängen und auf dem Rasen die Haare. Ein Zweikampfquote von 29% sprach Bände.

 

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Halbzeit zwei begann deutlich kontrollierter aus Holsteiner Sicht. Die Gastgeber ließen zwar wenig zu und konzentrierten sich mehr darauf, den Spielstand zu verwalten als noch zu erhöhen, doch die Gäste konnten sich deutlich öfter als noch in der ersten Hälfte Platz erspielen. Besonders Lee und Schindler kamen zunehmend in Fahrt und spielten sich aufeinander ein. Das sollte sich noch auszahlen.

 

12. August 2018, Endstand 1:1

 

Die Zeitenwende an der Förde geht in die zweite Spielzeit. Während noch vor ein paar Jahren, der THW nicht auf Werbung angewiesen war und Holstein in der ganzen Stadt plakatieren musste, ist es inzwischen so, dass die Zebras sich mehr anstrengen müssen, die Halle voll zu bekommen, während das Holstein-Stadion sogar gegen den 1. FC Heidenheim heimseitig ausverkauft ist. Sicher würde auch noch locker mehr gehen, aber derzeit ist die Zuschauerzahl durch die Baustelle auf der Ostseite begrenzt.

 

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Die Gäste kommen für die Zeit des Umbaus in Block L unter, was zumindest akustisch eine deutliche Verbesserung für die Schlachtenbummler aus dem Rest der Republik bedeutet. Trotz der fanunfreundlichen Anpfiffzeit am Sonntag, um 15:30 Uhr hatte sich ein kleiner, optisch ansprechender Mob auf den Weg von der Brenz an die Förde gemacht.

 

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Die aufkeimende Lee-Mania führte im Übrigen dazu, dass auch einige asiatisch anmutende Menschen auf den Rängen auszumachen waren. Ob dieses allerdings einmal quer um die Welt gejettet waren? Egal, auf jeden Fall auch eine Sache, die es an der Förde so noch nicht gab. Liebe Stadion-Caterer: Bitte neben Fischbrötchen (weiterhin sehr dringend) auch an die südkoreanischen Gäste denken. Gerneeee. :D Der Bruder des südkoreanischen Neuzugangs ist übrigens gleich mit an die Förde gekommen: Als Berater, Dolmetscher,... Was er vom Maskottchen der Störche so halten soll, wusste er wohl selbst nicht genau, am Ende war es immerhin ein freudiges Staunen.

 

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Auf Kieler Seite wurde mit neuer Block-(501)-Fahne und einer blau-weiß-roten Choreo in die Saison gestartet. Großes Banner, blau-weiß-rote Schwenker – einfach, aber klar und gut. Gefiel auf jeden Fall sehr. Insgesamt war dem anwesenden Volk die Euphorie nach dem grandiosen HSV-Spiel anzumerken, wobei den Realisten recht klar war, dass der Auftritt im Volkspark nicht das normale Zweitligaspiel war. Aber drei Punkte und gleich mal paar Tore auf der Habenseite – wer will sich da beschweren. Dass es ob des breiten Kaders zu Härtefällen kommen würde, war den Fans vor der Saison schon klar. In Hamburg war es u.a. Dominic Peitz, beim ersten Heimspiel dieser Saison traf es auch Steven Lewerenz und Benjamin Girth, beide fanden sich auf der Tribüne wieder. Dafür rutschten Manuel Janzer und Aaron Seydel in den Kader.

 

Der 1. FC Heidenheim hatte sich nicht vorgenommen, in Holstein-Stadion etwas zum Spiel beizutragen. Lieber verschanzte man sich in der eigenen Hälfte und wartete geduldig ab, was Holstein so anzubieten hatte. Dass das die richtige Marschroute für einen Holstein-Gegner an diesem Tag war, konnte man bereits nah wenigen Minuten sehen. Holstein versuchte das Spiel zu gestalten und zeigte auch ein paar gelungene Kombinationen und lief die Gäste früh an. Das bot aber immer wieder Räume für die Heidenheimer. War es nach einer Viertelstunde noch Honsak, der Gästeschlussmann Kevin Müller prüfte, war Holstein kurze Zeit später unaufmerksam im Spielaufbau. Heidenheim schnappte sich das Leder, der Ball kam zu Glatzel, der keine Mühe hatte, die Führung zu erzielen. Die KSV zeigte sich aber keinesfalls beeindruckt, fünf Minuten später flog der Ball in den Strafraum der Süddeutschen, Serra brachte den Ball zu Lee, der keine Mühe hatte, seine erstes Störche-Tor zu erzielen.

 

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Die Kieler waren im Anschluss das dominante Team, so wirkliche Großchancen sprangen aber nicht heraus. Die Heidenheimer blieben selbst auch weiter gefährlich. Im Falle aller Fälle war Kenneth Kronholm aber auch dem Posten.
Nach der Pause war eigentlich alles bereitet für eine weiter wachsende Kieler Dominanz. Allerdings ging Johannes van den Bergh an der Mittellinie kurz nach Wiederanpfiff etwas zu rabiat zu Werke, was Schiedsrichter Storks mit der Ampelkarte quittierte. Diese Unterzahl brachte Holstein zunächst etwas aus dem Konzept. Honsak rückte für den fehlenden Außenverteidiger nach hinten. Viel ging jetzt für die Heidenheimer über die umformierte Kieler Seite, wirklich zündende Ideen hatte der Gast aber nicht. Die wenigen Kontersituationen spielte die KSV ebenfalls schlecht aus, sodass richtige Torchancen bis zur Schlussphase eher selten blieben. Dann aber hatte der FCH einige Chancen auf den Auswärtsdreier: Erst verfehlte Thiel in der 84. Minute nur knapp, schon in der Nachspielzeit bekam Schmidt im Sechzehner nicht genug Druck hinter den Ball, Minuten später setzte der Ex-Saarbrücker einen Kopfball gegen die Latte.

 
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